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Solar Fire: Räucher-Ritual zur Wintersonnenwende

Sonnenfeuer - Winterglanz

Sonnenfeuer – Corona
©scrano 2015

Prolog im Himmel, Goethe: Faust I

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.

Flammenfraktal im Wortsinn, das die Sonne mit der brüllenden Kraft ihrer Magnetosphäre darstellt. Ohne Sonne kein Leben, daher sehnen wir uns nach der langen winterlichen Dunkelheit instinktiv nach ihr.

Ein bisschen Sonne ins Haus holt uns jetzt eine Räucherung beim warmen Licht echter Bienenwachskerzen. Die Biene vereint lunare*** und solare Elemente in echter Harmonie. Sie schenkt uns das Wachs mit seiner Heilwirkung und dem Licht, das es uns als Material für Kerzen spendet.  Das regelmässige Sechseck der Wabe: Ein Sonnensymbol, wie das Zentrum des Hexagramms, dem sechs-Stern, der das klassische Sonnensystem der Alchemie darstellt. Und erst der Inhalt: Der Honig in seiner goldenen Pracht wirkt schon wie eingefangener, flüssiger  Sonnenschein, darin gleicht er dem Bernstein, ebenfalls ein solares Naturprodukt, das vom Harz schon längst fossilierter Nadelwälder stammt. In diesem ebenfalls goldenen klebrigen Saft steckt die Essenz der Bäume, die einen sehr effektiven, lebendigen Speicher der Sonnenenergie darstellen.

  • Daher gehört der Bernstein zu einer solaren Räuchermischung hinzu, ebenso der Weihrauch, auch ein Harz.
  • Dazu kommen Rosmarin und Zeder, Zitrusschalen, Calendulablüten, Gewürznelken, Zimt und Calmuswurzel, welche als belebend und erwärmend gelten. Auch der Ingwer zählt zu den solaren Mitteln, aber eher als Süssigkeit oder im Tee. Der Rauch ist unangenehm scharf, da zeigt sich Mars. Daher eignet sich Ingwer, wie auch das ebenfalls solar-marsische Johanniskraut eher für Rituale im Freien, bei denen der Winter ausgetrieben werden soll.
  • Pflanzen mit einer Sonnen- Signatur besitzen häufig fette Öle, z.B. Sonnenblume oder  Lorbeer, der Sonnenpflanze der alten Griechen: Wahrzeichen des Apollon. Lorbeerblätter kann man auch verräuchern, zusammen mit Weihrauch, Fichtenharz  und Wacholderbeeren, die marsisch-abwehrend wirken. Eine Vielzahl an solaren Gewächsen sind auch Herzmittel, wobei sie verstärkt tonisierend wirken: Korrespondenz zum Zeichen des Löwen und den Eigenschaften des 5. Hauses.

Die Sonne steht in unser aller Zentrum, ihre Symbolik sollte daher verbinden und nicht trennen: Mit einem solaren Räucher-Ritual kann man alle Aspekte des Mittwinterfestes, der Zeit der Wintersonnenwende recht gut vereinen. Die alte naturreligiöse Tradition nördlich der Alpen und die römisch-christliche Feier des Jesus-Kindes als Licht der Welt, Sol Invictus. Religion heisst nicht umsonst Rückverbindung. Allerdings sollte hier den positiv spirituellen Elementen von Licht und Wärme gehuldigt werden, und nicht den verknöcherten Dogmen. Die braucht keiner. Die lässt man am Besten von den Perchten der ebenfalls am Sonnwendstag, dem 21. Dezember , beginnenden Raunächte verscheuchen.

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©kmygraphic
 
**Lunares Element des Bienenvolkes ist ihre Gesellschaftsform als matriarchales Kollektiv, daher ist auch der saturnische (Struktur, Gegenpol des Mondes) und der neptunische (Aufgabe der Individualität, Gegenpol des Merkur- fliegende Geschöpfe) Archetyp vertreten. Wie bei den Borg, die allerdings mit ihrem kriegerischen Expansionsdrang eher den Ameisen gleichen, bei denen das Mars-Element ebenfalls mehr in den Vordergrund tritt. Die Biene hat zwar einen marsischen Stachel, stirbt aber wenn sie ihn einsetzt, ein allerletztes Mittel also. Bienen besitzen marsische und  venerische Züge, da sie Blüten befruchten.  Pollen=Mars, Frucht=Venus.
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Bernsteingold: Fraktales Weihnachtsbäumchen -
Fichtenharz ist ein beliebtes Räuchermittel – Sonne/Uranus, Mars/Venus.

 

Posted by on Dezember 20th, 2016 2 Comments

Mitten im kalten Winter: Yule – Rauhnacht – Sonnenkind

Funken des Yul_Feuers bringen das neue Licht ins Heim.

Funken des Yul_Feuers bringen das neue Licht ins Heim.
Yul Embers ©scrano 2014

When the Wheel begins to turn, let the Beltane fires burn.
When the Wheel has turned a Yule, light the Log and let Pan rule.

WINTER SONNWENDE – YULE

Im nordisch-germanischen Neuheidentum (z. B. Asatru) ist das altgermanische Julfest eines der drei Eck-Feste im Jahr und man versucht auf das Brauchtum zurückzugreifen, das man aus den Überlieferungen noch rekonstruieren kann:  z. B. Wilde Jagd oder Raunächte, um die Julzeit und das Mittwinterfest zu begehen. Als Datum kommt hierfür entweder direkt die astronomische Sonnwende am 21.12. oder der Tag des ersten Vollmonds danach in Frage, welcher Julmond heisst. Deneben gibt es noch das Haakon dem Guten zugeschriebene Datum am 25.12.  Daher ist das Julfest wohl nicht nur dem solares Kalender zuzuordnen. Unter Umständen ist die Zeit der Raunächte auch ein Versuch den Sonnen- und den Mondkalender zu synchronisieren, wie man es auch schon jungsteinzeitlichen Bauten wie Stonenhenge als ein möglicher Verwendungszweck zuschreibt. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage. Wie in allen einfachen, „nicht-interkalierenden Lunisolarkalendern“ (also allen Mondkalendern ohne Schaltmonate, wie man sie in bäuerlichen Kulturen findet), werden die auf die 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage – beziehungsweise zwölf Nächte – als  Tage „außerhalb der Zeit“, eingeschoben. Von solchen Tagen wird in der zugehörigen Kosmologie angenommen, dass die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und daher die Grenzen zu anderen Welten durchlässig würden. In vielen Kulturen, die so ein Kalendersystem verwenden, verbindet sich diese Zeitspanne oftmals mit Tabus, Ritualen und Volksmythen. Es wird auch vermutet, dass die Bräuche um die „Winterauskehr“ am Ende des Faschings in diesem Zusammenhang stehen: Sie simulieren eine Interkalation bezüglich des Jahresbeginns mit dem Frühlings-Äquinoktium. Besonders deutlich findet sich das in den römischen Saturnalien und Lupercalien.

Gefeiert wird das Wiedererstarken der Sonne und das Längerwerden der Tage, da dieser Wechsel seit Menschengedenken überlebenswichtig ist, vor allem für die Saat und Ernte. Der Julmond, der auch Nytungl (Neuer Mond) oder Nykung (Neuer König) heißt, wird mit dem rituellen Jultrinken begrüßt. In der christlichen Weihnachtsliturgie war früher die sogenannte Johannisminne, ein rituelles Zutrinken, üblich, am 27. 12., dem Feiertag des Evangelisten Johannes.  Zu den verwandten Bräuchen kann man auch den Wassail rechnen, wie er in Schottland noch üblich ist, oder auch in Teilen Bayerns als Flursegen angewandt wird. Dort besprengt man die Flur bzw die Apfelwiesen mit Milch oder Most aus der vergangenen Ernte. Der Julmond im Januar kennzeichnet den Beginn des neuen Jahres. Man sieht die Rauhnächte zwischen Wintersonnenwende (Mütternacht) und Dreizehnttag (Perchtennacht) als eine zwölftägige Friedenszeit, in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Stechpalme, Kiefer, Efeu, Wacholder geschmückt werden, denen man schützende und heilende Kräfte zuschreibt. Das Haus wird geräuchert mit den Worten „Glück ins Haus – Unglück hinaus,“ oder “Evil shall leave and not enter”, wie es im Original heisst.  Der „Julbock“, wird aufgestellt, sehr zur Freude der Kinder: Ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, wahrscheinlich ein Fruchtbarkeitssymbol. Dieser lässt sich vielleicht auf die Ziegenböcke des Gottes Thor zurückführen, die seinen Wagen ziehen. Er bringt auf seinem Rücken noch heute in Skandinavien die Geschenke. Gastfreundschaft soll schon früher ein wichtiges Element der Julzeit gewesen sein, so soll das Haus den Gästen offengestanden haben, die ein und aus gingen und reich bewirtet wurden. Zudem ist es ein Brauch, einen großen Holzklotz – den Julklotz – aus dem Wald zu holen, und ihn zwölf Tage und Nächte brennen zu lassen. Vergleichbar mit dem Volksbrauch, Feuerräder bzw. Osterräder von Bergen abzurollen, werden von Anhöhen brennende Sonnenräder, mit Stroh bespanntes Holz oder geflochten, herab gerollt. Als Kinder haben wir kleinere solche brennende Reifen mit Hilfe von Haselstöcken durch den Ort gerollt, im schwer katholischen Bayern! Überhaupt sind hier die Raunachtsbräuche noch sehr lebendig. Perchtenlauf, Räuchern und etliche Tabus in der Zeit zwischen der Zeit werden hier noch in breiter Vielfalt und grosser Selbstverständlichkeit praktiziert. Nicht erst als neuaufgelegte Touristen-Folklore oder als ärgerliches Rudiment aus der Nazi-Zeit. Die enorme Vielfalt des lokalen Brauchtums legt ausserdem die Annahme vorchristlicher Ursprünge nahe, leider ohne dass heute noch feststellbar wäre, wo die jeweiligen kulturellen Wurzeln tatsächlich liegen. bzw. wie weit sie zurückreichen. Germanische Bezüge vieler Raunachtsvorstellungen sind aber naheliegend, denn zu dieser Zeit soll sich nämlich in der germanischen Vorstellung auch Wodans alljährliche Wilde Jagd abgespielt haben, in der die Geister der Verstorbenen mit Odin/Woden/Wotan über das Land ziehen sollten:

Im Zentrum der  Zwölfnächte, nämlich zu Silvester, steht dann Woden’s “Wilde Jagd”. Zu dieser Zeit stehe die “überirdische Anderswelt” endgültig in Verbindung mit der Menschenwelt und die Seelen der Verstorbenen dürfen Kontakt aufnehmen. Dieser Glaube, dass zu sich zu dieser Zeit das Tor zum Geisterreich öffnet, zog Bräuche wie das Stehenlassen von Essen für die Geister (dumb supper) oder das Verbringen von Essen in die Megalithanlagen z.B. Bretagne, britische Inseln, mit sich. Auch für Odins Pferd Sleipnir stellte man Nahrung vor die Tür. Ebenfalls in den Rauhnächten spielt das Märchen um Frau Holle (Berchta, Perchta), die eine deutliche Verwandschaft zur germanischen Totengöttin Hel hat. Aber nicht nur in Regionen nördlich der Alpen wurden solcherlei Glaubensvorstellungen gepflegt: Auch die Römer kannten entsprechendes Brauchtum, ebenso verbreitet ist es in Griechenland oder Osteuropa, also in grossen Teilen des  indoeuropäischen Sprachraums. Erdhafte und unterweltliche Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd einherziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Ost-Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten. Die Bräuche zu den verschiedenen “Zwischenzeiten” des Jahres ähneln sich sehr: Es existieren Übereinstimmungen z.B. zwischen dem Rauhnachtsbrauchtum und dem von Samhain oder All Hallows Eve” und den graeco-römischen Feiern der Erntefeste, an denen auch “Mundus Cereris Patet“: Saturnalia, Lupercalia.

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Krampus, auch ein Weihnachtspercht,
der manchmal schon mit dem Nikolaus kommt.
Er ähnelt dem Habergoas. quelle:wikimedia

Diese Umsetzung solcher Vorstellungen spiegelt sich besonders in den Perchtenläufen des Alpenraums wider. Dort gibt es allerlei teuflisch erscheinende Gestalten, die Schiechperchten, zum Beispiel den Habergoas, eine Mischung aus Pferd und Ziegenbock, ersteres ein Symbol Wodens, der Bock ein Tier des Thor. Die sogenannten Holzperchten schlagen besonders die Mädchen mit Haselzweigen, wohl eine Variante des “Quickens“, ein Fruchtbarkeitsritual. Auch die Hasel gehört zu Thor, der als Fruchtbarkeitsgott der Feind des Winters war: Im hohen Norden beteten die Menschen zu ihm, dass er die grimmigen Eisriesen mit seinem Hammer möglichst bald zerschmettert.  Eine andere Form der Perchten, aber regional davon getrennt und eigenständig sind die schellenbehängten Schepperer oder Glöckler. Auch der Brauch, zu Silvester Lärm zu erzeugen (Silvesterfeuerwerk), sollte die Unholde fernhalten, im Alpenraum wird in allen Rauhnächten auch geböllert. Wobei nicht nur der Lärm, sondern auch der Schwefeldampf des Schiesspulvers die üblen Geister vertreiben soll.

Je nach Region unterscheidet sich die Anzahl der Rauhnächte zwischen drei und zwölf Nächten. Als die vier wichtigsten Rauhnächte werden bezeichnet:

  • 21./22. Dezember (Thomasnacht, die Wintersonnenwende) (längste Nacht des Jahres)
  • 24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht, Vigil von Weihnachten)
  • 31. Dezember/1. Januar (Silvester)
  • 5./6. Januar (Epiphanias, Erscheinung des Herrn)

In manchen Gebieten wird die Thomasnacht nicht hinzugezählt, obwohl hier der alte heidnische Bezug noch extrem deutlich ist:

“Der Thama mit’m Hamma”

Die Nacht vor Thomas (21. Dezember) ist eine der wichtigsten und eigenartigsten Losnächte. Er ist recht volkstümlich, der “Thama mit’m Hamma”. Er erinnert deutlich an den hammerschwingenden, wetterbeherrschenden Gott der Germanen Thor/Donar, der mit seinem Hammer Mjölnir an die Wolken schlug und damit den Donner erzeugte. Der blutige Thamerl, wie er bei uns genannt wurde, war besonders als Kinderschreck gefürchtet.

Auch die seltsame Luzier: Hl. Lucia, am 13. Dezember gefeiert, gehört eigentlich noch zu den Raunachtsgestalten. Der 13. Dezember war früher ein wichtiger Tag für die traditionellen Feierlichkeiten der Sonnenwende, denn bis 1752 fand die Wintersonnenwende (z.B. in Schweden) an diesem Tag statt. Die Sichel der St.Lucia, als Symbol ihres Märtyrertums,  wird nun zum Drohwerkzeug für unartige Kinder, wie der Thorshammer des “Thamerl”. Diese Sichel kann man auch als Symbol des Saturn, als Herrn der Zeit und Schnitter Tod interpretieren, oder als Mondsichel der “Grossen Göttin”. Zur Deutung als Saturnsymbol kommen noch Janus und Terminus dazu, die in der Römerwelt für die räumlichen und zeitlichen Grenzen zuständig waren. Beide Gottheiten standen mit Saturn in Verbindung. Besser kommt Lucia in Schweden weg, hier wird ihr Gedenktag als Lichterfest gefeiert, vor allem für die Töchter der Familien ein Spass: Die älteste Tochter weckt weiss bekleidet, mit einer Lichterkrone auf dem Kopf, morgens die Familie und serviert ihnen Frühstück bei Kerzenschein: Vor allem Safrangebäck, ein Symbol der Sonne. Diese süssen Kringel, auch als Lussekatter=Luciakatzen bezeichnet, können auch ein Hinweis auf aur nordische Göttin Freya sein, deren Himmelswagen ein Katzengespann zog. An diesem Tag wird das berühmte Lucia-Lied gesungen, das von der Wiederkehr des Lichtes handelt, auch ein Bezug zum alten Datum der Sonnwende.

Die Etymologie, also die sprachliche Wurzel,  des Wortes Rauhnacht ist umstritten. Eine Möglichkeit stellt das mittelhochdeutsche Wort rûchhaarig‘ dar,  das es in der Kürschnerei als Rauhware oder Rauchware für Pelzwaren heute noch gibt. Es würde sich dabei auf die mit Fell bekleidete Schmutz- oder Schiechperchten beziehen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben, oder aber vielleicht auf Rituale rund um das Nutzvieh. Wie zum Beispiel das Räuchern der Ställe mit dem Johannisbuschen des Sommers. Das würde aber auch die andere Herleitung des Wortes liefern: Rauch-Nacht, vom Haus-und Hof -Räucher-Ritual abgeleitet, das von der Bäuerin ausgeführt wird. Die alternative Bezeichnung Glöckelnächte bezieht sich auf das „Glöckeln“, von Tür zu Tür gehen und anläuten, einen Einkehrbrauch, der auf der Sage beruht, dass entweder Thor oder Odin zu dieser Zeit die Gastfreundschaft der Menschen überprüfe, und je nach Ausübung oder Verweigerung belohne oder bestrafe. Wie auch Frau Holle im Märchen.

Die Rauhnächte als Quasi-Niemandszeit sind auch für das Befragen von Orakeln geeignet. Im Silvesterbrauchtum wird dieser Glaube – wenn gleich mehr aus Spass und Geselligkeit – in Form des Bleigießens (das Metall Saturns, des Herrn der Grenzen und der Zeit)  bis heute weiter gepflegt. Tiere im Stall sollen um Mitternacht mancher Rauhnächte die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen – wer die Tiere allerdings sprechen höre, sterbe unmittelbar danach. Ein bisschen blitzt da noch das sprechendes Odinspferd, der achtbeinige Sleipnir, oder Fallada aus dem Märchen “Die Gänsemagd” durch.  Mancherorts dürfen sich die Tiere bei einem Hausgeist über ihren Herrn beschweren: Hat er sie im letzten Jahr schlecht behandelt, wird er bestraft. Heinzelmännchen, Laren und Manen lassen grüssen!

Die vier wichtigen Rauhnächte galten mancherorts als derart gefährlich, dass sie mit Fasten und Gebet begangen wurden. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen (welche die wilden Reiter stehlen würden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benützen). Es durften keine Wäscheleinen gespannt werden, da sich in diesen die wilde Jagd verfangen könnte. In einer anderen Version ist dies besonders (jüngeren) Frauen verboten. Durch das Aufhängen von weißer (Unter-)Wäsche würde die wilde Jagd angelockt und dann über diese Frauen „herfallen“. Wohl eine Art Angst vor “Incubi” oder Besessenheit.  Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein. Beide galten als besonders anfällig für Hexerei, als Opfer und Täter. Darüber hinaus darf nicht Karten gespielt werden. In manchen Gegenden des Ostalpenraums wurden diese Vorschriften von Perchten überwacht.

Diese Tabus sind wohl der Dämonisierung des älteren Brauchtums durch die Christianisierung zuzuschreiben: Die Götter der alten Religion sind häufig die Teufel der neuen. Vor allem weil einige Yul- oder Raunachtsbräuche mit Fruchtbarkeit zu tun haben, oder auch mit Orakelbräuchen, die vielleicht mit dem Genuss von Pilzdrogen, wie der Amanita muscaria einhergingen: Das mochten die sittenstrengen Kirchenlehrer wohl gar nicht dulden.

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Wintersonnenwende – Mutternacht. Das Leben kehrt zurück.
Modranecht ©scrano 2015

Doch zurück zum Neuheidentum:

Auch in der teilweise auf keltischen Überlieferungen*** basierenden Wicca-Religion ist das Julfest eines der 8 Feste des Jahreskreises, an dem mit der Wintersonnenwende die Wiedergeburt des an Samhain gestorbenen gehörnten Gottes bzw. der Tod des Winter- oder Holly Kings (Winterhalbjahr) und dessen Ablösung durch den Oak King (Sommerhalbjahr) gefeiert wird. Holly (Ilex, Stechpalme) und Oak (Eichenlaub) stehen auf den britischen Inseln als Symbole für den Winter und Sommer. Das sieht man auch an den vielfältigen Darstellungen der sogenannten “Green Men”, welche die Vegetation oder Herne, den Geist des Waldes, einer Art Kreuzung aus Odin, Cernunnos und Jennerwein***, versinnbildlichen.

Die Nacht dieses Wechsels wird als in der Zeit gefrorener Moment begriffen: Die Welt hält einen Moment den Atem an. Im Kessel der “Grossen Mutter” wird das Licht neu geboren, aus dem “Dunklen Winterkönig” wird das Sonnenkind.  Dieses Symbol der zunehmenden Tageslänge ist das Versprechen auf einen neuen Sommer voller Licht und Wärme. Die Göttin beginnt einen neuen Zyklus im ewigen Kreislauf, wobei sie sich wieder zu ihrer “jungfräulichen” Form transformiert.  Auch hier spielt das Feuer, z.B. der Jul-Block (nicht Bock!) und das Räuchern im Ritual eine zentrale Rolle. Die traditionellen Weihnachtsfarben: Gold, Grün und Rot kommen ebenfalls zum Einsatz, sie repräsentieren Licht und Leben.

Zum Räuchern als Ausleitung des alten und Einleitung eines neuen Lebenskreislaufs werden Pflanzen mit Korrespondenzen zum Feuerelement oder der Sonne verwendet:

  • Zimt, Nelken, Weihrauch, Myrrhe aber auch Zedernholz und vor allem Lorbeer für den Gott in seiner Form als Sonnengott und Lichtgott Apollon oder Bel/Balder und Rosmarin für die Göttin in ihrer Repräsentation als Artemis/Brigid/Freya.
  • Der Lorbeer hat als heilige und heilende Pflanze eine lange Tradition: Schon die Orakelpriesterinnen in Delphi verwendeten ihn, wahrscheinlich schon in der Zeit der alten Erdgöttin Python, bevor Delphi zum Orakeltempel des Apollon wurde. Zu Heil- und Reinigungszwecken eingesetzt wurde Lorbeer  im Heiligtum des Asklepios und bei Ritualen zu Ehren der Göttin Ceres oder der keltischen Cerridwen. Der Rauch des Lorbeer hat eine erdhafte und eine sprirituelle Note.
  • Auch mit Salbei wurde und wird in der Zeit geräuchert, ein Brauch, der ebenfalls aus dem Mittelmeerraum stammt. Nicht verwechseln mit “Sage” dem Steppenbeifuss der amerikanischen Ureinwohner.

Viele der anderen genannten Düfte sind uns bereits aus dem allgemeinen Weihnachtsbrauchtum vertraut. Sie wirken stimmungsaufhellend und vertreiben die Schatten des Winterblues. Es ist die Zeit der Neuanfänge und um die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Jetzt wird das Samenkorn für ein gutes neues Jahr gepflanzt. Wir können Bernstein oder Tigerauge als Glücksbringer verschenken, die sowohl die Sonne als auch den glücklichen Wechsel versinbildlichen.

In allen Traditionen, sei es nun historisch oder neuheidnisch, aber auch traditionell christlich wird in dieser Zeit gefeiert und die Hoffnung auf gute Zeiten ausgedrückt.

Häufig auch durch Geselligkeit bei gutem Essen:

  • Truthahn, Gans, reichhaltiges Gebäck wie Stollen und Früchtekuchen, Glühwein oder Punsch.
  • Und natürlich darf der sonnenhafte Met aus dem Honig des Sommers nicht fehlen, am Besten als Heissgetränk.

 

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***Die herrschende Vorstellung der kosmischen Eltern, einer Allmutter (der mondhaften Göttin) und eines solaren Jahresgottes (der Vegetation) ist relativ generisch. Viele Wicca haben ihr individuelles Götterpaar, wobei auf unterschiedliche Kulturen zurückgegriffen wird: Graeco-Romanische, Nordische, Keltische oder Slawische Traditionen, beispielsweise. Sogar eine christlich geprägte Variante mit Maria und Jesus als Mutter/Sohn Paar gibt es in den USA. Da Maria oft mit der Mondsichel abgebildet und Jesus als wiedererstehendes Licht gefeiert wird – für naturreligiöse Christen erscheint diese Tradition nicht abwegig.
  • “Alle Göttinnen und Götter sind eine Göttin und ein Gott”.
Somit handelt es sich beim Wicca um naturreligiös motivierten Pantheismus. Die Ritualistik hat allerdings deutliche Bezüge zum inselkeltischen Brauchtum, aber auch zum Freimaurertum und zu hermetischen Orden, wie “Golden Dawn”.
***Herne,the Hunter aus Shakespeares “Merry Wives of Windsor” hat wohl Wurzeln sowohl in einer historischen Figur, dem berüchtigten Wilderer Richard Horne, aber auch bei mythischen Gestalten wie Odin mit der Wilden Jagd. Er ähnelt damit Robin Hood, oder Figuren des Nibelungenliedes und der Artus-Sage. Odin als Waldgeist kennen wir im Märchen in der Gestalt des Rübezahl.
 

christmas_flower_by_kmygraphic-daroyvx Animation: ©kmygraphic

Posted by on Dezember 19th, 2016 2 Comments

Das Luft-Element: Leichtigkeit, Frühlingsfrische und Ratio

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Elementarmagie: Luft, Wolken. Kühle, Bewegung.
Für Kommunikation, Denken, Lernen, Kreativprozess.
Cloud of Imagination ©scrano 2013

Astrologie:

  • Zwillinge: mutabel – Merkur in seinem Taghaus
  • Waage: kardinal – Venus Urania
  • Wassermann: fix – Uranus, Saturn in seinem Taghaus
  • Häuser 3,7,11

Tarot: Schwerter

  • Yin: Königin, mutabel
  • Yang: König, fix
  • Page, Ritter, kardinal

Farben:

  • gelb, violettblau, graublau

Alchemie:

  • AirNach oben weisendes Dreieck mit Querbalken.

Elemental:

  • Sylphen,
  • Osten,
  • Raphael
  • Euros

Tage:

  • Mittwoch – Merkur

Pflanzen:

  • Doldenblütler: Möhre, Fenchel, Kümmel

Signatur:

Aufrecht, grazil, rankend, ätherische Öle, aufmunternd, erfrischend, belebt den Geist.

Öle:

  • Citrus-Arten
  • Bergamotte-Minze,
  • Anis.
  • Bergamotte,
  • Lemongras,
  • Limette,
  • Salbei,
  • Eukalyptus,
  • Minze,
  • Kümmel
  • Fenchel

Tiere:

  • Vögel, besonders Sittiche, Beos und Kolibris.
  • fliegende Insekten: Bienen (Neptun – Kollektiv, Drohnenopfer), Nebensignaturen: Mond/Saturn, aber auch Venus/Mars, Sonne/Uranus die Biene zeigt viele Signaturen in allen ihren Lebensaspekten (Zodiak) ist sie ausgeglichen. Für uns Menschen ist alles davon nützlich, als einziges Insekt ist die Honigbiene domestiziert, und das schon seit der frühen Bronzezeit. Schmetterlinge (mit Pluto), Libelle (Neptun, lebt am/im Wasser, Mars/Venus).
  • Affen und andere flinke, baumlebende Säugetiere. Fledermäuse (Neptun, Mond/Saturn, Pluto/Venus – Vampirmythen!), sie orientieren sich mit Schall, der sich durch die Luft ausbreitet, fliegen und fressen Insekten, die vegetarischen Flughunde befruchten Pflanzen.

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Obwohl in der klassischen Element-Lehre als “Heiss und Feucht” klassifiziert, hat das Element Luft wohl eher die Yang-Eigenschaft aktive Bewegung, im Gegesatz zum Wasser, zu dem die Yin Variante “Passive Bewegung” passt. Einzig die Venus Urania des Luft-Zeichens Waage wäre noch als “Heiss” zu bewerten, gerade sie ist aber geradezu aufdringlich neutral.

Daher passt die Frische und Kühle des Frühlings am besten, ebenfalls der Osten als Himmelsrichtung. Das Erdelement repräsentiert den Herbst und den Westen, der  Winter und der Norden wäre wohl dem Wasserelement zuzuordnen, wie der Sommer und der Süden dem Feuer. Andere Lehrsysteme rechnen den Norden zum Erdelement, den Westen zum Wasser. In der klassischen Lehre waren die Korrespondenzen der Elemente mit der Astrologie, dem Jahreskreis, den Temperamenten und deren Einteilungen auch nicht so eindeutig, neben dem Modell von Empedokles gab es auch einige mit Übergangselementen, z.B. gerade dem Element Luft. Dies wäre dann den aufbauenden und abbauenden Elementezyklen, wie man sie aus der chinesischen FÜNF-Elementlehre kennt sehr ähnlich. Auch bei den Ayurvedischen Doshas lässt sich eine Elementzuordnung finden, aber  da ist eine exakte Übereinstimmung mit dem hellenistischen Modell ebenfalls schwierig. Später erweiterte man das klassische System noch um Quintessenz oder Pneuma, was einen seelisch-geistigen Anteil ausdrücken sollte.

Auch das Siebener-Muster der Chakren wird mit den Grund-Elementen in Zusammenhang gebracht, aber ebenso mit den klassischen Planeten. Im Tantrismus haben wir dann die sogenannten Tattvas: Erde-Luft-Geist-Wasser-Feuer, deren Yantras (Symbolbilder) auch für Visualisierungsübungen bei klassischen Element-Meditationen verwendet werden. Das klassische Tantra hat nichts mit den halbseidenen neotantrischen Sex-Gurus zu tun, die überall ihre “Dienstleistungen” anbieten! Es ist vielmehr die Grundlage der Yoga-Lehre mit den zwei Varianten: Hatha-Yoga und Kundalini-Yoga.

Das Element Luft ist der grosse Kommunikator: Laute, ob nun Musik oder Sprache, jede Art von Ton wird als Wellen komprimierter Luft übertragen. Daher ist Merkur, der flinke und sprachgewandte Götterbote auch der Patron dieses Elements. Er erfand auch die Lyra für seinen älteren Bruder, den Musik-Freund Apollon. Luft ist auch mit dem Verstand assoziert, hier ist sie die Kühle, Frische und Distanz des Himmels, die Leichtigkeit mit der Wolken dahinschweben: Wie Gedanken sind sie frei von der Erdenschwere. Alles was fliegt untersteht diesem Element: Ob nun Falter, Libelle oder Düsenjet, natürlich auch Piloten und das Internet mit seiner schnellen, scheinbar von der Materie befreiten Nachrichtenübermittlung und dem schier unbegrenzten Informations-Austausch. Auch Düfte als Botenstoffe, wie sie von Pflanzen eingesetzt werden unterstehen der Luft. Daher eignen sich Räucherungen und die Duftlampe als gute Meditationshilfen beim spirituellen Arbeiten mit diesem Element. Uranus, ein weiterer Archetyp symbolisiert die grenzenlose Freiheit des weiten Himmels, aber auch Lebens-Ferne und mangelnde Erdung, gleiches gilt für die seinem Sperma entsprungene Venus Urania, die Perfektionistin der Ästhetik, Muse der Künstler. Im Gegensatz zu ihrer irdischeren Schwester Venus Pandemos schert sie sich wenig um die Grundbedürfnisse des Menschen, daher wohl die häufige Armut von begnadeten Künstlern, die sich ganz ihr in völliger Hingabe verschrieben hatten. Ihre zweite Heimat ist interessanterweise der Gerichts-Saal, wohl wegen ihrer Neutralität gegenüber Emotionen.  Dies ist keine Kuschel-Venus, wer Herzens-Liebe sucht ist bei der wässrigen Mondin besser aufgehoben.

Die Zustandformen des Elementes im Luft-Trigon:

  • Wassermann: fix, atmosphärische Zellen, Plasma (geladenes Gas)
  • Zwilling: mutabel, Böen, Wirbel
  • Waage: kardinal, grosse Strömungen (Temperaturausgleich der Atmosphäre)
Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.©scrano 2016

Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.
©scrano 2016

Die Element-Typisierung hatte auch Einfluss auf die Humoralpathologie der Antike: Vier Körpersäfte – Blut/Schleim und schwarze/gelbe Galle zirkulieren frei und unbehindert, solange der Mensch in Homöostase (Gleichgewicht) befindlich ist. Diese “Säfte”, wobei der Begriff nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, werden dann vier Temperamenten zugeordnet – Sanguiniker/Blut, Phlegmatiker/Schleim, Choleriker/gelbe Galle und Melancholiker/schwarze Galle. Mit der Temperament-Lehre als eher geistigem Konzept experimentierte auch Hans Eysenk, ein bekannter Psychologe, der sich mit der Erforschung von  Persönlichkeitsstrukturen beschäftigte,

Neben der psychologischen Zuordnung kann man auch eine physikalische Interpretation finden: Natürlich war eintsprechend der Denkweise der alten Griechen das Wort Element nicht im chemischen Sinne eines Periodensystems gemeint. Im antiken Griechenland war man mehr auf umfassendere Prinzipien im Sinne der idealen Formen Platos ausgerichtet. Also wären demzufolge eher Zustandsbeschreibungen mit den Elementen gleichzusetzen: Fest-Erde, flüssig-Wasser, gasförmig-Luft, Plasma – Feuer.

 

Posted by on September 23rd, 2016 Kommentare deaktiviert

Herbstanfang: Goldener Abschied mit Calendula

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Noch blühen Goldruten, Ringelblumen und Sonnenblumen.
September Gold ©scrano 2013

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike 1804-1875

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Calendula mit der Haupt-Signatur von Sonne und Uranus.
Sie blüht bis zum Spätherbst und rettet ein wenig
Sonnenschein in den Winter.
Weitere Signaturen Mond/Saturn, Venus/Mars(Pluto).

Vielseitige Calendula: Die Ringelblume war die Heilpflanze des Jahres 2009.

Denn die Ringelblume hat viel mehr zu bieten, als eine schöne Blüte. Gerade Heimgärtner, die Obst, Salat oder Gemüse im eigenen Beet ziehen, schätzen die Ringelblume in erster Linie wegen einer anderen Eigenschaft: Sie hält Schädlinge fern und dient so dem natürlichen Pflanzenschutz, eine echte Mars-Saturn-Qualität.  Gerade selbst angebaute Lebensmittel will man ja in der Regel nach Methoden des biologischen Landbaus  kultivieren. Die Ringelblume vetreibt gefräßige Schnecken und auch Fadenwürmer. Zur Abwehr einer SCHNECKENINVASION muss ein Beet allerdings vollständig von einer Ringelblumenrabatte umzingelt werden. Gegen Fadenwürmer (Nematoden) reicht es aus, die Blumen in regelmäßigen Abständen mit ins Beet zu pflanzen. Hier ist die Wirkung wie bei Tagetes.

Die Ringelblume (Calendula officinalis) aus Südeuropa wurde ab dem 12. Jahrhundert nach Mitteleuropa eingeführt und fand schnell  ihren Platz in Kloster- und Bauerngärten.
Der Name “Calendula” bezieht sich auf die “Calendae”, die römische Bezeichnung für den Monatsanfang. Die Ringelblume erhielt diesen Namen, weil sie über viele Monate, bis hinein in den Herbst blüht. Die Ringelblume wird hierzulande ähnlich der Tagetes in Mexico, im Totenkult verwendet (Pluto). Traditionell schmückt die Ringelblume auf Friedhöfen die Gräber und setzt mit ihrer lebendigen Farbigkeit einen Kontrapunkt zum Tod. Durch dieses Brauchtum hat die Ringelblume auch den Namen “Totenblume” bekommen. Neben den Kürbissen ist sie auch ein Schmuck zu Halloween. Die Calendula verströmt einen harzig-balsamischen Geruch, dies zeigt eine Sonnen-Signatur. Sie zählt zu den alten Volks-Heilpflanzen und wegen der vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten zu den Panaceae. Sie wurde schon früh in Heilpflanzenkatalogen geführt, was der Namenszusatz “officinalis” belegt. Schon Hildegard von Bingen schätzte die Ringelbume und nannte sie “Ringula” oder “Ringella”. Leider wird sie modern fast nur noch äusserlich eingesetzt., die goldenen Zungenblüten schmücken höchstens noch Kräutertees oder werden zur Wollfärbung verwendet. Dabei hat sie auch als Teezubereitung einiges zu bieten.

Magen und Darm: (Mond/Saturn, Pluto/Mars)

  • Ringelblumen-Tee stärkt die Verdauungsorgane, lindert Brechreiz und hilft Magengeschwüre (Mond) abzuheilen.
  • Ausserdem wird die Gallensekretion (Mars) verbessert.
  • Ringelblumentee wirkt leicht abführend und wurmtreibend (Pluto, Saturn)
  • Hämorrhoiden, als Sitzbad (Pluto)

Rachen- und Mundschleimhaut (Venus, Mond)

  • Ringelblumentee oder verdünnte Tinktur hilft als Spül- und Gurgelmittel

Angegriffenes Nervenkostüm (Uranus, Mond)

  • Ringelblumen-Tee oder Tinktur kann gegen Kopfschmerzen (Mars, Mond)  und Einschlafstörungen (Mond) helfen.
  • Schwindelanfälle (Uranus) werden gemildert. Man kann die Ringelblume auch gegen Panikattacken (Uranus, Mars) verwenden.

Frauenprobleme (Mond, Venus)

  • Durch ihre krampflösenden Eigenschaften (Venus, Mond) kann die Ringelblume bei Periodenkrämpfen helfen.
  • In der Ringelblume ist das Phyto-Östrogen Beta-Sitosterol enthalten (Venus), welches unregelmässige Zyklen ausgleicht und Beschwerden der Wechseljahre lindert.
  • Der Inhaltsstoff Stigmasterol fördert den Eisprung und somit indirekt auch die Regulierung des Zyklus (Mond, Venus). Auch Unfruchtbarkeit kann so behoben werden, wenn sie aufgrund von ausbleibendem Eisprung besteht.

Äusserliche Verwendung

Das Haupteinsatzgebiet der Ringelblume ist, wie schon erwähnt die äusserliche Anwendung. Sie wirkt fördernd auf die Granulationsbildung beim Wachstum neuer Haut (Saturn, Venus). Ausserdem wirkt sie abschwellend, entzündungshemmend (Venus, Mond), antibakteriell und pilzhemmend (Saturn, Pluto). Häufig wird auf die Wirkungsverwandschaft von Ringelblume und Arnika (Uranus, Sonne) hingewiesen. Die Ringelblume wirkt jedoch sanfter, was sie im Endeffekt besser einsetzbar macht, weil man sie auch verwenden kann, wo Arnika zu stark reizend wäre. Ich kann z.B. Ringelblumentinktur und Hautsalben gut vertragen, auf Arnika reagiere ich mit Ausschlag. Auch zur längerfristigen Anwendung ist die mildere Wirkung günstiger.

  • Man kann Ringelblumen-Tee auch für Wickel, Waschungen und als Bad anwenden.
  • Ringelblumen-Tinktur eignet sich für Einreibungen und Umschläge..

Hauptsächlich wird die Ringelblume traditionell als Salbe angewandt.

  • Man kann sie für nahezu alle Arten von Hautverletzungen und Hautentzündungen einsetzen, eine hervorragende Zusammenarbeit des Mond/Saturn mit dem Venus/Mars-Prinzip.
  • Auch leichte Brandwunden, Sonnenbrand (Mars, Sonne) und Ekzeme (Saturn, Mond) kann man mit Ringelblumen-Salbe behandeln.
  • In der Apotheke gibt es auch eine Gel-Zubereitung, wenn eine Fettbasis nicht so geeignet ist.
  • Neben offenen Verletzungen (Mars) ist Ringelblumensalbe gut gegen Quetschungen, Verstauchungen und blaue Flecken nach kleinen Unfällen. (Uranus).
  • Auch Krampfadern und Krampfadergeschwüre (Venus, Mars) können mit Ringelblumensalbe behandelt werden,
  • ebenso wie Wunden durch Wundliegen (Dekubitus)
  • Warzen kann man mit frischen, zerquetschten Blättern bekämpfen, wie bei Schöllkraut (Mond, Saturn).
  • Auch als Hämorrhoiden-Salbe (Pluto)
Ringelblumen verleihen Herbstbeeten Farbe.

Ringelblumen verleihen Herbstbeeten Farbe.

Meine Mutter hat schon selbst Ringelblumensalbe auf Schweineschmalzbasis hergestellt: Nicht zu grosse Mengen ansetzen, lieber öfter mal frisch zubereiten. Ringelblumen gibt es fast das ganze Jahr über frisch, im Winter getrocknet.

  • 70 gr Schweineschmalz
  • ca. 6 gr getrocknete Ringelblumen-Blüten (Flos Calendulae) aus der Apotheke oder dem Eigenanbau: Verwendet werden nur die Zungenblüten des Randes ohne Körbchen. Bei Frischblüten den doppelten Ansatz verwenden.
  • Salbentiegel aus Glas oder Keramik
  1. Schweineschmalz in Stücke in ein möglichst kleiens Töpfchen geben.
  2. Bei milder Hitze vollständig schmelzen.
  3. Ringelblumen-Blüten in das geschmolzene Schweineschmalz geben.
  4. Einrühren, bis alle vollständig mit Fett bedeckt sind
  5. Bei kleiner Flamme soll die Mischung etwa eine halbe Stunde vor sich hinsimmern. Nicht fritieren!
  6. Abkühlen und über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag behutsam wieder aufwärmen und schmelzen, nicht mehr kochen.
  7. Einen kleinen Salbentiegel mit Filterpapier (Teefilterbeutel) auslegen, dann das Salbenfett durch den Filter in den Salbentiegel abgiessen.
  8. Flüssig ist die Salbe kräftig gelb, nach dem Aushärten wird sie deutlich heller.
  9.  Mit einem Küchenpapier bedeckt abkühlen lassen, Salbentiegel gut verschiessen und beschriften.

Im Kühlschrank aufbewahren, dann hält sie länger. Ca. 1 Jahr verwendbar, mit Spatel oder kleinem Eierlöffel entnehmen, um Verkeimung zu vermeiden.

Ringelblumen-Tinktur für äussere Anwendung

  • Ringelblumen-Blüten (frisch oder getrocknet: Mit getrockneten Blüten wird die Tinktur konzentrierter)
  • Doppelkorn oder Weingeist
  • Weithalsflasche (Milch oder Sahne) mit twist-off Verschluss
  • dunkle Apothekenflasche

Zubereitung

  1. Blüten einfüllen, bis etwa halbvoll
  2. Alkohol über die Blütenblätter geben, bis sie gut bedeckt sind.
  3. Tinktur zwei bis sechs Wochen an einem warmen Ort stehen lassen.
  4. Nach und nach nimmt die Tinktur immer mehr Farbe an.
  5. Fertige Tinktur durch ein Kaffeeefilter in ein Becherglas abziehen.
  6. Anschliessend wird die Tinktur in eine dunkle Flasche abgefüllt.
  7. Gut verschliessen und beschriften
  8. An einem dunklen, kühlen Platz gelagert hält sich so eine Tinktur mindestens ein Jahr.

Man kann diese Tinktur auch gegen Akne einsetzen: Pickel damit betupfen. Für die Schönheitspflege gibt es auch Zubereitungen mit Ziegenbutter oder Pflanzenöl-Auszüge. Auch Sonnencreme kann man selbst herstellen, wie oft in Ratgebern für die Eigenproduktion von Kosmetikprodukten beschrieben.

  • Dazu gibt es auch Bücher aus der altbekannten HOBBYTHEK-Reihe.

Schliesslich kann man sich junge Blätter und auch Blütenblätter als Salat-Zugabe schmecken lassen. Früher wurde damit auch Reis gefärbt, als Kurkuma noch nicht bekannt und Safran viel zu teuer war.

Und wie immer: Beschwerden abklären lassen. Heilpflanzentipps ersetzen nicht den Gang zum Heilpraktiker oder Arzt.

 

Posted by on September 20th, 2016 Kommentare deaktiviert

Segensreiche Disteln: Jupiter trifft Merkur in der Jungfrau

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Mandala: Jupiter in der vom Merkur regierten Jungfrau.
Fast wie eine Distel-Blüte: Fülle der Details.
Auch die Distel trägt die Signatur von Merkur und Jupiter.
Mars/Venus, bei Milchdisteln Mond/Saturn sind ebenfalls vertreten. 

 Die Distel und die Rose

Stand ein staubiger Distelstrauch
Und eine blühende Rose auch
Auf der sonnigen Heide. –
War die Distel voll Neide. –
Fegte der Winter den eisigen Hauch
Verderblich über die Flur.
Klagte die Rose voll Leide:
“Liebe Distel, jetzt sind wir nur
Stachelgewächse beide!”

Albert Roderich

(1846 – 1938), deutscher Dichter und Aphoristiker
Stängellose Kratzdistel am Albtrauf.

Stängellose Kratzdistel am Albtrauf.

In den als stacheliges Unkraut geschmähten Disteln steckt viel Gutes. Besonders heilwirksam ist die Mariendistel, die ihren Namen den weissen Flecken auf ihren Blättern verdankt: Milch der heiligen Jungfrau.*** Die Mariendistel gehört tatsächlich zu den ältesten Heilpflanzen. Bereits in der Antike  hat man im Mittelmeerraum die Früchte der stachligen Pflanze zur Behandlung von Leberleiden angewendet. Im Mittelalter wurde das wild wachsende Gewächs dann für die Klostermedizin regelrecht kultiviert.

Zur Vorbeugung gegen Reisekrankheit (Merkur):

  • Mit einem Liter kochenden Wasser ein Distelblatt, eine Prise gequetschter Mariendistelfrüchte und ein Wurzelstückchen überbrühen.
  •  Einige Minuten ziehen lassen, abseihen und süßen (Honig oder Ahornsirup)
  • Am Tag vor der Reise in kleinen Schlucken trinken.

Gegen Leberbeschwerden (Jupiter): Mariendistel-Tee.

  • Einen Teelöffel Mariendistelfrüchte im Mörser zerquetschen und mit kochendem Wasser überbrühen.
  • 10 bis 15 Minuten ziehen lassen,und abseihen. Noch heiß in kleinen Schlucken trinken: Am Morgen auf nüchternen Magen die erste Tasse, eine halbe Stunde vor dem Mittagessen die zweite. Die dritte und letzte Tasse trinken Sie vor dem Schlafengehen
  • Der Tee kann auch ergänzend mit Pfefferminze zubereitet werden. Er hilft vorbeugend und akut bei Beschwerden der Leber.

Magen und Darm (Merkur) anregen:

  • Fünf Gramm Distel-Kraut, getrocknet, mit kochendem Wasser aufgießen. Fünf Minuten ziehen lassen.
  • Abseihen und drei bis vier Tassen im Laufe des Tages trinken.

Als Leber-und Galletonikum gibt es auch bereits Fertigpräparate in der Apotheke, die Mariendistel enthalten.

Die Wirkkraft der Mariendistel auf die Leber ist so gross, dass sie bei Zirrhose eingesetzt wird und sogar Knollenblätterpilzvergiftungen mit ihrem Extrakt  behandelt werden. Hierzu wird eine Direktinfusion des Wirkstoffs Silybin verabreicht.

Auch die verdauungsfördernde Artischoke gehört zu den Distelgewächsen, ebenso die Karde, die gleichfalls heilkräftig und leberwirksam ist, wenn auch nicht in dem Ausmass wie bei der Mariendistel.

Kugeldisteln und grosse Karde sind hübsch im Staudenbeet und eine hervorragende Bienenweide im blütenarmen Spätsommer und Herbst.

Mariendistel-Blüte: Silybum marianum

Mariendistel-Blüte: Silybum marianum

Und schliesslich ist die Distel auch die Nationalblume von Schottland. Sogar die inoffizielle Nationalhymne der eigenwilligen Bewohner der Highlands, Erfinder des Whisky und der industriellen Revolution ist nach ihr benannt: Flower of Scotland”. Den Text zu “Flower of Scotland” gibt es hier. Ein weiteres schottischen Motto, das des Clans der Mackintosh lautet:Touch not the Cat but a Glove“. Schotten sprechen von sich auch als Volk des Clan Chattan, was soviel wie Katzenclan heisst, hier ist die schottische Wildkatze gemeint. Katzen und Disteln, Schottlands Nationalsymbole kommen alle ein wenig kratzbüstig daher. Wen wundert es, bei der Geschichte …

**Wie bei allen Heilpflanzen gilt: Vor Anwendung Beschwerden diagnostisch abklären lassen! Heilpraktiker und viele Ärzte verordnen mittlerweile auch wieder mehr pflanzliche Mittel.

***Solche “Milchflecken” deuten auch auf eine Mondsignatur: Tatsächlich hilft die Mariendistel auch bei Lymphproblemen und wird in der Intensivmedizin bei Hirnödemen eingesetzt. Lymphe und Hirnmasse werden vom Mond regiert. Damit wäre die Mariendistel, wie viele der alten Heilpflanzen auch eine Art Panacea, ähnlich der Schafgarbe oder der Ringelblume.

Essbare Kohldistel: Mehr vom Merkur dominiert.

Essbare Kohldistel: Mehr vom Merkur dominiert als vom Jupiter/Mars – gelbe Blüten.

Ernte: Die Kohldistel blüht von Juni bis Oktober.  Erntezeit der Blätter ist auf gemähten Wiesen von Mai bis September möglich. Die großen Blätter lassen sich in Streifen geschnitten oder blanchiert sehr gut einfrieren.

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Cirsium oleraceum – Kohldistel
quelle:wiki

Zubereitungsarten: Die Kohldistel ist äußerst wohlschmeckend, der Geschmack ist mit keinem anderen Kulturgemüse vergleichbar, ein wenig der ebenfalls zur Familie gehörenden Artischocke ähnlich. Wie bei der grossen Schwester und auch der kratzbürstigen Silberdistel schmecken die Blütenböden besonders gut. Dafür sammelt man sie kurz vor dem Vollerblühen. Für eine Distel sind die Blätter nur wenig bestachelt. Sehr gut machen sich Kohldistelblätter als Wildspinat oder auch in klassischen Gemüseaufläufen. Ausgebacken in Bier- oder Weinteig sind Kohldistelblätter eine regelrechte Delikatesse.  Als Salatzutat schmeckt Kohldistel auch in rohem Zustand angenehm herb und vom Aroma her ein wenig nussig, fast walnussartig.

Carlin acaulis - Silberdistel - sie hat auch eine Mond/Saturn Signatur.

Carlin acaulis – Silberdistel – sie hat auch eine Mond/Saturn Signatur.

Auch die Silberdistelblüten wurden gegessen: Jäger- oder Hirtenbrot war daher der volkstümliche Name. Wegen der Nektarfülle wird sie gerne von Biene und Hummeln besucht. Disten sind eine gute Bienenweide im Spätsommer.

Eselsdistel

Bizarre Schönheit iund deutliches Signal: Don’t Touch!
Trotzdem werden Disteln von Ziegen gefressen.
Für Vögel sind ihre Samen unwiderstehlich.

Ein Heilkräuter-Brevier ersetzt nicht diagnostische Abklärung von Beschwerden durch Arzt oder Heilpraktiker! Viele verordnen immer mehr Naturheilmittel – einfach  direkt nachfragen.

 

Posted by on August 25th, 2016 Kommentare deaktiviert

Pflanzen im Hochsommer: Fingerhut, Digitalis purpurea

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Blühender Fingerhut in der Bretagne.
©beast666 2014

Der Rote Fingerhut ist in Westeuropa sowie dem westlichen Süd-, Mittel- und Nordeuropa und in Marokko beheimatet, als Neophyt kam er bis nach Amerika.  Besonders grosse Bestände habe ich im Elsass und der Bretagne gefunden. Der Fingerhut (engl. foxglove=Fuchshandschuh)  bevorzugt frischen, kalkarmen, sauren, lockeren, humusreichen Boden an sonnigen bis halbschattigen Standorten.Wegen der hübschen Blüten und der imposanten Erscheinung hielt er seit  dem 16. Jahrhundert Einzug als Zierpflanze in Parks und Gärten. Hat man ihn einmal im Beet, samt er sich fleissig aus, so dass trotz der Zweijährigkeit immer für Nachschub an blühenden Pflanzen gesorgt ist.

Verwendung in der Pflanzenheilkunde

Der Rote Fingerhut ist in der Volksmedizin ursprünglich als Zaubermittel und rein äusserlich verwendet worden – z.B. gegen den bösen Blick. Einzige innerliche Anwendung war als Pugiermittel (Fingerhut erzeugt heftigen Brechreiz).

Später versuchte man in England damit Bronchialleiden oder Lungentuberkolose zu behandeln, wegen der Giftigkeit der Pflanze gab man das aber rasch wieder auf. Erfolgreicher war man in Grossbritannien dagegen, den Fingerhut als ein Mittel gegen Ödeme, wie sie bei Herzschwäche auftreten, einzusetzen.

  • Der englische Arzt William Withering folgte dem Hinweis einer Kräuterfrau und fand  heraus, dass der Fingerhut eine potente diuretische und herzwirksame Pflanzendroge darstellt. Der Chemiker Nativelle konnte 1868 dann den Wirkstoff Digitalis isolieren.

Man erkannte damals bereits, dass sich das Digitals über eine Zeit im Körper anreichern kann, was die Dosierung etwas schwieriger gestaltet. Tatsächlich gab es immer wieder Vergiftungsfälle bei Herzpatienten unter Digitalis in Reinform. Wird die gesamte Pflanze als Extrakt verabreicht hat man ein Problem mit der Standardisierung der Inhaltsstoffe, dafür führt die Brechwirkung zu einer schnellen Magenentleerung bei Überdosierungen. Am Anfang des therapeutischen Einsatzes  legte man mehr Wert auf die harntreibende  Wirkung durch den Fingerhut, welche auch schon entlastend bei Herzproblemen wirkt, bis man die tatsächlich herzstärkende Eigenschaft der Fingerhutinhaltsstoffe hrausfand.

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Digitalis purpurea Köhlers Lexikon
quelle: wiki

Forschnungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten dann zu einer Bestimmung einer Reihe weiterer pharmakologischer Wirkstoffe in verschieden Unterarten der Fingerhutfamilie. Ähnliche herzwirksame Substanzen wurden auch in anderen Pflanzengattungen entdeckt.  Im Maiglöckchen, Oleander, der  Christrose und der in der Antike schon bekannten Meerzwiebel konnten entsprechende Verbindungen nachgewiesen werden. Die Wirkstoffe des Fingerhuts zählen zu den Herzglykosiden, diese regen den geschwächten Herzmuskel an, sich wieder stärker zusammenzuziehen, wodurch sich die Pumpleistung verbessert. Digitalis verlangsamt ausserdem die Herzfrequenz, was auch einen therapeutischen Nutzen hat.

Bei der weissen Abart (natürlich vorkommend) erkennt man besonders gut die Scheckung der Blütenglocken.

Bei der weissen Abart (natürlich vorkommend) erkennt man besonders
gut die Scheckung der Blütenglocken.

Alle Pflanzenteile vom Fingerhut (rot oder weiss) sind hochgiftig. Bereits das Essen von zwei bis drei Fingerhutblättern kann tödlich enden. Glücklicherweise schmeckt das Kraut so gallebitter, dass es eher selten verzehrt wird. Ausserdem sind Übelkeit und Brechreiz enorm.

Fingerhut in Märchen und Aberglauben

In der Anderswelt der Sagen, besonders von englischen und irischen, dient der Fingerhut dem Elfenvolk als Kopfbedeckung. Böse Feen sollen die Blüten einst als Handschuhe den Füchsen (foxglove) geschenkt haben, damit diese lautlos ihr Unwesen als Eier- und Geflügeldiebe in den Hühnerställen treiben konnten. Die Zeichnung der Blüten soll daher von den Fingerabdrücken der unglückbringenden Feen herrühren.

Signatur:

  • Mars/Pluto und Venus – Rachenblüten, starke Versamung, giftig, bitter, muskelwirksam, Emeticum – rote/rosa Blüten, harntreibend – Hauptsignatur, für die starke Marsdominanz spricht auch die Tatsache, dass Fingerhutpflanzen als Kontaktallergen zu Hautirritationen führen können, sowie das schmale Therapiefenster bei der Dosierung.
  • Der Weissdorn – eine gute Pflanze gegen Altersherzbeschwerden trägt auch eine Mars/Venus Signatur, zusammen mit Mond-Saturn. Hier tobt sich das aggressive Element des Mars in den Stacheln aus, statt in Giftigkeit. Herzwirksame Sonnenpflanzen  dagegen, wirken eher ganzheitlich tonisierend als spezifisch muskelwirksam.  Hier wird eine Verbesserung des Zustandes durch allgemein förderliche, auch stimmungsaufhellende Inhaltstoffe erzielt. Sie stärken sozusagen die Lebensgeister, wie man früher sagte.
  • Merkur/Jupiter – streng aufrecht, wolliger Überzug, Blüten ährig – daher wurde wohl eine Lungenwirksamkeit vermutet – grosswüchsige, imposante Erscheinung, hohler Stängel – eine Nebensignatur.

Zum Schluss noch eins: Ein Heilkräuter-Brevier ersetzt nicht diagnostische Abklärung von Beschwerden durch Arzt oder Heilpraktiker! Viele verordnen immer mehr Naturheilmittel – einfach  direkt nachfragen.

Posted by on Juli 23rd, 2016 Kommentare deaktiviert

Ambrosia auf dem Vormarsch …

Aus der Tagespresse:

Ambrosia verbreitet sich in Windeseile ! Leider nur das Allergie-Zeugs aus der nordamerikanischen Steppe: Ambrosia artemisiifolia, auch als beifussblättriges Traubenkraut bekannt.

Beifuss-Ambrosie

Beifuss-Ambrosie
Quelle wiki.
Forrest und Kim Starr.

Allerdings: Ein wenig “reizend” wollen wir hier schon sein … lol!

Die Ambrosia gehört nicht zu den Beifussgewächsen, wie Wermut oder Eberraute, sondern lediglich zu der übergeordneten weitverzweigten Familie der Korbblütler. Im Unterschied zum Gemeinen Beifuß ist die Blattunterseite der doppelt bis dreifach gefiederten und lang gestielten Blätter grün (beim Beifuß grauweiß-filzig behaart) und die Pflanze ist einjährig (Beifuß bildet als ausdauernde Pflanze ein dichtes Wurzelwerk aus).

Die Signatur ist auf jeden Fall vom Mars dominiert: Aggressive Ausbreitung über Samen und viele Pollen. Ein potentes Allergen. Wenigstens ist sie nur einjährig. Den kriegerischen Mars (Pollen)  bekommen wir zur Zeit bereits zu spüren. Natürlich gibt es auch einen Venus-Pol: Das Kraut duftet ganz angenehm.

Diese Art von Neo-Phyten Migration ist eben der “Reiz” der Globalisierung! Bei Risiken und Nebnwirkungen fragen Sie Ihren Banker oder Börsen-Gaukler. Dazu kommt des Pflanzen-Ärgernis auch noch aus den USA, dort heisst es Ragweed: Lumpenkraut. Wenn das kein Fingerzeig ist … lol! Obwohl die Pflanze bei den Indianern durchaus zu Heilzwecken eingesetzt wurde: Als Stimulanz, gegen Fieber, Infektionen und bei Frauenleiden. Da ähnelt sie doch etwas dem Beifuss. Wie es bei Paracelsus heisst: Kein Ding ist ohne Gift, die Dosis macht das Gift – vielleicht kann man dem Kraut doch was Nützliches abgewinnen.

Bei den alten Griechen galt eine Substanz namens Ambrosia als Nahrung der Götter: Lasst Ströme von Nektar und Ambrosia fliessen, hiess es im Olymp.

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Eure Ambrosia,

  • nach Merlin Ambrosius benannt, einer latinisierten Version des walisischen Myrddin/Merlin.
  • Quelle: Vita Merlini, von Geoffrey de Monmoth.

PS. Ich hatte übrigens noch kein Traubenkraut bei mir im Garten.

 

Posted by on Juli 11th, 2016 Kommentare deaktiviert

Holunderzeit I: Mondenhafter Blütentraum und zarter Duft

Holunderblüten: In ihnen steckt die Kraft der "Grossen Alten", Urmutter allen Lebens. ©scrano 2013.

Holunderblüten: In ihnen steckt die Kraft der “Grossen Alten”, Urmutter allen Lebens.
©scrano 2013.

 Sambucus nigra, ein Geissblattgewächs (Caprifoliaceae).

Im Volksmund bekam der Holunder im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Namen. Seine Bezeichnungen standen oft im Zusammenhang mit seiner direkten heilenden Wirkung, wie beispielsweise «Kelke» oder «Keilkebeerenbaum», die an die schmerzlindernde Wirkung der Beeren bei Koliken erinnern. Er erhielt auch Namen wie Backholderblüten,  Pisseke, Schwitztee und Zibke, um nur einige zu nennen. Der Holunder ist ein ästiger Busch mit hellgrünen bis graubraunen glatten Ästen, weißem schaumstoffartigen Mark und unpaarig gefiederten, gegenständigen Blättern. Die Rinde des Stammes ist schrundig-warzig, die der Zweige weist eine Vielzahl von grauen Pocken auf, die sogenannten Rindenporen (Lentizellen). Dadurch wirkt die Pflanze im blattlosen Zustand wie abgestorben. Das Holz ist extrem hart, obwohl die grünen Teile sehr weich und biegsam sind. Er erreicht Größen bis zu 11m und gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceen). Verbreitet ist er in fast ganz Europa, Asien und Nordafrika und wächst in Laubwäldern, an Bachufern, auf Schuttplätzen (Ruderalpflanze) sowie besonders gerne in der Nähe von Gebäuden und menschlichen Behausungen. Daher ist er auch ein Kulturfolger.

Spielplatz der Elfen: Der Holunderstrauch hat eine machtvolle mystische Ausstrahlung. Daher ist auch in allen Mythen und Legenden der Regionen vertreten, in denen er wächst. In seinen Zweigen  lebt Holle, die heilige Holunder-Grossmutter, oder die Königin der Elfen samt ihrem Gefolge. Das Fällen des Holunders war vielerorts ein Tabu, das durch ein Opfer (Milch=Mond) an den Strauch aufgehoben werden musste. Daher beim Schnitt von Holunderbüschen vorher die Naturgeister um Erlaubnis fragen! Holunderholz wurde im Zusammenhang mit Totenriten an Samhain verwendet. Die Signatur von Saturn und Pluto zeigt sich in der schwachen Giftwirkung und der eher düsteren Gestalt, die er in seiner blattlosen Winterform annimmt. Die kahlen Äste erinnern an bleiche Knochen. Die schwarze Farbe der Beeren ist ebenfalls ein Zeichen der Unterweltsherrscher, besonders des Pluto. Deshalb war der mächtigste Zauberstab von allen, Bestandteil der drei Heiligtümer im letzten Harry Potter Roman, auch aus Holunderholz gefertigt. Er gehörte schliesslich einmal dem Hades/Pluto aus der Legende um die drei Freunde und ihrer Begegnung mit dem Tod. J-K- Rowling kennt, wie man weiss, die alten Mythen recht genau. Der Mantel der Unsichtbarkeit und der Ring mit dem Stein der Ewigkeit, welche die beiden anderen Heiligtümer darstellen, beispielsweise: Man denkt entweder an Hades, der unsichtbar unter den Sterblichen wandelt, oder den Zwerg Alberich aus der Siegfriedsage, oder gar an Tolkiens “Ring der Macht” aus “LOTR”. Aber letzterer hat sich auch bloss beim Nibelungenlied bedient, oder bei den nordischen  Sagas. Genau wie G.R.R. Martin, dessen “Game of Thrones” Romanserie gerade mit einem Riesenhype verfilmt wird. Zugegeben, die Darstellerriege ist eindrucksvoll, nicht das übliche TV-Sternchen-Material, und die Effekte können sich sehen lassen. Die TV-Umsetzung ist allerdings sehr gewalttätig, wer Shakespeares “Titus Andronicus” oder Richard III. kennt, wird auch hier Ähnlichkeiten feststellen.

Blüte von Sambucus nigra im Juni. Quelle: wikimedia Commons.

Blüte von Sambucus nigra im Juni. Quelle: wikimedia Commons.

Bei den frühen Missionaren nördlich der Alpen kam der Holunder nicht so gut weg: Er hätte das Kreuzholz für das Martyrium Jesu Christi geliefert, oder der Verräter Judas habe sich daran erhängt. Dieser  Negativ-Propaganda verdankt der asiatische Speiseepilz Mu-Err seinen Namen im Volksmund: “Judasohr“. Er gedeiht bevorzugt am Holz von Holundersträuchern. Die alten Kirchenväter mussten die Konkurrenz der beim Landvolk hartnäckig verehrten “Grossen Mutter ” schon sehr gefürchtet haben. Glücklicherweise, manchmal setzt sich die Vernunft durch. Verhält man sich gegenüber dem Holunderstrauch respektvoll, bringt er Schutz und Glück ins Haus. In Bayern pflegte man zu sagen: “Triffst Du auf einen Holunderstrauch, sollst Du vor ihm den Hut ziehen!”  Das geschah nicht nur wegen der segensreichen Gaben, die der Strauch den Menschen schenkt, sondern auch aus ehrfurchtsvoller Scheu: Der Holunder galt immer  auch als ein Portal in die Anders(Unter)-Welt. Das hat er mit einer anderen magischen Gehölz gemein: Dem Weissdornbusch, der bei der Merlin (Myrddin) Sage eine wichtige Rolle spielt. Als echte Panacea (Allheilmittel) erweist sich der Holunder tatsächlich: In der vollen Pracht seiner Doldenblüten und der grossen Fiederblätter zeigt der wuchskräftige Strauch eine Signatur sowohl von Merkur und Jupiter, als auch von Mond/Saturn. Er wirkt wie z.B. gegen Bronchialverschleimung (Merkur+Mond), aber auch bei Leberschwäche und Gallenstörungen (Jupiter+Saturn). Dazu wie schon beschrieben, kommt noch der Einfluss der Venus/Pluto-Achse.

Ringel, Ringel, Reihe,
wir sind der Kinder dreie,
wir sitzen unterm Hollerbusch,
und machen alle husch, husch, husch.

alter Kinderreim

Zu Johanni blüht der Holler, da wird die Liebe noch toller !

Die Hauptwirkstoffe der Holunderblüten sind ätherische Öle und  einen hohen Anteil, bis zu 3,5 Prozent, an sogenannten Flavonoiden. Dabei kommt hauptsächlich die Substanz Rutin vor sowie organische Säuren. Das ätherische Öl wirkt entzündungshemmend, fördert die Sekretion, entwässert und regt Leber und Galle an. Außerdem wird diesem ätherischen Öl nachgesagt, dass es antiseptisch wirkt. Daher die bewährte Anwendung als Tee bei Halsentzündung und Hautproblemen (innerlich und äusserlich).

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Die heutige Naturheilkunde nutzt die wertvollen Inhaltsstoffe ähnlich vielseitig wie die Vorfahren in Antike und Mittelalter. Am bekanntesten sind seine Basiswirkungen: Schweisstreibend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und immunstimulierend. Holunder hilft bei fieberhaften Grippeinfekten, Erkältungen, Bronchialbeschwerden, PMS (den Wasseransammlungen), Schlaflosigkeit und Entzündungen. Die Blüten wirken schweisstreibend –> daher kühlend und fiebersenkend,  sowie schleimlösend. Man nutzt die Blüten als Tee oder Sirup. Oft zusammen mit Mädesüss und Lindenblüten.  Hilfreich ist dieser Tee auch bei trockenem Husten, da er zur Vermehrung des Bronchialschleims führt. Holundertee hat dazu die Eigenschaft, die Ausleitung von Flüssigkeitsansammlungen auf milde Weise durchzuführen.

Alle diese Beschreibungen lassen auf die bereits erwähnte Mond-Venus Haupt-Signatur  der Blüten schliessen:  Wie auch im oben zitierten Ausspruch, wonach im Volksbrauchtum auch eine aphrodisierende Wirkung der Blüten vermutet wird. Ein wenig saturnische Strenge lässt sich dennoch erahnen: Adstringierend und immunanregend. Ein alkoholischer Auszug aus den Blüten wirkt äusserlich gegen unreine Haut und Pickel.

Beim Sammeln der Blüten ist zu beachten, dass man sie nicht von Büschen an Strassenrändern erntet und auch auf Getier achtet: Läuse lieben leider die Blüten ! Bei den meisten Rezepten (auch für Teesammlungen) soll man die Dolden nicht waschen, da dann das Aroma weg ist, deswegen müssen sie unbelastet und lausfrei sein!

Sambucus_nigra_-_Köhler–s_Medizinal-Pflanzen-127

Sambucus nigra Köhlers Pflanzenlexikon.
Quelle:wiki

Holunderküchle

  • 12-16 blühende , saubere Holunderdolden

Teigzubereitung:

  • 250 g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eier, getrennt
  • 1/4 trockener Weisswein

Alles zu einem Teig mixen, den man dann anschliessend eine Stunde ruhen lässt. Die beiden Eiweiss mit 1 gehäufter Esslöffel Puderzucker zu Schnee schlagen und locker unter den Teig heben. Holunderdolden einzeln in den Teig tauchen und in 180° C erhitzen Fett in einer Friteuse knusprig goldbraun backen, auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen und mit Puderzucker bestreuen und sofort essen.  Dazu Kompott oder Preiselbeeren. Natürlich ist auch Holdergelee aus den Früchten des letzten Jahres ein tolle Beigabe.

Holunderblüten-Cupcakes (12 Stück für 2 Sechser-Formen)

  • 5-6 saubere Holunderblüten-Dolden mit Stielen
  • 125 g Butter
  • 3 Eier, Grösse M
  • 150 ml flüssiger Akazienhonig oder Ahornsirup
  • abgeriebene Schale einer Zitrone
  • 200 g Dinkelmehl 630
  • 1/2 pkg Backpulver mit Safran

125 g Butter auf kleiner Flamme zerlassen, leicht abkühlen. Holunderblüten-Dolden mit Stielen nach oben hineingeben. Abdecken und bei Zimmertemperatur über Nacht ziehen lassen.
Am nächsten Tag die vorbereitete Butter erneut verflüssigen. Blütendolden an den Stielen herausnehmen, Butter abtropfen lassen. Einzelne abgelöste Blütenblätter stören nicht.
Butter mit Eiern, Honig/Sirup und Zitronenschale schaumig schlagen.
Mehl und Backpulver sieben und dazugeben, zu einem glatten Teig verrühren.
Den Teig in Muffinförmchen füllen (3/4) und im vorgeheizten Backofen bei 160°C Heissluft 15 Minuten goldbraun backen.

Hollerblüten-Limonade 

Zutaten:

  • 5 frische Hollerblüten
  • Saft von 2 Zitronen
  • 2 EL Agavensirup oder Akazienhonig
  • 1 Flasche Mineralwasser.

Den Saft von zwei Zitronen mit einer halben Tasse Wasser und zwei EL Honig gut verrühren. Die frisch gepflückten Holunderblüten dazugeben und über Nacht ziehen lassen. Danach alles durch ein Sieb gießen, mit einer Flasche Mineralwasser auffüllen und servieren. Mit Minze oder Melisse verfeinern.

Holler-Caipirinha

  • 1 Tl brauner Rohrzucker
  • 2 cl Cachaca
  • 1 Dolde Holunderblüten
  • 1 Limettenspalte

Alles in ein grösseres, festes Glas geben, mit Holzstössel quetschen, bis der Limettensaft ausgetreten ist. Mit Sodawasser auffüllen.

Prosecco über eine Holunderdolde und einen Minzezweig giessen, ein wenig ziehen lassen, gibt einen erfrischenden Aperitiv.

Statt frischer Dolden kann man auch 1 El Holundersirup verwenden.

Zum Sirup ist zu sagen, man kann ihn selber machen, aber einfacher ist es, ihn in Bioqualität zu kaufen. Ein Problem gibt es auch mit Holundersekt:

Laut Wikipedia:

  • “Der Holundersekt (auch HolunderblütensektHollersekt oder Fliedersekt) ist ein schwach alkoholhaltiges Getränk, ähnlich dem Federweißen. Das Getränk darf unter diesem Namen nicht in den Verkehr gebracht werden, da nach dem Schaumweinsteuergesetz die Bezeichnung Sekt einem weinhaltigen Getränk vorbehalten ist. Es darf nur unter anderen Bezeichnungen auf den Markt gebracht werden, verwendete Namen sind z.B. “Hollerkitzler” und “Moussade von Holunderblüten”. Er wird aus den Blüten des Schwarzen Holunders (der in Norddeutschland auch als “Flieder” bezeichnet wird), Wasser, Zucker, Zitronenscheiben und Säurepulver (Weinstein- oder Zitronensäure) hergestellt und verändert im Verlauf der natürlichen Gärung Geschmack und Charakter. Die Konservierung wird durch den entstehenden Druck gewährleistet.
  • Dem Getränk wird eine stark belebende Wirkung nachgesagt (siehe oben: Aphrodsiakum!). Es existieren eine Vielzahl von Rezepten, da das Getränk eine alte Überlieferung ist. Man lässt frische Holunderblütendolden zusammen mit Zucker, unbehandelten Zitronenscheiben und Weinstein- oder Zitronensäurepulver (E330) ca. 24 Stunden in Wasser stehen. Die Säuren dienen hierbei als gegen Schimmelpilze gerichteteKonservierungsmittel bei der Vergärung. Die auf den Blüten natürlich vorkommenden Hefen verarbeiten den Zucker in sehr geringem Maße zu Alkohol, wodurch die Hefen selber absterben und Kohlensäure frei wird. Das entstehende Gas sorgt nach einigen Tagen für die prickelnde Wirkung. Im Verlauf dieses Prozesses verliert das Getränk etwas von seiner Süße und ähnelt schließlich Sekt. Es ist in – dem Druck standhaltenden – stabilen Glasflaschen bis zu einem halben Jahr haltbar.”

Hier also kein Rezept – meistens wird’s nix. Im Internet wird man fündig, aber am besten ist ein altes Familienrezept, weil das ausreichend ausprobiert wurde. Meine Oma konnte es hervorragend – ich leider nicht.

Achtung! Der Holunderblüten-Sekt gelingt nicht immer, da er einem unkontrollierten Gärprozess unterliegt. Zuerst vorsichtig probieren/riechen. Nur wenn er gut schmeckt und riecht, ist er gelungen und kann getrunken werden. Falls sich Schleim bildet: Nicht trinken, da dann die falschen und schädlichen Mikro-Organismen überhand genommen haben.

Weiter zu Teil II: Kraft der schwarzen Beeren.

 

Posted by on Juni 7th, 2016 Kommentare deaktiviert

Heilpflanzen im April – Signatur des Mars

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Dragon’ Eye ©scrano 2015

Signaturen in der Pflanzenastrologie:

Alle Lebendige aber auch sonstiges Dingliches teilt sich mit. Pflanzen kommunizieren mit ihren Farben, ihrem Geruch oder Duft, in der Ausformung ihres Wurzelgeflechts, Anzahl, Form und Stellung von Blättern, Erscheinungsform und Symmetrie der Blüten, Eigenschaften ihrer Früchte, Samen oder Sporen, ihrer kompletten Erscheinungsform, ja sogar einer Art “Ausstrahlung”. Bei der Interpretation der Pflanzen muss man aber bedenken, dass sie sozusagen verkehrt herum leben: Ihr Kopf oder “Gehirn” steckt im Boden, ihre Fortpflanzungs- und Bewegungsorgane (z.B. Ranken) sind nach oben, dem Licht entgegengestreckt.

  • Hinweise für Signaturen finden sich auch darin, wie, wo und wann eine Pflanze wächst, blüht oder fruchtet  in welchen Gemeinschaften und unter welchen Randbedingungen.
  • Namen, besonders die ortsüblichen in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet (sofern noch bekannt) spielen eine Rolle. Auch Bezeichnungen aus dem Volksmund sind eine interessante Quelle, wobei man aber Heilwissen, Brauchtum und dummen Aberglauben manchmal nicht trennen kann.

Diese Erscheinungsbilder und Ausdrucksformen lassen sich in die Sprache astrologischer Archetypen übersetzen, sie bilden dann eine sogenannte Signatur.

In der klassischen Signaturenlehre werden meist nur die einseitigen Prinzipien der hermetischen Polarität herangezogen, ausserdem verwendet man nur die 7 Himmelskörper der Antike: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn. Ich ziehe aber die Trans-Saturnier durchaus mit heran, da es mittlerweile einige Erfahrung damit gibt. Bei allen hermetischen Korrespondenzen muss man immer bedenken, dass durch das symmetrische Achsenprinzip der Gegenpol immer mit zum Tragen kommt. In allen Dingen oder Wesen, welche die Erde oder der Kosmos hervorbringt ist zudem auch jedes archetypische Wirkprinzip vertreten, wenn auch nicht in gleichem Aussmass oder in allen Stadien oder Phasen ihrer Existenz. Manche Wirkungen z.B. bei Pflanzen sind nur auf einen Teil, wie Früchte oder Wurzeln beschränkt, manche muss man erst durch Zubereitung und Anwendung erschliessen. Zum Teil kann man eine Rückbeziehung durch die Funktion der Inhaltsstoffe für die Pflanze selbst herstellen.

Dazu kommt: Nicht alles was aus dem planetaren Entsprechungen stammt, ist dem Menschen dienlich – es ist in erster Linie für die Pflanze lebensnotwendig und prägt IHR Wesen. Wir nutzen nur den Anteil, der uns hilfreich ist.

Marspflanzen haben häufig eine Pluto-Signatur, besonders wenn sie giftig sind, da dieser klassisch als Mars im Nachthaus angesehen wurde, und den Skorpion regiert. Als Gegnpol finden wir entweder die Venus Pandemos (Pluto) oder Venus Urania (Mars).

Deutlich sind die Verteidigungsmechanismen von Marspflanzen ausgeprägt: Wehrhafte Stacheln, Brennhaare, Reizstoffe und regelrechte Gifte. Auffällig sind oft auch Blüten- oder Fruchtfarbe: Knallrot, orangerot oder knallgelb (schwefelfarbig) sind oft vertreten – z.B. Goldregen, Berbereris. Rotes oder bronzebraunes Laub bzw. Triebe findet man ebenfalls. Sie besitzen neben den Giften auch extrem bittere Inhaltsstoffe (gallebitter = Mars), im Gegnsatz zur belebenden Herbheit von Jupiterpflanzen oder Sonnengewächsen. Nur Saturnsignatur bringt ebenfalls solch starke Bitterstoffe hervor – dann aber auch meistens mit zusätzlich adstringiernder Wirkung.

Auf der anderen Seite zeigen grade Marspflanzen eine hohe Vermehrungsfreude, generativ, also durch Samen, nicht so sehr durch Kindel (Mond) oder Rhizome (Neptun). Auch Pollen werden verschwenderisch gebildet – und sind leider oft allergen!

  • Aloe vera (Aloe barbadensis)
  • Amaranth und Quinoa galten in Mittel-und Südamerika als Speise der Krieger, sie stammen aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Beide Pseudogetreide sind eiweissreich, enthalten viel Eisen, aber auch Saponine, die man durch Hitzebehandlung unschädlich machen muss. Alles typische Mars-Eigenschaften, der Gartenfuchsschwanz im Blumenbeet erfreut uns ebenfalls passend, mit kräftig roten Blütenständen.
  • Bachbunge (Veronica beccabunga), mit Merkur/Neptun
  • Bärlauch (Allium ursinum), (Mond, Saturn)
  • Basilikum (Ocymum basilicum) mit Jupiter/Merkur
  • Benediktenkraut (Carduus benedictus) mit Jupiter/Merkur
  • Berberitze ( Berberis vulgaris)
  • Brennessel (Urtica dioica)
  • Cayenne-Pfeffer ( Capsicum frutescens)
  • Drachenwurz (Dracontium)
  • Estragon (Artemisia dranunculus) zäht eher zu dem Mond/Saturnpflanzen – uteruswirksam und gegen Ödeme (Mond) – bitter und zusammenziehend (Saturn) wie auch der Wermut, filigrane Blätter und hoher Wuchs sind auch Zeichen von Jupiter/Merkur. Artemisiaarten enthalten das psychoaktive und toxische Thujon, auch eher zu Saturn oder Neptun/Jupiter passend. Das Aroma von Estragon ist zudem nicht sehr scharf. Trotzdem wird er immer noch als Marspflanze aufgeführt.
  • Gartenkresse (Lepidium sativum)
  • Gelber Enzian ( Gentiana lutea) – Enzian ist eher eine Jupiter-Merkur Pflanze: parallel geäderte Blätter (wie beim Spitzwegerich), streng aufrechter Wuchs – gelbe Blüten und leberwirksam.
  • Himbeere, Brombeere, Schlehe – alle Rosengewächse, besonders mit Dornen (z.B. Blutpflaume). Äpfel, Kirschen und anderes Steinobst enthält Blausäure in ihren Samen -> Mars(Pluto)signatur in einer äusserlich von Venus dominierten Pflanze.
  • Hahnenfuß (Ranunculus spp.) wie Sumpfdotterblume, Eisenhut, Anemeonen, diese sind auch giftig und tragen eher eine Venus/Pluto-Signatur. Merkur/Jupiter bzw. Neptun sind ebenfalls vorhanden.
  • Haselwurz ( Asarum europaeum), der Gegenpol zur Venus (nierenförmige Blatter) – hier aber eher eine Mars/Pluto-Signatur, violettbraune Blüten, psychoaktiv (Merkur/Neptun). Enthält cancerogene und Scharfstoffe.
  • Ingwer (Sonne/Uranus und Jupiter/Merkur)
  • Kaffee und Kakao (Theobroma cacao)
  • Kapernstrauch (Capparis spinosa)
  • Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus), fünfzählige Blüte, nierenförmige Blätter zeigen den Venus-Gegenpol, das Aroma ist pfeffrig-scharf, die Blüten auffällig orange-rot bis rot. Nebensignatur: Merkur/Jupiter. Gut bei Bronchitis und Schnupfen, blutreinigend.
Coffea arabica Köhlers Heilpflanzenlexicon 1895

Coffea arabica Köhlers Heilpflanzenlexicon 1895

  • Kleine Braunelle (Prunella vulgaris)
  • Knabenkräuter (Orchis) mit ihren knolligen Speicherwurzeln, die Blüte zeigt den Venus-Pol, die Bestäubung erfolgt durch sexuelle Anreize für Insekten. Solche agressive “Sexualität” ist auch wieder ein Mars-Zeichen. Hier haben wir das gleiche Konzept, wie bei den Aphrodisiaka: Mars und Venus sind etwa gleichwertig vorhanden. Orchideen gelten als  Blumen mit stark erotischer Symbolik.
  • Knoblauch (Allium sativa)
  • Krokus (Crocus )
  • Leinkraut  (Linaria vulgaris), wildes Löwenmäulchen – mit Merkur-Jupiter Signatur.
  • Meerrettich (Cochlearia armoracia), mit Mond/Saturn
  • Meisterwurz  (Imperatoria ostruthium)
  • Mäusedorn stechender (Ruscus aculeatus)
  • Nachtviole (Hesperis matronalis)
  • Ölrauke (Eruca sativa)
  • Radieschen
  • Rettich (Raphanus sativus), (Mond/Saturn)
  • Rhabarber (Rheum rhaponticum), (Jupiter/Merkur)
  • Rotes Sandelholz
  • Sauerampfer (Rumex acetosa), Jupiter/Merkur
  • Scharbockskraut (Ficaria verna), (Uranus/Saturn, Sonne)
  • Schnittlauch (Allium schoenoprasum) mit Merkur/Jupiter
  • Senf (Sinapis arvensis), Mond/Saturn
  • Silberdistel (Carlina acaulis), mit Mond/Saturn (Pfahlwurzel, hygroskopische Blüten) und der unterliegenden Merkur/Jupitersignatur aller Disteln. Mars ist hier stärkste Signatur, antimikrobielle Toxine der Speicherwurzel, brunstauslösender Geruch der Pflanze. Dazu sticht diese Distelvariante besonders heftig!
  • Sommerknoblauch (Allium ampeloprasum)
  • Sommerwurz (Orobanche major)
  • Sonnenhut, roter (Echinacea purpurea)
  • Stechginster (Ulex europeus), Merkur/Neptun
  • Sumpfenzian (Swertia perennis), s. gelber Enzian
  • Sängerkraut (Gratiola officinalis)
  • Schwertlilien, Iris und Gladiolen , Zwiebeliris (Mars/Pluto und Venus), Hauptsignatur: Jupiter/Merkur, Wasseriris unterstehen Neptun oder dem Jupiter in den Fischen. Die Mars/Pluto-Signatur ist am stärksten in den Gladiolen, die riechen auch “streng” oder “scharf”  und haben Knollen als Überwinterungsorgan. Die ursprüngliche Blütenfarbe ist rot. Die vorherrschende Jupiter-Signatur der Iris ist leicht zu erkennen: Hoher Wuchs, hohler Stängel, dreizählige Symmetrie, blaue oder buttergelbe Blüten, letztere auch eine Merkur-Signatur. Dieser ist als Gegenpol ebenfalls sichtbar: Parallelnervige Blätter, wie bei Gräsern oder Wegerich, raumgreifendes Rhizom, nicht tiefwurzelnd. Bei der sehr früh blühenden Zwiebeliris ist, wie bei der Gladiole auch eine stärkere Mars-Prägung vorhanden.
  • Tabak (Solanum nicotiana), Solanaceen haben auch eine Mond/Saturn-Signatur.
  • Tomate (mit Mond/Saturn)
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    Krokus – ein typischer Frühjahrsblüher: Mars (Pluto)/Venus und Merkur/Jupiter
    ©beast666 2014

  • Wasserpfeffer (Polygonum hydropiper)
  • Weg-Rauke  (Sisymbrium officinale), Mond/Saturn
  • Weißdorn ( Mespilus oxyacantha), Mond/Saturn
  • Wildsalat ( Sisymbrium officinale)
  • Zwiebel  (Allium cepa), Mond/Saturn

Krankheiten des Mars verlaufen oft stürmisch und beginnen plötzlich. Kopfverletzungen (Widder), Unfalltrauma, Verbrennung, generell Verletzungen, die bluten, besonders Stich- und Schussverletzungen (Kriegsgott), Migräne und andere plötzliche Schmerzattacken besonders bei Spannung zu Uranus. “Gallenleiden”, hier ist ein gestörter Fluss und falsche Zusammensetzung dieser wichtigen Verdauungsflüssigkeit gemeint, die zu schmerzhaften Koliken und Reizungen im Duodenaltrakt führen können. Bei Saturn-Einfluss Steinbildung. Entzündungen, Muskelleiden, Rheuma, Krankheiten mit hohem Fieber (Virus-Infektionen) und last but not least Sexualfunktionsstörungen und Geschlechtskrankheiten zusammen mit der Venus. Marskräfte stecken auch in der Säure-Basenregulation, da hier durch Entgleisungen Reizungen und Entzündungen ausgelöst werden (Gastritis, Duodenitis etc.). Essig ist ein marsisches Heilmittel (auch der Alkohol), und verträgt sich auch gut mit Pflanzen unter demselben Prinzip: Himbeeren, Kapern oder Kapuzinerkresseknospen beispielsweise. Essig und Alkohol, chemisch verwandt (die Säure entsteht durch Oxidation des Weingeistes (Alkohol) in einem natürlichen Fermentationsprozess), stehen auch unter der Herrschaft des Jupiter (sauer macht lustig!).

Der Mars ist Mitregent der Nieren und des Geruchssinns (Mars/Pluto) als Gegenpol der Venus und nach klassischer Auffassung für die linke Körperhälfte zuständig. Das ist interessant, da die rechte Gehirnhälfte, welche die linke Seite steuert, für Gefühl und Impuls zuständig ist. Der Mars als Antriebsquelle und ewiges Kind passt hierzu gut als Korrespondenzprinzip. Diese cerebrale Hemisphäre wird von den Prinzipien Feuer (Mars/Sonne) und Wasser (Mond) beherrscht. Als integrierendes Prinzip wirkt hier Jupiter (Feuer und Wasser), der Mars selbst hat nach klassischer Vorstellung aber selbst bereits ein Yin(Wasser)-Seite, da sein Nachthaus im Skorpion liegt. In der moderen Astrologie regiert hier Pluto, der gleichzeitig  für den Schattenanteil im Horoskop (nach C.G.Jung) steht. Die linke Gehirnhälfte dagegen untersteht dem Erde/Luft-Prinzip der Ratio und der Nüchternheit. Hier dominieren Merkur und Saturn(Uranus), aber auch die Venus!

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Zwiebel-Iris im März: Frühblühende Marspflanze

Nach alter astromedizinischer Lehre sind folgende Faktoren für Krankheiten zuständig:

  • Der Geburtsherrscher (regiert den ASC)
  • Zeichen des  6.Hauses
  • Planeten im 6. Haus
  • Die klassischen Übeltäter Saturn (der gewichtigere) und Mars
  • Körperliche Dispositionen kann man auch noch am 2. Haus (des Körpers) ablesen

Diese Stellungen zeigen gewisse Neigungen und Veranlagungen bereits im Radix. In früheren Zeiten wurden diese Annahmen auch für die Auswertung der sogenannten Dekumbitur herangezogen: Das Horoskop des Augenblicks, in dem ein Patient sich wegen seiner Krankheit ins Bett legen muss. Eine Radix der Krankheit und ihrer möglichen Prognose. Wie bei allen stundenastrologischen Betrachtungen wurde besonderes Gewicht auf die Stellung des Mondes auch in einem solchen Krankheitshoroskop gelegt, um deren Verlauf einzuschätzen: Letzter Mondaspekt -> Ursache, nächster Mondaspekt -> Heilungschancen und Dauer.

Zum Schluss noch eins: Ein Heilkräuter-Brevier ersetzt nicht diagnostische Abklärung von Beschwerden durch Arzt oder Heilpraktiker! Viele verordnen immer mehr Naturheilmittel – einfach  direkt nachfragen.

 

Posted by on April 6th, 2016 Kommentare deaktiviert

Stolze Brennessel: Zwischen Venus und Mars

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Junge Brennesseln an einem Bachlauf – Frühlingskraft pur!
©beast666 2014

Die Brennessel – „Königin der Heilpflanzen“

Wehrhaftigkeit, Willenskraft, Reinigung.

Urtica dioica

Urtica von urere = lateinisch brennen

Dioica bedeutet zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Pflanzen, deren Blüten entweder Pollen spenden oder die Fruchtknoten bereitstellen und die Samen austragen. Sie ist eine bis zu 1,50 m hohe stattliche Staude in sattem Dunkelgrün, die obwohl unbeliebt und verteufelt, den Siedlingsräumen des Menschen treu folgt und die Narben der Boden-Kultivierung bedeckt und integriert. Aus der Familie der Brennesselgewächse stammend, besitzt sie einen ausdauernden, kriechenden, stark verästelten Wurzelstock mit der Neigung zur Rhizombildung. Verwandtschaften bestehen mit dem Hanf und dem Hopfen. Wie der Hanf ist die Nessel auch eine Faserpflanze. Die Urtica wächst bevorzugt in übersäuerten, mit Stickstoff angereicherten Böden. Sie erfüllt eine wesentliche Aufgabe, in dem sie den Böden den überschüssigen Stickstoff entzieht und das biologische Gleichgewicht wieder herstellt. Die Urtica nutzt den Stickstoff, um Eiweissverbindungen aufzubauen, wodurch sie vor allem für Raupen und andere Insekten zu einem begehrter Futterplatz wird, insbesondere für die Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Admiral. Wegen des hohen Eiweißgehalts tritt rasch Fäulnis ein, wenn man die Pflanzen ins Wasser legt. Aus der Brennesseljauche wird ein natürlicher Dünger und dient als biologisches Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge. Die Urtica blüht im Sommer und Herbst. Als Kulturfolger schafft sie  den Übergang vom Bauwerk zum gewachsenen Boden, sie überwuchert “zurückgelassene” eiserne Geräte, sie bedeckt die Kulturbrache, überwächst offene Stellen an Ufern und sie belebt die Einschläge, welche die moderne Forsttechnik in das empfindliche Waldbiotop reisst.

Urtica urens, die kleinere, einjährige noch stärker brennende Nessel kommt im Verhältnis zur großen Schwester fast schon selten vor. Sie versamt sich gerne in Blumentöpfe.

In der konventionellen Landwirtschaft wird sie zu den schwer bekämpfbaren Ackerunkräutern gezählt und manche Hofstelle wird immer noch mit Round-up und ähnlichen Totalherbiziden vom dortigen Bodenleben entvölkert. In der Biogärtnerei wird das Brennesselpräparat verwendet um die “Marskräfte” in den Pflanzen zu stärken und das Mondenhafte (z. B. die weichen, schleimigen, saftziehenden Mikroorganismen, Schimmelpilze, Mehltau etc. in die Schranken zu weisen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird jedes Pflanzenwesen, auch die Bäume als Vermittler kosmischer Kräfte erkannt und entsprechenden Gestirnen oder kosmischen Archetypen zugeordnet.

Das ist die Signatur der Pflanze:

Die Brennessel zeigt sich marsbetont, aber sie besitzt dennoch alle Elemente der Achse von 2/8 Venus-Pluto und 1/7 Mars-Venus. Die Blätter stehen paarig  wechselständig. Die Blüten sind unscheinbare Windbestäuber, mit sehr viel Pollen, welcher aktiv herausgeschleudert wird, durch ruckartiges Strecken der Blütenstände.  Die weiblichen Blütenrispen warten mit reichlich zukünftigen Nüsschen auf die Befruchtung. Die Pflanze selbst verströmt keinerlei Geruch. Ihr Austrieb ist rötlich und zeigt schon die marsische Natur, wobei die zart wirkenden jungen Blätter mit ihrem frischen Grün eher der Venus zuzuordnen sind. Es ist eine harmonische Mars/Venus Signatur in der Pflanze wirksam: Die Stiervenus mit der nährenden Wirkung von jungen Blättern und den wertvollen Nüsschen, die Waage Venus in der Nierenanregung und der Entwässerung.  Mars mit dem Eisengehalt und der Brennwirkung, Pluto mit der Hilfe bei Prostataleiden, besonders durch die Inhaltsstoffe der Wurzel.

„Illustration Urtica dioica0“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Illustration_Urtica_dioica0.jpg# mediaviewer/File:Illustration_Urtica_dioica0.jpg

„Illustration Urtica dioica“.

Kein Wunder, dass bei so viel guten Gaben, die Pflanze sich gegen Übergriffe wappnen muss: Als Verteidigung ist die gesamte Nessel mit einem Heer von spitzen Brennhaaren ausgerüstet. Diese brechen bei Berührung schräg spitz ab und bohren sich wie eine Injektionsnadel in die Haut und entlassen das brennende Sekret, u. a. bestehend aus Histamin, Acetylcholin und Ameisensäure. Hautbrennen, Quaddelbildung und erhöhte Durchblutung der betroffenen Region sind die Folgen. Die daraus resultierende Heilwirkung beruht auf einem verbesserten Gewebetonus durch Aktivierung der Muskelzellen und das Ausschwemmen von Schlacken, dadurch erhöht sich die Beweglichkeit.  Das Peitschen mit ganzen Brennesselruten wird auch heute noch in der Volksmedizin praktiziert bei schmerzhaft geschwollenen Gelenken, bei Rheuma, Ischias und Lähmungserscheinungen. Auch die durch den Schmerzreiz gebildeten Endorphine spielen hier eine Rolle.

Die Brennessel wirkt aufgrund der reichlich vorhandenen Phytohormone (wieder die Mars-Venus Signatur) unterstützend auf die hormonelle Umstellung in der Pubertät und fördert eine gesunde Sexualität. Außerdem wirkt sie sowohl hormonell regulierend als auch durch Anregung der Ausscheidungsorgane auf die Talgdrüsen der Haut (Venus) und vermeidet oder lindert so die Akne. Brennessel-Essig ist eine gute Haarspülung (Mars). Brennesselsamen sind früher dem Pferdefutter zugesetzt worden und hauchten so manchem alten Klepper wieder  ein wenig Feurigkeit ein (Vitamine A,B,E). Als Mars-Pflanze wirkt Brennessel auf den Eisenstoffwechsel. Beschwerden durch Eisenmangel wegen zu starker Menstruation können auch durch Brennesselzubereitungen gelindert werden. Brennessel ist generell ein Muskeltonikum. Das im Chlorophyll enthaltene Magnesium verhindert auch gleich nächtliche Wadenkrämpfe. Schon in der Antike war die Brennessel als Heilpflanze bekannt. Der Grieche Dioskurides schreibt, dass sie menstruationsfördernd, wind- und harntreibend wirke und gut gegen Hundebiss (Pluto) , krebsartige Geschwüre und alle schwerwiegenden Entzündungen sei. Die Pflanze wird auch von Hippokrates aufgeführt. Römische Heilkundige beschreiben ihre blutstillende Wirkung. Die Kräuterbücher des Mittelalters bestätigen im Wesentlichen die Indikationen der antiken Ärzte. Sowohl Paracelsus, als später auch Hildegard von Bingen führten die Heilpflanze in ihrem Arzneischatz.

Brennesselgerichte  liefern neben kräftigem natürlichen Aroma und den mineralischen Schätzen wie Na, K, Ca. Fe, P. Mg und Si noch 40 % der Trockenmasse an hochwertigem Pflanzeneiweiß. Für die Ernte von Brennesseln für Spinat, Tee oder besonders der älteren Pflanzen für Jauchen und Dünger schützt man sich entweder durch Leder- oder Gartenhandschuhe. Vor der Verwendung für Gerichte spült man die Pflanzen kräftig lauwarm ab und lässt sie abtropfen. Für Tee und Brennesselspinat ernten wir von den jungen Pflanzen die obersten 2 – 3 Blattpaare samt Stängel.

Küchen-Tipp:
Die unangenehme Wirkung der Brennhaare kann man beseitigen, indem man das Kraut kurz blanchiert oder kräftig abduscht. Wenn man sie als Salat verwendet, so werden die Brennhaare durch das Vermischen mit der Soße zerstört.

Spinat aus Brennesseln

  • 1 milde Zwiebel
  • 4 Sträusschen Brennesseltriebe

Die  Zwiebel in Rapsöl anschwitzen, Brennesseln zugeben und in ca. 5 – 7 Min. weich dünsten. (Ein Schuss Apfelsaft verbessert den Geschmack). Mit Gemüsebrühe , frisch geriebener Muskatnuss, Ingwerpulver, nach Belieben einer Spur Knoblauch und Schmand abschmecken.

 

Brennessel
Spinat
Energie 44 Kcal 15 Kcal
Eiweiss 7 g 2,5 g
Kohlenhydrate
1,3 g 0,6 g
Natrium 18 mg 65 mg
Kalium 320 mg 554 mg
Calcium 713 mg 117 mg
Magnesium 80 mg 40 mg
Eisen 4,1 mg 1,5 mg
Vitamin A 800 μg 549 μg
Vitamin C 300 mg 29 mg

Die hohen Calcium-, Eisen- und Vitamin C-Werte sind besonders auch für Kinder im Wachstum gesund, vor allem ist keine Oxalsäure enthalten, wie im Spinat.

Brennesselbutter:

  • Ein Sträusschen Brennesselspitzen  kurz lauwarm waschen,
  • abschleudern und mit einem Küchentuch nochmals abtupfen.
  • Sehr fein wiegen und in
  • 250 g weiche Sauerrahmbutter zusammen mit
  • 2 zerdrückten Knoblauchzehen, Meersalz und frisch gemahlenem oder zerdrücktem rosa Pfeffer verrühren.
  • Sie passt gut zu Pellkartoffeln oder zu frischem Dinkelbaguette.

Die Samen der Brennessel sind ein ausgezeichnetes Stärkungs- und Nahrungsergänzungsmittel und können ebenso kulinarisch zubereitet werden.

Brennesselnüsschen oder Samen können dem Muesli zugegeben werden.

Oder für Leckermäuler gibt es Brennessel-Honig:

  • 200 ml flüssigen Honig – Akazie oder Linde
  • Brennessselsaat

Die Nesselsamen in einer trockenen Pfanne leicht anrösten, erkalten lassen und unter sen Honig mischen bis eine Pesto-ähnliche Masse entsteht.

Heilwirkungen:
Die Wurzeln der Brennesseln sind medizinisch einsetzbar, da sie östrogenartig wirken. Etliche Untersuchungen zeigen den Nutzen von Brennesselwurzel-Extrakten bei alternden Männern mit gutartiger Prostata-Vergrößerung (BPH) und auch bei Entzündungen. Dabei bewirken Brennesselwurzelextrakte über Einflüsse auf das männliche Hormonsystem (Venus & Pluto-Wirkung!) eine Verkleinerung der vergrößerten Vorsteherdrüse. Dies erleichtert die typischen Beschwerden wie erschwertes Wasserlassen, häufiger (nächtlicher) Harndrang bei Entleerung von nur kleinen Harnmengen. Auch die Menge, das sogenannte „Restharnvolumen“, problematisch wegen der Gefahr von Blaseninfektionen, verringert sich.

Wegen der „königlich, stolzen Unnahbarkeit“ oder auch „Wehrhaftigkeit“ der Brennessel wird die Verabreichung der Brennessel in der Homöopathie zur Bildung von Willensstärke, Selbstüberwindung und Aggression verordnet. Böse Zungen behaupten auch, dass sie besonders rückgratlosen Menschen anzuempfehlen sei, um die Charakterbildung zu unterstützen. Also wälzen wir unsere Politiker und Witschaftsbosse doch mal kräftig in Brennesseln! Obwohl sie sich oft genug selber reinsetzen … aber leider nur sprichwörtlich.

Brennesseltee-Herstellung: Während der Blütezeit (Juli bis Oktober) werden die Blätter von Brennesselpflanzen gesammelt. Wichtig ist dabei, den Standort zu beachten – also nur in unbelasteten, abgelegenen Gebieten sammeln. Die Blätter werden vorsichtig mit Handschuhen vom Stängel abgestreift. Danach werden sie auf Schädlinge hin kontrolliert. Nur einwandfreie Blätter werden ungewaschen an der Luft so lange getrocknet, bis die Blätter beim Anfassen leicht auseinanderfallen. In abgedunkelten Gläsern halten sich die Wirkstoffe über ein Jahr lang.

Tee-Zubereitung:

2 Esslöffel getrocknete Brennesselblätter werden mit  1 Liter kochendem Wasser übergossen, abgedeckt stehen gelassen und nach etwa 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Über den Tag verteilt trinken. Man kann auch eine Kombination aus Brennesselwurzel und Blättern zusammen mit der Saat als Tee verwenden: Als Teedroge („Droge“, so nennt der Apotheker alle getrockneten Kräuter) werden sowohl Brennesselkraut, als auch ihre Wurzeln und ihre Samen verwendet. Brennesseltee wirkt blutreinigend und stimuliert die Bildung von Verdauungssekreten (in Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle). Zudem werden ihm Milch bildende, den Blutzucker senkende (Venus), entgiftende und den Stoffwechsel anregende Wirkungen zugesprochen. Auch als Immunregularium bei Allergien ist Brennessel tauglich.

Nesseln für Kleidung, Nesselgrün als Farbstoff:

Da Brennesselfasern außerordentlich reißfest sind und extrem viel Feuchtigkeit aufnehmen können, wurden sie auch zu Stoff verarbeitet, dem so genannten „Nessel“. Mit der Brennessel wurden Stoffe auch gefärbt. Wolle konnte man mit ihrer Wurzel, nach Vorbeizen mit Alaun, hellgelb färben. Unter Verwendung einer Vor- und Nachbeize erzielt man mit den oberirdischen Teilen ein kräftiges Graugrün. Auch Lebensmittelfarbe mit gesunden Inhaltsstoffen liefert  die Nessel, z.B. für Pasta oder Gummibärchen.

Die Brennessel im Biogarten:

Brennessel 24 Stunden in Wasser ausgelaugt ergibt ein ausgezeichnetes Pflanzenstärkungsmittel. Die reichlich vorhandene Kieselsäure der Brennessel festigt die Zellwände der damit gegossenen Pflanzen. Beißende und saugende Insekten haben es nun bei den Pflanzen schwerer. Wird dieser Ansatz deutlich länger als 24 Stunden stehen gelassen, bildet sich durch Gärung eine Jauche, in der zusätzlich Stickstoff und Spurenelemente gelöst sind und dadurch hervorragende Düngewirkung hat.

Brennessel-Jauche: Ein Kilogramm frische Brennesseln in fünf Liter Wasser etwa drei Wochen in einem verschlossenen Topf vergären lassen. Verwendung: In der Verdünnung 1:20 zur Aktivierung des Pflanzenwachstums und Bodenlebens; in der Verdünnung 1:10 als Düngung über junge, heranwachsende Pflanzen verspritzen. Warn-Hinweis: es müffelt ordentlich!

Jauche gegen Blattläuse: Ein Kilogramm frische Brennesseln in fünf Liter Wasser etwa fünf Tage in einem geschlossenen Topf gären lassen. Die Brennesseln ausfiltern und in einer Verdünnung 1:10 verspritzen.

Also eine richtige Garten-Freundin:
Gartenbesitzer betrachten Brennesseln wegen ihrer wuchernder Ausbreitung oft als Unkraut. Dabei verdrängt die Pflanze sogar letzteres, denn ihre kräftigen, verflochtenen Wurzeln lassen keine anderen Pflanzen aufwachsen. Und so wird sie Gerne aus Gärten vertrieben – sehr zum Leidwesen vieler ökologisch denkender Menschen. Diese sehen vor allem den Nutzen der Pflanze: Zum einen sichert eine kleine, kontrollierte Fläche im Garten den Bedarf an ungespritzten Blättern für den Eigenbedarf (Gemüse, Tee-Herstellung). Zum anderen kann die geduldete Brennessel-Fläche den Grundstoff zur kostenlosen Herstellung von Dünger oder natürlichem Schädlingsbekämpfungsmittel zum Beispiel gegen Blattläuse und andere Pflanzensauger liefern.

Zum Schluss noch eins: Ein Heilkräuter-Brevier ersetzt nicht diagnostische Abklärung von Beschwerden durch Arzt oder Heilpraktiker! Viele verordnen immer mehr Naturheilmittel – einfach  direkt nachfragen.

 

Posted by on März 8th, 2016 Kommentare deaktiviert