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Ingress der Sonne in den Wassermann Age of Aquarius … ?

Eine Wasserfrau! Aber das nimmt das Uranus-beherrschte Zeichen sowieso nicht so genau.Aquarius ©scrano 2016

Eine Wasserfrau! Aber das nimmt das Uranus-beherrschte Zeichen sowieso nicht so genau.
Aquarius ©scrano 2016 model: eirian

“When the Moon is in the seventh house and Jupiter aligns with Mars then peace will guide the planets and love will steer the stars”

Im berühmten Musical “Hair” wird so die Ankunft des Wassermannzeitalters eingeläutet …

Astrologisch ist diese Aussage natürlich völlig daneben – in jeder Hinsicht und mit dem Wassermannzeitalter hat sie ausserdem rein gar nichts zu tun. Die vieldiskutierte  Einteilung nach “Zeitaltern” wird durch die Lage des Frühlingspunktes zum Tierkreis bestimmt. Dessen Lauf durch die einzelnen Tierkreiszeichen in jeweils ca. 2000 Jahren geht bekanntlicherweise mit der Erdachsen-Präzession einher. Der Gesamt-Umlauf von 25920 Jahren wird auch als platonisches Jahr bezeichnet. Astrologen ordnen den zwölf einzelnen Abschnitten durchaus eine Bedeutung zu: Ein 2000-jähriger Durchlauf wird platonischer Monat genannt, das betroffene Zeichen prägt das irdische Kollektiv dann für diesen Zeitraum.

Betrachten wir die letzten drei platonischen Monate:

Im Stier war die Himmelskuh, die neolithische Revolution mit Einführung einer agrarischen Lebensweise und die Verehrung einer “Grossen Mutter” als Verkörperung des Landes von dem man lebt,  Thema. Kulturen wie die minoische erlebten ihren Aufstieg im Stierzeitalter, auch in der sehr schwelgerischen und hochstehenden Kunst mit Betonung des Weiblichen ist dies bereits zu erkennen. Die Zeichenherrscherin des Stier, Venus Pandemos, ist der Archetyp, nach dem diese weiblichen Gottheiten gestaltet sind. Der zweite Einflussfaktor in Kreta ist neptunisch (höhere Oktave der Venus) – Leben im Kollektiv, Seefahrt und kein Militarismus. Selbst Kretas Gründungslegende handelt vom Stier, auch der Schatten-Aspekt dieser Gesellschaft, der Minotaurus. Im Alten Reich Ägyptens stand der Stier für die grosse Himmelskuh Hator, ebenfalls eine Göttin des Urtyps “kriegerische Fruchtbarkeitsgöttin”, wie auch Ishtar/Inanna im Zweistromland. Um all diese Fruchtbarkeitsgöttinen spinnt sich auch eine Legende  im Zusammenhang mit dem Mythos des Himmelsstiers. Kupfer und Bronze (Venus) sind die vorherrschenden Metalle.

Schliesslich stand der Widder zunächst für den Aufstieg der Viehzüchter-Nomadenkulturen (Schafhirten) im nahen Osten. Die Völker wenden sich zusehends dem Mars, Herrscher des Widder zu, besonders nach der Einführung des Eisens, seinem Metall. Eroberungen nehmen zu, es gibt erste aggressive Völkerwanderungen, unter anderem die Zeit der Seevölker, wikingerhafte Vorfahren der Philister und Achäer. In der Religion wird das männliche Element betont, schliesslich sogar zum Weltschöpfer stilisiert. In Ägypten des mittleren Reichs findet eine zunehmende Militarisierung statt, auch durch Einfälle von Wüstenvölkern, wie der Hyksos. In der Religion am Nil vollzieht sich ebenfalls ein Wandel: Der immer mehr dominierende männliche Schöpfungsgott Amun hatte ebenfalls Widder-Hörner, im grossen Tempel von Karnak steht eine ganze Allee von solchen Widder-Sphingen. Pharaonen nennen sich nun “dem Amun gefällig”, z.B. Amen-hetep. Der Schafbock spielt in den alten Kulturen dieses Zeitraums eine grosse Rolle, als Opfertier (Isaak und Abraham), als Lebens-Symbol, in Mythen (Goldenes Vlies) und als Lebensgrundlage.

Der Übergang vom “Lamm Gottes” zum ICHTYS (griechisch: Fisch) des Christentums vollzog sich pünktlich mit dem Vorrücken des Frühlingspunkts in die Fische. Plötzlich schossen Erlöser-Religionen wie die Pilze aus dem Boden, vorher breitete sich noch neptunischer Glamour über die Welt, durch das immer noch glanzvolle Imperium Romanum. Im Vorfeld des Christentums machten sich bereits Pythagoras, Buddha, Mysterienschulen wie Orphiker oder der Kult von Eleusis, die Mithras-Religion, die das astrale Stier-Thema im übertragenen Sinn noch einmal aufgriff, und schliesslich der Kult der mütterlichen Isis Gedanken über die Erlösung des Menschen aus dem irdischen Gefängnis.  Alle diese Philosophien und Kulte thematisierten in ihrem Kern bereits eine Wiederauferstehung der Seele oder zumindest ein erleuchtetes Weiterleben im Jenseits. Das Christentum hatte in dieser Vielfalt an spirituellen Heilslehren anfangs nur einen bescheidenen Rang, allerdings einen grossen Vorteil: Es bot sozusagen Mysterien für alle, da keine Einweihung notwendig war, ausser der Taufe. Mönchstum und einsiedlerische Askese, sowohl im Buddhismus als auch im Christentum kennzeichnen ebenfalls eine Religion des 12.Hauses (Abgeschiedenheit, Weltferne, Selbstverleugnung), in dem die Fische herrschen. Massenhysterie, Glauben statt Wissen und neptunische Nebelschleier über den Fakten – die Schattenseite des Fischezeitalters. Auch die vollständige Unterwerfung unter Gottes Willen, wie im Islam gefordert, und das Märtyrertum (christlich, muslimisch)  gehören zu den Kennzeichen der Erlösertraditionen. Und die Messianitis hat noch kein Ende gefunden. Sportidole, der Glanz der Leinwandhelden – silver screen, Neptuns Projektionsfläche. Propaganda, Werbung – Lügen von Politikern, glanzvoll inszeniert. Das neue Kollektiv heisst Internet.

… und das Wassermannzeitalter, leben wir bereits darin? In der Vorläufer-Phase bestimmt, der Transit zieht sich über wenigstens eine komplette Generation, die Eintrittspunkte sind auch nicht so genau bestimmt, es sind eher Zonen. Wann da ein “Vollzug” gemeldet werden kann, ist mehr erspürbar als berechenbar, eine Art kollektiver Intuition, oder eine Ereigniskette grösseren Ausmasses. Wie bei den Erlöserreligionen (Buddha, Orphiker) kann schon einige Jahrhunderte vor dem Transit eine Art Initialzündung stattfinden, oder subtiler, eine Untergrundströmung entstehen, die den Wandel anzeigt. Für uns stellt das Schlüsselereignis wohl die Aufklärung (Initial: Renaissance, frz. Revolution. Gesellschaftliche Strömung: Demokratisiereung, Industrialisierung) dar. Der Prozess läuft noch, mit all seinen Schwierigkeiten, die er mit sich bringt, das Alte weicht nicht so einfach oder gar gewaltlos. Das neue Zeitalter hat dann auch seine Tücken:

Schliesslich noch die Tarotsymbolik des Wassermanns:

  • “Der Narr” … wo Engel nicht zu schreiten wagen, unbekümmerter Freiheitsdrang und Vorwärtsstreben – allerdings in mentalen Dingen, nicht in physischen wie beim Widder . Es ist nicht der athletische, eher der Prometheus-Typ dargestellt. Die Instinktnatur in Gestalt des Hundes wird ignoriert.
  • “Der Turm” … das wohlgeordnete, aber als einengend empfundene saturnische Gebäude wird vom Blitz des Uranos zerstört, auch dies ein mentales Konzept: Die zündende Idee, die alte Ordnung wird “gesprengt”. Dieser Vorgang ist durchaus angstbesetzt, denn ein  Fluch der alten Chinesen lautet : “Mögest Du in interssanten Zeiten leben!” Revolutionen, Umwälzungen und persönliche Katastrophen, die das Leben des Individuums auf den Kopf stellen. Es ist aber auch eine Warnung vor Hybris (Turmbau), die  jod-förmigen Tränen sind als göttlicher Feuerregen deutbar – jod ist der führende Buchstabe im Namen JHWH – יהוה
  • “Der Stern” … eine neue Hoffnung,wie es bei “Star Wars” heisst. Dies ist die eigentliche Wassermann-Symbolik, eine androgyne Figur (der Nilgott Hapi oder der regenspendende Ouranos) giesst Wasser aus zwei Krügen auf das Land (direkt vom Himmel) und in ein Gewässer (die Nilschwemme folgt dem Regen in seinem Quellgebiet). Die achtzackigen Sterne und deren Zahl hängen mit dem Sirius-Mythos und seiner Bedeutung für die Nilflut zusammen. Der Bennu-Vogel im Hintergrund rechts ist ein altägyptischer Vorläufer des Vogel Phönix.

der-narr der-turm der-stern

Betrachtet man die Symbolik der drei Karten, und bedenkt den chinesischen Spruch, erkennt man dass das vielgelobte Wassermannzeitalter nicht unbedingt von “Love and Peace” erfüllt sein wird, sondern vielleicht von Chaos, gefährlichen Experimenten und geistiger Arroganz … bevor das uranische Prinzip in die Gesellschaft und das Leben des Einzelnen integriert werden kann. Da dem Wassermann das Individuum im Vergleich zum abstrakten “Grossen Ganzen” unwichtig ist, braucht man auf Empathie auch nicht hoffen. Immerhin wird vielleicht das verlogene “Licht und Liebe” Ideal von echter Freunschaft und Ehrlichkeit zwischen den Menschen abgelöst.

Das Hippie-Musical Hair bezieht trotz des “Age of Aquarius” Songs seine Grundaussage, nämlich All-Liebe, Mystik, Frieden und kollektive Lebensweise, sowie seine Anziehungskraft aus dem neptunischen Fische-Zeichen, genau wie das zur selben Zeit entstandene “Jesus Christ Superstar”.  Daher sollte man eine rosa Brille noch einmal überdenken: “…be careful, what you wish for !”

Die Uranus Mythologie ist gewalttätig, bevor mit der Venus aus seinem Phallus ein schöpferischer Archetyp entsteht, dem man sich ohne Lebensgefahr nähern kann. Das transaturnische, kreative Kollektiv-Prinzip Uranus hat seine Erhöhung nach Ansicht vieler Astrologen im Skorpion – es bringt die transformatorischen Bestrebungen des Skorpion/Pluto/8.Haus Themas voran. Und dort sitzt bekanntlich auch das Schattenreich des Zodiak, und es müssen Dinge und Leben enden, um Platz für Neues zu schaffen. Jede Revolution fordert Opfer.

Posted by on Januar 14th, 2017 Kommentare deaktiviert

Solar Fire: Räucher-Ritual zur Wintersonnenwende

Sonnenfeuer - Winterglanz

Sonnenfeuer – Corona
©scrano 2015

Prolog im Himmel, Goethe: Faust I

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.

Flammenfraktal im Wortsinn, das die Sonne mit der brüllenden Kraft ihrer Magnetosphäre darstellt. Ohne Sonne kein Leben, daher sehnen wir uns nach der langen winterlichen Dunkelheit instinktiv nach ihr.

Ein bisschen Sonne ins Haus holt uns jetzt eine Räucherung beim warmen Licht echter Bienenwachskerzen. Die Biene vereint lunare*** und solare Elemente in echter Harmonie. Sie schenkt uns das Wachs mit seiner Heilwirkung und dem Licht, das es uns als Material für Kerzen spendet.  Das regelmässige Sechseck der Wabe: Ein Sonnensymbol, wie das Zentrum des Hexagramms, dem sechs-Stern, der das klassische Sonnensystem der Alchemie darstellt. Und erst der Inhalt: Der Honig in seiner goldenen Pracht wirkt schon wie eingefangener, flüssiger  Sonnenschein, darin gleicht er dem Bernstein, ebenfalls ein solares Naturprodukt, das vom Harz schon längst fossilierter Nadelwälder stammt. In diesem ebenfalls goldenen klebrigen Saft steckt die Essenz der Bäume, die einen sehr effektiven, lebendigen Speicher der Sonnenenergie darstellen.

  • Daher gehört der Bernstein zu einer solaren Räuchermischung hinzu, ebenso der Weihrauch, auch ein Harz.
  • Dazu kommen Rosmarin und Zeder, Zitrusschalen, Calendulablüten, Gewürznelken, Zimt und Calmuswurzel, welche als belebend und erwärmend gelten. Auch der Ingwer zählt zu den solaren Mitteln, aber eher als Süssigkeit oder im Tee. Der Rauch ist unangenehm scharf, da zeigt sich Mars. Daher eignet sich Ingwer, wie auch das ebenfalls solar-marsische Johanniskraut eher für Rituale im Freien, bei denen der Winter ausgetrieben werden soll.
  • Pflanzen mit einer Sonnen- Signatur besitzen häufig fette Öle, z.B. Sonnenblume oder  Lorbeer, der Sonnenpflanze der alten Griechen: Wahrzeichen des Apollon. Lorbeerblätter kann man auch verräuchern, zusammen mit Weihrauch, Fichtenharz  und Wacholderbeeren, die marsisch-abwehrend wirken. Eine Vielzahl an solaren Gewächsen sind auch Herzmittel, wobei sie verstärkt tonisierend wirken: Korrespondenz zum Zeichen des Löwen und den Eigenschaften des 5. Hauses.

Die Sonne steht in unser aller Zentrum, ihre Symbolik sollte daher verbinden und nicht trennen: Mit einem solaren Räucher-Ritual kann man alle Aspekte des Mittwinterfestes, der Zeit der Wintersonnenwende recht gut vereinen. Die alte naturreligiöse Tradition nördlich der Alpen und die römisch-christliche Feier des Jesus-Kindes als Licht der Welt, Sol Invictus. Religion heisst nicht umsonst Rückverbindung. Allerdings sollte hier den positiv spirituellen Elementen von Licht und Wärme gehuldigt werden, und nicht den verknöcherten Dogmen. Die braucht keiner. Die lässt man am Besten von den Perchten der ebenfalls am Sonnwendstag, dem 21. Dezember , beginnenden Raunächte verscheuchen.

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©kmygraphic
 
**Lunares Element des Bienenvolkes ist ihre Gesellschaftsform als matriarchales Kollektiv, daher ist auch der saturnische (Struktur, Gegenpol des Mondes) und der neptunische (Aufgabe der Individualität, Gegenpol des Merkur- fliegende Geschöpfe) Archetyp vertreten. Wie bei den Borg, die allerdings mit ihrem kriegerischen Expansionsdrang eher den Ameisen gleichen, bei denen das Mars-Element ebenfalls mehr in den Vordergrund tritt. Die Biene hat zwar einen marsischen Stachel, stirbt aber wenn sie ihn einsetzt, ein allerletztes Mittel also. Bienen besitzen marsische und  venerische Züge, da sie Blüten befruchten.  Pollen=Mars, Frucht=Venus.
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Bernsteingold: Fraktales Weihnachtsbäumchen -
Fichtenharz ist ein beliebtes Räuchermittel – Sonne/Uranus, Mars/Venus.

 

Posted by on Dezember 20th, 2016 2 Comments

Mitten im kalten Winter: Yule – Rauhnacht – Sonnenkind

Funken des Yul_Feuers bringen das neue Licht ins Heim.

Funken des Yul_Feuers bringen das neue Licht ins Heim.
Yul Embers ©scrano 2014

When the Wheel begins to turn, let the Beltane fires burn.
When the Wheel has turned a Yule, light the Log and let Pan rule.

WINTER SONNWENDE – YULE

Im nordisch-germanischen Neuheidentum (z. B. Asatru) ist das altgermanische Julfest eines der drei Eck-Feste im Jahr und man versucht auf das Brauchtum zurückzugreifen, das man aus den Überlieferungen noch rekonstruieren kann:  z. B. Wilde Jagd oder Raunächte, um die Julzeit und das Mittwinterfest zu begehen. Als Datum kommt hierfür entweder direkt die astronomische Sonnwende am 21.12. oder der Tag des ersten Vollmonds danach in Frage, welcher Julmond heisst. Deneben gibt es noch das Haakon dem Guten zugeschriebene Datum am 25.12.  Daher ist das Julfest wohl nicht nur dem solares Kalender zuzuordnen. Unter Umständen ist die Zeit der Raunächte auch ein Versuch den Sonnen- und den Mondkalender zu synchronisieren, wie man es auch schon jungsteinzeitlichen Bauten wie Stonenhenge als ein möglicher Verwendungszweck zuschreibt. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage. Wie in allen einfachen, „nicht-interkalierenden Lunisolarkalendern“ (also allen Mondkalendern ohne Schaltmonate, wie man sie in bäuerlichen Kulturen findet), werden die auf die 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage – beziehungsweise zwölf Nächte – als  Tage „außerhalb der Zeit“, eingeschoben. Von solchen Tagen wird in der zugehörigen Kosmologie angenommen, dass die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und daher die Grenzen zu anderen Welten durchlässig würden. In vielen Kulturen, die so ein Kalendersystem verwenden, verbindet sich diese Zeitspanne oftmals mit Tabus, Ritualen und Volksmythen. Es wird auch vermutet, dass die Bräuche um die „Winterauskehr“ am Ende des Faschings in diesem Zusammenhang stehen: Sie simulieren eine Interkalation bezüglich des Jahresbeginns mit dem Frühlings-Äquinoktium. Besonders deutlich findet sich das in den römischen Saturnalien und Lupercalien.

Gefeiert wird das Wiedererstarken der Sonne und das Längerwerden der Tage, da dieser Wechsel seit Menschengedenken überlebenswichtig ist, vor allem für die Saat und Ernte. Der Julmond, der auch Nytungl (Neuer Mond) oder Nykung (Neuer König) heißt, wird mit dem rituellen Jultrinken begrüßt. In der christlichen Weihnachtsliturgie war früher die sogenannte Johannisminne, ein rituelles Zutrinken, üblich, am 27. 12., dem Feiertag des Evangelisten Johannes.  Zu den verwandten Bräuchen kann man auch den Wassail rechnen, wie er in Schottland noch üblich ist, oder auch in Teilen Bayerns als Flursegen angewandt wird. Dort besprengt man die Flur bzw die Apfelwiesen mit Milch oder Most aus der vergangenen Ernte. Der Julmond im Januar kennzeichnet den Beginn des neuen Jahres. Man sieht die Rauhnächte zwischen Wintersonnenwende (Mütternacht) und Dreizehnttag (Perchtennacht) als eine zwölftägige Friedenszeit, in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Stechpalme, Kiefer, Efeu, Wacholder geschmückt werden, denen man schützende und heilende Kräfte zuschreibt. Das Haus wird geräuchert mit den Worten „Glück ins Haus – Unglück hinaus,“ oder “Evil shall leave and not enter”, wie es im Original heisst.  Der „Julbock“, wird aufgestellt, sehr zur Freude der Kinder: Ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, wahrscheinlich ein Fruchtbarkeitssymbol. Dieser lässt sich vielleicht auf die Ziegenböcke des Gottes Thor zurückführen, die seinen Wagen ziehen. Er bringt auf seinem Rücken noch heute in Skandinavien die Geschenke. Gastfreundschaft soll schon früher ein wichtiges Element der Julzeit gewesen sein, so soll das Haus den Gästen offengestanden haben, die ein und aus gingen und reich bewirtet wurden. Zudem ist es ein Brauch, einen großen Holzklotz – den Julklotz – aus dem Wald zu holen, und ihn zwölf Tage und Nächte brennen zu lassen. Vergleichbar mit dem Volksbrauch, Feuerräder bzw. Osterräder von Bergen abzurollen, werden von Anhöhen brennende Sonnenräder, mit Stroh bespanntes Holz oder geflochten, herab gerollt. Als Kinder haben wir kleinere solche brennende Reifen mit Hilfe von Haselstöcken durch den Ort gerollt, im schwer katholischen Bayern! Überhaupt sind hier die Raunachtsbräuche noch sehr lebendig. Perchtenlauf, Räuchern und etliche Tabus in der Zeit zwischen der Zeit werden hier noch in breiter Vielfalt und grosser Selbstverständlichkeit praktiziert. Nicht erst als neuaufgelegte Touristen-Folklore oder als ärgerliches Rudiment aus der Nazi-Zeit. Die enorme Vielfalt des lokalen Brauchtums legt ausserdem die Annahme vorchristlicher Ursprünge nahe, leider ohne dass heute noch feststellbar wäre, wo die jeweiligen kulturellen Wurzeln tatsächlich liegen. bzw. wie weit sie zurückreichen. Germanische Bezüge vieler Raunachtsvorstellungen sind aber naheliegend, denn zu dieser Zeit soll sich nämlich in der germanischen Vorstellung auch Wodans alljährliche Wilde Jagd abgespielt haben, in der die Geister der Verstorbenen mit Odin/Woden/Wotan über das Land ziehen sollten:

Im Zentrum der  Zwölfnächte, nämlich zu Silvester, steht dann Woden’s “Wilde Jagd”. Zu dieser Zeit stehe die “überirdische Anderswelt” endgültig in Verbindung mit der Menschenwelt und die Seelen der Verstorbenen dürfen Kontakt aufnehmen. Dieser Glaube, dass zu sich zu dieser Zeit das Tor zum Geisterreich öffnet, zog Bräuche wie das Stehenlassen von Essen für die Geister (dumb supper) oder das Verbringen von Essen in die Megalithanlagen z.B. Bretagne, britische Inseln, mit sich. Auch für Odins Pferd Sleipnir stellte man Nahrung vor die Tür. Ebenfalls in den Rauhnächten spielt das Märchen um Frau Holle (Berchta, Perchta), die eine deutliche Verwandschaft zur germanischen Totengöttin Hel hat. Aber nicht nur in Regionen nördlich der Alpen wurden solcherlei Glaubensvorstellungen gepflegt: Auch die Römer kannten entsprechendes Brauchtum, ebenso verbreitet ist es in Griechenland oder Osteuropa, also in grossen Teilen des  indoeuropäischen Sprachraums. Erdhafte und unterweltliche Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd einherziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Ost-Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten. Die Bräuche zu den verschiedenen “Zwischenzeiten” des Jahres ähneln sich sehr: Es existieren Übereinstimmungen z.B. zwischen dem Rauhnachtsbrauchtum und dem von Samhain oder All Hallows Eve” und den graeco-römischen Feiern der Erntefeste, an denen auch “Mundus Cereris Patet“: Saturnalia, Lupercalia.

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Krampus, auch ein Weihnachtspercht,
der manchmal schon mit dem Nikolaus kommt.
Er ähnelt dem Habergoas. quelle:wikimedia

Diese Umsetzung solcher Vorstellungen spiegelt sich besonders in den Perchtenläufen des Alpenraums wider. Dort gibt es allerlei teuflisch erscheinende Gestalten, die Schiechperchten, zum Beispiel den Habergoas, eine Mischung aus Pferd und Ziegenbock, ersteres ein Symbol Wodens, der Bock ein Tier des Thor. Die sogenannten Holzperchten schlagen besonders die Mädchen mit Haselzweigen, wohl eine Variante des “Quickens“, ein Fruchtbarkeitsritual. Auch die Hasel gehört zu Thor, der als Fruchtbarkeitsgott der Feind des Winters war: Im hohen Norden beteten die Menschen zu ihm, dass er die grimmigen Eisriesen mit seinem Hammer möglichst bald zerschmettert.  Eine andere Form der Perchten, aber regional davon getrennt und eigenständig sind die schellenbehängten Schepperer oder Glöckler. Auch der Brauch, zu Silvester Lärm zu erzeugen (Silvesterfeuerwerk), sollte die Unholde fernhalten, im Alpenraum wird in allen Rauhnächten auch geböllert. Wobei nicht nur der Lärm, sondern auch der Schwefeldampf des Schiesspulvers die üblen Geister vertreiben soll.

Je nach Region unterscheidet sich die Anzahl der Rauhnächte zwischen drei und zwölf Nächten. Als die vier wichtigsten Rauhnächte werden bezeichnet:

  • 21./22. Dezember (Thomasnacht, die Wintersonnenwende) (längste Nacht des Jahres)
  • 24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht, Vigil von Weihnachten)
  • 31. Dezember/1. Januar (Silvester)
  • 5./6. Januar (Epiphanias, Erscheinung des Herrn)

In manchen Gebieten wird die Thomasnacht nicht hinzugezählt, obwohl hier der alte heidnische Bezug noch extrem deutlich ist:

“Der Thama mit’m Hamma”

Die Nacht vor Thomas (21. Dezember) ist eine der wichtigsten und eigenartigsten Losnächte. Er ist recht volkstümlich, der “Thama mit’m Hamma”. Er erinnert deutlich an den hammerschwingenden, wetterbeherrschenden Gott der Germanen Thor/Donar, der mit seinem Hammer Mjölnir an die Wolken schlug und damit den Donner erzeugte. Der blutige Thamerl, wie er bei uns genannt wurde, war besonders als Kinderschreck gefürchtet.

Auch die seltsame Luzier: Hl. Lucia, am 13. Dezember gefeiert, gehört eigentlich noch zu den Raunachtsgestalten. Der 13. Dezember war früher ein wichtiger Tag für die traditionellen Feierlichkeiten der Sonnenwende, denn bis 1752 fand die Wintersonnenwende (z.B. in Schweden) an diesem Tag statt. Die Sichel der St.Lucia, als Symbol ihres Märtyrertums,  wird nun zum Drohwerkzeug für unartige Kinder, wie der Thorshammer des “Thamerl”. Diese Sichel kann man auch als Symbol des Saturn, als Herrn der Zeit und Schnitter Tod interpretieren, oder als Mondsichel der “Grossen Göttin”. Zur Deutung als Saturnsymbol kommen noch Janus und Terminus dazu, die in der Römerwelt für die räumlichen und zeitlichen Grenzen zuständig waren. Beide Gottheiten standen mit Saturn in Verbindung. Besser kommt Lucia in Schweden weg, hier wird ihr Gedenktag als Lichterfest gefeiert, vor allem für die Töchter der Familien ein Spass: Die älteste Tochter weckt weiss bekleidet, mit einer Lichterkrone auf dem Kopf, morgens die Familie und serviert ihnen Frühstück bei Kerzenschein: Vor allem Safrangebäck, ein Symbol der Sonne. Diese süssen Kringel, auch als Lussekatter=Luciakatzen bezeichnet, können auch ein Hinweis auf aur nordische Göttin Freya sein, deren Himmelswagen ein Katzengespann zog. An diesem Tag wird das berühmte Lucia-Lied gesungen, das von der Wiederkehr des Lichtes handelt, auch ein Bezug zum alten Datum der Sonnwende.

Die Etymologie, also die sprachliche Wurzel,  des Wortes Rauhnacht ist umstritten. Eine Möglichkeit stellt das mittelhochdeutsche Wort rûchhaarig‘ dar,  das es in der Kürschnerei als Rauhware oder Rauchware für Pelzwaren heute noch gibt. Es würde sich dabei auf die mit Fell bekleidete Schmutz- oder Schiechperchten beziehen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben, oder aber vielleicht auf Rituale rund um das Nutzvieh. Wie zum Beispiel das Räuchern der Ställe mit dem Johannisbuschen des Sommers. Das würde aber auch die andere Herleitung des Wortes liefern: Rauch-Nacht, vom Haus-und Hof -Räucher-Ritual abgeleitet, das von der Bäuerin ausgeführt wird. Die alternative Bezeichnung Glöckelnächte bezieht sich auf das „Glöckeln“, von Tür zu Tür gehen und anläuten, einen Einkehrbrauch, der auf der Sage beruht, dass entweder Thor oder Odin zu dieser Zeit die Gastfreundschaft der Menschen überprüfe, und je nach Ausübung oder Verweigerung belohne oder bestrafe. Wie auch Frau Holle im Märchen.

Die Rauhnächte als Quasi-Niemandszeit sind auch für das Befragen von Orakeln geeignet. Im Silvesterbrauchtum wird dieser Glaube – wenn gleich mehr aus Spass und Geselligkeit – in Form des Bleigießens (das Metall Saturns, des Herrn der Grenzen und der Zeit)  bis heute weiter gepflegt. Tiere im Stall sollen um Mitternacht mancher Rauhnächte die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen – wer die Tiere allerdings sprechen höre, sterbe unmittelbar danach. Ein bisschen blitzt da noch das sprechendes Odinspferd, der achtbeinige Sleipnir, oder Fallada aus dem Märchen “Die Gänsemagd” durch.  Mancherorts dürfen sich die Tiere bei einem Hausgeist über ihren Herrn beschweren: Hat er sie im letzten Jahr schlecht behandelt, wird er bestraft. Heinzelmännchen, Laren und Manen lassen grüssen!

Die vier wichtigen Rauhnächte galten mancherorts als derart gefährlich, dass sie mit Fasten und Gebet begangen wurden. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen (welche die wilden Reiter stehlen würden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benützen). Es durften keine Wäscheleinen gespannt werden, da sich in diesen die wilde Jagd verfangen könnte. In einer anderen Version ist dies besonders (jüngeren) Frauen verboten. Durch das Aufhängen von weißer (Unter-)Wäsche würde die wilde Jagd angelockt und dann über diese Frauen „herfallen“. Wohl eine Art Angst vor “Incubi” oder Besessenheit.  Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein. Beide galten als besonders anfällig für Hexerei, als Opfer und Täter. Darüber hinaus darf nicht Karten gespielt werden. In manchen Gegenden des Ostalpenraums wurden diese Vorschriften von Perchten überwacht.

Diese Tabus sind wohl der Dämonisierung des älteren Brauchtums durch die Christianisierung zuzuschreiben: Die Götter der alten Religion sind häufig die Teufel der neuen. Vor allem weil einige Yul- oder Raunachtsbräuche mit Fruchtbarkeit zu tun haben, oder auch mit Orakelbräuchen, die vielleicht mit dem Genuss von Pilzdrogen, wie der Amanita muscaria einhergingen: Das mochten die sittenstrengen Kirchenlehrer wohl gar nicht dulden.

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Wintersonnenwende – Mutternacht. Das Leben kehrt zurück.
Modranecht ©scrano 2015

Doch zurück zum Neuheidentum:

Auch in der teilweise auf keltischen Überlieferungen*** basierenden Wicca-Religion ist das Julfest eines der 8 Feste des Jahreskreises, an dem mit der Wintersonnenwende die Wiedergeburt des an Samhain gestorbenen gehörnten Gottes bzw. der Tod des Winter- oder Holly Kings (Winterhalbjahr) und dessen Ablösung durch den Oak King (Sommerhalbjahr) gefeiert wird. Holly (Ilex, Stechpalme) und Oak (Eichenlaub) stehen auf den britischen Inseln als Symbole für den Winter und Sommer. Das sieht man auch an den vielfältigen Darstellungen der sogenannten “Green Men”, welche die Vegetation oder Herne, den Geist des Waldes, einer Art Kreuzung aus Odin, Cernunnos und Jennerwein***, versinnbildlichen.

Die Nacht dieses Wechsels wird als in der Zeit gefrorener Moment begriffen: Die Welt hält einen Moment den Atem an. Im Kessel der “Grossen Mutter” wird das Licht neu geboren, aus dem “Dunklen Winterkönig” wird das Sonnenkind.  Dieses Symbol der zunehmenden Tageslänge ist das Versprechen auf einen neuen Sommer voller Licht und Wärme. Die Göttin beginnt einen neuen Zyklus im ewigen Kreislauf, wobei sie sich wieder zu ihrer “jungfräulichen” Form transformiert.  Auch hier spielt das Feuer, z.B. der Jul-Block (nicht Bock!) und das Räuchern im Ritual eine zentrale Rolle. Die traditionellen Weihnachtsfarben: Gold, Grün und Rot kommen ebenfalls zum Einsatz, sie repräsentieren Licht und Leben.

Zum Räuchern als Ausleitung des alten und Einleitung eines neuen Lebenskreislaufs werden Pflanzen mit Korrespondenzen zum Feuerelement oder der Sonne verwendet:

  • Zimt, Nelken, Weihrauch, Myrrhe aber auch Zedernholz und vor allem Lorbeer für den Gott in seiner Form als Sonnengott und Lichtgott Apollon oder Bel/Balder und Rosmarin für die Göttin in ihrer Repräsentation als Artemis/Brigid/Freya.
  • Der Lorbeer hat als heilige und heilende Pflanze eine lange Tradition: Schon die Orakelpriesterinnen in Delphi verwendeten ihn, wahrscheinlich schon in der Zeit der alten Erdgöttin Python, bevor Delphi zum Orakeltempel des Apollon wurde. Zu Heil- und Reinigungszwecken eingesetzt wurde Lorbeer  im Heiligtum des Asklepios und bei Ritualen zu Ehren der Göttin Ceres oder der keltischen Cerridwen. Der Rauch des Lorbeer hat eine erdhafte und eine sprirituelle Note.
  • Auch mit Salbei wurde und wird in der Zeit geräuchert, ein Brauch, der ebenfalls aus dem Mittelmeerraum stammt. Nicht verwechseln mit “Sage” dem Steppenbeifuss der amerikanischen Ureinwohner.

Viele der anderen genannten Düfte sind uns bereits aus dem allgemeinen Weihnachtsbrauchtum vertraut. Sie wirken stimmungsaufhellend und vertreiben die Schatten des Winterblues. Es ist die Zeit der Neuanfänge und um die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Jetzt wird das Samenkorn für ein gutes neues Jahr gepflanzt. Wir können Bernstein oder Tigerauge als Glücksbringer verschenken, die sowohl die Sonne als auch den glücklichen Wechsel versinbildlichen.

In allen Traditionen, sei es nun historisch oder neuheidnisch, aber auch traditionell christlich wird in dieser Zeit gefeiert und die Hoffnung auf gute Zeiten ausgedrückt.

Häufig auch durch Geselligkeit bei gutem Essen:

  • Truthahn, Gans, reichhaltiges Gebäck wie Stollen und Früchtekuchen, Glühwein oder Punsch.
  • Und natürlich darf der sonnenhafte Met aus dem Honig des Sommers nicht fehlen, am Besten als Heissgetränk.

 

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***Die herrschende Vorstellung der kosmischen Eltern, einer Allmutter (der mondhaften Göttin) und eines solaren Jahresgottes (der Vegetation) ist relativ generisch. Viele Wicca haben ihr individuelles Götterpaar, wobei auf unterschiedliche Kulturen zurückgegriffen wird: Graeco-Romanische, Nordische, Keltische oder Slawische Traditionen, beispielsweise. Sogar eine christlich geprägte Variante mit Maria und Jesus als Mutter/Sohn Paar gibt es in den USA. Da Maria oft mit der Mondsichel abgebildet und Jesus als wiedererstehendes Licht gefeiert wird – für naturreligiöse Christen erscheint diese Tradition nicht abwegig.
  • “Alle Göttinnen und Götter sind eine Göttin und ein Gott”.
Somit handelt es sich beim Wicca um naturreligiös motivierten Pantheismus. Die Ritualistik hat allerdings deutliche Bezüge zum inselkeltischen Brauchtum, aber auch zum Freimaurertum und zu hermetischen Orden, wie “Golden Dawn”.
***Herne,the Hunter aus Shakespeares “Merry Wives of Windsor” hat wohl Wurzeln sowohl in einer historischen Figur, dem berüchtigten Wilderer Richard Horne, aber auch bei mythischen Gestalten wie Odin mit der Wilden Jagd. Er ähnelt damit Robin Hood, oder Figuren des Nibelungenliedes und der Artus-Sage. Odin als Waldgeist kennen wir im Märchen in der Gestalt des Rübezahl.
 

christmas_flower_by_kmygraphic-daroyvx Animation: ©kmygraphic

Posted by on Dezember 19th, 2016 2 Comments

Wintersonnenwende, Lichterfest und brüderliche Tradition

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Vom Dunklen ins Licht!
Wendepunkt des Jahres: Wintersonne. ©scrano2015

Aus meiner Zeichnung anlässlich des Winterjohanni, dem Lichterfest der Freimaurer. Diese besinnliche Feier zum Jahresausklang wird meist mit einer sogenannten weissen Arbeit begangen, an der auch Schwestern (die Gattinnnen der Brüder) und Gäste (Suchende, Freunde der Brüder) teilnehmen können. Sehr geehrte Anwesende, Liebe Schwestern, liebe Brüder, in meiner Zeichnung möchte ich mich mit Gedanken zum Winterjohanni auseinandersetzen.

  • Treibt der Konsumwahnsinn in der Vorweihnachtzeit nicht seltsame Blüten?
  • In Geschäften werden Lebkuchen und Spekulatius schon ab Ende August angeboten.
  • Bis zum Heiligen Abend werden noch verzweifelt Geschenke gesucht, um nicht ohne ein kleines Mitbringsel bei den Verwandten und Bekannten das Fest feiern zu müssen.
  • Was vom Brauchtum übrig blieb – Hektik und oftmals Streit in der Familie.

Weder taugt dieses alljährliche Szenario, um eine der Jahreszeit entsprechende Stimmung  aufkommen zu lassen, noch um sich einer gewissen besinnlichen inneren Einkehr zu befleißigen – vom christlichen Fest der Liebe ganz zu schweigen.

Lasst uns daher das Johannifest als einen Moment des Innehaltens in dem geschäftigen Treiben verstehen, der uns auch mit unserer Tradition verbindet: Denn Johannes der Evangelist, der dem Fest den Namen gegeben hat, war im Mittelalter noch fester Bestandteil des Liturgischen Kalenders und im Winter- und Weihnachtsbrauchtum verankert. Winterjohanni war eine volkstümliche Bezeichnung für den Gedenktag des Evangelisten Johannes (27. Dezember) im Gegensatz zum sommerlichen Johannistag (24. Juli), der Johannes dem Täufer gewidmet ist. Jahrhunderte lang stand der 27. Dezember im Kalender, als dritter von ursprünglich vier Weihnachtstagen. Im Volksmund wird er auch „Tag nach Weihnachten“ oder als „Tag zwischen den Jahren“ genannt. Erst im 19. Jahrhundert fiel der Gedenktag des Evangelisten Johannes preußischen Sparmassnahmen zum Opfer. Mit diesem Tag verbunden sind zahlreiche Bräuche, deren Ursprünge zum Teil in den alten kirchlichen Johanneslegenden zu suchen sind, vielfach aber älteren, nichtkirchlichen Traditionen entstammen. Der Evangelist gehört zu zahlreichen Weinheiligen und Schutzpatronen der Winzer, was seinen Namenstag vor allem in Weinbaugegenden zum Festtag werden ließ. Der frommen Legende nach, soll der heilige Johannes einst ohne Schaden zu nehmen, einen Becher mit vergiftetem Wein ausgetrunken haben, um durch diese Tat einen heidnischen Priester zu bekehren. Zu diesen Bräuchen gehört auch die Segnung bzw. Weihe des so genannten Johannesweins und das Trinken der so genannten Johannesminne oder Johanneslieb – wie der Trunk ursprünglich genannt wurde. Dieser Wein entstammte meist einer frommen Stiftung und wurde vom Ortsgeistlichen nach der Messfeier verteilt. Er stellte eine Geste der frommen Nächstenliebe dar. Den für den eigenen Hausgebrauch bestimmten Johanneswein brachte man mit, um ihn in der Kirche weihen zu lassen. Nach der Rückkehr kredenzte der Familienvater allen Familienmitgliedern bis hin zum Neugeborenen einen Schluck, der gut für die Gesundheit sein sollte. Johannes war aber nicht nur Freund der Weinseligen, sondern auch Patron der Bildhauer, Maler, Buchdrucker, Schriftsteller, Notare und Theologen; unter seinem Schutz stand die Freundschaft; er half gegen Vergiftungen, Brandwunden und Epilepsie. Den Bezug der beiden Schutzheiligen zum Sonnenkalender macht die folgende Bauernregel klar: „Hat der Evangelist Johannes Eis, / dann macht es uns der Täufer heiß“. grr333

Daß beide Johannes bereits eine Verbindung zur mittelalterlichen Bauhüttentradition aufweisen, war wohl einer der Gründe die beiden Eckfeste des Maurerjahres, das Rosenfest im Sommer, das Lichterfest im Winter, nach ihnen zu benennen. Eine andere Motivation bestand, wie schon in der Vorrede angesprochen, in den Kalenderdaten der Ehrentage der beiden Schutzheiligen an den Sonnwenden. Sowohl die ursprüngliche heidnische, als auch die neue christliche Tradition, feiern an diesen Tagen die Ankündigung der Wiederkehr des Lichts, entweder direkt als Sonne, oder im übertragenen Sinn der Geburt des Göttlichen. So fielen die Geburtstage von Mithras, des göttlichen Helden eines ursprünglich persischen Mysterienkults und Bezwingers des Chaos und der Finsternis, des Sol invictus des altrömischen Kaiserkults, aber auch von Jesus Christus, der in spätantiker Zeit oft noch als Helios/Apollon dargestellt wurde, in diese magische Zeit. Germanen und Kelten feierten die Geburt des Sonnenkindes in der sogenannten Mutternacht, dem Yul-Fest.

Unsere freimaurerische Bruderschaft sieht sich durchaus in der Tradition der Lichtsucher der antiken Mysterienbünde. Die deutliche sichtbare Sonnensymbolik in ihrem Brauchtum veranlasste bereits den Aufklärer und Humanisten Thomas Paine im 18. Jhd. zu seinem Essay „The Origins of Freemasonry“, das die Ursprünge des Freimaurertums beim Sonnenkult der Druiden der britischen Inseln verankerte. Diese Lichtsymbolik vor allem als Verbildlichung des Erlebnisses der Wiedergeburt, als Erleuchtung und als Überwindung der Unerbittlichkeit der Zeit bildet allerdings ein Fundament aller Mysterienbünde. Sie alle sind Lichtkulte. Die Konsequenz des Dualismus von Licht und Finsternis, Gut und Böse, Leben und Tod macht dem Menschen am meisten zu schaffen, erfüllt das ganze menschliche Dasein. Diesen Widerspruch aufzulösen und damit das quälendste Lebensrätsel zu beantworten steht im Zentrum eines jeden Mysterienbundes. Tod und die Geburt des Lichtes werden zugleich gefeiert. Wir Brüder Freimaurer suchen die Vereinigung der Gegensätze, die Befreundung des Feindlichen. Wie im Symbol des Ouroboros (einer Schlange, die ihren Schwanz verschlingt) oder dem taoistischen Yin/Yang dargstellt, sind Licht und Finsternis eins! Ohne Tod kein Leben, ohne Dunkelheit kein Licht. Durch die gesamte Mysterienikonographie zieht sich das Bestreben, diese dem Verstand schwer zugängliche Vorstellung bildlich zu verwirklichen und dem Menschen erlebbar und erfahrbar zu machen. Kampf und Vermählung von Licht und Finsternis, von Leben und Tod künden die Symbole. Die mit dem Lichtkult zusammenhängende Gestirnsymbolik findet man auch in der Verehrung des Ostens, dies lässt ihn zum erhabensten Teil des Mysterientempels werden. Nach Osten wenden sich die Blicke des Adepten, in den “ewigen Osten” geht der verstorbene Freimaurer ein.

Licht, Liebe und Leben, für die auch die drei Rosen des Sommerjohannifestes stehen, hatte sich schon unser Br. Johann Gottfried Herder zusammen mit dem erwähnten Oroboros, dem ägyptischen Symbol für Unendlichkeit und Wiedergeburt, als Wappen- und Grabspruch erwählt. Dieser Spruch ist eine Zusammenfassung von Themen aus dem Johannesevangelium (Johannes-Evangelium Kapitel 8, Vers 12, Erster Johannesbrief 2,10; 4,16), womit wir wieder beim Schutzpatron unseres Lichterfestes angekommen wären.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, seht unser Winterjohannifest als beschauliche Oase inmitten des auf Äusserlichkeit  und Profit bedachten Weihnachtstrubels an, das ein wenig innere Freude und Wärme vermitteln soll, wie sie auch die wiederkehrende Sonne verspricht.

Jetzt noch ein Wort an alle Schwestern: Nicht zuletzt und ganz besonders ist dies auch Euer Fest. Wir wollen Euch hier dafür danken, dass Ihr uns über das Jahr fast jeden Montag entbehren müsstet. Eine grosse Freude ist es auch immer mit anzusehen, mit welchem Elan Ihr unsere gemeinsamen Feiern gestaltet. Auch den hier erschienenen Gästen möchte ich für Interesse an unserer Bruderschaft danken und hoffe dass Sie unser Lichterfest als bereicherndes Erlebnis in Erinnerung behalten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein erbauliches Winterjohanni !

 McKimSC

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Hexenküche im Winter: Süsse Freudenspender bringen Sonne fürs Gemüt

Sunna, Sulis, Amaterasu, .. nicht immer ist eine solare Gottheit männlich.©scrano 2015

Sunna, Sulis, Amaterasu, Beaivvi, nicht immer ist eine solare Gottheit männlich.
Sun and Snow ©scrano 2015

Makronen – köstlich duftende Seelentröster: der Vorteil ist, dass sie einfach und schnell zu backen sind. Ausserdem kann man gut das bei der Plätzchenbackerei anfallende Eiklar verwerten. Auch der sonnenhafte Safran kommt hier zur Verwendung – sehr passend für die lichtarme Winterszeit.

Makronen mit Pistazien und mit Schokolade:

Zutaten:
  • 100 g gehackte Pistazien
  • Safranfäden
  • 500 g Feinst-Zucker
  • 2 Eigelb (M)
  • 10 Eiweiß
  • 4 EL Zitronensaft
  • 50g gekackte kandierte Papaya
  • 3 gehäufte EL entölter Back-Kakao
  • 600 g Kokosraspel (3 Pckg), möglichst nicht zu grob.

Den Backofen auf 160 Grad Celsius Heissluft vorheizen. Ein Blech mit Backpapier auslegen. Pistazien, Safranfäden und das eine Eigelb mit dem Knethaken des Handrührgerätes verkneten. Alle Eiweiß mit dem Feinst-Zucker steif schlagen. Die Hälfte davon mit Pistazienmasse 2 El Zitronensaft und 1.5  Pckg. Kokosraspel unterheben. Den Teig mit zwei Teelöffeln etwa walnussgroß auf das Blech setzen.Die Makronen gehen noch etwas auseinander.

Für Version zwei: Den restlichen Eischnee mit Eigelb, den übrigen Kokosraspeln, Papaya und 3 geh. Esslöffeln Kakao vermengen. Ebenfalls Makrönchen formen und auf Backpapier setzen. Beide  Makronen-Varianten  im Backofen (Mitte, Umluft 150 Grad Celsius) 20 Minuten backen. Geht ohne Oblaten, nur Vorsicht beim Ablösen. Noch etwas nachtrocknen lassen, daher einige Zeit umgekehrt lagern. In Blechdosen aufbewahren, sechs Wochen aufhebbar.

 

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 Santa Kitten: ©sevenoaksart.co.uk

 

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Mandala im Dezember: Cracker Jack und Glückskekse für Sylvester

Cracker Jack ©scrano 2016

Auch nach dem Karneval: Riesenknallbonbons machen Spass.
Cracker Jack ©scrano 2016

Ein Knallbonbon ist eine  lustige Geschenkverpackung, die wie ein Riesenbonbon aussieht. Der Inhalt sind kleine Geschenke und süsse Leckereien,  ähnlich wie bei der lateinamerikanischen Piñata an Kindergeburtstagen und Fiestas. Es ist auch mit unserem Tischfeuerwerk verwandt.

Der Knallbonbon besteht aus einer Pappröhre, die mit Glanzpapier  überzogen ist.  Das Abbinden der Papierenden mit hübschen Zierbändern ergibt die charakteristische Bonbonform. Zwischen Pappe und Papier befindet sich ein Zündstreifen, der bei gleichzeitigem Ziehen an den beiden Enden ausgelöst wird. Dadurch entsteht der Knalleffekt.

Knallbonbons werden gerne auf Parties verteilt, in den angelsächsischen Ländern nicht nur auf Kindergeburtstagen, sondern vor allem an Weihnachten oder als witziges Orakel an New Years Eve, unserem Sylvester.  Sie können nämlich wie beim asiatischen Glückskeks Papierfähnchen mit Sinnsprüchen, Witzen oder Horoskopzettelchen enthalten. In den Knallern  für Kinder sind zusätzlich kleine Süssigkeiten oder Spielzeugartikel versteckt. Dazu kommen bei fast allen Überraschungsbonbons Partyglitzer, Konfetti und Luftschlangen, wie sie auch für unsere Tischfeuerwerke üblich sind.

Knallbonbons werden auch als Geschenkverpackung zum Selbstbefüllen angeboten. Als Erfinder des Knallbonbons gilt der englische Konditor Tom Smith: Ende des 19. Jhd. wurden in seiner britischen Manufaktur  jährlich 11 Millionen Stück fabriziert.

Man kann sie auch selber basteln.

In UK und den Commonwealthstaaten gehört seine beliebteste Variante, der Christmas Cracker als integraler Bestandteil der Weihnachtsfeiern seither zum allgemeinen Brauchtum. Bei dieser Version ist das Papier mit weihnachtlichen Motiven bedruckt. Zwei Personen ziehen an dem Knallbonbon, der dann in der Mitte mit einem Knall explodiert und ungleich bricht: Der das grössere Stück hat, bekommt den Inhalt.

Glückskekse ohne Knalleffekt, aber mit individuellem Inhalt:

Zutaten für 20 Portionen

  • 60g Dinkemehl (630, gesiebt)
  • 60g Puderzucker
  • 3 Eiweiß (m)
  • 50g Butter, zerlassen
  • 1Prise Meersalz
  • 1Pck. Vanillezucker (echt)

1. Puderzucker, Vanillezucker und Salz vermischen. Mehl darauf sieben, zerlassene Butter unterrühren. Eiweiße steif schlagen und ebenfalls unterheben. Den Glückskeks-Teig 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.

2. In der Zwischenzeit Zettel mit Glücksbotschaften schreiben, dafür gibt es lebensmittelechte Stifte. Den Ofen auf 160 Grad Heissluft vorheizen.

3. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Teig in 10 cm große Kreise dünn darauf streichen. Kekse etwa 3-5 Minuten im Ofen goldgelb backen.

4. Kekse sofort aus dem Ofen nehmen und so lange sie noch formbar sind, die Zettel in die Mitte geben und die Kekse zusammenfalten. Das geht wie beim Omelette oder halbmondförmigen Ravioli, einfach halb umklappen, dann über einen Glasrand biegen.

5. Man kann auch Zigarren rollen und innen mit einem Orakel-Zettel befüllen.

6. Die Formerei geht am besten zu zweit, sonst werden die Kekse hart. Mit zwei Blechen arbeiten, den frischen Teig immer nur auf ein ausgekühltes Blech geben, sonst zerfliesst er.

 

Christmas Crackers aus UK.quelle:wiki

Christmas Crackers aus UK.
quelle:wiki

Ach ja, noch schnell zum Schluss: Besser ein Knallbonbon als eine Knalltüte …!? Die kann man auch basteln, aus einem einfachen DIN A4 Blatt und einsetzen, wenn man seinen Lehrer ärgern will. Die menschliche Variante dieses “Scherzartikels” trifft man leider meistens unter weniger witzigen Umständen.

 

 

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13. Dezember: Heute ist St.Lucia-Tag!

St. Lucia auf einer Yul-Karte.quelle:wikipedia

St. Lucia auf einer Yul-Karte.
quelle:wikipedia

An St. Lucia ist der Abend dem Morgen nah.
St Luzen tut den Tag stutzen

Nicht nur in Schweden: Auch bei uns, wahrscheinlich überall im Raum nördlich der Alpen gab es ein ähnliches Brauchtum am 13. Dezember, dem Yul-Tag vor der Kalenderreform. Warum immer St.Lucia von Syracus mit der Sonnenwende in Verbindung gebracht wurde, ist nicht restlos geklärt. Allerdings Lucia heisst einfach:”Die Lichtvolle”, das erscheint hinreichend … vielleicht war es nur der Name? Oder ihre Legende, nach der sie mit ihrem Kerzenkranz Licht in die Katakomben der frühen Christen brachte, wohin sie ging, um die dort Versteckten mit Speisen zu versorgen.***

catschorus

Wir sind die echten Lucia-Katzen!

Am Luciatag wird in Schweden das berühmte Lucia-Lied gesungen, die älteste Tochter bringt allen Familienmitgliedern Frühstück ans Bett. Dabei dürfen die Lussekatter natürlich nicht fehlen.

Lucia-13.12.06

St.Lucia mit Sternknaben.
quelle:wikipedia

***Leider ur eine fromme Legende: Die Katakomben waren immer nur Friedhöfe, in denen sich fromme Christen in der noch heidnischen Zeit der Spätantike  beerdigen liessen, um in der Gemeinschaft der Gläubigen auf den Jüngsten Tag zu warten.

 

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Hexenküche zum Lucia-Fest: Lichterkranz und Safrangold

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Langsam geht es in Richtung Weihnachten/Yul !
St. Lucia gilt schon als eine der Rauhnächte.
Precious Light ©scrano 2014.

Schwedische Lussekatter

Zu deutsch Luciakatzen genannt: Es, handelt es sich um ein schwedisches Hefegebäck mit Safran, und Rum-Rosinen. Diese Lussekatter werden in Schweden nach alter Tradition vor allem zum Luciafest am 13. Dezember gebacken. Man bekommt sie im Advent sogar bei IKEA, aber diesmal wollen wir uns selbst daran versuchen.
Die typische Form des Hefegebäcks ist ein verdrilltes großes S, es gibt sie auch als Kreuz, wenn man zwei “Katzen” miteinander verschlingt. Der Safran, welcher unbedingt mit in den Teig gehört, symbolisiert mit seiner goldenen Farbe das Licht, die Sonne und Hoffnung. Lucia, als christliche Märtyrerin kam erst spät zu diesem Festtag, es ist das alte Datum der Sonnwende, vor der  Kalenderreform in Schweden.  Daher trägt die Luciabraut auch die 4 Kerzen des solaren Jahres-Rades auf dem Kopf, die christliche Zutat ist ihr weisses Gewand mit der roten Märtyrer-Schärpe. Weiss und rot sind aber ebenso traditionelle Yul-Farben. Katzen sind  wohl auch ein Hinweis auf Freyja, da sie deren Schutzpatronin war.

Zutaten für 15 Katzen:candle3

  • 30 g frische Hefe
  • 1 TL Feinst-Zucker (für den Vorteig)
  • 3 EL lauwarmes Wasser
  • 450 g Mehl Typ “Wiener Griessler”, damit gelingen Hefe-und Strudelteige wunderbar
  • 1 gestrichener TL Meersalz
  • 75 g feiner brauner Zucker
  • 1 Ei Gr. M
  • 1 Eidotter Gr. M
  •  Safranfäden aus der Apotheke, da ist die Qualität am besten
  • ~ 125 ml lauwarme Milch
  • 100 g kalte Butter

Verzierung:

  • 1 Eigelb mit etwas Milch verquirlt
  •  Rosinen mit 4 cl Rum beträufeln, 2 x  Zahl der Katzen

Gerät:

  • zusätzliches Mehl zum Bearbeiten
  • 1 grosses Backbrett
  • Grosse Metallschüssel mit heissem Wasser füllen
  • evtl. feuchtes Leintuch
Zubereitung:

Für die Zubereitung der Lussekatter zuerst die Safranfäden mit 1 TL Zucker vermischt, in einem Mörser fein zerstossen. Kein Safranpulver nehmen, da wird man oft betrogen. Das Pulver in einem Messglas mit 20 ml lauwarmen Wasser auflösen.

Hefeansatz:
Frische Hefe zerbröckeln, zusammen mit 1 TL Feinst-Zucker und 3 EL lauwarmem Wasser in einem Gefäß zu einem Hefebrei verrühren.
Mit einem Tuch abgedeckt, etwa 15 Minuten zum Gären der Hefe in der warmen Küche stehen lassen.
Teigbereitung:
Mehl auf dem Backbrett anhäufen,  Salz und Zucker unter das Mehl mischen. Mit der Hand in die Mitte des Mehles eine tiefe Mulde eindrücken. Milch erwärmen, nicht kochen! Butter in Stücken unter die Milch rühren, bis sie fast geschmolzen ist. Die Mischung ist nun handwarm, auf das Backbrett in Reichweite stellen. Die mittlerweile vergorene Hefe in die Mehlkuhle geben, Ei und Eigelb auf den “Kraterrand” setzen. Jetzt ist Kneten angesagt: Alles mit den Händen vermengen, Safranlösung auf einmal und Milch-Butter immer wieder zugiessen.Wenn der Teig klebt, etwas Mehl extra zugeben. Fertig ist er, wenn er sich gut von den Händen ablöst und einen Klumpen bildet. Nochmals gut durchkneten. Das heisse Wasser aus der Metallschüssel weggiessen, diese dann umgedreht über den Teig stülpen. Jetzt 1 h gehen lassen, falls die Küche kalt ist, kann man auch das Backrohr auf 50 °C einstellen, die Schüssel mit dem Teig mit einem nassen Tuch abdecken, den Herd ausschalten, und das Ganze im leicht geöffneten Backrohr warm halten. Nach 1-1.5 h Stunden sollte der Teig sein Volumen verdoppelt haben. Nochmals kräftig durchkneten, zu einer Rolle formen und mit einem Messer 15, jeweils ca. 50 g schwere Teigstücke abschneiden, wie wenn man Brötchen selbst macht.
Den Backofen vorher auf 220 ° C aufheizen (180°C Heissluft), Backblech mit Backpapier auslegen.
Jetzt Teigschlangen oder dünne Rollen formen, ca 25 cm Länge., dann zwei gegeneinander laufende Spiralen einrollen, dabei die S-Form erzeugen.
Die Lussekatter auf dem Backblech mit der Eier-Milch einpinseln, zwei Rosinen in die Spiralmitten aufsetzen.
Auf der Mittelschiene des vorgeheizten Backofens, mit Ober/Unterhitze (gelingt am besten) ca. 12 – 13 Minuten backen.

Sehr gut als süsses Frühstücksgebäck, Hüftgold: ca 200 kcal/Stück.

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Jamilla sagt: Ich bin trotzdem immer noch die süsseste Katze!
quelle:wikipedia

 

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Sacred Pleasure: Fruchtbarkeit und Religion

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Fruchtbarkeit als ewiger Antrieb des Schöpfungskreislaufs.
Fertility rites ©scrano 2016 model:faestock

Wann begannen sich die Menschen überhaupt verstärkt für dieses Thema zu interessieren? Wahrscheinlich mit dem Beginn des Agrarzeitalters am Ende des Mesolithikums – wobei die Szenarien, in deren Zusammenhang dieser Begriff von  Sesshaften oder durch wandernde Hirtenvölkern gebraucht wurde, sich nach einiger Zeit auseinander entwickelten. Zu der Fruchtbarkeit der Natur stand die eigene Reproduktionsfähig nun auch vermehrt im Mittelpunkt der sich neu formierenden Gesellschaften, da das Überleben der Gruppe immer stärker von einer gewissen Kopfzahl abhing:

Bauern brauchen Feldarbeiter, und Schutztruppen um ihr Land oder den Zugang zum Wasser zu sichern, Hirten Verteidiger und Pfleger der Herden. Daneben musste noch Alltagsarbeit verrichtet werden. Ausfälle durch Kindersterblichkeit waren hoch, besonders am Anfang des Neolithikums, wegen der ungewohnten Ernährung, oder durch Zoonosen, durch enges Zusammenleben mit dem Nutzvieh. Selbst für die fischenden Küstenkulturen am Ende des Mesolithikums galten solche Überlebensbedingungen bereits. Mit der Entwicklung von Städten dynamisierte sich der von der neolithischen Revolution eingeleitete gesellschaftliche Strukturwandel dann nochmals verstärkt.

Wie immer in der menschlichen Geschichte bleiben Probleme bei der Existenzsicherung und im Zusammenleben nicht aus: Wo also Hilfe holen, wenn man sich in seiner Not an höhere Wesen wenden will? Welche neue Form von Magie oder Religion impliziert die neue Lebensweise?

Dass weibliche Tiere durch Geburt neues Leben hervorbringen war den Menschen bereits zur Jäger-und Sammler Zeit hinlänglich bekannt – auch ein Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus und den Mondphasen war wohl schon ein Bestandteil mancher Kulte. Eine mythische Herrin der Tiere kennen auch viele Schamanenkulturen auch heute noch – sie gibt Leben, wo vorher Tod war, aus den Knochen des erlegten Wildes regeneriert sie durch Neubeseelung die jagdbaren Bestände. Daher musste man den Tieren unter ihrem Schutz Respekt erweisen, damit ihre Seele unbeschadet blieb, die Knochen legte man im Wald unter besondere Bäume, oft die Form des Tieres nachahmend. Zeugnisse solcher Vorstellungen finden sich heute noch bei tungusischen Völkern oder der „Büffelfrau“ der Cheyenne. Man kann also wahrscheinlich von einer  weitverbreiteten weiblichen Schöpfer-Urgestalt ausgehen, die parthenogenetisch alles hervorbringt, was auf der Erde lebt. Ihr Symbol war wohl der Mond.

Wie ging es weiter? Jäger brauchen die mondhellen Nächte für ihre Beutezüge, Agrargesellschaften nutzen aber vor allem das Sonnen-Licht des Tages. Man merkte bald, dass es  zudem vielfältige zusätzliche begünstigende und schädliche Einflüsse gab, die Ernte oder Ertrag der Viehherde beeinflussten.

Ganz zu Anfang waren dies hauptsächlich Bodenbeschaffenheit der potentiellen Äcker und das Wetter, welches Temperatur und Wasserreserven bestimmte.

Wie man aus den Ursprüngen der Sesshaftigkeit weiss, z.B. Catal Hüyük in Anatolien, war das Urweibliche immer noch prägend für die Spiritualität.  Die Magna Mater hatte jedoch plötzlich auch solare  Symbole, neben der Mond-Kuh (Hörner) und der Doppelaxt, die für die Mondphasen und die Axis mundi stehen, trifft man jetzt auf Raubkatzen, besonders Löwinnen. Selbst die Urmütter in der Neuen Welt (z.B. Coatlicue) zeigen von Anfang an Raubtierkrallen oder Zähne. Das weitere Element, das jetzt ins Spiel kommt, ist die Schlange, auch dieses Symbol ist global. Sowohl Schlange als Axt (später dann Thorhammer, Donnerkeil) sind auch phallisch, letztere wird auch als magisches Requisit für das Wettermachen (Blitzaxt) angesehen, viele der Grossen Mütter tragen sie als Machtinsignie.

Also, zu Beginn des Neolithikums vor  ca  5000-8000 Jahren, je nach Klimazone, war im spirituellen Bereich noch alles im Kern mutterzentriert. Auch die universellen Meeresgottheiten der Fischerkulturen waren wohl weiblich, schon weil der Mond die Gezeiten regiert. Man kennt das immer noch bei den Inuit, mit ihrer Göttin Sedna. Alle diese Vorstellungen und Symbole begegnen uns bis in die Bronzezeit, besonders in Kleinasien und auf Kreta, aber auch bei den Kelten.  Diese Mutterfiguren sind häufig dreigestaltig, herrschen über Erde und Unterwelt, Tag- und Nachthimmel. Sie besitzen einen Jungfrau-Aspekt, der ihre Unabhängigkeit und Zeugungskraft betont – aus sich selbst heraus schaffend und sich zyklisch regenerierend. Sie sind auch kriegerisch und nicht immer angenehm. Einige Überbleibsel der chtonischen, destruktiven Natur finden wir in der indischen Kali, die trotz des furchteinflössenden Äusseren -blaue Haut, Krallen und herausgestreckte Zunge – als Verkörperung der Grossen Mutter und Beschützerin angesehen wird. Auch die zweite Variante der indischen Grossen Göttin, die der Rhea/Gaia/Kybele ähnliche Durga wird mit Löwinnen abgebildet. Lediglich die Dritte im hunduistischen Göttinnnendreigestirn, Parvati kommt ohne angstbesetzte Aspekte aus.

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Schlafende Dame aus Hal Safieni, Malta. Ein Form der chtonischen Urmustter.
Wie viele der steinzeitlichen Göttinnen hat sie recht üppige Formen.
quelle: PD via wiki

Exkurs: An dieser Stelle sollte man anmerken, dass wie im letzten Absatz angedeutet, diese weiblichen Universalgöttinnen durchaus zerstörerisch und gewalttätig sein konnten, sie waren auch regelrecht unberechenbar und leicht erzürnt – da sie auch für die gefährlichen Risiken und Nebenwirkungen der Natur standen. Und Gesellschaften, die eine matrizentrierte Religion ausübten waren genauso kriegerisch wie die späteren patriarchalen – die Zeiten waren hart, man musste sich verteidigen, oder vielleicht auch anderen Wasser- oder Landrechte streitig machen. Und dass Seehandelsvölker wie die Kreter nicht auch als Piraten unterwegs waren, wenn es nichts zu handeln gab … siehe Wikinger & Co. Ob in diesen Kulturen ein regelrechtes Matriarchat geherrscht hat – eher unwahrscheinlich, allerdings waren egalitäre Gemeinschaften durch eine solche Religion begünstigt. Ein Anzeichen dafür ist die Exogamie, der Mann heiratet in die Sippe der Frau ein, oder die Partnerwahl ist frei, mit Promiskuität beider Geschlechter vor der Ehe.

Aufzeichnungen über Kulthandlungen und religiöse Vorstellungen findet man vor der Erfindung der Schrift nur spärlich, in Felszeichnungen, Wandmalerei oder Skulpturen. Daher muss man vieles aus den Bildzeugnissen herauslesen – oft erschliesst sich der Sinn erst im Bezug zur Architektur, Landschaft oder besonderen Örtlichkeite der Funde. Die Interpretation ist immer auch ein wenig vom Zeitgeist gesteuert. So werden Kuhhörner als männlich (Stiersymbolik) gedeutet, oder als Mondsichel und Darstellung weiblicher Fortpflanzungsorgane. Auch wenn Marija Gimbutas heute angegriffen wird – Rinderschädel stammten oft von Kühen, deren Hörner noch nicht weggezüchtet waren – und die Analogie ist schon sehr deutlich. Auch das stark mütterliche Element der milchspendenden Tiere kommt als Einflussfaktor hinzu. Erst zur Zeit der sumerischen Stadtgründungen, z.B. in Uruk, werden dann wirkliche schriftliche Zeugnisse über religiöse Praktiken und Mythen überliefert. Männliche Symbolik wird tatsächlich stärker sichtbar erst mit dem Auftauchen von widderhörnigen Gottheiten und regelrechten Phallusdarstellungen, etwa bei Amun (Min), und geht einher mit der fortschreitenden Verstädterung sowie der Ausbildung von ausgedehnteren Reichen mit Armeen.

Um die sich vollziehende Wandlung zu verstehen,  ist als wichtigste Gottheit einer der ältesten Zivilisation im Zweistromland wohl zweifellos die sumerische Inanna heranzuziehen. Sie steht zwischen den alten eher matrizentrierten universellen Göttervorstellungen und einem sich bereits abzeichnenden komplexeren Pantheon, mit dann immer wichtiger werdenden männlichen Figuren. Inanna besitzt noch ein ganzes Arsenal von Attributen, die weiblich und männlich zugleich sind: Kuhhörner – Mond, Venus-Stern (8-zackig), Blitz-Axt (Labrys), solare Löwinnen, schliesslich Eulen und die Schlangen in ihrer Form als Nachtdämonin Lilitu.

Wie die Herrin der Tiere  in den alten schamanischen Kulturen ist sie ein Formwandler und Hermaphrodit  – letzteres auch eine Eigenschaft, die damals in Einheit mit dem Begriff „Jungfrau“ gesehen wurde: Zeugerin und Empfangende, sich stets erneuernde Gebärerin.  Ihr Sternbild, Virgo – damals hiess es schlicht  Ackerfurche:

  • „Ich bin die jungfräuliche Ackerfurche und der befruchtende Regen“, heisst es in den Gesängen der Inanna.
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Abb 1: Inanna als Herrin von Himmel und Erde.
Quelle: PD via wiki

Mit der Zeit wurde die Götterfamlie, wie bereits angedeutet,  immer komplexer, Aspekte der Urgöttin, z.B. solare wurden dann Brüdern oder Vätern übertragen. Auch die dunkle Seite der Natur, Tod und Unterwelt waren ursprünglich ebenfalls in der einen Göttin vereint – im sumerischen Mythos zeigt sich hier auch eine Abspaltung, in Form der Ereskigal – als Schwester von Inanna. Die Himmelswelt wird zunehmend dual – göttliche Paare treten auf, noch sind sie einigermassen gleichberechtigt.

Diese Einführung einer himmlischen „Soap Opera“ lag auch daran, dass man immer mehr Himmelsbeobachtung betrieb, um zu einer genaueren Kalendergrundlage zu kommen. Viele der Himmelsdramen wurden in Mythen umgesetzt, Bewegungen auffälliger Himmelskörper göttlichen Wesen zugeordnet:  z.B. der heliakische Aufgang der Spica, Hauptstern der Jungfrau, bei gleichzeitigem Untergang des Stier. Dieses Ereignis leitete an Euphrat und Tigris den Beginn der Aussaat ein. Daher gab es auch einen mythologischen Hintergrund: Inanna steigt zum Himmel auf und schickt den Stier, der eigentlich die Himmelsachse dreht,  auf die Erde. Ursprünglich war dieser als Strafe für den unbotmässigen Gilgamesch gedacht, der die Bestie jedoch zähmt und dem Menschen als Pflugstier nutzbar machte.

Wie auf dem Bild Abb. 1 zu sehen ist, herrscht Inanna allerdings noch über das Wetter, nicht nur über die Ackererde. Sie hält Blitzbündel in der Hand – ein untergeordneter Gott (Wassermann?)  giesst das Regen-Nass auf den Boden.

Hinter ihr fährt der Windgott Adad, ihr Bruder den Wolkenwagen.

Neben den astronomischen und kalendarischen Überlegungen der Ackerbauern ging mit der Verstädterung natürlich auch ein immer komplexeres Sozialgefüge mit immer stärkerer Aufgabenteilung und Weltzugewandtheit einher – der Fernhandel begann sich zu entwickeln, ein Rechtssystem wurde eingeführt, z.B. der Codex Hammurabi.  Für derlei neue Dynamiken wollte man auch entsprechende Zuständigkeiten in der Götterwelt angesiedelt sehen.

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Abb 2 Gilgamesch zähmt den Himmelsstier. Quelle: PD via wiki

Doch zurück zur Fruchtbarkeitsgöttin: Eines ihrer Hauptattribute war die Zuordnung Inannas zur Venus als achtzackigem Stern, wie in Abb 2. – wieso?  Nun, man erkannte, dass  der Morgen-bzw. Abend-“stern“ einen Hell-Dunkelzyklus aufweist, wie der bereits weiblich besetzte Mond. Die acht Strahlen deuten darauf hin, dass man im alten Sumer schon den Zyklus der unteren Konjunktionen der Venus kannte, die das berühmte Himmelspentagramm im Verlauf von acht Erdjahren aufspannen. Daraus ergeben sich für den Planeten Venus 13 Umläufe – der Mond wiederum kommt auf 13 Voll-Zyklen in einem Jahr, daher waren sowohl der naheliegende Mond als auch die Venus, welche auch beide zyklische Phasen durchlaufen, mit dem göttlich Weiblichen verbunden.

Diese astronomisch/astrologische Verquickung ist etwas, das alle späteren Fruchtbarkeitsgöttinnen, neben der uns heute paradox erscheinenden „Jungfräulichkeit“ eine lange Zeit gemeinsam haben werden.

Wie gestaltete sich nun, vom Zweistromland und den frühen indoeuropäischen Volksgruppen ausgehend,  die weitere Entwicklung der Fruchtbarkeitsgöttinen? Wenn man das Etana-Mythos liest, wird darin Inannas Stellung bereits stark in die göttliche Familie der Stadtkultur integriert – mit starken Nachteilen für die göttlich weibliche Unabhängigkeit.

Inanna beklagt sich bei ihrem Bruder, dem SONNEN-Gott, dass ein Adler und eine Schlange ihren heiligen Baum, den sie für das Holz ihres Thrones verwenden wollte, streitig machten.: Der vertreibt die Schlange und tötet den Adler – Inanna baut sich also ihren Thron – um welchen Preis?

Schlange und Adler sind urschamanische Symbole für männliches und weibliches Prinzip, die  im Weltenbaum ungetrennt leben und ihn beschützen.  Die Welt ist nicht genug, scheint Inanna zu sagen, indem sie ihn fällen lässt, um ihre Herrschaft nun durch äussere Zeichen zu legitimieren. Dies gelingt ihr jedoch nur mit Hilfe eines Mannes, ihrer Bruders. Auch der Versuch, einen Anspruch auf das Reich ihrer Schwester Ereskigal in der Unterwelt zu erheben scheitert, wieder muss ein Mann sie retten. Beides sind Pyrrhus-Siege, durch Verkennung der wahren Natur der Welt – Vorrausblick auf einen grundlegenden Paradigmenwechsel und  einer damit verbundenen Abwertung der weiblichen Rolle in der Schöpfung.

Beltane - jetzt beginnt der keltische Sommer, er dauert ein halbes Jahr. Beltane ©scrano 2016

Die heilige Hochzeit von Sonne und Mond an Beltane,
dem keltischen Fruchtbarkeitsfest schlechthin.
Beltane ©scrano 2015

Doch weiter mit der Fruchtbarkeit: Noch sind allerdings die Jungfrau-Göttinen von Sex und Überfluss angesehen. Hathor in Ägypten, deren solarer Furcht-Aspekt, die Löwin Sechmet zur wohltätigen Miezekatze Bastet mutiert,  die zypriotische Aphrodite, und die nicht mehr so wilde Inanna, nun als Ishtar in Babylon verehrt, die kretische „Grosse Göttin“, wahrscheinlich die am längsten existierende, echte universelle Magna Mater und Herrin der Tiere im europäischen Raum, aussser der syrischen Atargatis und der kleinasiatischen Kybele. Doch sind diese in hellenistischer Zeit schon mehr auf den mondenhaften Teil der Anima ausgerichtet, und passen daher immer noch ins Gesamtbild der Spätantike. Diese Art Mutterkult fand sogar noch Anhänger im alten Griechenland – z.B. in Ephesus, oder im multireligiösen Rom. Der wildere und kriegerische Anteil landete beim schwachen Abklatsch der einst mächtigen Herrin der Tiere: Jungfräulichen Jagdgöttinnen wie Artemis oder Diana, aber immerhin noch ebenfalls bei der Liebesgöttin Aphrodite. Diese hatte einen Fuss wohl immer noch im Zweistromland, und deutliche Wurzeln bei Inanna/Ishtar/Astarte, also einen Migrationshintergrund. Sie bescherte dem eher biederen und androzentrischen Pantheon der Griechen ein wenig Glamour und Unberechenbarkeit – ein bisschen Sex soll auch mit im Spiel gewesen sein … Und sie konnte sich durch ein Bad jederzeit zur Jungfrau zurückwandeln …

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Kybele, Magna Mater aus Kleinasien. Ihr Kult bestand noch im alten Rom.
Ihr zu Ehren gab es Stieropfer, ihre Priester waren Eunuchen.

Generell wird in der Antike dem Lustfaktor im Sexleben durchaus noch Platz jenseits der Verklemmtheit der späteren Patriarchen und einer Reduktion auf reine Reproduktion  eingeräumt – allerdings hauptsächlich im Orient: Lebhafte Beschreibungen der Orgien von Bubastis, zügelloser Hathor-Feste oder der Tempelprostitution in den Heiligtümern von Ishtar und selbst der Aphrodite auf Delos liefern dafür Beweise. Wenn auch es auch für die mythischen Geliebten der Fruchtbarkeitsgöttinnnen kaum ein “Happy End” gab: Orion starb durch den Skorpion seiner schmollenden Artemis, Adonis, Attis, Tammuz (Dumuzi) die Gefährten der Kybele, Atargatis oder Inanna nahmen auch kein gutes Ende. Die Angst vor der weiblichen Sexualität als Ausdruck der Macht über den natürlichen Lebenskreislauf war immer noch gross, so dass man sich deren reproduktiver Kraft ohne Risiken bemächtigen wollte.

Was die alten Fertilitäts-Idole ausser der ägyptischen Bastet im Laufe der zivilisatorischen Entwicklung zusehends auszeichnet, ist eine deutliche Unabhängigkeit von Mutterpflichten – jetzt werden Vollmondaspekt und Venuseigenschaften voneinander getrennt. d.h. Mutterschaft und Leidenschaft oder Eros driften auseinander.  Kinder und Ehe gehören nun zusammen, sie unterstehen Göttinnen, nunmehr blosse Gemahlinnen, deren eigene Zeugungskraft negiert wird. Zuerst passiert dies in den Hirtenvölkern, sie erlangen immer mehr die Kontrolle über die Fruchtbarkeit ihrer Herden, sie beginnen zu züchten, dadurch wird die eigene Vermehrung auch zusehends unter diesem Aspekt gesehen – die Rolle der Frau als passive Gebärerin und als Besitz des Mannes nimmt ihren Anfang. Für fruchtbare, grüne Weiden war den Hirten der regenspendende Himmel wichtiger als das Land, über das sie zogen. Die Hausmacht beim Wettermachen hatten aber inzwischen männliche Kriegs- und Sturmgötter übernommen: Als Ausdruck davon wird die Zeuger-Rolle des Mannes als Ebenbild des Regengottes daher überhöht. Sehr deutlich kommt die im Mythos von Zeus und Danae zum Ausdruck – ein goldener Regen, eine Gestalt des Zeus, schwängert diese. Auch Grossvater Uranos war schon ein ewig Zeugender, ebenfalls eine Verkörperung des Gewitterhimmels, der Winde und der Weite.

Durch allerlei Kunstkniffe wie Schenkel- und Kopfgeburten entsteht in den Zeus-Mythen eine unhängig von Frauen Leben schaffende männliche Gottheit. In den Zeiten davor wäre so etwas wohl als lächerlich angesehen worden. Nur Hera entzieht sich noch einmal dem Alleinherrschaftsanspruch ihres Gatten: Ares/Mars entsteht wohl als letzter Gott der Alten Welt parthenogenetisch aus einer Frau, als Reaktion auf die patriarchalische Usurpation des Zeus mit Athenes Kopfgeburt. Am Ende steht jedoch ein männlicher Götterboss als Wurzel des androzentrierten Monotheismus nicht nur bei den Hebräern.

Solcherlei Glaubensvorstellungen  enden schliesslich mit der abstrusen Überlegung, dass beim Zeugungsakt der Mann der Frau einen fertigen Homunkulus einpflanzt, sie ist also nur  noch ein Brutkasten. Auch die Erblinie und damit der Anspruch auf eigene Besitztümer, wird durch diesen Wandel rein männlich definiert. Kinder sind Besitz, Ehebruch, besonders mit Folgen, eine für die Frau tödlich endender Rechtsverstoss.

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Männliches Fruchtbarkeitssymbol, Phallus.
Freudian Slip? ©scrano 2013

Nördlich der Alpen bietet sich ein ähnliches Bild wie im alten Griechenland: Allerdings haben die Göttinnen Freyja oder Brigid einen unabhängigeren Status als ihre Entsprechungen  im hellenischen Pantheon. Wie Aphrodite/Venus beflügeln sie auch die Künste, befruchten also auch den Geist, doch lassen sie sich von ihrem kriegerischen oder Unterweltaspekt nicht so leicht lösen.

Die wilden Feste der Ägypter haben wir schon erwähnt – die Götterfamile am Nil stellt sich etwas quer: Der Himmel ist hier weiblich, die Göttin Nut überdeckt ihren Bruder-Gemahl Geb.

Auch der Herr über die Nilflut der etwas moppelige Hapi, dessen Sternbild der Regenbringer Wassermann ist – eine männliche Gottheit – mit hermaphroditischen Merkmalen. Die Feldfrucht repräsentiert Osiris in seiner Form als Apis-Stier.  Die Fruchtbarkeit der Menschen und Tiere hingegen hängt immer noch stark vom Allweiblichen ab: Hathor und Bastet sind hochgeschätzt und werden in sehr ausschweifenden Festen verehrt. Die männliche Potenz und Schaffenskraft des Schöpfergottes Amun wird von der Königlichen Gemahlin des Pharao  als Grosse Gottesgemahlin in einem staatstragenden Ritus quasi „hervorgelockt.“  Frauen haben in den Städten am Nil einen höheren Status und gelten nicht als Besitz, aussereheliche Kinder sind keine Schande, etwas was vielleicht mit der afrikanischen Herkunft zusammenhängt. Hier galt lange der Nepotismus im Erbrecht – die Abkömmlinge der ältesten Schwester  bekamen den Besitz übertragen. Erst mit der hellenistischen Überhöhung des Isis-Kults erhält die Mutterschaft ohne Leidenschaft mehr Stellenwert, ein griechisch patriarchalischer Einfluss. Der Sohn Horus erhält nun Erlöserzüge und wird zum Sinnbild der Seele, wie Kore/Persephone in den Mysterien von Eleusis, einem ursprünglich eher ekstatischen Fest zu Ehren der Urmutter Demeter.

Bastet mit Ank und Sistrum.quelle: wikimedia

The Cat and The Fiddle …
Bastet mit Ank und Sistrum.
quelle: wikimedia

Bastet mit lebensspendendem Ankh und uterusförmigem Sistrum – geziert von einem Hathor-Kopf. Quelle:By Gunkarta (Own work) [CC BY-SA 3.0  http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein Blick hinter Schleier und Tempelvorhänge: Anlässlich der plastischen Schilderungen solcher „Verführungskünste“ in den alten Texten – wie waren die Riten gestaltet, mit deren Hilfe all die Gottheiten aufgefordert wurden ihre Pflicht zu tun …?

Ein Teil der Zeremonien fand natürlich um die heilige Hochzeit statt, dem „Hieros Gamos“, der Vereinigung des weiblichen mit dem männlichen Prinzip. Im Neolithikum war dies der Gemahl der Grossen Göttin, eine Art Jahreskönig, der dann am Ende seiner Amtszeit geopfert wurde – real oder symbolisch. Anklänge davon findet man in den irischen Sakralkönigen – bei der berühmten Einsetzung der irischen Hochkönige auf Tara wurde zuerst ein Kopulationsritual mit einer weissen Stute, der Verkörperung des Landes,  vollzogen, danach wurde das Ross stellvertretend geopfert, der in einem Kessel sitzende neue Herrscher wurde mit dem Blut des Tieres „getauft“.

Hieros Gamos als staatstragendes Ritual gab es wohl auch in Ägypten in einer Zeremonie des Pharaos mit seiner Gemahlin auf der Nilinsel Elefantine, um die Nilschwemme zu sichern.  In symbolischer Form wurde er beim schon erwähnten Ritual der „Gottesgemahlin des Amun“ vollzogen. Aus Sumer und Babylon sind solche Bräuche ebenfalls bekannt, die Göttinnen Ishtar und Inanna galten für den jeweiligen Stadtkönig als Verkörperung des Landes. Umgekehrt war eine Vereinigung einer  auserwählten Adeligen mit dem Stadtgott Marduk die einleitende Zeremonie zum Neujahrfest in Babylon und auch schon in den sumerischen Vorgänger-Städten.

Modern kennt man derlei Zeremonien aus dem hinduistischen Indien – Lingam und Heilige Yoni – stellvertetend für die Vereinigung von Parvati und Shiva werden zum Schöpferfest (Maha Shivatri) mit Milch übergossen, um die beiden Götter anzuspornen – ausserdem sind die Wände des Tempels, der Austragungstätte der „Heiligen Hochzeit“ ist,  voll von eindeutigen Darstellung erotischer Künste. Interessanterweise ist bei der eher partriarchalischen Gesellschaft Indiens trotz alledem die Milchkuh heilig – eine solche gilt als Ursprung des Kosmos – Mama ist eben überall.

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Kosmischer Sex-Akt: Shiva meets Parvati.
Lingam/Yoni, quelle wiki – gemeinfrei.

Gemäss der magischen Korrespondenzprinzipien, die solchen Handlungen unterliegen, praktizierten auch die einfachen Bürger Fruchtbarkeitsrituale – der Bauer mit der Bäuerin in der ersten Ackerfurche vor der Aussaat, nackte Frauen mit einem Besen als Steckenpferd, die so hoch sprangen wie sie sich die Getreidehalme wünschten, Schwangere, die über die Fluren liefen, nacktes Wälzen auf taufeuchten Wiesen. Natürlich gab es auch den jeweiligen Klimazonen entsprechende Symbolik aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Eier sind schon alte Träger von Fruchtbarkeitsvorstellungen, auch vermehrungsfreudige Tiere wie Hasen, oder solche, die ihre Sexualität deutlich zum Ausdruck bringen, wie die lautstarken Katzen lieferten passende Vorlagen.

Das Ei spielt in vielen, auch späteren Schöpfungsmythen ein zentrale Rolle – z.B. bei den Orphikern. Diese Genesis kennt noch eine jungfräuliche Urmutter, Eurynome, die sich aus dem Chaos als Wirbel manifestiert:

Um nicht allein zu bleiben erzeugt sie den Nordssturm, der sich in eine Schlange namens Ophion verwandelt. Sie vereinigen sich und erzeugen das kosmische Ei, von Ophion siebenfach (kosmische Zahl=Anzahl der  klassischen Planeten) umschlungen.  Es zerspringt – heraus tritt Phanes, aus dem alle Planeten und die Sonne entstehen.

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Es tanzt die Göttin im Wirbel des Chaos… Eurynome aus dem orphischen Schöpfungsmythos.
Visitor ©scrano 2016, model:ascent by frozenstocks

Eurynome und Ophion finden ihre Entsprechungen in den Vorstellungen der Gnostiker als Sophia und Demiurgus.

Die abstrakteren Formen des Geschlechtlichen, wie Phallus und Yoni (Freud hätte seine Freud) sind auch schon früh als sexuelle Symbolik belegt, z.B. in der Induskultur von Harappa. Der in unseren Breiten  aufgestellte Maibaum ist ebenfalls so ein Vereinigungssymbol: Baumschaft und Zweigkranz, dazu die meist zweifarbig rot und weissen Bänder, die für Menarche und Sperma stehen. Der Tanz, der diese verflicht, läuft interessanterweise für die Mädchen mit dem Mondlauf – widdershins, ganz dem weiblichen Element Tribut zollend. Die Burschen bewegen sich deosil, nach dem Sonnenlauf.

Eine simple Wasserweihe in der katholischen Kirche hat auch noch solche Wurzeln:  Dreimal taucht der Priester die geweihte Kerze in das Wasserbecken … honi soit qui mal y pense !

Der wirbelnde Schöpfungstanz der Eurynome oder der Reigen um den Maibaum, um „anzubandeln“ –  natürlich, Tänze, die darf man nicht vergessen:

Kein Fruchtbarkeitsritual ohne Musik oder Gesang und Tanz, letzterer war zuerst ein meist gesitteter Rundtanz, um sich dann in mehr und mehr ekstatische Zustände zu entwickeln. Diese Tänze ermöglichten es vor allem der Jugend sich näher zu kommen. Fruchtbarkeitsfeste waren auch ein Heiratsmarkt – nicht nur hierzulande anlässlich Beltane oder des Frühlingsthings, auch von Bubastis ist dies bekannt.

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Bastetfeierlichkeiten waren ausgelassen und boten vor allem den
Frauen grosszügige Freiheiten.

Ägyptische Familien schickten ihre „alten Jungfern“ zu den „Festen der lieblichen Trunkenheit“ um, wenn schon nicht mit einem Mann, dann doch mit einem Kind heimzukehren. Eine kinderlose Frau galt als krank, und für die Familie als schlechtes Vorzeichen. Die abgebildeten Frauen bieten wohl eine antike Variante des Bauchtanzes dar.

Auch die Wurzeln dieses als urorientalisch angesehenen Tanzes stammen aus Fruchtbarkeitsritualen, er ist wohl ein universeller Ausdruck der Schöpferkraft, denn Ähnliches ist auch von nördlich der Alpen aus der Bronzezeit aus bildlichen Darstellungen dokumentiert.

So ist ein gut erhaltenes Mädchengrab aus Dänemark bekannt, das wahrscheinlich die letzte Ruhestätte einer Fruchtbarkeits-Tänzerin darstellte. Sie starb zwar jung, aber eines natürlichen Todes und wurde mit reichen Beigaben beerdigt.

Bemerkenswert: Die goldene Sonnenscheibe mit einem phallus-förmigen Kegel, die als zentrales Schmuck-Element ihres Tanzkostüms, das einem Bauchtanz-Outfit nicht unähnlich war, fungierte. Abbildungen solcher Tänzerinnen zeigen eine akrobatische Darbietung, wobei die Sonnenstrahlen eingefangen und mit dem Kegel zurückreflektiert wurden:
Die lebensspendende Sonne wurde durch den Tanz rituell vom Himmel geholt („drawing down the sun“) und ihre Segnungen auf die Gemeinschaft übertragen. Besonders dem Rock aus Filzschnüren kam in dem Tanz wohl eine besondere Bedeutung zu. Interessanterweise gab es bei den Römern ebenfalls einen Frühlingssbrauch, der mit solchen Schnüren aus Tierhaut oder Wolle verbunden war: Die Lupercalia im Februar, einem Monat der nach diesen Fruchtbarkeits-Riemen benannt war, den sogenannten Februae.

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Bronzezetlicher Fruchtbarkeitstänzerin.

Bronzezeitliche Sonnenpriesterin aus dem dänischen Egdvet: Eigene Interpretation einer gemeinfreien Vorlage von wikimedia.

In Anbetracht der antiken Ansichten über ungesunde Kinderlosigkeit und heute noch existierenden Befürchtungen in Hinsicht auf mangelnde männliche Vitalität– was tun wenn es mal nicht so recht klappen will?

Heute gibt es die „blauen Wunder“, aber was war früher los, mit der Last bei der Lust?

Neben Opferung und Andacht in den jeweiligen Schreinen der zuständigen Gottheiten, bedienten sich unsere Altvorderen durchaus pragmatischer Mittelchen.

Aphrodisiaka und Baby-Booster waren auch damals heiss begehrt. Es fanden vielerlei Möglichkeiten, die Abhilfe schaffen sollten:

  • Pharmazie – Phytotherapie
  • Magisches Ritual (Psychologie)
  • Kombipackung

Das Zauber-Ritual bediente sich häufig der sympathetischen Magie, bei der bildliche Entsprechungen und Ersatzhandlungen eingesetzt wurden: Amulett, Talisman, magische Puppe sind nur ein paar Möglichkeiten. Mit Nadeln und Wachsbildern wurde auch im europäischen Raum gearbeitet, keine Erfindung der Vodun-Religion. Es wurden regelrechte magische Akupunkturen durchgeführt – als Bindezauber in Liebesdingen, aber auch als Heilmittel.

Eine komplexe medizinische Heilzeremonie wurde von Ärzten oder Heiler(innen) durchgeführt, bei der meistens Pflanzenmittel verordnet wurden, aber auch mit Psychologie wurde gearbeitet. Dem Hilfesuchenden wurden etwa Weihehandlungen auferlegt, z.B. Wallfahrten, die waren auch in der Antike, vor allem bei den Kelten sehr verbreitet. Am Ziel gab es oft eine „Wunderquelle“,  in deren Wasser man genesen konnte. Vor allem Frauen mit Kinderwunsch pilgerten zu solchen Orten.

Doch nun zu den Pflänzchen:

Stimmungsmacher waren und sind häufig Gewürzpflanzen. Hier ein paar Beispiele mit ihren astromedizinischen Zuordnugen:

Mondpflanzen wirken auf die weibliche Fruchtbarkeit durch Wirkung auf den Uterus und erleichtern den Geburtsvorgang. Sie sind milchfördernd, wassertreibend und eher anaphrodisisch.

Venuspflanzen regeln die Fruchtbarkeit von Mann und Frau über hormonelle und harmonisierende Wirkung. Da sie häufig wohlschmeckend oder duftend sind, regen sie sie Fähigkeit zu sinnlichem Genuss an. Sie wirken auf die Nierentätigkeit und den Kohlehydrathaushalt.

Marspflanzen steigern die Libido und haben oft eine kräftigende und durchblutungsfördernde Wirkung. Sie wirken immunstimulierend.

Sonnenpflanzen wirken tonisierend und wie Jupiterpflanzen stimmungsaufhellend. Sie wirken auf das Herz-Kreislaufsystem.

Jupiterpflanzen: lebertonisierende Gewächse, Genussdrogen (Wein)

Saturnpflanzen sind wie Mondpflanzen eher anaphrodisisch. Sie sind häufig giftig und wurden als Abortiva verwendet.

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Liebeszauber – oder männliche Wunschvorstellung?
Liebestränke waren zu allen Zeiten der Renner unter den Zaubermitteln.
Love Potion ©scrano 2015, gilrl by twins72 stocks magical brush: obsidiandawn

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
Bald Helenen in jedem Weibe.

Goethe, Faust:Der Tragödie erster Teil, in der Hexenküche.

ABC der kleinen Helferlein …

  • Basilikum (Jupiter, Merkur, Mond, Saturn)
  • Chili (Mars, Venus, Mond, Saturn)
  • Gingko (Mond,/Saturn Sonne/Uranus)
  • Ginseng (Sonne, Saturn/Uranus)
  • Ingwer (Mars, Venus, Sonne, Saturn/Uranus)
  • Kakao (Mars, Venus, Mond, Saturn)
  • Koriander (Venus, Mars, Merkur/Jupiter)
  • Mandel (Mond, Saturn, Venus, Pluto)
  • Muskatnuss (Jupiter/Neptun, Merkur (auch Macis))
  • Muskatellersalbei (Mond, Merkur, Neptun/Jupiter, Saturn)
  • Myrrhe (Mond, Saturn),
  • Oppoponax (Venus,Pluto)
  • Petersilie (Merkur, Jupiter, Mond, Saturn)
  • Safran (Venus/Pluto, Merkur/Jupiter), äusserlich ähnlich der sehr giftigen Herbstzeitlose (Venus/Pluto, Mond/Saturn) und ebenfalls -> Hekate geweiht)
  • Thymian (Merkur, Neptun/Jupiter)
  • Vanille (Merkur/Neptun, Venus/Mars) – ein pheromonähnlicher Lockstoff
  • Zimt (Sonne,/Uranus, Venus/Mars)
  • Kapuzinerkresse (Venus/Mars)
  • Wachholder (Mond/Saturn, Venus/Mars)
  • Hafer (Merkur/Jupiter)
  • Kalmus (Mond/Saturn)
  • Estragon (Mond/Saturn, Merkur/Jupiter)
  • Damiana (Venus/Mars, Jupiter/Merkur)
  • Hanf (Neptun/Jupiter – Merkur)

Aber manches heimisches “Unkraut” erfüllt den Dienst auch:

  • Brennessel (Venus/Mars(Pluto), belebende Wirkung
  • Schafgarbe (Panacea – dominant Venus/Mond zu Saturn/Mars) – Duft, Blattform

Oder Obst/Gemüse:

  • Erdbeeren (Venus/Mars, Merkur/Jupiter(Neptun)) – Duft, Farbe

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    ©kmygraphic

  • Granatäpfel (Venus/Pluto) – viele Samen, Form und Farbe
  • Holderbeeren und Blüten (Venus/Pluto, Mond/Saturn)
  • Kürbis(kerne), Venus/Pluto, Jupiter/Merkur, Form, Samen, Üppigkeit
  • Spargel (Mond, Saturn, Merkur, Jupiter) – hier machts wohl eher die Form …
  • Sellerie (Jupiter/Merkur, Mond/Saturn)

Tierische Lebensmittel:

  • Austern (Mond/Saturn) – Konsistenz und Aussehen, Meeresbewohner
  • Garnelen (Mond/Saturn) – Aussehen, Meeresbewohner
  • Oktopus (Mond/Saturn) – Aussehen, Meeresbewohner
  • Meeresfrüchte enthalten viel Eiweiss und Zn, das für die Fruchtbarkeit wichtig ist.

Pilze:

  • Trüffel (Neptun/Merkur, Venus/Pluto) – Lockstoffe

Düfte:

  • Patchouli (Venus/Pluto)
  • Rose (Venus/Mars)
  • Sandelholz (Venus/Mars)
  • Jasmin (Neptun/Merkur, Mond/Saturn)

Wirksame Aphrodisiaka zeichnet eine Dominanz des Mars/Venus Pols aus, wobei die beiden Prinzipien etwa gleich stark vertreten sind.

Zum Thema Tantra und generell ritualisiertem Sex für magische und religiöse Praktiken, ohne Bezug zu Fruchtbarkeit und Fortpflanzung gibt es noch einen weiteren Artikel.

 

Posted by on Dezember 8th, 2016 Kommentare deaktiviert

Traumzeit Europas: Spirituelle Orte in der Bretagne

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Typischer Dolmen der Bretagne oder “Allee Couverte”.
Cote d’ Armour, Nordbretagne.

In der Zeit der ersten Ackerbauern, dem Neolithikum, entstanden die Megalithanlagen in Europa. Einige der eindrucksvollsten und ausgedehnetesten Anlagen und Steinsetzungen findet man in der Breatagene. Der Schwerpunkt liegt in der südlichen Provinz Morbihan, sowohl entlang der Küste als auch auf den kleinen inselchen der Region.  Die meisten Dolmen, Tumuli, Cairns und Menhire wurden zwischen 4500 und 2000 v. Chr. errichtet beziehungsweise genutzt.

In der folgenden Bronzezeit war die Bretagne wegen ihrer Metallvorkommen ein wichtiger Handelsplatz, was man aus zahlreichen weiteren umfangreichen Hortfunden schließen kann. Die bretonischen Bronzeäxte mit geraden Schäften (1200 bis 1000 v. Chr.) waren in ganz Nordeuropa verbreitet. Es gab in dieser Zeit des beginnenden Fernhandels auch intensive Kontakte mit England, Deutschland und Skandinavien.

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Nabel-Stein: Gravierung in einer Allee Couverte.

Die Eisenzeit begann in der Bretagne mit der Einwanderung der Kelten ab dem 6. Jhd. v. Chr. also relativ spät. Von diesen Neuankömmlingen stammt auch die Bezeichnung  Aremorica beziehungsweise Armorica („Land am Meer“).  Die verbesserte Landwirtschaft durch Pferd und Eisenpflug  beendete die Bronzekultur der Halbinsel vollständig, obwohl durch die Indoeuropäer keine Eroberung, sondern eher eine Vermischung mit der ansässigen Bevölkerung stattfand.

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Dolmens de Mane Kerioned. Bretagne 2014, Carnac.
Dolmen oder Allee Couverte, ein Gang-Grab, das seines Erdhügels beraubt wurde.

Menhir (Mann-Stein), Teil einer Steinsetzung (Alignements) nahe Erdeven.

Menhir (Mann-Stein), Teil einer Steinsetzung
(Alignements) nahe Erdeven.

Die Bedeutung der Alignements und ihre Verwendung gibt noch Rätsel auf: Kultische Prozessions-Strasse oder Visierlinien für astronomische Beobachtungen der Sonne und helikaler Planeten (Venus) oder Gestirne (Sirius)? Auch Sonnen-und Mondfinsterniskalender glaubt man darin zu erkennen. Megalithische Steinsetzungen haben häufig mit den Ahnen und dem Jahreskreis zu tun.  Man findet bei einigen auch eine Holzkonstruktion in der Nähe, quasi als Spiegelbild der Anlage, wie in Stonehenge, wo es auch ein Woodhenge gegeben hat. Prozessionswege sieht man auch in Avebury, dem grösseren, aber weniger bekannten Doppel-Steinkreis in Wiltshire. Die Dolmen, Cairns und Tumuli waren wohl, ähnlich den britischen Long Barrows, gemeinschaftliche Grabanlagen einer Sippe. Bei den Menhiren ist interessant, dass viele an der Küste stehen, vom Meer aus gut zu sehen sind: Vielleicht waren sie auch Seezeichen für die aufkommende Küstenfischerei. Manche wurden später zerbrochen und in die Dolmen eingearbeitet: Beim Table Marchand liegt der Grand Mehir brise, ein riesiger zerbrochener Monolith. Teile von solchen Steinen dienen in der Grabanlage als Decke. Man kann sogar noch die ursprünglichen Gravuren erkennen. Eine Umorientierung der Kulte, eine neue Religion?

Die viel später “zugezogenen” Kelten nutzten die vorgefundenen Sakralbauten für ihre eigenen Riten, in England, aber auch in der Bretagne. Dieser Respekt vor den Gottheiten der Ur-Bevölkerung zeugt auch von einer eher friedlichen Einwanderung, nicht einer gewaltsamen Landnahme.

In der Bretagne gibt es zahlreiche steinzeitliche prähistorische Fundstätten, wir haben viele davon besucht. Hier eine Aufstellung der schönsten in Küstennähe.

Daneben gibt es noch viele Dolmen im Wald von Paímpont, dem sagenhaften Ort Broceliande aus der Artus-Legende. Sie werden dort als Feen-Felsen oder Merlins Grab bezeichnet.  Ein Riesen-Menhir steht noch bei Dol de Bretagne, wo der Teufel nach dem Streit mit dem Erzengel Michael um den Mont St. Michel einen Steinhaufen hinterlassen haben soll. Überhaupt Michael: Sehr viele Kirchen auf alten Heiligtümern tragen seinen Namen, oder den von St. Georg, weil beide den Lindwurm oder die Erdschlange bezwungen haben. Tja, die Götter der Besiegten werden zu Dämonen der Sieger. In der Bretagne wimmelt es nur so von St. Michel Kirchen und Kapellen. Auch auf dem grossen Tumulus bei Carnac steht ein solches “Zwing-Gebäude”. Diese Zerstörung und Umwidmung wurde von Missionaren noch bis zur Zeit der Gegenreformation betrieben, da vor allem die mythischen Überlieferungen über die Megalithen aus der Keltenzeit hartnäckiger Bestandteil des Volksglaubens blieben. Ein weiteres Indiz für solche Kontinuität sind die Troll-Schwellen der “Umfriedeten Pfarrhöfe” – aber das ist ein eigenes Kapitel.

Tumulus St.Michel bei Carnac.

Tumulus St.Michel bei Carnac.

Man hat einen tollen Ausblick auf die Alignements und das Museum von Carnac, wenn es nicht gerade dunstig ist … (es ist fast immer neblig – wie in Avalon).

Dolmen der Ile Grande in Küstennähe.

Dolmen der Ile Grande in Küstennähe.

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St. Uzec bei Ile Grande – ein umgestalteter Menhir.

Die Ile Grande bietet neben dem grossen Dolmen in mitten von grossen Farnen, ein pittoreskes Fischer-Örtchen und eine schöne Küstenlandschaft mit Vogelschutzgebiet. In der Nähe, an der Küstenstrasse, steht auch der getaufte Menhir von St.Uzec.

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Mont St. Michel des Binnenlandes: Man hat einen spektakulären Ausblick auf den Stausee Lac St.Michel.
Wie beim Glastonbury Tor ein Portal zur Welt von Gwyn Ap Nudd.
Auf dem Tor steht ebenfalls eine St.Michaels Kirche.

Man kommt an diesem Aussichtspunkt bei der Fahrt nach der Halbinsel Crozon vorbei: Chapelle St. Michel Brasparts. Die Kirche hat irgendwie eine schaurige Ausstrahlung, und das bei grellem Sonnenlicht! Im Inneren war wohl Vandalismus am Werk. Dazu fanden sich Überreste irgendwelcher Rituale: Hier tummeln sich zwielichtige Vögel, würde ich meinen. Die alten Sagen um Teufelserscheinungen (a la Sleepy Hollow) auf dem Hügel und seinem Nachbarn, einem früheren Brigids-Heiligtum spuken wohl noch in verwirrten Köpfen. Zu Füssen des Doppelhügels liegt passenderweise eine Marienkirche (Brigid lässt grüssen) mit einem sehr schönen Schau-Altar. Bei der Zufahrt zur Crozon-Halbinsel lohnt noch ein Abstecher zum Sagenberg Menez Hom, einem ehemaligen Vulkan.

Ein Tipp für Br.Freimaurer:  Unsere Unterkunft in einem schönen Ferienhaus bei Paimpol  ist generell für Brüder zu haben!

mont_st_michel_by_scrano-d9jmrnk

Mont St. Michel, wie sein britisches Gegenstück St.Michaels Mount ,
ein ursprünglich keltischer, vielleicht sogar älterer Wallfahrtsort.
Ynis Witrin – Insel aus Glas war die Bezeichnung solcher
Grenzorte zur Anderswelt.

Alle Fotos ©beast666.

 

Posted by on Dezember 8th, 2016 Kommentare deaktiviert