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Sommerseminar Juli 2017: Grundlagen der Astrologie – Archetypen und Aspekte

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Hermetische Weltsicht: Spiegelung von Makro- und Mikrokosmos.
Diese Philosophie liegt auch der Astrologie zugrunde.
Unus Mundus ©scrano 2016

Horoskop einer bekannten Persönlichkeit - ein Förderer der astrologischen Forschung.

Horoskop einer bekannten Persönlichkeit – ein Förderer der astrologischen Forschung.
Erkennt ihr ihn?

NEU:

Für Astrologie-Interessierte im Raum Esslingen/Göppingen/Kirchheim biete ich ab dem Frühjahr 2017 wieder ein Wochenendseminar “Grundlagen der Astrologie mit Einführung in die Deutung des eigenen Radix” an.

Preis 75 €/Tag inkl. Verpflegung in den Pausen (Kaffee/Tee, Butterbrezen & süsse Stückle).

Wer Interesse hat, bitte rechtzeitig melden (bis 14 Tage vor Termin ), damit ich eine passende Örtlichkeit in Kirchheim und näherer Umgebung buchen kann. Bei <5 Teilnehmern bei mir zuhause, da ich medientechnisch voll ausgestattet bin. Bei der Anmeldung Geburtsdaten + Zeit angeben, damit ich für den Termin ein Radix jedes Teilnehmers erstellen kann.

 Termine 2017:

  • 1./2.. Juli zu Beginn der Sommerferien im Sonnenjahr 2017.
  • Der ideale Zeitraum, um  etwas Neues zu lernen, wenn man Geist und Seele etwas baumeln lassen kann.
  • Anmeldung bis zum 13./14. Juni 2017 bei Ambrosia
  • Unverbindliche Auskünfte und Anfragen zum Seminar: Email an Ambrosia: oder reuterc(at)bawue.de.
  • PDF Flyer zum download.

Wenn die Nächte nicht mehr so kalt sind: Sternhimmel und Sternbilder, Planeten- und Mondbeobachtung mit meinem Newton-Teleskop als kostenloses extra-Highlight zum Astrologie-Kurs an einem separaten Termin – ab Mai/Juni.

Kurze Beispielsdeutungen:

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Mehr dazu findet ihr in meinen Artikeln.

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2017 ist für die Chinesen das Jahr des Hahnes im Element Feuer!
Nach Abt Knauers Wetterkalender wird es das Jahr der Sonne.
Lustigerweise ist der bunte Hahn als Frühaufsteher auch ein Symbol für die Sonne!

So stolz wie das klassische Wappentier, der Löwe ist er allemal.

Posted by on Januar 14th, 2017 No Comments

Das Erdelement: Stabilität, Fruchtbarkeit, Realitätssinn

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Fruchtbar grünes Erdelement: Kessel oder Füllhorn der Mutter Erde.
Cornucopia ©scrano 2013

Korrespondenzen des Erd-Elementes:

Zodiak:

  • Jungfrau: mutabel – Merkur in seinem Nachthaus, Vesta
  • Steinbock: kardinal – Saturn in seinem Nachthaus
  • Stier: fix – Venus Pandemos

Tarot: Pentakel, Münzen

  • Yin: Königin, mutabel
  • Yang: König, fix
  • Page, Ritter, kardinal

Farben:

  • Grün, rostrot, ocker, braun, grau, schwarz

Alchemie:

  • EarthNach unten zeigendes Dreieck mit Querbalken

Elemental:

Tage:

  • Samstag – Saturn

Pflanzen:

  • Getreide (Merkur), Wurzelgemüse (Venus), Immergrüne (Saturn), Nadelbäume (Saturn)

Signatur:

Wenig Blüten, unscheinbare Blüten, ledrige Blätter, knorrig, kriechend- oft mit Rhizom, starke Wurzelbildung, mineralstoffhaltig, kieselsäurehaltig, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Stärkebildung, wenig Zucker oder Saft. Erdiger Duft. Pflanzen der arktischen Regionen. Kältevertäglich.

Öle:

  • Patchouli (Venus, Pluto)
  • Vetiver, (Venus, Pluto)
  • Kalmus, (Saturn, Sonne, Mond)
  • Tonka, (Venus, Mars)
  • Myrrhe (Saturn, Mond)
  • Iriswurzel, (Saturn, Mond)
  • Zypresse, (Saturn, Sonne)
  • Sandelholz (Venus, Mars)
  • Eichenmoos,
  • Karotte

Tiere:

  • Auf vier Beinen laufende Tiere, vor allem Weidetiere, Reptilien, Höhlen- oder Baubewohner wie Murmeltiere, Dachse. Tiere der Felsenregionen.

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Der Erde,  zu der die Yin Variante “Ruhe und Empfängnis” passt ist in jedem Elementesystem die Fruchtbarkeit von Pflanzen und Tieren, aber auch des Menschen zugeordnet. Daher wird es auch in erster Linie von Saturn und Venus regiert, dem Winter- und Frühlingsapekt der bäuerlichen Kulte. Den Erdzeichen haftet vor allem die Neigung zur realen, physischen Manifestation der Dinge an an, sogar der Merkur-beherrschten Jungfrau. Diese repräsentierte aber in antiken Vorstellungen  Asträa, die Sternenjungfrau. Deren Symbol war die Kornähre. Als Zeichen der Aussaat und Ernte (heliakischer Aufgang bzw. Untergang zu diesen Jahreszeiten) war Virgo/Asträa auch mit den Mysterien der erdhaften Muttergöttin Demeter verbunden. Allen drei Erdzeichen ist eine wert-konservative Einstellung zueigen. Das Erdzeichentrigon repräsentiert: Wachstum der Vegetation (Stier) Ernte (Jungfrau) Winterruhe (Steinbock).

Zustandsformen der Elemente im Erd-Trigon:

  • Steinbock: kardinal, aufstrebende Berggipfel, Felsen
  • Stier: fix, weite Ebenen, Ackerland
  • Jungfrau: mutabel, vom Wind bewegtes Grasland, Getreidefelder.
Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.©scrano 2016

Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.
©scrano 2016

Die Element-Typisierung hatte auch Einfluss auf die Humoralpathologie der Antike: Vier Körpersäfte – Blut/Schleim und schwarze/gelbe Galle zirkulieren frei und unbehindert, solange der Mensch in Homöostase (Gleichgewicht) befindlich ist. Diese “Säfte”, wobei der Begriff nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, werden dann vier Temperamenten zugeordnet – Sanguiniker/Blut, Phlegmatiker/Schleim, Choleriker/gelbe Galle und Melancholiker/schwarze Galle. Mit der Temperament-Lehre als eher geistigem Konzept experimentierte auch Hans Eysenk, ein bekannter Psychologe, der sich mit der Erforschung von  Persönlichkeitsstrukturen beschäftigte,

Neben der psychologischen Zuordnung kann man auch eine physikalische Interpretation finden: Natürlich war eintsprechend der Denkweise der alten Griechen das Wort Element nicht im chemischen Sinne eines Periodensystems gemeint. Im antiken Griechenland war man mehr auf umfassendere Prinzipien im Sinne der idealen Formen Platos interessiert. Also wären demzufolge eher Zustandsbeschreibungen mit den Elementen gleichzusetzen: Fest-Erde, flüssig-Wasser, gasförmig-Luft, Plasma – Feuer.

Posted by on Januar 12th, 2017 No Comments

Solar Fire: Räucher-Ritual zur Wintersonnenwende

Sonnenfeuer - Winterglanz

Sonnenfeuer – Corona
©scrano 2015

Prolog im Himmel, Goethe: Faust I

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.

Flammenfraktal im Wortsinn, das die Sonne mit der brüllenden Kraft ihrer Magnetosphäre darstellt. Ohne Sonne kein Leben, daher sehnen wir uns nach der langen winterlichen Dunkelheit instinktiv nach ihr.

Ein bisschen Sonne ins Haus holt uns jetzt eine Räucherung beim warmen Licht echter Bienenwachskerzen. Die Biene vereint lunare*** und solare Elemente in echter Harmonie. Sie schenkt uns das Wachs mit seiner Heilwirkung und dem Licht, das es uns als Material für Kerzen spendet.  Das regelmässige Sechseck der Wabe: Ein Sonnensymbol, wie das Zentrum des Hexagramms, dem sechs-Stern, der das klassische Sonnensystem der Alchemie darstellt. Und erst der Inhalt: Der Honig in seiner goldenen Pracht wirkt schon wie eingefangener, flüssiger  Sonnenschein, darin gleicht er dem Bernstein, ebenfalls ein solares Naturprodukt, das vom Harz schon längst fossilierter Nadelwälder stammt. In diesem ebenfalls goldenen klebrigen Saft steckt die Essenz der Bäume, die einen sehr effektiven, lebendigen Speicher der Sonnenenergie darstellen.

  • Daher gehört der Bernstein zu einer solaren Räuchermischung hinzu, ebenso der Weihrauch, auch ein Harz.
  • Dazu kommen Rosmarin und Zeder, Zitrusschalen, Calendulablüten, Gewürznelken, Zimt und Calmuswurzel, welche als belebend und erwärmend gelten. Auch der Ingwer zählt zu den solaren Mitteln, aber eher als Süssigkeit oder im Tee. Der Rauch ist unangenehm scharf, da zeigt sich Mars. Daher eignet sich Ingwer, wie auch das ebenfalls solar-marsische Johanniskraut eher für Rituale im Freien, bei denen der Winter ausgetrieben werden soll.
  • Pflanzen mit einer Sonnen- Signatur besitzen häufig fette Öle, z.B. Sonnenblume oder  Lorbeer, der Sonnenpflanze der alten Griechen: Wahrzeichen des Apollon. Lorbeerblätter kann man auch verräuchern, zusammen mit Weihrauch, Fichtenharz  und Wacholderbeeren, die marsisch-abwehrend wirken. Eine Vielzahl an solaren Gewächsen sind auch Herzmittel, wobei sie verstärkt tonisierend wirken: Korrespondenz zum Zeichen des Löwen und den Eigenschaften des 5. Hauses.

Die Sonne steht in unser aller Zentrum, ihre Symbolik sollte daher verbinden und nicht trennen: Mit einem solaren Räucher-Ritual kann man alle Aspekte des Mittwinterfestes, der Zeit der Wintersonnenwende recht gut vereinen. Die alte naturreligiöse Tradition nördlich der Alpen und die römisch-christliche Feier des Jesus-Kindes als Licht der Welt, Sol Invictus. Religion heisst nicht umsonst Rückverbindung. Allerdings sollte hier den positiv spirituellen Elementen von Licht und Wärme gehuldigt werden, und nicht den verknöcherten Dogmen. Die braucht keiner. Die lässt man am Besten von den Perchten der ebenfalls am Sonnwendstag, dem 21. Dezember , beginnenden Raunächte verscheuchen.

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**Lunares Element des Bienenvolkes ist ihre Gesellschaftsform als matriarchales Kollektiv, daher ist auch der saturnische (Struktur, Gegenpol des Mondes) und der neptunische (Aufgabe der Individualität, Gegenpol des Merkur- fliegende Geschöpfe) Archetyp vertreten. Wie bei den Borg, die allerdings mit ihrem kriegerischen Expansionsdrang eher den Ameisen gleichen, bei denen das Mars-Element ebenfalls mehr in den Vordergrund tritt. Die Biene hat zwar einen marsischen Stachel, stirbt aber wenn sie ihn einsetzt, ein allerletztes Mittel also. Bienen besitzen marsische und  venerische Züge, da sie Blüten befruchten.  Pollen=Mars, Frucht=Venus.
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Bernsteingold: Fraktales Weihnachtsbäumchen -
Fichtenharz ist ein beliebtes Räuchermittel – Sonne/Uranus, Mars/Venus.

 

Posted by on Dezember 20th, 2016 2 Comments

Das Feuerelement: Inspiration, Lebenskraft und Wärme

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Feuer: Willenskraft, Dynamik, Schaffensprozess – höheres Selbst.
 Kelch der Inspiration ©scrano 2013

Korrespondenzen des Feuer-Elementes:

Zodiak:

  • Schütze: mutabel – Jupiter in seinem Taghaus
  • Widder: kardinal – Mars in seinem Taghaus
  • Löwe: fix – Sonne

Tarot: Stäbe, ASSE

  • Yin: Königin, mutabel
  • Yang: König, fix
  • Page, Ritter, kardinal

Farben:

  • Rot, orange, goldgelb.

Alchemie:Fire

Nach oben weisendes Dreieck.

Elemental:

  • Salamander,
  • Süden,
  • Michael
  • Notus

Tage:

  • Sonntag – Sonne
  • Dienstag – Mars
  • Donnerstag – Jupiter, aber auch Wasser-Anteil

Pflanzen:

  • Wüstengewächse, Dornenpflanzen, Kakteen (mit Mond und Saturn). Dreieckige Blätter: Dachwurz, etliche Sedum-Arten, Hawortia, Echeveria. Pyrophyten: Pflanzen, die erst ihre Samen nach einem Buschfeuer oder Waldbrand ausstreuen. Alle Xerophyten: Pflanzen der ariden Zonen.

Signatur:

Viele Blüten, kräftige Farben, besonders rot (Hibiskus), harte oft dreieckige Blätter mit Wachsschicht, Sonnenanbeter, Mittagsblüher, fette Öle, Harze (Bernstein, ein fossiles Harz ist DER Sonnenstein), belebende Scharfstoffe, zuckerhaltig. Pflanzen der Tropen oder Subtropen. Rote oder orangegelbe Blüten, roter Austrieb, rote Früchte  (Feuer-Venus), Tagblüher, Blütenstände oft flammenartig und der Sonne zugewandt (Anthelii), z.B. Sonnenblume und viele andere Korbblütler.

Öle:

  • Zeder
  • Zimt, (Venus, Pluto)
  • Weihrauch, (Saturn, Sonne, Mond)
  • Ingwer, (Venus, Mars)
  • Lorbeer (Saturn, Mond)
  • Johanniskraut, (Saturn, Mond)
  • Olive, (Saturn, Sonne)
  • Basilikum,
  • Nelke,
  • Blutorange,
  • Litsea Cubeba

Tiere:

  • Schnelle Tiere, Raubtiere, Tiere der trockenen Zonen.

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Dieses Element steht für Vitalität. Dem Feuer, zu dessen Energie die Yang Variante “Aktivität und Neubeginn” passt, ist in jedem Elementesystem der Wille, der Mut und die Lebenskraft zugeordnet. Daher wird es auch in erster Linie von Mars in seiner rohen Natur und Sonne, sowie Jupiter (im Schützen) in seiner reifen Form regiert. Feuer brachte den Menschen die Ur-Zivilisation, durch seine Wärme schuf es Lebensräume, das Zubereiten von Nahrung erschloss eine vielfältigere, reichhaltigere  Diät. Die Jagd auf das Grosswild der Altsteinzeit ist eine Domäne des Feuerelements, der Frühmensch nutzte das Feuer wohl zuerst als Jäger. Das Licht der ersten Fackeln eroberte und überwand die Schrecken der Nacht. Auch unser Gesicht veränderte sich: Die grossen Kaumuskeln wichen wegen der gekochten Nahrung einer diffizileren Sprachmuskulatur.  In seiner zerstörerischen Form wurde das Feuer aber gefürchtet und auch wohl wegen seinem Zusammenhang mit dem Blitz sehr früh vergöttlicht.  Als schöpferisches Feuer wurde es in Indien in der Gestalt des Gottes Agni verehrt, die Zoroasterpriester hüteten eine heilige, ewige Flamme, die das Gute repräsentierte. Aber auch das Höllenfeuer und der dämonische Aspekt des Elements war wohl schon früh in den religiösen Vorstellungen verankert. Der Weltuntergang vollzieht sich in vielen Mythen als grosse Feuersbrunst: Das nordische Ragnarök oder der Weltenbrand, den Shivas Tanz auslöst. Trotzdem, die positiven Eigenschaften überwiegen: Die Urkraft des Elements steckt bereits im Auskeimen des Vor-Frühlings (Keimlinge entwickeln tatsächlich Hitze, um z.B. die Schneedecke zu durchbrechen), die gebändigte Form in den Feuerfarben der Sommerblumen und gespeichert auch in Nüssen, die man früher als Vorrat zum Überwintern brauchte.  Das Element Feuer fördert Aktivität, Lebenskraft und Durchsetzungsvermögen und verleiht Selbstbewusstsein und Mut. Feuerzeichen sind immer von dieser Sturm-und Drangenenergie durchdrungen, selbst die fixen Löwen.  Die negative Variante dieses Pioniergeists und des Vorwärtsdrangs sind Aggression, Egoismus und Krieg. Nicht umsonst sind die Feuergötter immer mit dem Kriegshandwerk verbunden, und sei es nur als Waffenschmied, wie der lahme Hephaistos.

Zustandsformen des Elements im Feuertrigon:

  • Widder: kardinal, Funke, offenes Feuer, Schmiedefeuer
  • Löwe: fix, solares Feuer, Kerzenflamme, Herdfeuer
  • Jupiter: mutabel, Blitz, Feuersbrunst
Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.©scrano 2016

Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.
©scrano 2016

 

Die Element-Typisierung hatte auch Einfluss auf die Humoralpathologie der Antike: Vier Körpersäfte – Blut/Schleim und schwarze/gelbe Galle zirkulieren frei und unbehindert, solange der Mensch in Homöostase (Gleichgewicht) befindlich ist. Diese “Säfte”, wobei der Begriff nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, werden dann vier Temperamenten zugeordnet – Sanguiniker/Blut, Phlegmatiker/Schleim, Choleriker/gelbe Galle und Melancholiker/schwarze Galle. Mit der Temperament-Lehre als eher geistigem Konzept experimentierte auch Hans Eysenk, ein bekannter Psychologe, der sich mit der Erforschung von  Persönlichkeitsstrukturen beschäftigte,

Neben der psychologischen Zuordnung kann man auch eine physikalische Interpretation finden: Natürlich war eintsprechend der Denkweise der alten Griechen das Wort Element nicht im chemischen Sinne eines Periodensystems gemeint. Im antiken Griechenland war man mehr auf umfassendere Prinzipien im Sinne der idealen Formen Platos ausgerichtet. Also wären demzufolge eher Zustandsbeschreibungen mit den Elementen gleichzusetzen: Fest-Erde, flüssig-Wasser, gasförmig-Luft, Plasma – Feuer.

Posted by on Dezember 3rd, 2016 Kommentare deaktiviert

Das Wasserelement – Yin, Westen, Emotion

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Das Wasser-Element: Beherrschende Kraft unseres Planeten.
Ocean Born ©scrano 2013

Korrespondenzen des Wasserelements:

Zeichen:

  • Fische: mutabelNeptun, Jupiter in seinem Nachthaus
  • Krebs: kardinalMond/Luna
  • Skorpion: fixPluto, Mars im Nachthaus

Tarot: Kelche

  • Yin: Königin, mutabel
  • Yang: König, fix
  • Page, Ritter, kardinal

Farben:

  • Blau, violettblau, grausilbern, seegrün

Alchemie:

Nach unten zeigendes DreieckWater

Elemental:

  • Undinen,
  • Westen,
  • Gabriel
  • Zephyros

Tage:

  • Montag – Luna

Pflanzen:

  •  Gardenie, Lilie, Jasmin, Mohn, Kakteen und Sukkulenten (mit, Mars, Saturn), Kürbisgewächse, Algen

Signatur:

Nachtblüher, fleischig, wasserliebend, Sumpf-Gewächse, weisse oder zartblaue Blüten, beruhigend, schwerer Duft, kühlend, schmerzlindernd, Frauenkräuter (mit Venus), Milchsaft.

Öle:

  • Kampher,
  • Jasmin,
  • Anis.
  • weisses Sandelholz
  • Myrte

Tiere:

  • alle Wasserlebewesen, Mollusken (Schnecke), Amphibien, nachtaktive Tiere.

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Dem Wasser, zu dem die Yin Variante “Passive Bewegung” passt ist in jedem Elementesystem die weibliche Urkraft zugeordnet. Daher wird es auch in erster Linie vom Mond regiert, wie die realen Wasservorräte der Erde auch. Allen Wasserzeichen haftet diese Mondhaftigkeit an, sogar dem Skorpion, dem in der klassischen Astrologie der Mars in seinem Nachthaus zugeordnet war. Allerdings muss man wissen, dass Ares/Mars quasi eine weibliche Seite hat, er ist fleischgewordener Zorn einer verschmähten Frau. Von Hera, des Göttervaters Gattin. wurde er ohne männliches Zutun in die Welt gesetzt, gänzlich aus ihr selbst heraus.  Wie Athena Pathenos von Zeus, der brauchte aber noch eine Göttin dafür: Die personifizierte Weisheit, Metis. Erst dann gab es die berühmte Kopfgeburt, welche seine Gattin so erboste. Hera ist aber die Verkörperung der Saturn/Mond Achse des Zodiak, daher hat ihr Sprössling auch mondhaft-kindliche Züge: Ein ewig dreijähriges Riesenbaby, das schmollt und trotzt. Die Emotion ist die Kraft und die Krux der Wasserzeichen, ihr Element fliesst aus der Seelenschale des Mond-Symbols.

Element-Zustände des Wasser-Trigons:

  • Krebs: Fliessendes Wasser, hervorsprudelnd, Quelle
  • Skorpion: Stehendes Gewässer, Eis
  • Fische: Fein verteiltes Wasser ohne Grenze: Nebel, Wolke mit Luft, Dampf mit Feuer, Sumpf mit Erde. Der alles umfassende Weltozean.
Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.©scrano 2016

Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.
©scrano 2016

Die Element-Typisierung hatte auch Einfluss auf die Humoralpathologie der Antike: Vier Körpersäfte – Blut/Schleim und schwarze/gelbe Galle zirkulieren frei und unbehindert, solange der Mensch in Homöostase (Gleichgewicht) befindlich ist. Diese “Säfte”, wobei der Begriff nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, werden dann vier Temperamenten zugeordnet – Sanguiniker/Blut, Phlegmatiker/Schleim, Choleriker/gelbe Galle und Melancholiker/schwarze Galle. Mit der Temperament-Lehre als eher geistigem Konzept experimentierte auch Hans Eysenk, ein bekannter Psychologe, der sich mit der Erforschung von  Persönlichkeitsstrukturen beschäftigte,

Neben der psychologischen Zuordnung kann man auch eine physikalische Interpretation finden: Natürlich war eintsprechend der Denkweise der alten Griechen das Wort Element nicht im chemischen Sinne eines Periodensystems gemeint. Im antiken Griechenland war man mehr auf umfassendere Prinzipien im Sinne der idealen Formen Platos ausgerichtet. Also wären demzufolge eher Zustandsbeschreibungen mit den Elementen gleichzusetzen: Fest-Erde, flüssig-Wasser, gasförmig-Luft, Plasma – Feuer.

Zu den verschiedenen Persönlichkeitsmodellen: HIER eine schnelle Übersicht – allerdings in englischer Sprache.

 

Posted by on November 19th, 2016 Kommentare deaktiviert

All about …Venus

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Schön, launisch und manchmal gefährlich: Madame Venus.
Venus rising ©scrano 2016

Jetzt mit der Sonne in der Waage oder im Stier, ist wieder die Zeit der Venus/Aphrodite, Hathor oder Innana/Ishtar angebrochen:

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Buntschillernd und höllisch heiss: Mit ihrer hohen Albedo spiegelt der erdgrosse Schwesterplanet das Sonnenlicht perfekt. Daher erscheint uns der “Abendstern” oder “Morgenstern” auch strahlend hell.  In der Antike hiess er deshalb Phosphoros, der Leuchtende oder als Verkünder Morgenröte auch Lucifer, der Lichtbringer.Wie der andere feminine Archetyp des Zodiak, der Mond, hat die Venus Phasen.

Die zugehörigen Zeichen, in denen sie ihr Domizil hat:

 

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Posted by on September 24th, 2016 Kommentare deaktiviert

Wilde Weiber: Schleier der Tanit

Mondin in mysteriöser Pracht …Schleier der Tanit ©scrano 2014

Mondin in mysteriöser Pracht …
Schleier der Tanit ©scrano 2014

Die Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin Tanit wurde bis zum Untergang der phönizischen Kultur verehrt. Als Dea Caelestis lunare ist sie auf  Votivstelen abgebildet, die man überall im ehemaligen Einflussbereich des karthagischen Reiches findet, am häufigsten aber auf Malta. In der Hauptstadt Karthago selbst ist bis jetzt nur ein archäologisches Zeugnis überliefert, eine Stele, bei der Merkur zusammen mit dem Thron der Tanit abgebildet ist.  Ihr Symbol ist ein Dreieck mit einem Querbalken und einem Kreis. Die Römer setzten sie mit Ops und Nutrix, der Nährerin des Saturnus (als Erntegott), gleich, die Griechen mit der Jagd- und Fruchtbarkeitsgöttin Artemis, ebenfalls einer Mondgöttin. Sie gilt als Jungfrau, aber auch als Mutter des Baal, die den Gott jeden Frühling wiedererweckt. Ein Indiz für einen lunisolaren Kult, wie er ursprünglich bei bäuerlichen Zivilisationen üblich war. Tanit ist wahrscheinlich eine Überformung der älteren Ishtar/Astarte aus Mesopotamien, die auch eine jungfräuliche Ackerbaugöttin war. Ein anderer Einfluss könnte Anat aus Ugarit gewesen sein, die ebenfalls kriegerische Züge hatte. Tanit wird auch mit Löwinnen assoziert, die ein typisches Attribut der Inanna/Ishtar/Astarte und anderer “Grossen Mütter” waren: Hathor/Sechmet oder die Magna Mater aus Catal Hüyük. Auf Malta, das seit dem Neolithikum ein Zentrum der Verehrung einer universellen All-Mutter war, hielt sich der Kult der Tanit am längsten.

Tanit-Stele von einem sogenannten Tophet.

Tanit-Stele von einem sogenannten Tophet.
Quelle: wiki

Tanit-Symbole befinden sich oft auf Urnen-Friedhöfen mit den Überresten von Kleinkindern. Dies wurde früher als Indiz für das von den Römern angeprangerte Knabenopfer an den Gott Moloch gewertet. Heute weiss man, dass es keinen Moloch (eigentlich melek=König) gegeben hat, und dass es wahrscheinlich keine Menschenopfer-Überreste sind, die auf einem Tophet beerdigt wurden. Die moderne Forensik zeigt, dass es sich bei den Kinder-Urnen um Mädchen und Knaben handelt, sowie die Tatsache, dass viele Totgeburten und Föten, oder Kleinstkinder unter den Bestatteten sind. Die Kindersterblichkeit in der Antike war sehr hoch.  Baal Hammon, der vermeintliche Moloch ist eher mit dem “Goldenen Kalb” gleichzusetzen oder dem Apis-Stier, er ist ein erdhafter Frühlingsgott. Vermutlich sollten die verstorbenen Kinder in die Hände des Götterpaares Tanit/Baal zurückgegeben werden, da diese auch die menschliche Fruchtbarkeit regierten. Auf Friedhöfen mit den Gräbern von Erwachsenen finden sich nämlich keinerlei Beisetzungen von Kindern.

Der heilige Zaimph (juwelenebesetztes Sternenkleid) der Tanit als Schutztotem des punischen Reiches spielt im Historienroman “Salammbo” von Gustave Flaubert eine zentrale Rolle. Hier hat Flaubert wohl einen Haken zur Isis von Sais geschlagen, die ebenfalls hinter einem Schleier vorborgen war, wohl weil auch Tanit als Urmutter des Kosmos angesehen wurde. Ein sternenbesetztes Himmelskleid haben viele Mondgöttinnen, es symbolisiert die sternenklare Nacht bei Neumond (Schwarzmond). Hekate ist ebenfalls ein Beispiel, auch die sumerische Inanna, die auch Venus/Mars(Pluto) und Mondaspekte in sich trägt. Die alten Griechen vereinten alle diese Varianten im Sternbild Virgo, das für sie Asträa, die sogenannte Sternenjungfrau darstellt. Der jungfräuliche Aspekt der antiken Fruchtbarkeitsgöttinen war einerseits ein Ausdruck ihrer Verbindung mit dem Mond und seinen Phasen. Gleichzeitig sind aber im Symbol der Jungfrau männlich (vir=Mars) und weiblich (gyne=Venus) vereint, der letzte Abglanz einer weiblichen Schöpfergottheit, die den Kosmos aus sich heraus (parthenogenetisch) gebiert. Die Jungfrau ist unabhängig und frei, daher rührt ihre sogenannte “Reinheit”, die weniger der Keuschheit, sondern eher einer Unparteilichkeit und vollkommenen Wahrhaftigkeit geschuldet ist. Die schon erwähnte, scheinbar paradoxe kriegerische Seite dieser Himmelsköniginnen, ein weiter Titel, mit dem auch Tanit angerufen wurde, hat hier ebenfalls ihre Wurzeln. Die Jungfrau in Waffen (und Männerkleidung) als Retterin in der Not ist ein Archetyp, der bis zu Jeanne von Orleans reicht.***

„Ich bin alles, was ist, was gewesen ist und was sein wird. Kein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben.“
Friedrich Schiller, Vom Erhabenen (1793)

Von der historischen Göttin Tanit ist kein heiliger Mantel oder ein ähnliches Textil überliefert, auch kein zentrales Heiligtum in der Stadt Karthago. Da hat Flaubert vielleicht hier noch eine zweite Quelle gefunden: Eine weitere “schleierhafte” Geschichte ist die biblische Erzählung von Salome (Inspiration für die fikitive Salambo?), Tochter der Herodias, die das Haupt von Johannes dem Täufer als Gegenleistung für ihren Striptease (Tanz der sieben Schleier) verlangt. Das verhüllende Gewebe ist auch wiederum ein Synonym für Jungfräulichkeit, ein Symbol für das Hymen. Weltweit tragen Bräute Schleier, zumindest bei den Völkern, die aus dem eurasischen Raum stammen, dieses einstige Zeichen eines weiblichen Mysteriums wurde in den patriarchalischen Gesellschaften zum Ausdruck des Marktwerts eines Mädchens pervertiert. Den Gipfel dieser Demütigung stellt die Vollvermummung durch Burka, Niqab oder Tschador dar: Ein Gefängnis aus Stoff, bei der Burka gibt es gleich auch Fenstergitter mitgeliefert. Obwohl der Koran an sich nicht so frauenfeindlich daherkommt, wie man vielleicht vermuten würde. Aber wie beim Christentum wurde sehr viel lokale Tradition der Nachfolgenerationen einfach zum religiösen Dogma erklärt. Bei allen Buchreligionen bildeten sich im Verlauf ihrer Entsteheung schnell Gruppierungen, deren Anführer meistens gegenseitig in erbitterter Feindschaft zueinander standen, und daher die Schriften auch zu ihrem eigenen Nutzen auslegten. Hier liegen nicht nur Schleier sondern ganze Filzteppiche, das kann man den etablierten Religionen generell vorwerfen.

All die historischen und religiösen Gewebe, die auch Tabus darstellen,  zu lüften, daran hat sich am Ende des 19. Jhd. die Okkultistin und Spritualistin (Medium) Helena Blavatsky versucht. Ihr Erstlingswerk heisst demzufolge auch: “Die entschleierte Isis”. Dem folgten noch mehrere Abhandlungen, z.B. “The Secret Doctrine”, die dann den Kern ihrer neuen religiösen Philosophie bildeten, die sie Theosophie nannte (Weisheit vom Göttlichen). Wie im synkretischen Hermetismus wird hier auch eine Brückenschlag zwischen Okkzident und Orient versucht, gleichzeitig auch eine neue Kosmologie entwickelt. H.P.Blavatsky ist in ihren Schlussfolgerungen allerdings zu sehr im Zeitgeist verhaftet, während die hermetische Lehre über Jahrhunderte viele transformatorische Stufen durchlaufen hat, und am Ende, vor allem durch den starken Einfluss der griechischen Philosophie, daraus ein eher allgemeingültiges naturphilosophisches Konzept entanden ist.

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H.P.Blavatsky ca. 1880.
quelle: wiki

Schillernde Persönlichkeit mit vielen Facetten und Widersprüchlichkeiten: Gründerin der Theosophischen Gesellschaft und von Neu-Esoterikern gerne (falsch) zitiert.  Ihre Radix werde ich noch besprechen: Sonne Löwe, Mond Waage, ASC Krebs, mit dominantem Neptun und Pluto-Thema.

***mehr zur Etymolgie “Virgo” im Zusammenhang mit den Sternzeichen: Der Wortstamm hat wohl auch etwas mit “messen”, “zählen” und “einschätzen” zu tun. Wenn man an die Detailverliebtheit und den Hang zu Perfektion der von Jungfrau-Merkmalen geprägten Menschen (und Tiere, meine Katze hat einen Jungfraumond … ) denkt, wohl keine falsche Auslegung. “Stab”, “Ranke” – eine weitere Deutung – allen gemeinsam ist auch eine Zuordnung zum Merkur, dem planetaren Herrscher des Zeichens. Besonders das hermaphroditische Element der Jungfrau als archaisches Symbol wird durch den Gott der Reisenden und Schamanen abgedeckt: Wie in seinem Attribut, dem schlangenumrankten Hermesstab “Caduceus”, werden die Gegensätze vereint. Der Merkur in der Jungfrau, weniger der in den Zwillingen, steht auch für die Prozesse in der Alchemie, chemisch wie spirituell.

Posted by on September 13th, 2016 Kommentare deaktiviert

Keine alte Jungfer: Asträa, Mythologie der Sternzeichens Jungfrau und Waage

Demeter/Ceres, ein Aspekt der Sternjungfrau-Mythologie.

Demeter/Ceres, ein Aspekt der Sternjungfrau-Mythologie.

Die Gestalt der Astraea ist ein komplexes Thema.

In der Antike war sie die Sternkonstellation Jungfrau + Waage, und verkörperte wie die ägyptische Maat, das Prinzip der göttlichen Ordnung und des Ausgleichs (wie oben so unten), daher war sie in Ägypten auch die Göttin mit der Waage des Totengerichts. Ursprünglich war sie in Griechenland aber Astraia (Astraea) die jungfräuliche Göttin des Naturrechts, die nachdem die Menschheit immer schlechter wurde, enttäuscht in den Olymp zurückkehrte. Seither ist das Rechtsempfinden nicht mehr natürlich im Menschen vorhanden, sondern muss von aussen erzwungen werden. Erst ihre Rückkehr läutet eine neue Periode des Friedens, ein neues “Goldnes Zeitalter” ein. In der Erzählung Hesiods wird sie von einer ursprünglich kraftvollen Figur, einer Vereinigung der Titanin Themis und der formidablen Nemesis zu einer schmollenden Tochter, die zu ihrem Vater flüchtet. Zeus wurde so zum Bewahrer des Rechts, der Gerichtsbarkeit, Astraia/Dike, zu seiner Tochter geworden, war nicht mehr unabhängig. Also Gerechtigkeit von nun an als Teilaspekt des männlichen Himmelsgottes Zeus, bei dessen Namen auch der Eid abgelegt werden musste. Dies kann man wohl als Übergang einer matriliniear/egalitären Kultur zu einer patriarchalischen werten. Das deutet auch die Abfolge Goldenes, Silbernes, Ehernes (bronzenes+eisernes) Zeitalter an. Zu Beginn der Eisenzeit war der Übergang zur patriarchalischen Gesellschaftsform im griechischen Sprachraum vollzogen (Einwanderung der kriegerischen Dorer in das mykenisch-pelasgische Griechenland).

Raffael: . Quelle Wikimedia Commons.

Raffael: Astraea, Quelle Wikimedia Commons.

Das Attribut der Jungfräulichkeit gehörte deshalb zum Richteramt, da sie in der Antike nichts mit Keuschheit, sondern mit Unabhängigkeit von der Pflichten einer Mutter zu tun hatte. Eine jungfräuliche Göttin war für alle da, und unparteiisch: Daher rührte auch der Mythos der jungfräulichen Königin für Elizabeth I. (Sonne in der Jungfrau, Aszendent Steinbock, dominanter Planet Pluto) von England, die sich das Charisma einer solchen Figur zu Nutze machte – sie hatte ja auch den grossen Lehrmeister der Alchemie (John Dee) als Berater.

Astraea heist also auch: Unabhängigkeit im Denken ohne Beeinflussung (Reinheit). Justitia im modernen Sinn ist eher eine Allegorie, der Gerichtsbarkeit, einer Institution, Astraea entspricht einem Archetyp (nach C.G. Jung). Astraea war auch keinesfalls blind, wie Justitia im der modernen Auffassung, sondern hatte in ihrer Form als Nemesis eine strafende Funktion. Ihr zugesellt waren auch die 3 Eumeniden (Erinyen, Furien) Tisiphone, Megaira, Alecto, (= das Gewissen) die bei besonderen Vergehen, die als widernatürlich angesehen wurden, die Bestrafung übernahmen. Insbesondere war dies der MUTTERmord, wie in der Orestie bezeugt. Daher findet Asträa ihre Repräsentation als “Die Gerechtigkeit” in den ebenfalls archetypischen “Grossen Arkana” des Tarot (astrologische Symbolik der Trumpfkarten)  auch OHNE Augenbinde, mit Krone und mit erhobenem Schwert.

Das Schwert symbolisiert auch den Verstand (zweischneidig). Mit dem Sternbild Jungfrau war ursprünglich im altbabylonischen Zodiak die Göttin Astarte=Inanna (hebr. Aschera, die Gattin Jahwes!) (im griechischen wohl zu Astaria –> Asträa abgewandelt) bezeichnet. Diese war eine kriegerische Fruchtbarkeitsgöttin mit jungfräulichem Aspekt (kein Widerspruch! s.o.), ähnlich der griechischen Artemis (wilde Natur, Tiere, Jagd) oder wahrscheinlich auch der Urform der Hekate. In ganz alten Texten heisst das Sternbild Virgo „Die Ackerfurche (Mutterschoss)“.

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Fernando Gallego-Boveda: Virgo. Quelle Wikimedia Commons.

In Griechenland wurde auch noch der Mythos der Eleusinischen Mysterien mit dem Sternbild Virgo verbunden, weil dieses nur in den Monaten August/September heliakalisch aufgeht. Heliakalischer Aufgang von Sternen und Planeten war ein wichtiges Kalenderwerkzeug der Antike. Gleichzeitig stand Demeter, die Kornmutter (Ernte im Spätsommer), in ihrer Dreigestalt (Kore, Demeter, Persephone) im Zentrum der wichtigsten Mysterienspiele der Antike. Bedeutsam war auch die Tatsache, dass der helle Hauptstern Spica in der Konstellation Virgo zur Zeit der Aussaat gerade über dem nächtlichen Horizont steht.

Man sieht also, Asträa kommt in vielerlei Gestalt daher  und hat auch viele Wandlungen hinter sich – ihre Mythologie spiegelt auch Entwicklungsphasen der Menschheitsgeschichte, unterschiedliche Stufen der Sozialisierung und der Rechtsauffassung. Die Sternjungfrau hat aber auch immer eine Beziehung zu einer Form des Archetyps „Die grosse Mutter“/Himmelskönigin..

Ackerfurche (Mutterschoss) -> Fruchtbarkeits/Erntegöttin, -> Lehrerin der Menschheit — Mutter Gottes im Christentum.

Als kosmischer Mutter-Archetyp hatte Asträa immer schon mit der Aufrechterhaltung der natürlichen Weltordnung zu tun (natürliches Recht). Maat ist das weitere typische Beispiel. Die dunkle Seite davon ist das Ausgleichsopfer: Alle Söhne der grossen Mutter müssen im Jahreskreislauf (der Natur) sterben, um dann wiedergeboren zu werden: Adonis, Tammuz, Dumuzi, Jesus.

Übrigens – die Waagschalen des Sternbildes Waage waren in der Antike als Zangen des Sternbildes Skorpion betrachtet worden, der versinnbildlicht zwar die Rache (Strafe) in seiner niedrigsten Form, aber auch die Läuterung und Transformation zur Weisheit –> Also von der natürlichen Rechtsordnung (Jungfrau, mit ihrem sprichwörtlichen Ordnungssinn) zur Abwägung der Taten eines Menschen, Bemessung der Strafe + Läuterung (Waage+Skorpion) zur Weisheit (Schütze=Zentaur, Zentauren standen zwischen der wilden Natur (Pferd) und der kosmischen Weisheit (Menschenkörper) –> Prometheussage, Zentaur Chiron !) -> Übernahme von Verantwortung und Perfektion der Materie (Steinbock)  ->  Menschenliebe und Idealismus (Wassermann) – > Erlösung (Fische).

Zur Ikonographie des Sternbildes der Astraea/Nemesis/Virgo/Demeter : Das Sternenkreuz mit dem Hauptstern Spica  in der Konstellation wird entweder als Kornähre (Demeter, Virgo) oder als (gesenktes) Schwert (Dike, Libra) gedeutet. Das gibt doch dem Spruch „ … macht Schwerter zu Pflugscharen“ eine ganz neue Bedeutung … Das Richtschwert wird aber auch statt einer Fackel oder eines Ölzweigs erhoben in der rechten Hand dargestellt (Nemesis), dann in Verbindung mit der Waage.

justitia

Die Gerechtigkeit – Ausgleichung:
Karte 8 (alt, Crowley) oder 11 (Golden Dawn).

Tarotkarte:  ”Die Gerechtigkeit”, “Die Ausgleichung”

Nummer: 11 oder 8, ich tendiere zu Crowleys Auffassung, die auch der ursprünglichen Zahlenfolge entspricht: 8, und teile auch seine Interpreation der Asträa als Ausgleichung, wie Maat.

Astrologisch: Libra, Waage, Venus

Element: Luft

Zeitqualität: Herbst, Monate September, Oktober

Farben: Grün

Schlüsselworte: Fairness, Verantwortung, Entscheidung, Ursache und Wirkung, Pendulum, Anubis, Zurechtrücken, Zentrierung, Karma, Gleichgewicht,  Gerechtigkeit, Vernunft.

Den  Aspekt der Demeter mit der Ähre trägt die andere gekrönte Figur im Tarot: “Die Kaiserin”, Venus des Erdelements, sie herrscht über die Vegetation.

Astraea = Virgo/Demeter/Nemesis/Astarte/Maria ……. und mehr. Nicht vergessen darf man auch den Zusammenhang mit Hekate, auch einer Sternenjungfrau, die in ihrer ursprünglichen Heimat Karien eine  triforme “Magna Mater” war.

Die Sternenjungfrau (Virgo) mit Krone war im schon im frühen Christentum mit der Gottesmutter Maria in Verbindung gebracht worden (siehe Abschnitt: “Die Mythologie”)

LITURGISCHES Geburtsdatum der Maria am 8.September heisst Sonne in der Jungfrau (wie Elizabeth I. die sich Ikonographie der Gottesmutter und des Zeichens Virgo zu eigen machte ). Maria wird, wie die Fruchtbarkeitsgöttin der Antike, als Himmelskönigin bezeichnet, wie Asträa trägt auch sie eine Krone aus Sternen. Der Beiname gotischer Münster: “Unserer Lieben Frau” ist der Gottesmutter gewidmet, fast alle gotischen Münster sind Marienkirchen, die Marienverehreung hatte in der Gotik einen Höhepunkt, zusammen mit der Vorstellung von Christus als „Sohn und Schmerzensmann“ , nicht als Triumphator, wie noch in der Romanik. Das weibliche Element kommt in der Gottes-Verehrung stärker zur Geltung.

Nicht zuletzt gilt Asträa als mythologische Figur in der Tradition der Aufklärung und der Menschenrechtsbestrebungen als ein Leitsymbol. Deshalb gibt es etliche Logen vor allem aus der Gründerzeit des Freimaurertums, die dieses Symbol für ihre Loge wählten. Was fanden diese Brüder der ersten Stunde so besonderes an ihr? Sie wird wie Maria als Licht der (reinen) Wahrheit gesehen –> Lichtsymbol. Die reine Wahrheit im Verständnis der Aufklärung steht auch für die Vernunft und Vorurteilslosigkeit. Das hat wieder Rückbezüge zur antiken Asträa. Vernunft oder das natürliche Recht (Menschenrecht !!) war wie die natürliche Religion (Ethik, Gottesliebe) den frühen Freimaurern sehr wichtig. Auch die reine (=unbeeinflusst) Vernunft gilt als ein Lichtsymbol. Siehe Thomas Paine: “Common Sense”, “The Origin of Freemasonry”. Daher war der Name Asträa als Bestandteil von Logennamen beliebt:”Asträa zur Grünenden Raute in Dresden”, Grossloge von Russland: “Asträa” (1815 in Petersburg). Siehe: Asträa für Freimaurer. Auch in der “Lady Liberty” des freimaurerischen Bildhauers Bartholdi aus Colmar steckt ein bisschen Asträa. Eine frühe Form der Freiheitsstatue krönt bereits die Kuppel des Capitols in Washington, auch sie ziert ein Sternen-Diadem. Pikanterweise trägt sie Gesichtszüge, die an die amerikanischen Ureinwohner erinnern. Ich finde die Skulptur hässlich, beonders wegen des seltsamen Adlers auf dem Helm der Figur. Eine ähnlich geschmacklose Kopfbedeckung kenne ich nur noch von Kaiser Wilhelm II. Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen der amerikanischen Staatengemeinschaft – “e pluribus unum”, unter einem gemeinsamen Ideal vereint. So steht es auf dem Sockel – ein frommer Wunsch, aber das war es schon bei der griechischen Ur-Asträa. Interessanterweise haben die amerikanischen Ureinwohner aus der Gegend der amerikanischen Kapitale auch eine Sternenjungfrau-Legende als Teil ihres eigenen Schöpfungsmythos.

 

Lady Liberty in ihrer Urform - auch der Umhang sieht eher indianisch aus.quelle:wiki

Lady Liberty in ihrer Urform – auch der Umhang
sieht eher indianisch aus.
quelle:wiki

Die Mythologie: (Quelle der Kurzfassung: Wikipedia:Asträa)

Astraea oder Astraia (griechisch Ἀστραíα) ist eine Gestalt der griechischen und römischen Mythologie, die in Zusammenhang steht mit dem Mythos von den Weltaltern, der erstmals in Hesiods Gedicht Werke und Tage erscheint. Dort beschreibt der Dichter das letzte, das eiserne Geschlecht, das keine Achtung für Gerechtigkeit und Gesetz mehr kennt, keinen Respekt vor den Eltern oder der Heiligkeit des Gastes, wodurch deren Verkörperung schließlich die Erde verlässt: Aidos, die Personifikation der Scham (vor allem der Scheu vor Schande und der Scham wegen begangenen Unrechts), und Nemesis, die Verkörperung der strafenden göttlichen Gerechtigkeit, kehren einer hoffnungslos verderbten Menschheit den Rücken und markieren so den Rückzug des Göttlichen aus der Welt.Was von Hesiod nur knapp angesprochen wird, wurde von Aratos von Soloi im 3. Jahrhundert in dessen Phainomena zu einem eigenständigen Mythos erweitert.In diesem astronomischen Lehrgedicht erzählt er die Geschichte der Entstehung des Sternbilds der Jungfrau.

Diese Jungfrau war die Dike, die Verkörperung der Gerechtigkeit (entsprechend der Nemesis bei Hesiod), die ursprünglich, im Goldenen Zeitalter mitten unter den Menschen wohnte und sichtbar in den Versammlungen erschien, um das Gesetz zu verkünden:

Vor dem nächsten, dem silbernen Menschengeschlecht, das schon zur Gewalttat sich neigte, zog Dike sich in ferne Berge zurück, von denen sie nur noch selten unter die Menschen kam, und dann nur, um Verfall anzuklagen und vor einer noch schlimmeren Zukunft zu warnen. Diese trat dann auch ein mit dem Erscheinen des dritten, des ehernen Menschengeschlechts (in der Version der Weltalter des Aratos gibt es weder ein eisernes Menschengeschlecht, noch ein Geschlecht der Heroen; das dritte, eherne, ist bereits das verderbteste). Unter diesen Mördern und Räubern, die den Pflugstier schlachten und fressen, ist für Dike kein Weilen mehr, sie fährt auf zum Himmel und wird dort zum Sternbild der Jungfrau.

Traditionell war Dike die Tochter des Zeus und der Themis, bei Aratos aber wird als Vater der Jungfrau Astraios genannt, bei Hyginus wird dann noch Eos als Mutter ergänzt.

Ovid schließlich gibt der Nemesis/Dike/Jungfrau den eigenen Namen, Astraea, oder griechisch Astraia. Er lässt in seiner Version des Mythos wie Hesiod die Jungfrau nur am Ende auftreten, als sie die blutbesudelte Erde des eisernen Zeitalters verlässt: Achtende Scheu ist dahin, und von blutbefeuchteten Ländern Kehrte die Jungfrau heim, Astraia, der Himmlischen letzte.

In Vergils berühmter prophetischer 4. Ekloge zeigt umgekehrt das Erscheinen der Jungfrau die bevorstehende Wiederkehr des Goldenen Zeitalters an: Schon ist das Ende der Zeit nach dem Lied von Cumae gekommen. Und großartig beginnen den Lauf ganz neue Geschlechter. Schon kehrt wieder Astraea, es kehrt Saturnus’ Regierung: Neue Geburten entsteigen nun bald dem erhabenen Himmel.Unmittelbar anschließend spricht Vergil von der Geburt eines Kindes, eines Heilsbringers, was die Zeitgenossen auf Augustus (aber auch auf andere möglicherweise gemeinte Personen) bezogen, Vergil unterstützte eine Deutung auf Augustus, indem er in der Aeneis bei der Unterweltsfahrt des Aeneas dessen Vater Anchises von der Rückkehr des Goldenen Zeitalters künden lässt, diesmal unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Augustus. Im Christentum wurde Vergils 4. Ekloge auf die Geburt von Jesus gedeutet, wodurch wiederum Vergil eine Art vorweggenommener Heiliger wurde. Naheliegender Weise wurde die mythische Jungfrau der Prophetie mit der Jungfrau Maria identifiziert, erstmals durch Kaiser Konstantin in seiner „Rede an die Versammlung der Heiligen“.

Im England Elisabeths I. wird dieser Mythos, wie schon erwähnt,  erneut aufgegriffen. Die Königin wird selbst zu Astraea, die Gerechtigkeit und die Rückkehr zur ursprünglichen Religion verspricht (sie bzw. ihre Hofpoeten beziehen sich hier auf die anglikanische Kirche). Das Goldene Zeitalter erlangt eine neue Realität durch die Entdeckung und Besiedlung der Neuen Welt. Es ist nun nicht mehr lediglich ein Reich des Glaubens, sondern ein  weltumspannendes Imperium, das durch die Herrschaft einer gerechten, tugendhaften Königin vereint ist.

Posted by on August 21st, 2016 2 Comments

Vortragsvorschau: “Die Macht der Zahl”

Im Spät-Herbst findet wieder der Vortrag statt: Die Macht der Zahl.

Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“

Offb. 13

Oder: was ist närrisch am 11.11. 11:11 …. ?

Es ist erstaunlich dass der Nenner der Sommerfeldschen Feinstrukturkonstante 1/137 gematrisch das Wort Kabbala ergibt!

Wolfgang Pauli

Gibt es männliche und weibliche Zahlen? Ist Musik die hörbare Form der Mathematik? Kann man Schönheit messen? Schon die Babylonier und Griechen erkannten die eigenartige Magie der Zahlen und bis heute haben diese nichts von ihrer Faszination verloren. Wer sich einlässt auf die vielschichtige Welt der Zahlen, wird dabei auf tiefsinnige Gedankengänge, überraschende Zusammenhänge und kuriose Denkgebäude stoßen. Am Ende wird er zur Einsicht gelangen: Zahlen sind das Gerüst der Welt.

Alles ist Zahl, sagte schon Pythagoras.

“Die Macht der Zahl – Muster und Ordnungsprinzipien des Kosmos.”

 

Bei Interesse: email an meine Kontaktadresse.

Soviel vorab:

Zahlensysteme der Antike
Pythagoras: Zahlentheorie, Musik und Mystik
Keplers Sphärenharmonie und die Astronomie
Ausgewählte Zahlen und ihre Bedeutung in Wissenschaft und Mystik
Gematrie ….

Einleitung - Titelfolie

Einleitung – Titelfolie: Die Macht der Zahl

Posted by on August 19th, 2016 Kommentare deaktiviert

Rubedo – Goldenes Geheimnis der Alchemie

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Es röte sich der Stein – Höchstes Ziel der Alchemie
Lapis Philosophorum ©scrano 2014

 The alchemical process
is a method for self knowledge
that the soul undergoes
far outside its realm of existence.
Mary Anne Atwood

Das Opus Magnum

Das Grosse Werk ist eine Metapher der europäischen Alchemie des Mittelalters und der Renaissance, welche viele Autoren und Künstler zu unterschiedlichen Arbeiten inspiriert hat. Es zielt einerseits auf die Umwandlung einer primordialen Ursubstanz, der prima Materia  in (spirituelles) Gold, andererseits  auf die tatsächliche, stoffliche oder metaphysische Darstellung des Lapis Philosophorum, des Steins der Weisen, ab. Der Weg zur Herstellung des Lapis Philosophorum verlief über vier, später drei Stufen, je nach Autor geht man sogar von sieben oder zwölf (Zwischen-)Stufen aus. Die praktische Anwendung des Opus Magnum sollte unedle Substanzen durch Transmutation in Gold verwandeln, indem man den ursprünglichen Stoff durch den „roten Stein, den Lapis“ führte. Das aus dem sagenhaften Stein gewonnene “rote Elixir” war ein Mittel, das als Panacea (Allheilmittel)  angesehen wurde, und sogar Unsterblichkeit verhiess. Es bildete das Gegenstück zum einfacheren Kleinen Werk, bei dem man durch das „weiße Elixier“ unedle Stoffe zu Silber verwandelte. Dieser letzte Veredelungs-Vorgang wird auch als Multiplikation und Projektion bezeichnet. Wegen der Analogie als “Spender ewigen Lebens” wurde der Lapis auch mit dem “Heiligen Gral” assoziiert. Nicolas Flamel, einem der berühmtesten Alchemisten sagte man nach, er hätte das Geheimnis entschlüsselt, und würde seither unsterblich in der Welt wandeln. Auf dieser Geschichte basiert auch eine Einlassung im Roman “Harry Potter and the Philosopher’s Stone”. Der erste Band von J.K.Rowling’s Zauberlehrlingsreihe handelt ebenfalls vom Stein der Weisen und Nicolas Flamel und seine Frau Perennelle (die Ewige) werden als die Erschaffer und Besitzer desselben erwähnt. Als eine der verschiedenen Masken des unsterblichen Alchemisten spukt auch der berüchtigte Graf von St.Germain durch die Literatur. Und schliesslich taucht Flamel noch als Vorbild und Lehrmeister des vampirhaften Bösewichts Etienne im Horror-Krimi “Vidoq” mit Gerard Depardieu auf. Der historische Flamel handelte mit antiken und okkulten Schriften und war wohl auch sehr wohlhabend. Nach seinem Tod hinterliess er sein Haus und Vermögen einer Armenstiftung, die noch heute existiert.

Wie die transmutatorischen Umwandlungs-Stufen praktisch im Einzelnen auszusehen haben, war in der Alchemie ein Streitpunkt.  In der Antike war die Vorstellung vom  vierstufigen Prozess (Quaternität) vorherrschend – vielleicht wegen der Elemente-Lehre und der numerologischen Überlieferung, dass die Vier die Zahl der Manifestation sei. Der Kubus als platonischer Körper galt bei Kepler als Symbol für das Erdelement, sein zugehöriger planetarer Achetyp Saturn wurde schon in der Antike als einer der Meister der Alchemie angesehen. Der Saturn-Orbit wurde daher in Keplers Harmonices Mundi auf einem solchen Kubus als Aussensphäre beschrieben. Das auf der Sphärenharmonie fussende Modell liefert wie die Titius-Bode Reihe keine vollständig befriedigende Lösung bezüglich der Genauigkeit der planetaren Orbits – immerhin ein ästhetisch ansprechendes Modell, das auch in mit der  Musiktheorie in Beziehung gesetzt werden kann. Die Titius-Bode Reihe ist neuerdings bei der Auffindung von Exoplaneten wieder interessant geworden.

Die Stufen der antiken Vierheit:

  • nigredo – prima materia
  • albedo
  • citrinitas
  • rubedo

Erst im späten Mittelalter wurde die Quaternität zur Trinität, wobei die Stufe der Gelbung entfiel. Die Trinität war in der christlichen Lehre die heiligste Zahl, Sinnbild des Höchsten.

Es gab auch kompliziertere Schrittfolgen:

  • Materia Prima, Calcination, Sublimation, Solution, Putrefaction, Destillation, Coagulation, Tinctura, Multiplikation, Projection.

Hier sieht man eher eine Analogie zum realen Experiment. Der Naturphilosoph und Arzt Paracelsus geht ebenfalls über die vier Stufen hinaus und beschreibt unter anderem in seiner De natura rerum den Prozess eine Transmutation in sieben Schritten, vielleicht in Anlehnung an das damalige Planetenmodell der klassischen Himmelskörper. Er verwies ja bereits bei seiner Lehre von den Entia auf den Einfluss astrologischer Faktoren auf Krankheitsursachen.  Zur Darstellung iatrochmischer (spagyrischer ) Heilmittel wurde genau eine solche  siebenstufige Prozessierung für die Ausgangssubstanzen von ihm vorgeschlagen, um die Heilwirkung zu verstärken.

Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich das Opus Magnum zu einem kryptischen Gemisch verwirrender Anweisungen, wohl auch auf Grund der sehr individuellen Erfahrungen und Aufzeichnungsformen, die den praktischen Prozess immer unverständlicher werden liessen. Die einzelnen Vorschriften für die Präparationen waren zudem symbolträchtig, vieldeutig und häufig in reiner Bildform, wie z.B. dem Rebis oder Merkurbrunnen dargestellt. Die Verschlüsselung von wissenschaftlichen oder philosophischen Inhalten in Bilderrätsel ist seit der frühen Renaissance bekannt. Dies diente einerseits dem Schutz der Information vor Unbefugten – andererseits war es für den Adepten eine Möglichkeit Wissen in konzentrierter Form an seine Schüler weiterzugeben. Bilder eignen sich oft besser zum Vermitteln ganzheitlicher Inhalte, die in ihrer Gesamtheit gedeutet werden müssen. Beispiele sind das Hexastichon von Sebastian Brandt, aber auch der Tarot – letzterer ganz sicher kein gewöhnliches Kartenspiel.

Der Schritt von einer Vierheit zur Dreiheit kann auch mit einer Umwidmung der Alchemie von einer tatsächlich chemisch oder metallurgisch arbeitenden Disziplin zu einer rein geistigen zusammenhängen: Aus der Vier der Materie wird die Drei des Geistes. Das Magnum Opus  wurde nämlich schon immer auch als Anleitung und Allegorie für eine geistig-seelische Transformation in der Hermetischen Tradition verwendet.

Sir Isaac NewtonPhysiker, Mathemtiker - Alchemist - kein Widerspruch.quelle: wiki

Sir Isaac Newton
Physiker, Mathemtiker – Alchemist – kein Widerspruch.
quelle: wiki

So erhält die Alchemie schliesslich vor allem die Bedeutung eines Meditations- oder Seelenwegs in der abendländischen Mystik. Bei den Rosenkreuzern wird heute noch von geistiger oder spiritueller Alchemie gesprochen, die eine Vervollkommnung des eigenen Menschseins mit sich bringen soll. Gustav Meyrink (Satiriker und Mystiker) knüpft unter anderem an diese Tradition in seinen Werken an:

  • nigredo (putrefactio), Schwärzung (Fäulnis): Individuation, Reinigung, Entfernen von Unreinheit
  • albedo, Weißung: Vergeistigung, Erleuchtung;
  • rubedo, Rötung: Vereinigung des Menschen mit Gott, Vereinigung des Begrenzten mit dem Unbegrenzten.

Eine ähnliche Überlegung brachte den Begründer der Analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung, ebenfalls zur Schlussfolgerung, dass eben jener oben beschriebene Schritt von der Quarternität zur Trinität mit inneren und psychischen Gründen zu erklären sei. Nicht experimentelle, chemische Prozesse würden im Großen Werk beschrieben, sondern unbewusste, innere Zusammenhänge in die Laborarbeit und die Bildwelten der Alchemie hineinprojiziert. Da wäre dann das transformatorische Experiment eine Art kontemplativer Zen-Weg des Westens, wie Bogenschiessen, Kalligraphie  oder Ikebana in Japan. Jung setzt diese Erkenntnis zu seiner Theorie der Individuation in Beziehung, wobei nun die Rubedo aus der ursprünglichen Vierheit die Persönlichkeit in ihrer Ganzheit erstehen lässt. Auch hier wird schliesslich eine Dreiheit geformt, weil Ego und Selbst verschmelzen. Es kommt als Ergebnis des Umwandlungs-Prozesses die wahre Natur des Individuums zum Vorschein. C.G. Jung und der Quantenphysiker Wolfgang Pauli waren die ersten, die sich über die Zusammenhänge zwischen Alchemie, Psychologie und Physik Gedanken gemacht haben. Sie verfolgten dabei die Idee, dass Materie und Bewusstsein (Psyche bzw. Geist) zwei verschiedene Erscheinungsformen ein und derselben zugrunde liegenden Realität sein könnten.

  • “Ascend above any height, descend further than any depth;
  • receive all sensory impressions of the created: water, fire, dryness and wetness.
  • Think that you are present everywhere: in the sea, on earth and in heaven;
  • think that you were never born and that you are still in the embryonic state:
  • young and old, dead and in the hereafter.
  • Understand everything at the same time: time, place, things: quality and quantity.”
  • (Corpus hermeticum, 1460).

Berühmte Alchemisten: Empedokles, Maria, die Alchemistin, Avicenna, Rhazes, Albertus Magnus, Nicolaus Flamel, Isaak Newton, Basilius Valentinus, Agrippa von Nettesheim, Johann Agricola, John Dee, Elias Ashmole, Robert Boyle, Christopher Wren

Bebilderte Werke:

Ein Nachtrag für Freimaurer: Die Alchemie basiert auf der Metallurgie und dem Bergwerkswesen. Ursprünglich hatte diese Aufgabe der Schmied der Gemeinschaft, er sammelte Erz an nur ihm bekannten Lagerstätten und erschmolz das Metall daraus. Später war er der Spezialist im Legieren der Bronze und dem Metallguss, neben seiner Tätigkeit als regelrechter Schmied. Warum ist das für Brüder interessant? Nun, der allseits bekannte Tubalkain war ein Schmied und auch Meister Hiram war ein kunstfertiger Giesser von Bronze und Eisen, zumindest laut biblischer Quelle. Kein Architekt, sondern ein Metall-Bildhauer, er fertigte Jachin und Boaz, sowie das eherne Meer und die Ritualgegenstände des Salomonischen Tempels. Also vom Schmied Tubalkain (etymologisch verwandt mit dem hinkenden Vulcanus) über den legendären Hiram führt ein Weg hin zum Alchemisten Elias Ashmole ?

  • Wer genaueres wissen will: Mircea Eliade: “The Forge and the crucible” von 1956  ist immer noch ein gutes Buch über dieser Thema.
  • Auch der Schamane der frühen Kulturen war ein Feuer-Künstler, der bereits um chemische Transformationen und Erzlagerstätten wusste.
  • Schmiede wurden im Mittelalter oft misstrauisch beäugt und galten als im Bund mit teuflischen Mächten.
  • Der Erschaffer der Himmelscheibe von Nebra war auch ein solcher Schmied-Schamane und wohl auch der Stammesführer, kein FÜRST – ich hasse diesen irreführenden Ausdruck! Fürst von Hochdorf, Fürstin von Vix etc … diese herausragenden Persönlichkeiten waren so wenig feudale Fürsten wie ein heutiges Clans-Oberhaupt im keltischen Schottland.

Ursprünglich stammt die Alchemie wohl aus dem antiken Ägypten, wie auch die Glasmacherkunst – die ebenfalls ein goldenens Geheimnis birgt: Das zu allen Zeiten begehrte blutrote Rubinglas entsteht nur durch Zusatz von Gold zur Schmelze – erst durch Zugabe des Edelmetalls als Goldpurpur rötet sich tatsächlich das Glas – eine echte Rubedo also. Die Ofenmeister der alten Glashütten wurden wie die Schmiede und Metallgiesser ebenfalls als eine Art Schamane oder Alchemist angesehen, da sie eine Transmutation der unscheinbaren Zutaten zu einem leuchtenden, das Licht einfangenden Ergebnis zustandebringen konnten. Auch sie hüteten die Rezepturen ihrer Zunft als eine Geheimwissenschaft. Das Rubinglas wurde tatsächlich von einem Alchemisten des 17 Jhd in Preussen erfunden, Johann Kunckel. Pikanterweise ist dies auch der Beginn der Nano-Technologie, da die Rubedo im Glas durch Gold-Nanopartikel, und erst beim finalen Temperprozess bewirkt wird. Vorher ist das Glas völlig klar durchsichtig, um sich dann bei der richtigen Temperatur blutrot zu färben – wie ein Akt der Magie. Von Getränken, die aus diesen Gläsern getrunken wurden, erhoffte man sich vielleicht auch eine lebensverlängernde Wirkung, ähnlich wie die des echten Lapis?

Selbst eine analoge Einteilung: Nigredo – Rubedo – Albedo existiert beim Glasmachen, nämlich bei der Prozessierung der früher aus Holz gewonnenen Pottasche. Auch diese gibt es ein drei Veredelungsstufen: Schwarze Rohform, ein rotes Zwischenprodukt und schliesslich der höchste Reinheitsgrad Albedo, nach der vorausgegengenen Calcinatio.

Nach der Meinung einiger Historiker könnte sogar das berüchtigte, noch nicht entschlüsselte Voynich-Manuskript einfach die Geheimnisse der venezianischen Glaskunst beherbergen. Als okkultes oder alchemistisches Schriftstück getarnt wären diese in einem Akt der Industriespionage ausser Landes gebracht worden, um der Todesstrafe für so einen Verrat zu entgehen.

Der schon erwähnte Horror-Krimi Vidoq spielt mit den Zusammenhängen zwischen Alchemie und Glasmacherei, besonders mit der von vielen Tabus belegten Spiegelherstellung. Diese liefert sogar den Haupthandlungsstrang und die Inspiration für den feurigen Showdown. Nur die Sache mit dem Jungfrauenblut – sensationalistischer Nonsens statt sauberer Recherche: Naja ein Horrorfilm eben. Da haben die Autoren wohl an Gräfin Bathory aus den Karpaten gedacht… die wolte ja auch durch Bäder im Blut junger Mädchen die ewige Jugend erlangen. So eine magische Spiegelmaske wie der böse Alchemist verwendete auch schon der schurkische Goa’uld Anubis aus Stargate SG-1, um seine Seele am richtigen Platz zu halten. Lustig, wer hat da wohl bei wem abgekupfert – Film und Serienstaffel kamen etwa zeitgleich (2001) heraus.

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Verwandlung der Materia prima durch den Lapis.

 

Posted by on August 10th, 2016 Kommentare deaktiviert