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Mandala im November: Arkanum

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Hinter dem dunklen Siegel: Das Grosse Arkanum ©scrano 2015

Arkanum, plural Arkana – bezeichnet in der Alchemie das geheime Wissen, aber auch nicht sichtbare Eigenschaften der Dinge. Paracelsus nannte die wertvollen Inhaltsstoffe von Pflanzen und deren verborgene Heilkräfte Arcana. In der aufkeimenden Naturphilosophie der Renaissance war die Annahme vom göttlichen Arkanum in der dinglichen Welt weit verbreitet. So findet sich der Begriff auch bei Jakob Böhme und Comenius.

Im Tarot wird der Kartensatz in 22 grosse und 56 kleine Arkana eingeteilt. Arkanum bedeutet hier den in den Bildern, Zahlen und  und Symbolen enthaltenen Weisheitsgehalt. Für die Verwendung der Karten als Divinations-Instrument heisst Arkanum auch gleichzeitig die Wahrheit hinter den Schleiern, der Blick in die Zukunft oder verborgene Realitäten.

Auch der in Ritualen steckenede tiefere Sinn, seien es magische, religiöse oder freimaurerische, wird Arkanum genannt. Für die diskrete Gesellschaft gilt generell eine Verpflichtung zum Schweigen über die Inhalte des Lehrsystems oder von Gesprächen in der Loge. Dies wird ebenfalls mit Arkan-Dispziplin bezeichnet.

“Nahezu jede mystische Tradition auf dieser Erde drehte sich um die Vorstellung, dass arkanes Wissen existierte, das dem Menschen mystische, beinahe gottgleiche Kräfte verleihen konnte”. Dan Brown “Das verlorene Symbol” (Seite 128 )

Im Zusammenhang mit der freimaurerischen Schweigeverpflichtung wurden immer sensationslüsterne Gerüchte publiziert, welche die angeblich drakonischen Strafen beim Verletzen dieser Arkandisziplin betreffen, oder etwaige gotteslästerliche Inhalte der Rituale.  Dei ältesten dieser “Verräterschriften” stammen bereits aus dem 18. Jhd, dem Beginn der  modernen universellen Freimaurerei mit ihrer eigenen Logen-Tradition. Den berüchtigtsten Auftritt dieser Art lieferte der Scharlatan und Erz-schwindler Leo Taxil Ende des 19. Jhd.   Zuletzt wurde dieser Unsinn wieder von erzkatholischen Autoren verbreitet, in Filmen wie “From Hell” mit Johnny Depp als Scotland Yard Inspektor auf der Jagd nach “Jack the Ripper.” Die Arkandisziplin hat vor allem den Sinn, Aussagen, Ritualabläufe und Werklehre nicht aus dem Kontext gerissen, quasi fragmentiert nach aussen zu tragen.  Es wird befürchtet, bei Nicht-Initiierten, sogenannten Profanen könnte dies lediglich zu Unverständnis, Verwirrung, manchmal sogar zur Belustigung oder eben grotesken Verschwörungstheorien über das “seltsame” Schauspiel führen.*** Leider hat sie desöfteren das Gegenteil zur Folge, wie seltsame Internetblüten wie “freemasonrywatch” oder David Icke’s Paranoia Homepage zeigen. Dass man den Inhalt privater Gespräche nicht herumtratscht, sollte nicht nur für Freimaurer selbstverständlich sein.

Grosse Arkana im Tarot, ihre eindringlichen, archetypischen Bildwelten symbolisieren innere Prozesse. Die Zahlenwerte und Reihenfolge der Karten stehen in Verbindung mit der sogenannten “Mythischen Heldenreise”, einer Darstellung der Reifung der Persönlichkeit. Damit ähnelt der Tarot alchemistischen Bildwerken wie “Atalanta fugiens” oder “Splendor Solis”, die ebenfalls das Magnum Opus der Seele zum Thema haben. Etliche Elemente der Bilder entstammen der Philosophie Platos, die numerologischen Entsprechungen können sowohl kabbalistisch als auch pythagoräisch (astrologisch) interpretiert werden.

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Grosse Arkana Karte II: Die Hohepriesterin.
Intuition, Verbundenheit mit dem Kosmos. Das höhere Wissen, Weisheit.
©scrano 2016, The High Priestess

  • 0 – Der Narr
  • 1 – Der Magier
  • 2 – Die Hohepriesterin
  • 3- Die Kaiserin
  • 4 – Der Kaiser
  • 5 – Der Hierophant
  • 6 – Die Liebenden
  • 7 – Der Wagen (Seelenwagen Platos)
  • 8 – Die Gerechtigkeit
  • 9 – Der Eremit
  • 10 – Das Schicksal
  • 11 – Die Kraft
  • 12 – Der Gehängte (Das Opfer)
  • 13 – Der Tod
  • 14 – Die Mässigung
  • 15 – Der Teufel
  • 16 – Der Turm
  • 17 – Der Stern
  • 18 – Der Mond
  • 19 – Die Sonne
  • 20 – Das Gericht
  • 21 – Die Welt
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Kleine Arkana: Zwei der Stäbe:
Entscheidung, ob ein neuer Impuls umgesetzt wird.
Two of staves ©scrano 2016

Die Kleinen Arkana bestehen aus den Zahlenkarten (1-10) und den “Hofkarten” (Page, Ritter, Königin, König).  Sie werden in vier Gruppen eingeteilt, welche die vier Elemente repräsentieren. Ihre Bild- und Zahlensymbolik spiegelt daher die Dinge der äusseren Welt.

Stäbe – Feuer

  • Geist, Wille, Aktivität

Kelche – Wasser

  • Seele, Gefühl, Aufnahmefähigkeit

Münzen – Erde

  • Körper, Stabilität, Sicherheit

Schwerter – Luft

  • Verstand, Veränderung, Krise

***Freimaurer sind allerdings nicht ohne selbstironischen Humor:

  • Pinguintruppe – wegen der schwarz-weissen Bekleidung
  • Schürzenjäger oder Schürzenverein – naheliegend … lol!
  • Ich sage immer : “Männer allein im Keller”, da Logen gerne ihren Tempel in Kellerräumen einrichten. (7 Zwerge … lassen grüssen).
  • Die Fortsetzung davon:”Der Keller ist nicht genug …”
  • Eine Variante wäre “Männer allein im Dunkeln” …

Daneben gibt es jede Menge Freimaurer-Witze, da sie aber oftmals mit dem Gradsystem spielen, verletze ich die Arkandisziplin, wenn ich sie Euch erzähle … lol!!!

 

Posted by on November 9th, 2016 Kommentare deaktiviert

Samhain: Brauchtum und kleine Rituale

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Der “Dunkle Mond”, Hekate, Lilith, “Dunkle Mutter” und mit Pluto verbunden:
Auch in den Jägern der Nacht, besonders Katzen und Eulen steckt dieser Archetyp.

Samhain Nights

When the moon on a cloud cast night
Shone above the tree tops’ height
You sang me of some distant past
That made my heart beat strong and fast

Now I know I’m home at last

You offered me an eagle’s wing
That to the sun I might soar and sing
And if I heard the owl’s cry
Into the forest I would fly
And in its darkness find you by.

So our love’s not a simple thing
Nor our truths unwavering

But like the moon’s pull on the tide
Our fingers touch, our hearts collide
I’ll be a moonsbreath from your side

I’ll be a moonsbreath from your side

Loreena McKennit auf YouTube

Der Tag des keltischen Fests Samhain, das bedeutet schlicht “Sommerende” wird nicht an Allerheiligen begangen, sondern ist der Zeitpunkt des Neumonds im Oktober oder des 11. Vollmonds des Jahres, im November. Der liturgische Kalender der Kelten richtete sich nach den Mondzyklen, im Unterschied zur christlichen Kalendertradition, die auf der Siebentagewoche mit der Betonung des Sonntags basiert. Beide beinhalteten auch noch die Höhepunkte des solaren Jahres und die Äquinoktion. Die willkürliche Festlegung mancher Feiertage, wie Halloween/Allerheiligen auf kalendarische Fixpunkte, vor allem solcher, die einen ursprünglich heidnischen Bezug hatten, wurde von der Kirche durchaus bewusst so gewählt. Dadurch konnte man diese Feste vereinnahmen, sie aber aus ihrem naturreligiösen oder paganen Zusammenhang lösen. Samhain galt als Zeit, in der die Ahnengeister und auch die Sidhe (Feen, Elfen) sich unter den Sterblichen gesellen konnten. Bei den Römern gab es auch Feste, an dem der Orkus offenstand: “Mundus Cereris patet”, eines davon am 8. November, wahrscheinlich der Ursprung des Allerheiligenfests, das eigentlich aus Italien stammt. Diese Zeit ist in unseren Breiten, bedingt durch den nahenden Winter, generell mit den Attributen Tod und Vergänglichkeit besetzt. Der römische Kalender beinhaltete drei solche Grenz-Tage, allesamt Erntefeste, wie der Name Ceres (Demeter) in der Bezeichnung ahnen lässt. Das ist durchaus analog der keltischen Abfolge Lughnasa, Mabon, Samhain und fand zu ähnlichen Zeitpunkten statt. Bei den in ihrer Frühzeit nicht sesshaften Kelten hatten die vier Mondfeste Imbolc, Beltane, Lughnasa und Samhain noch Vorrang noch vor den Sonnenfeiern des bäuerlichen Jahrezeitenkreislaufs. Obwohl man wohl schon im Neolithikum versuchte die beiden Kalendersysteme zu synchronisieren. Manche Archäologen vermuten in den megalithischen Steinsetzungen, wie zum Beispiel den Alignements von Carnac oder dem eindrucksvollen Steinkreis von Stonehenge Anlagen mit der Funktion einer astronomischen Uhr. In die Zeit der Erichtung der ältesten dieser Monumente um 5000 v. Chr. fällt in Mittel- und Nordeuropa auch die Umstellung auf eine Ackerbauerngesellschaft. Alle diese Steinsetzungen haben neben dem Bezug zu den  Sonnenwenden auch eine Ausrichtung auf Eklipsen, solare und lunare. In diesen Finsternissen war für das religiöse Empfinden  der neolithischen Völker die Beziehung der beiden götttlichen Himmelslichter als spektakuläres Himmelsdrama  erlebbar. Auch die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit ist in einem solchen Zusammenhang zu sehen.

Standing Stones Alignements von Menhiren bei Carnac.©beast666

Standing Stones: Alignements von Menhiren bei Carnac.
©beast666

Samhain ist Fest des letzen Viertelmonds oder der “mondlosen” Nacht. Jetzt beginnt die dunklen Hälfte  des Jahres. Die Verbindung des Festes zum Jahrezeiten-Zyklus ist sehr deutlich. Nach Ausreifung der Früchte, nach der Samenbildung, welken die oberirdischen Teile der Pflanzen und sterben ab. Einjährige Blumen vergehen gänzlich. Nur der neue Samen, der den nächsten Kreislauf in sich birgt, überdauert. Die Lebenskraft zieht sich bei zunehmender Kälte ins Innerste der Erdmutter zurück. Diese trägt nun auch nach dem Tod des solaren Prinzps des alten Jahres, bereits das neue Licht in sich, dass sie an Yul wieder in die Welt bringen wird. Wir müssen lernen, Vertrautes und Geliebtes wieder gehen zu lassen und den Tod als Teil des Naturzyklus zu begreifen. Auch dass es nichts dauerhaftes gibt, noch nicht einmal den Tod.


witch_hatIn der Nacht zum 01. November wird in den meisten Hexentraditionen das Übergangsritual zwischen den Welten gefeiert, zu dem Orakelbefragungen und Kontakte mit der Geisterwelt möglich sind. Andere naturreligiöse Gruppen feiern ihr Samhain in der 11. Schwarzmond- oder Vollmondnacht.

Samhain ist eines der acht Eckfeste, die bei den vorchristlichen, europäischen Völkern mit Feuerzeremonien in Verbindung standen:

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Ab Samhain begibt sich die Sonne in die Obhut von Gaia.
Sie bewahrt sie in ihrem unterirdischen Reich bis Yul.
Little Earth Mother ©scrano 2016

Gottheiten:

  • Gwyp ap Nudd – Herrscher von Anwyn, der Unterwelt/Anderswelt, Gemahl von Queen Mabd, entspricht Pluto
  • Cernunnos, der Herr der Tiere, der Hirschkönig
  • Ceridwen, Cailleach, die Alte mit dem Kessel der Regeneration
  • Dis Pater, Pluto, Hades
  • Hekate
  • Ereschkigal
  • Hel/Holle, der Todes-Aspekt von Freya/Frigg
  • Saturn, Baron Samdi, Papa Legba
  • Jahreskönig, Tammuz, Holly King
  • Orion, Herne
  • Morrigan in ihrer Dreigestalt: Macha, Nemain, Babdh

Symbole:

  • Kessel,
  • Feuer
  • Krähe, Fledermaus, Eule
  • schwarze Tiere
  • Spinnen, Schlangen
  • Kürbis(Rüben)-Laterne
  • Äpfel und Haselnüsse

Rituale:

Räuchern, am besten im Freien, manche der Samhain-Räucherungen stinken, ich sage nur Asa Foetida! Wermut entwickelt auch keinen Rosenduft. Wer kann, entzündet ein Samhain-Feuer, das geht auch im Kamin. In vorchristlicher Zeit man die Ahnen feierlich gebeten in den Kreis der Menschen um das Feuer zurückzukehren. Schwangere Frauen erhofften eine Reinkanation eines Familienmitglieds in ihrem ungeborenen Kind.

Ein wohlriechenderes Rezept:

  • 1 Teil Beifuss
  • 1 Teil Oppoponax oder Myrrhe
  • 1 Teil Minze
  • 1 Teil Salbei
  • 1 Teil Patchouli

Alles im Mörser zerkleinern, dann portionsweise auf Räucherkohle geben.

Gemeinsam essen:

Häufig gibt es Wurzelgemüse, Knollen aber auch vor allem in früherer Zeit auch Fleisch. Es ist der Brauch der  “letzten Ernte”, Tiere, die es nicht über den Winter schaffen würden, hat man jetzt geschlachtet und das Fleisch für die karge Jahreszeit haltbar gemacht. In diesem Zusammenhang steht auch die Martinsgans, das Tier ist zugleich ein Symbol der Grossen Mutter.

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Nein, nicht wegschauen, Vegetarier-und Veganersensibelchen: Das gehört auch zum Leben! Davon abgesehen, dass hier es sich nicht um eine obszöne Tötungsmaschinerie***, wie in unseren Schlachthöfen handelte. Die Tiere gehörten mit zur Familie, man musste sich schon sehr überwinden, und wusste genau, wem man das Überleben im Winter zu verdanken hatte. Heute hat man es leichter, auf Fleisch zu verzichten, damals hing das Leben davon ab, und die Menschen mussten in der Winterkälte schwer körperlich schuften. Mit Soja-Müsli wäre das wohl nicht allein zu bewerkstelligen gewesen. Das war keine Frage von Luxus-Lebensmitteln, sondern von Hunger. Auch für die Tiere, die bei zuwenig Futter im Winter ebenfalls elend zugrunde gehen konnten. Den Aufstieg und die rasante Gehirnenwicklung verdankt der Mensch auch dem Zugang zu tierischem Protein, schon die Grossaffen waren Jäger. Das früher geschmähte Mesolithikum brachte eine “Kulturexposion”, wie man durch neuere archeologische Funde weiss, auch gerade wegen der erstmals systematisch durchgeführten Küsten- und in Anfängen sogar Hochseefischerei. Viele der jetzt zum Vorschein kommenden, blühenden Ansiedlungen lagen an der Küste, oder z.B. im Bereich der Sände des jetzigen Wattenmeers (Doggerbank).

  • Aber heutzutage tut es auch Apfelstrudel, Gemüse-Eintopf mit Kohl, und Kürbis-Suppe mit selbstgebackenem Zwiebelbrot. Oder ein leckerer Kürbiskuchen, mit dessen Rezept man auch Halloween-Muffins backen kann. Wir haben ja Zentralheizung und sind im allgemeinen nur Bürostuhlwärmer.

Man kann auch gemeinsam Maronen am Kaminfeuer rösten, dafür gibt es Maronenröstkörbe mit langem Stiel aus Gusseisen in Kaminzubehör-Läden.

Als Getränk: Heisser Apfel-Cidre mit Gewürzen schmeckt nicht schlecht, ein bisschen für die Ahnen versprengen!

Einen Platz am Tisch zusätzlich decken, oder draussen, wenn der Gartentisch noch auf der Terasse steht, einen Teller mit Speisen anrichten und eine Kerze dazustellen.

  • Das sogenannte “dumb supper“, ein symbolisches Mahl für  verstorbene Familienmitglieder, vor allem des letzten Jahres, auch geliebte Haustiergefährten werden hier bedacht.
  • Ein Licht ins Fenster stellen, ein Brauch der in vielen Gegenden zu Allerheiligen ausgeübt wird, aber vorchristliche Wurzeln hat.

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    Ouja Board by sevenoaksart.co.uk

Orakeln:

  • Gerne darf das angestaubte Ouja-Board zum Einsatz kommen. Glaubt bloss nicht den Unsinn über bööööse Flüche und Geister, es ist einfach eine art Do-it-yourself Seance mit nicht mehr Auswirkungen wie etwa Gläserrücken (davon stammt es vermutlich ab) oder Bleigiessen zu Sylvester.
  • Für viele ist Tarot der Klassiker unter den Orakeln. Ich verwende die Karten lieber zur Introspektion.

Entrümpeln und recyceln: Das Thema von Samhain ist auch ein skorpionisches, oder eins des 8.Hauses: Loslassen und Dinge in den natürlichen Kreislauf zurückführen.

Gärtnern: Jetzt ist die beste Zeit, den Komposter zu entleeren, und umzusetzen.

Trick or Treat: Last but not least, der jährliche Spass-Rummel für Kinder!

witch_by_kmygraphic-d9cyderDekoration: Allerlei Nachtgetier, die Halloweenkatze darf nicht fehlen, Fratzen, Masken, Hexenbesen und Hüte. Fratzen-Kürbisse und andere schaurige Laternen, besser als Kerzen, wenn Kinder mit von der Partie sind.

Wer weniger Fasching will:

  • Ich stelle 13 Maxi-Teelichte in Gläsern im Kreis auf, in die Mitte kommt ein grosser Kupferkessel mit Sand, in dem man auch räuchern kann.
  • Dekoriert wird mit Äpfeln, Nüssen und passenden Blumen (Ringelblumen z.B. gehören zum Pluto).
  • Dazu kommen schwarze, silberne und orange Kerzen auf einem Metall-Tablett.
  • Es ist schliesslich auch ein Fest der Stille, nach dem Geisterspektakel.
  • Bilder von verstorbenen Eltern, Grosseltern und Haustieren mit Blumen und Kerzen arrangieren

Man kann auch einen stillen Gang auf den Friedhof machen, oder in die Natur hinausgehen, wenn das Wetter nicht zu scheusslich ist. Bei Freimaurern gibt es den Brauch, verstorbenen Brüdern die symbolischen drei Rosen auf das Grab zu legen: Licht (weiss), Liebe(rot), Leben(rosa), oder Weisheit – Stärke – Schönheit.

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Loreena McKennitt, kanadische Folksängerin, Harfenvirtuosin und Komponistin:

Loreena McKennitts Lieder zeichnen sich durch mystisch beeinflusste Texte aus, gepaart mit der Musik von teilweise mittelalterlichen Instrumenten, wie irische Harfe, Drehleier und Dudelsack. Dominierend sind hierbei traditionelle irische bzw. keltische und orientalische Motive. Sie verarbeitet in ihrer Musik aber auch klassische Themen der britischen Literatur. So vertonte sie romantische Balladen wie “The Lady Of Shalott von Alfred Tennyson und “The Highwayman” von Alfred Noyes sowie mehrere Sonnette von William Shakespeare.

 

***Da ist die Art und Weise wie Löwenbabys als nicht rentabel genug einfach in Zoos eingeschläfert werden, damit angehende Veterinäre was zum Üben haben, schon eher pervers. Obwohl man weiss, das diese Raubkatzen extrem gefährdet sind!  So geschehen in Dänemark, und wer weiss noch wo sonst.

Posted by on Oktober 24th, 2016 Kommentare deaktiviert

Jamilla empfiehlt: Katzenliteratur, SciFi & Fantasy, Krimi und Humor

The Catswold Portal - Fanatstische Geschichten von Shirley Rousseau Murphy

The Catswold Portal – Fanatstische Geschichten von Shirley Rousseau Murphy

 Alltime Favorites der Katzenliteratur:

  • The Catswold Portal – Shirley Rousseau Murphy und ihre Katzen Krimi-Reihe, die an die Catswold AU Zeitlinie anknüpft. Katzendetektiv Joe Grey.
  • Mark of the Cat und Year of the Rat - Andre Norton

Diese Erzählungen spielen im archaisch-exotischen Fantasy-Universum von Karen Kuykendall’s “Cat People Tarot“, dessen in einem Begleitheft geschilderte Rahmenhandlung sie aufgreifen. Auch das Tarot ist sehr ansprechend gestaltet, die Malerin hat ein besonderes Händchen für Katzendarstellungen. Echte Fantasy mit Magie, Heroen, Finsterlingen a la Sauron, Schamanismus und tollen Katzen in einer detailliert geschilderten Welt.

  • Cat Fantastic Reihe: Herausgeberin Andre Norton
  • A-Z” Cat Crime Stories aus Las Vegas mit Midnight Louie, P.I. – Carole Nelson Douglas. Auch ihre Della Street, Paranormal Investigator und Irene Adler Serien (ja, die aus “Sherlock Holmes”) sind zu empfehlen. Nichts für Kids. Cozy Noir.
  • The Cat Who … Katzenkrimis von Lilian Jackson Braun, allerdings nur bis ca 2000, dannach baut sie schwer ab, ist ja mittlerweile auch schon ein altes Mädchen. Schade, ihre frühen Bücher sind ein schönes Beispiel für “Cozy Noir”. Bedingt für Kinder, da weder expliziter Sex noch extreme Gewalt.

“Cat Wizard Stories” von Diane Duane:

  • The Book of Night with Moon
  • To Visit the Queen
  • The Big Meow

Nicht für Kinder, im Gegensatz zu ihren “Young Wizard” Stories, die ein bisschen den “Harry Potter” Romanen ähneln.

  • Felidae-Reihe von Akkif Pirincci
  • Tailchaser’s Song von Tad Williams
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Fantasie beflügelt:
Ich heb gleich ab!

“Alchemist” Reihe von Gabriel King:

  • The Wild Road
    The Golden Cat

King muss wohl ein Hasser von Isaak Newton sein, der in den Geschichten so eine Art Dr. Evil darstellt. Ausserdem sind manche Schilderungen sehr drastisch, ähnlich wie bei den Felidae-Büchern von Pirincci.

  • Mrs. Murphy Cat Crime stories von Rita Mae Brown und Sneaky Pie
  • Cat Magic, von Whitley Strieber, für Interessierte an Naturmagie und Wicca, nicht für Kids.
  • The Door into Summer, von Robert. A, Heinlein, eine Zeitreise-und Liebesgeschichte.
  • Compleat Cat, von Cleveland Amory, einem engagierten Tierschützer.

Vielleicht wundert sich der eine oder andere, warum fast nur englische Titel aufgelistet sind. OK, die meisten der Bücher exisitieren in deutscher Übersetzung. Aber davon abgesehen, dass sie dann oft deutlich verlieren, es handelt sich um Prosa für Erwachsene, mit entsprechenden Inhalten, die nicht in Kinderhände gehören. Nein, nicht unbedingt Sex, aber doch teilweise düstere Themen und Gewalt, die für Kinder nicht so leicht zu verkraften sind. Die Katzentitel und Bilder auf den Einbänden verführen vielleicht manche Kids zum schmökern, daher ist Fremdsprachigkeit ein guter Schutz vor solchen “Missgriffen”.

Über einige Bücher auf der Liste werde ich noch eine Besprechung einstellen. Einen Beitrag zu Buch-Tipps für die Katzenhaltung wird es auch noch geben.

Zum Schluss noch: Spannende Lesestunden !

minijami

wünscht auch Co-Autorin Jamilla!

 

 

 

Posted by on Oktober 20th, 2016 Kommentare deaktiviert

Das Luft-Element: Leichtigkeit, Frühlingsfrische und Ratio

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Elementarmagie: Luft, Wolken. Kühle, Bewegung.
Für Kommunikation, Denken, Lernen, Kreativprozess.
Cloud of Imagination ©scrano 2013

Astrologie:

  • Zwillinge: mutabel – Merkur in seinem Taghaus
  • Waage: kardinal – Venus Urania
  • Wassermann: fix – Uranus, Saturn in seinem Taghaus
  • Häuser 3,7,11

Tarot: Schwerter

  • Yin: Königin, mutabel
  • Yang: König, fix
  • Page, Ritter, kardinal

Farben:

  • gelb, violettblau, graublau

Alchemie:

  • AirNach oben weisendes Dreieck mit Querbalken.

Elemental:

  • Sylphen,
  • Osten,
  • Raphael
  • Euros

Tage:

  • Mittwoch – Merkur

Pflanzen:

  • Doldenblütler: Möhre, Fenchel, Kümmel

Signatur:

Aufrecht, grazil, rankend, ätherische Öle, aufmunternd, erfrischend, belebt den Geist.

Öle:

  • Citrus-Arten
  • Bergamotte-Minze,
  • Anis.
  • Bergamotte,
  • Lemongras,
  • Limette,
  • Salbei,
  • Eukalyptus,
  • Minze,
  • Kümmel
  • Fenchel

Tiere:

  • Vögel, besonders Sittiche, Beos und Kolibris.
  • fliegende Insekten: Bienen (Neptun – Kollektiv, Drohnenopfer), Nebensignaturen: Mond/Saturn, aber auch Venus/Mars, Sonne/Uranus die Biene zeigt viele Signaturen in allen ihren Lebensaspekten (Zodiak) ist sie ausgeglichen. Für uns Menschen ist alles davon nützlich, als einziges Insekt ist die Honigbiene domestiziert, und das schon seit der frühen Bronzezeit. Schmetterlinge (mit Pluto), Libelle (Neptun, lebt am/im Wasser, Mars/Venus).
  • Affen und andere flinke, baumlebende Säugetiere. Fledermäuse (Neptun, Mond/Saturn, Pluto/Venus – Vampirmythen!), sie orientieren sich mit Schall, der sich durch die Luft ausbreitet, fliegen und fressen Insekten, die vegetarischen Flughunde befruchten Pflanzen.

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Obwohl in der klassischen Element-Lehre als “Heiss und Feucht” klassifiziert, hat das Element Luft wohl eher die Yang-Eigenschaft aktive Bewegung, im Gegesatz zum Wasser, zu dem die Yin Variante “Passive Bewegung” passt. Einzig die Venus Urania des Luft-Zeichens Waage wäre noch als “Heiss” zu bewerten, gerade sie ist aber geradezu aufdringlich neutral.

Daher passt die Frische und Kühle des Frühlings am besten, ebenfalls der Osten als Himmelsrichtung. Das Erdelement repräsentiert den Herbst und den Westen, der  Winter und der Norden wäre wohl dem Wasserelement zuzuordnen, wie der Sommer und der Süden dem Feuer. Andere Lehrsysteme rechnen den Norden zum Erdelement, den Westen zum Wasser. In der klassischen Lehre waren die Korrespondenzen der Elemente mit der Astrologie, dem Jahreskreis, den Temperamenten und deren Einteilungen auch nicht so eindeutig, neben dem Modell von Empedokles gab es auch einige mit Übergangselementen, z.B. gerade dem Element Luft. Dies wäre dann den aufbauenden und abbauenden Elementezyklen, wie man sie aus der chinesischen FÜNF-Elementlehre kennt sehr ähnlich. Auch bei den Ayurvedischen Doshas lässt sich eine Elementzuordnung finden, aber  da ist eine exakte Übereinstimmung mit dem hellenistischen Modell ebenfalls schwierig. Später erweiterte man das klassische System noch um Quintessenz oder Pneuma, was einen seelisch-geistigen Anteil ausdrücken sollte.

Auch das Siebener-Muster der Chakren wird mit den Grund-Elementen in Zusammenhang gebracht, aber ebenso mit den klassischen Planeten. Im Tantrismus haben wir dann die sogenannten Tattvas: Erde-Luft-Geist-Wasser-Feuer, deren Yantras (Symbolbilder) auch für Visualisierungsübungen bei klassischen Element-Meditationen verwendet werden. Das klassische Tantra hat nichts mit den halbseidenen neotantrischen Sex-Gurus zu tun, die überall ihre “Dienstleistungen” anbieten! Es ist vielmehr die Grundlage der Yoga-Lehre mit den zwei Varianten: Hatha-Yoga und Kundalini-Yoga.

Das Element Luft ist der grosse Kommunikator: Laute, ob nun Musik oder Sprache, jede Art von Ton wird als Wellen komprimierter Luft übertragen. Daher ist Merkur, der flinke und sprachgewandte Götterbote auch der Patron dieses Elements. Er erfand auch die Lyra für seinen älteren Bruder, den Musik-Freund Apollon. Luft ist auch mit dem Verstand assoziert, hier ist sie die Kühle, Frische und Distanz des Himmels, die Leichtigkeit mit der Wolken dahinschweben: Wie Gedanken sind sie frei von der Erdenschwere. Alles was fliegt untersteht diesem Element: Ob nun Falter, Libelle oder Düsenjet, natürlich auch Piloten und das Internet mit seiner schnellen, scheinbar von der Materie befreiten Nachrichtenübermittlung und dem schier unbegrenzten Informations-Austausch. Auch Düfte als Botenstoffe, wie sie von Pflanzen eingesetzt werden unterstehen der Luft. Daher eignen sich Räucherungen und die Duftlampe als gute Meditationshilfen beim spirituellen Arbeiten mit diesem Element. Uranus, ein weiterer Archetyp symbolisiert die grenzenlose Freiheit des weiten Himmels, aber auch Lebens-Ferne und mangelnde Erdung, gleiches gilt für die seinem Sperma entsprungene Venus Urania, die Perfektionistin der Ästhetik, Muse der Künstler. Im Gegensatz zu ihrer irdischeren Schwester Venus Pandemos schert sie sich wenig um die Grundbedürfnisse des Menschen, daher wohl die häufige Armut von begnadeten Künstlern, die sich ganz ihr in völliger Hingabe verschrieben hatten. Ihre zweite Heimat ist interessanterweise der Gerichts-Saal, wohl wegen ihrer Neutralität gegenüber Emotionen.  Dies ist keine Kuschel-Venus, wer Herzens-Liebe sucht ist bei der wässrigen Mondin besser aufgehoben.

Die Zustandformen des Elementes im Luft-Trigon:

  • Wassermann: fix, atmosphärische Zellen, Plasma (geladenes Gas)
  • Zwilling: mutabel, Böen, Wirbel
  • Waage: kardinal, grosse Strömungen (Temperaturausgleich der Atmosphäre)
Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.©scrano 2016

Elemente-Rad, modern/psychologisch interpretiert.
©scrano 2016

Die Element-Typisierung hatte auch Einfluss auf die Humoralpathologie der Antike: Vier Körpersäfte – Blut/Schleim und schwarze/gelbe Galle zirkulieren frei und unbehindert, solange der Mensch in Homöostase (Gleichgewicht) befindlich ist. Diese “Säfte”, wobei der Begriff nicht unbedingt wörtlich zu nehmen ist, werden dann vier Temperamenten zugeordnet – Sanguiniker/Blut, Phlegmatiker/Schleim, Choleriker/gelbe Galle und Melancholiker/schwarze Galle. Mit der Temperament-Lehre als eher geistigem Konzept experimentierte auch Hans Eysenk, ein bekannter Psychologe, der sich mit der Erforschung von  Persönlichkeitsstrukturen beschäftigte,

Neben der psychologischen Zuordnung kann man auch eine physikalische Interpretation finden: Natürlich war eintsprechend der Denkweise der alten Griechen das Wort Element nicht im chemischen Sinne eines Periodensystems gemeint. Im antiken Griechenland war man mehr auf umfassendere Prinzipien im Sinne der idealen Formen Platos ausgerichtet. Also wären demzufolge eher Zustandsbeschreibungen mit den Elementen gleichzusetzen: Fest-Erde, flüssig-Wasser, gasförmig-Luft, Plasma – Feuer.

 

Posted by on September 23rd, 2016 Kommentare deaktiviert

Keine alte Jungfer: Asträa, Mythologie der Sternzeichens Jungfrau und Waage

Demeter/Ceres, ein Aspekt der Sternjungfrau-Mythologie.

Demeter/Ceres, ein Aspekt der Sternjungfrau-Mythologie.

Die Gestalt der Astraea ist ein komplexes Thema.

In der Antike war sie die Sternkonstellation Jungfrau + Waage, und verkörperte wie die ägyptische Maat, das Prinzip der göttlichen Ordnung und des Ausgleichs (wie oben so unten), daher war sie in Ägypten auch die Göttin mit der Waage des Totengerichts. Ursprünglich war sie in Griechenland aber Astraia (Astraea) die jungfräuliche Göttin des Naturrechts, die nachdem die Menschheit immer schlechter wurde, enttäuscht in den Olymp zurückkehrte. Seither ist das Rechtsempfinden nicht mehr natürlich im Menschen vorhanden, sondern muss von aussen erzwungen werden. Erst ihre Rückkehr läutet eine neue Periode des Friedens, ein neues “Goldnes Zeitalter” ein. In der Erzählung Hesiods wird sie von einer ursprünglich kraftvollen Figur, einer Vereinigung der Titanin Themis und der formidablen Nemesis zu einer schmollenden Tochter, die zu ihrem Vater flüchtet. Zeus wurde so zum Bewahrer des Rechts, der Gerichtsbarkeit, Astraia/Dike, zu seiner Tochter geworden, war nicht mehr unabhängig. Also Gerechtigkeit von nun an als Teilaspekt des männlichen Himmelsgottes Zeus, bei dessen Namen auch der Eid abgelegt werden musste. Dies kann man wohl als Übergang einer matriliniear/egalitären Kultur zu einer patriarchalischen werten. Das deutet auch die Abfolge Goldenes, Silbernes, Ehernes (bronzenes+eisernes) Zeitalter an. Zu Beginn der Eisenzeit war der Übergang zur patriarchalischen Gesellschaftsform im griechischen Sprachraum vollzogen (Einwanderung der kriegerischen Dorer in das mykenisch-pelasgische Griechenland).

Raffael: . Quelle Wikimedia Commons.

Raffael: Astraea, Quelle Wikimedia Commons.

Das Attribut der Jungfräulichkeit gehörte deshalb zum Richteramt, da sie in der Antike nichts mit Keuschheit, sondern mit Unabhängigkeit von der Pflichten einer Mutter zu tun hatte. Eine jungfräuliche Göttin war für alle da, und unparteiisch: Daher rührte auch der Mythos der jungfräulichen Königin für Elizabeth I. (Sonne in der Jungfrau, Aszendent Steinbock, dominanter Planet Pluto) von England, die sich das Charisma einer solchen Figur zu Nutze machte – sie hatte ja auch den grossen Lehrmeister der Alchemie (John Dee) als Berater.

Astraea heist also auch: Unabhängigkeit im Denken ohne Beeinflussung (Reinheit). Justitia im modernen Sinn ist eher eine Allegorie, der Gerichtsbarkeit, einer Institution, Astraea entspricht einem Archetyp (nach C.G. Jung). Astraea war auch keinesfalls blind, wie Justitia im der modernen Auffassung, sondern hatte in ihrer Form als Nemesis eine strafende Funktion. Ihr zugesellt waren auch die 3 Eumeniden (Erinyen, Furien) Tisiphone, Megaira, Alecto, (= das Gewissen) die bei besonderen Vergehen, die als widernatürlich angesehen wurden, die Bestrafung übernahmen. Insbesondere war dies der MUTTERmord, wie in der Orestie bezeugt. Daher findet Asträa ihre Repräsentation als “Die Gerechtigkeit” in den ebenfalls archetypischen “Grossen Arkana” des Tarot (astrologische Symbolik der Trumpfkarten)  auch OHNE Augenbinde, mit Krone und mit erhobenem Schwert.

Das Schwert symbolisiert auch den Verstand (zweischneidig). Mit dem Sternbild Jungfrau war ursprünglich im altbabylonischen Zodiak die Göttin Astarte=Inanna (hebr. Aschera, die Gattin Jahwes!) (im griechischen wohl zu Astaria –> Asträa abgewandelt) bezeichnet. Diese war eine kriegerische Fruchtbarkeitsgöttin mit jungfräulichem Aspekt (kein Widerspruch! s.o.), ähnlich der griechischen Artemis (wilde Natur, Tiere, Jagd) oder wahrscheinlich auch der Urform der Hekate. In ganz alten Texten heisst das Sternbild Virgo „Die Ackerfurche (Mutterschoss)“.

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Fernando Gallego-Boveda: Virgo. Quelle Wikimedia Commons.

In Griechenland wurde auch noch der Mythos der Eleusinischen Mysterien mit dem Sternbild Virgo verbunden, weil dieses nur in den Monaten August/September heliakalisch aufgeht. Heliakalischer Aufgang von Sternen und Planeten war ein wichtiges Kalenderwerkzeug der Antike. Gleichzeitig stand Demeter, die Kornmutter (Ernte im Spätsommer), in ihrer Dreigestalt (Kore, Demeter, Persephone) im Zentrum der wichtigsten Mysterienspiele der Antike. Bedeutsam war auch die Tatsache, dass der helle Hauptstern Spica in der Konstellation Virgo zur Zeit der Aussaat gerade über dem nächtlichen Horizont steht.

Man sieht also, Asträa kommt in vielerlei Gestalt daher  und hat auch viele Wandlungen hinter sich – ihre Mythologie spiegelt auch Entwicklungsphasen der Menschheitsgeschichte, unterschiedliche Stufen der Sozialisierung und der Rechtsauffassung. Die Sternjungfrau hat aber auch immer eine Beziehung zu einer Form des Archetyps „Die grosse Mutter“/Himmelskönigin..

Ackerfurche (Mutterschoss) -> Fruchtbarkeits/Erntegöttin, -> Lehrerin der Menschheit — Mutter Gottes im Christentum.

Als kosmischer Mutter-Archetyp hatte Asträa immer schon mit der Aufrechterhaltung der natürlichen Weltordnung zu tun (natürliches Recht). Maat ist das weitere typische Beispiel. Die dunkle Seite davon ist das Ausgleichsopfer: Alle Söhne der grossen Mutter müssen im Jahreskreislauf (der Natur) sterben, um dann wiedergeboren zu werden: Adonis, Tammuz, Dumuzi, Jesus.

Übrigens – die Waagschalen des Sternbildes Waage waren in der Antike als Zangen des Sternbildes Skorpion betrachtet worden, der versinnbildlicht zwar die Rache (Strafe) in seiner niedrigsten Form, aber auch die Läuterung und Transformation zur Weisheit –> Also von der natürlichen Rechtsordnung (Jungfrau, mit ihrem sprichwörtlichen Ordnungssinn) zur Abwägung der Taten eines Menschen, Bemessung der Strafe + Läuterung (Waage+Skorpion) zur Weisheit (Schütze=Zentaur, Zentauren standen zwischen der wilden Natur (Pferd) und der kosmischen Weisheit (Menschenkörper) –> Prometheussage, Zentaur Chiron !) -> Übernahme von Verantwortung und Perfektion der Materie (Steinbock)  ->  Menschenliebe und Idealismus (Wassermann) – > Erlösung (Fische).

Zur Ikonographie des Sternbildes der Astraea/Nemesis/Virgo/Demeter : Das Sternenkreuz mit dem Hauptstern Spica  in der Konstellation wird entweder als Kornähre (Demeter, Virgo) oder als (gesenktes) Schwert (Dike, Libra) gedeutet. Das gibt doch dem Spruch „ … macht Schwerter zu Pflugscharen“ eine ganz neue Bedeutung … Das Richtschwert wird aber auch statt einer Fackel oder eines Ölzweigs erhoben in der rechten Hand dargestellt (Nemesis), dann in Verbindung mit der Waage.

justitia

Die Gerechtigkeit – Ausgleichung:
Karte 8 (alt, Crowley) oder 11 (Golden Dawn).

Tarotkarte:  ”Die Gerechtigkeit”, “Die Ausgleichung”

Nummer: 11 oder 8, ich tendiere zu Crowleys Auffassung, die auch der ursprünglichen Zahlenfolge entspricht: 8, und teile auch seine Interpreation der Asträa als Ausgleichung, wie Maat.

Astrologisch: Libra, Waage, Venus

Element: Luft

Zeitqualität: Herbst, Monate September, Oktober

Farben: Grün

Schlüsselworte: Fairness, Verantwortung, Entscheidung, Ursache und Wirkung, Pendulum, Anubis, Zurechtrücken, Zentrierung, Karma, Gleichgewicht,  Gerechtigkeit, Vernunft.

Den  Aspekt der Demeter mit der Ähre trägt die andere gekrönte Figur im Tarot: “Die Kaiserin”, Venus des Erdelements, sie herrscht über die Vegetation.

Astraea = Virgo/Demeter/Nemesis/Astarte/Maria ……. und mehr. Nicht vergessen darf man auch den Zusammenhang mit Hekate, auch einer Sternenjungfrau, die in ihrer ursprünglichen Heimat Karien eine  triforme “Magna Mater” war.

Die Sternenjungfrau (Virgo) mit Krone war im schon im frühen Christentum mit der Gottesmutter Maria in Verbindung gebracht worden (siehe Abschnitt: “Die Mythologie”)

LITURGISCHES Geburtsdatum der Maria am 8.September heisst Sonne in der Jungfrau (wie Elizabeth I. die sich Ikonographie der Gottesmutter und des Zeichens Virgo zu eigen machte ). Maria wird, wie die Fruchtbarkeitsgöttin der Antike, als Himmelskönigin bezeichnet, wie Asträa trägt auch sie eine Krone aus Sternen. Der Beiname gotischer Münster: “Unserer Lieben Frau” ist der Gottesmutter gewidmet, fast alle gotischen Münster sind Marienkirchen, die Marienverehreung hatte in der Gotik einen Höhepunkt, zusammen mit der Vorstellung von Christus als „Sohn und Schmerzensmann“ , nicht als Triumphator, wie noch in der Romanik. Das weibliche Element kommt in der Gottes-Verehrung stärker zur Geltung.

Nicht zuletzt gilt Asträa als mythologische Figur in der Tradition der Aufklärung und der Menschenrechtsbestrebungen als ein Leitsymbol. Deshalb gibt es etliche Logen vor allem aus der Gründerzeit des Freimaurertums, die dieses Symbol für ihre Loge wählten. Was fanden diese Brüder der ersten Stunde so besonderes an ihr? Sie wird wie Maria als Licht der (reinen) Wahrheit gesehen –> Lichtsymbol. Die reine Wahrheit im Verständnis der Aufklärung steht auch für die Vernunft und Vorurteilslosigkeit. Das hat wieder Rückbezüge zur antiken Asträa. Vernunft oder das natürliche Recht (Menschenrecht !!) war wie die natürliche Religion (Ethik, Gottesliebe) den frühen Freimaurern sehr wichtig. Auch die reine (=unbeeinflusst) Vernunft gilt als ein Lichtsymbol. Siehe Thomas Paine: “Common Sense”, “The Origin of Freemasonry”. Daher war der Name Asträa als Bestandteil von Logennamen beliebt:”Asträa zur Grünenden Raute in Dresden”, Grossloge von Russland: “Asträa” (1815 in Petersburg). Siehe: Asträa für Freimaurer. Auch in der “Lady Liberty” des freimaurerischen Bildhauers Bartholdi aus Colmar steckt ein bisschen Asträa. Eine frühe Form der Freiheitsstatue krönt bereits die Kuppel des Capitols in Washington, auch sie ziert ein Sternen-Diadem. Pikanterweise trägt sie Gesichtszüge, die an die amerikanischen Ureinwohner erinnern. Ich finde die Skulptur hässlich, beonders wegen des seltsamen Adlers auf dem Helm der Figur. Eine ähnlich geschmacklose Kopfbedeckung kenne ich nur noch von Kaiser Wilhelm II. Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen der amerikanischen Staatengemeinschaft – “e pluribus unum”, unter einem gemeinsamen Ideal vereint. So steht es auf dem Sockel – ein frommer Wunsch, aber das war es schon bei der griechischen Ur-Asträa. Interessanterweise haben die amerikanischen Ureinwohner aus der Gegend der amerikanischen Kapitale auch eine Sternenjungfrau-Legende als Teil ihres eigenen Schöpfungsmythos.

 

Lady Liberty in ihrer Urform - auch der Umhang sieht eher indianisch aus.quelle:wiki

Lady Liberty in ihrer Urform – auch der Umhang
sieht eher indianisch aus.
quelle:wiki

Die Mythologie: (Quelle der Kurzfassung: Wikipedia:Asträa)

Astraea oder Astraia (griechisch Ἀστραíα) ist eine Gestalt der griechischen und römischen Mythologie, die in Zusammenhang steht mit dem Mythos von den Weltaltern, der erstmals in Hesiods Gedicht Werke und Tage erscheint. Dort beschreibt der Dichter das letzte, das eiserne Geschlecht, das keine Achtung für Gerechtigkeit und Gesetz mehr kennt, keinen Respekt vor den Eltern oder der Heiligkeit des Gastes, wodurch deren Verkörperung schließlich die Erde verlässt: Aidos, die Personifikation der Scham (vor allem der Scheu vor Schande und der Scham wegen begangenen Unrechts), und Nemesis, die Verkörperung der strafenden göttlichen Gerechtigkeit, kehren einer hoffnungslos verderbten Menschheit den Rücken und markieren so den Rückzug des Göttlichen aus der Welt.Was von Hesiod nur knapp angesprochen wird, wurde von Aratos von Soloi im 3. Jahrhundert in dessen Phainomena zu einem eigenständigen Mythos erweitert.In diesem astronomischen Lehrgedicht erzählt er die Geschichte der Entstehung des Sternbilds der Jungfrau.

Diese Jungfrau war die Dike, die Verkörperung der Gerechtigkeit (entsprechend der Nemesis bei Hesiod), die ursprünglich, im Goldenen Zeitalter mitten unter den Menschen wohnte und sichtbar in den Versammlungen erschien, um das Gesetz zu verkünden:

Vor dem nächsten, dem silbernen Menschengeschlecht, das schon zur Gewalttat sich neigte, zog Dike sich in ferne Berge zurück, von denen sie nur noch selten unter die Menschen kam, und dann nur, um Verfall anzuklagen und vor einer noch schlimmeren Zukunft zu warnen. Diese trat dann auch ein mit dem Erscheinen des dritten, des ehernen Menschengeschlechts (in der Version der Weltalter des Aratos gibt es weder ein eisernes Menschengeschlecht, noch ein Geschlecht der Heroen; das dritte, eherne, ist bereits das verderbteste). Unter diesen Mördern und Räubern, die den Pflugstier schlachten und fressen, ist für Dike kein Weilen mehr, sie fährt auf zum Himmel und wird dort zum Sternbild der Jungfrau.

Traditionell war Dike die Tochter des Zeus und der Themis, bei Aratos aber wird als Vater der Jungfrau Astraios genannt, bei Hyginus wird dann noch Eos als Mutter ergänzt.

Ovid schließlich gibt der Nemesis/Dike/Jungfrau den eigenen Namen, Astraea, oder griechisch Astraia. Er lässt in seiner Version des Mythos wie Hesiod die Jungfrau nur am Ende auftreten, als sie die blutbesudelte Erde des eisernen Zeitalters verlässt: Achtende Scheu ist dahin, und von blutbefeuchteten Ländern Kehrte die Jungfrau heim, Astraia, der Himmlischen letzte.

In Vergils berühmter prophetischer 4. Ekloge zeigt umgekehrt das Erscheinen der Jungfrau die bevorstehende Wiederkehr des Goldenen Zeitalters an: Schon ist das Ende der Zeit nach dem Lied von Cumae gekommen. Und großartig beginnen den Lauf ganz neue Geschlechter. Schon kehrt wieder Astraea, es kehrt Saturnus’ Regierung: Neue Geburten entsteigen nun bald dem erhabenen Himmel.Unmittelbar anschließend spricht Vergil von der Geburt eines Kindes, eines Heilsbringers, was die Zeitgenossen auf Augustus (aber auch auf andere möglicherweise gemeinte Personen) bezogen, Vergil unterstützte eine Deutung auf Augustus, indem er in der Aeneis bei der Unterweltsfahrt des Aeneas dessen Vater Anchises von der Rückkehr des Goldenen Zeitalters künden lässt, diesmal unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Augustus. Im Christentum wurde Vergils 4. Ekloge auf die Geburt von Jesus gedeutet, wodurch wiederum Vergil eine Art vorweggenommener Heiliger wurde. Naheliegender Weise wurde die mythische Jungfrau der Prophetie mit der Jungfrau Maria identifiziert, erstmals durch Kaiser Konstantin in seiner „Rede an die Versammlung der Heiligen“.

Im England Elisabeths I. wird dieser Mythos, wie schon erwähnt,  erneut aufgegriffen. Die Königin wird selbst zu Astraea, die Gerechtigkeit und die Rückkehr zur ursprünglichen Religion verspricht (sie bzw. ihre Hofpoeten beziehen sich hier auf die anglikanische Kirche). Das Goldene Zeitalter erlangt eine neue Realität durch die Entdeckung und Besiedlung der Neuen Welt. Es ist nun nicht mehr lediglich ein Reich des Glaubens, sondern ein  weltumspannendes Imperium, das durch die Herrschaft einer gerechten, tugendhaften Königin vereint ist.

Posted by on August 21st, 2016 2 Comments

Aradia, Queen of Witches oder messianische Prophetin der Armen?

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Aradia – Hexenkönigin oder Gnostikerin ?
Aradia ©scrano 2016 model: willowdawndesigns

EKO EKO AZARAK
EKO EKO ZAMILAK
EKO EKO CERNUNNOS
EKO EKO ARADIA

Einige Wicca-Traditionen intonieren den Namen Aradia zur Anrufung der Göttin (universelle Magna Mater). Die Herkunft des Namens geht zurück auf Leland, welcher die Werke des Okkultisten Aleister Crowley´s Werke beeinflusste. Dieser war ein Ratgeber Gerald Brousseau Gardners, dem Begründer der modernen pantheistischen Hexenreligion Wicca. Er half ihm beim Erstellen seines Ritualwerkes, auch was die Bezugnahme auf ein vorchristliches Erbe der Hexerei in Europa anbelangt. Wahrscheinlich haben beide auch kräftig bei der Archäologin und Hexenforscherin Margeret Murray abgekupfert. Ranke-Graves “Weisse Göttin” zählt ebenfalls zu den einflussreichen historischen Werken.

Die Eko Eko Anrufung der im Wicca verehrten Gottheiten stammt aus Gardners “High Magic Aid” von 1954. Ausser Aradia können das je nach Tradition auch Isis, Osiris, Karnayna und Diana sein. Bei Hollywood-Schmieren findet man diese Invokation leider desöfteren  in blasphemischer Weise mit satanistischen Ritualen in Verbundung gebracht.

“Charles Godfrey Leland veröffentlichte 1899 das Buch Aradia, or the Gospel of the Witches” (Aradia – Evangelium der Hexen). In diesem Werk ist Aradia die messianische Tochter der römischen Göttin Diana und des römischen Gottes Luzifer (Morgenstern, nicht Satan), die auf die Erde entsandt wurde, um die Lehren der Hexen zu verbreiten. Lelands Schlüssel zur Mond- und Schattenwelt der italienischen Hexen war seine von 1886 andauernde Freundschaft mit Maddalena, einer florentinischen Wahrsagerin und Magierin. Durch Maddalena erhielt er das Manuskript für sein Buch, das die Details einer bislang unentdeckten religiösen Hexentradition in der Toscana enthielt. Gemäß Lelands Buch gebar Diana durch einen Zeugungsakt mit ihrem Bruder Luzifer eine Tochter, die den Namen Aradia erhielt. Diana schickte ihre Tochter auf die Erde, um den versklavten, unterdrückten Frauen und Männern die Hexerei zu lehren. Sie wurde die erste Hexe, die Königin der Hexen. Sie versprach den Menschen Freiheit von Sklaverei und damit auch allgemeine Freiheit. Nach ihren Unterweisungen kehrte sie wieder zu ihrer Mutter zurück, aber ihre magischen Kräfte sind auf der Erde noch wirksam und können bei Ritualen und Anrufungen genutzt werden.”

Quelle: wikipdia

Lelands Publikation wurde anfangs als authentisch, später als Pseudepigraphie bewertet. Einen historischen Kern könnte das Werks dennoch besitzen: Im Buch “Hexensabbat – Entzifferung einer nächtlichen Geschichte”, geht Carlo Ginzburg auf die Suche nach der Herkunft des Namens Aradia.  Aus dem Namen der Göttin Hera und Diana entwickelte sich über die Zeit der Name „Heradiana“, dann „Herodiana“, daraus „Herodias“, schliesslich „Erodiade“ und daraus „Aradia“. Solche Synkretismen waren in der antiken Spätzeit durchaus üblich, man denke an den hellenistisch-ägyptischen Serapis oder auch Hermes Trismegistos. Den finsteren Ruch bei den Klerikern bekam Aradia wohl später vom gleichlautenden Namen Herodias aus dem Neuen Testament, der berüchtigten Frau des Herodes, Mutter der Schleiertänzerin Salome. Diese Herodias war auch eine der Nachtfahrenden. Carlo Ginzburg recherchierte bei seiner historischen Spurensuche auch über eine heidnische Sekte der “Calusari”, deren Anhänger noch im 16. und 17. Jahrhundert in Serbien eine mystische Kaiserin namens “Arada” oder “Irodeasa” verehrt haben.

Im späten 12. Jahrhundert, der Hochzeit der Mystiker,  schrieb der Abt von Corazzo,  Joachim de Fiore einen prophetischen Text über ein neues Utopia, welches er aus der Trinitätslehre ableitete:  “Das Zeitalter des Alten Testaments war unter dem direkten Einfluss von Gott dem Vater. Mit dem Erscheinen Christi begann das Zeitalter von Gottes Sohn. Nun sei die Ära des heiligen Geistes angebrochen.  Glauben allein genüge nicht mehr, sondern das Verständnis von Gottes Schöpfung liege in Wissen und Kenntnis, beruhe auf Ursache und Wirkung. Seine Schriften hatten einen großen Einfluss auf die religiösem Gedanken im Mittelalter, aber eigentlich gründen sie sich auf der aristotelischen Philosophie.

Als Folge seiner Lehre gab es in Mailand bereits um 1300 eine Sekte namens “Guglielmiten” (auch als Vilemiten, Guglielmo=Wilhelm, bezeichnet), die daran glaubten, dass eine von der Vorsehung bestimmte  Frau namens Guglielma (Wilhelmine) von Mailand die Wiedergeburt des heiligen Geistes sei, vielleicht ein gnostischer Einfluss, da dies sehr an Sophia aus der Schöpfungslehre dieser religiösen Gruppe erinnert. Daher müsse nun eine Kirche mit einem weiblichen Papst und weiblichen Kardinälen errichtet werden. Im Zusammenhang mit den ebenfalls gnostischen Katharern, die wohl ursprünglich aus Bulgarien (Bogumilen) und Serbien (Irodesa?) stammten, ist diese neue “Ketzersekte” besonders interessant.  Die Albigenser oder Katharer wurden zu dieser Zeit besonders in Südfrankreich verfolgt und dort ausgelöscht. Auch sie verehrten in Sophia , der heiligen Weisheit,  eine weibliche Form des göttlichen Geistes. Vielleicht fanden einige ja Zuflucht in der Nähe von Mailand. Zudem stammt die religiöse Bewegung der Vilemiten aus keltischen Gebieten Oberitaliens, wo auch die Benandanti, die eine Art schamanischen Fruchtbarkeitskult praktizierten, zuhause waren. Über letztere Gruppierung, die erst im 16. Jhd der Hexenverfolgung zum Opfer fiel, hatte Ginzburg sein berühmtes Werk: “The Benandanti” publiziert, das auch eine teilweise Rehabilitierung von Margaret Murrays Hexenforschung aus den 1920iger Jahren darstellt.

Die historische Guglielma war in Wirklichkeit die böhmische Prinzessin Vilemína Blažena, welche von 1260 bis 1270 in Mailand lebte, wo sie  schliesslich am 24. August 1281 verstarb. Sie hatte Anhänger in der berühmten Familie der Visconti(Sforza) , aber auch der Familie der Torriani, beides wohlhabende und einflussreiche, aber untereinander in Fehde liegende Familien. Bei diesem Konflikt wirkte Vilemina als Friedenstifterin. Hier kam sie wohl auch in Kontakt mit einer prominenten häretischen Sekte (Schwestern des freien Geistes), die die Lehren des Joachim de Fiore predigten und von der die Prinzessin vermutlich beeinflusst und geprägt wurde.

Nach ihrem Tod wurde die Prinzessin von ihren Nachfolgern verklärt und zu einer neuen messianischen Figur erhoben, quasi ein weiblicher Gegenentwurf zu Christus. Besonders den Visconti sagte man Interesse an reformatorischen Bestrebungen in der Kirche, aber auch den Hang zu “okkulten -sprich hermetischen oder antiken” Geheimlehren nach. Maifreda da Pirovano, Kusine des Matteo Visconti, war nach Guglielmas Tod das Oberhaupt der Guglielmiten-Sekte, sie wurde als deren Päpstin verehrt. Von den Visconti stammt ca. hundert Jahre später auch der älteste erhaltene Entwurf zum Kartenorakel “Tarot“.  Interessanterweise ist eine der Tarotkarten mit sehr ketzerischem Inhalt eben die “Päpstin“, modern auch als Hohepriesterin bezeichnet.  Bei der Ausgestaltung der 22 Trionfi in der Frührenaissance kamen wohl neben solchen Einflüssen die dann schon “offiziell” zur Verfügung stehenden wiederentdeckten Schriften Platos zum Tragen. Gerade im Sammeln und Übersetzen der antiken Texte waren ausser der berühmten Familie Medici auch die Visconti federführend. Dem Kult um Guigelmina gehörten mindestens 50 Mitglieder beiderlei Geschlechts an. Innerhalb der Sekte gab es für damalige Verhältnisse ein ungewöhnliches soziales Leben, das ebenfalls an die Katharer, aber auch an die urchristliche Gemeinde erinnert. Frauen und Männer waren gleichberechtigt, es gab auch keine Ausgrenzungen aufgrund von Armut oder sozialem Stand. Alle sollten sich als Mitglied einer großen Familie fühlen. Zu Ehren und zur Erinnerung der Guglielma wurden regelmäßig gemeinsame Essen veranstaltet, wobei alle Mitglieder ob von Adel oder einfacher Herkunft als brüderliche Gemeinschaft am Tisch sassen.

Wie bei den Quellenstudien zu den Benandanti stammen auch die Angaben über die Guglielmiten weitgehend aus den Impreviaturbüchern (Protokollbuch der Inquisition – Gerichtsakten) z.B. des mailändischen Notars Beltramus Salvagnius. Aufgrund des Prozessverlaufs und der Protokollführung liegen Indizien vor, dass die Folter zur Anwendung kam, deswegen sind durchaus Zweifel an den Protokollaussagen angebracht. Ob diese Sekte wirklich eine freigeistige urchristliche Sekte war oder aber eine urheidnische, naturreligiöse Gruppe (Guglielma als die Begründerin der Stregheria nach Raven Grimassi) mit äusserlich christlichen Zügen, wie beim haitianischen Vodoo, lässt sich derzeit nicht eindeutig belegen, solange nicht neues Material, besonders aus Primärquellen, zur Verfügung steht. Im Zusammenhang mit der Verehrung einer weiblichen religiösen Führerin muss man auch die Vorfälle um Pierina de Bugatis, ebenfalls aus Mailand sehen, womit im späten 14. Jhd. das Zeitalter der eigentlichen Hexenverfolgung begann. Hier wird von einer geheimnisvollen “Madonna Oriente” berichtet, mit der die beteiligten Frauen nächtliche Ausflüge unternahmen, wobei sie in den Häusern der Reichen gemeinsam tafelten. Die an Befana oder Holle oder auch Vilemina erinnernde “Oriente=aus dem Osten – Bulgarien, Böhmen ?”  belohnte die Hausbewohner, wo die imaginären Feste stattfanden, für ein rechtes und ordentliches Leben, die Saumseligen und Schlampigen wurden hingegen bestraft. Die Aussagen der Pierina und ihrer Freundinnen kamen am Anfang ganz unschuldig und naiv daher, sie wurden zu Beginn von den Inquisitoren sogar als blosse Spinnerei abgetan. Weil sie ohne den Druck der Folter geschahen, sind sie in der Beurteilung ihrer Authentizität als Quelle besonders wertvoll. Ginzburg sieht in der “Madonna Oriente” eine Verkörperung des Mondes (domina oriens).

Aufgrund all dieser Fragmente und Querverbindungen ist es durchaus möglich, dass um 1300 in Oberitalien eine Frau lebte und wirkte, die neue soziale und religiöse Ideen predigte und von ihren Anhängern wie eine Göttin auch über den Tod hinaus verehrt wurde. Es war der Übergang des Zeitalters der grossen Ketzer- aber auch Mystikerbewegungen, auch andere Erneuerer, wie Franz von Asissi wurde zu Beginn als Häretiker angesehen, zur sich abzeichnenden Renaissance. Das weibliche Element wurde in der Kirche wieder zusehends stärker und schliesslich im Marienkult dogmagerecht sublimiert. Über die Jahrhunderte hinweg vermischten sich die Spuren der religiösen Erneurerin (Arada, Irodeasa, Aradia, Guglielma), mit anderen lokalen kultischen Überbleibseln, im Kern erhalten wurden nur die sozialen und religiösen Ideen, die anscheinend im Untergrund durch mündliche Überlieferungen weitergereicht wurden. Oberitalien mit seiner langen keltischen Siedlungsgeschichte (Gallia cisalpina) bot wohl auch einen besonders guten Boden für solche Traditionen. Ginzburg betonte für seine Fruchtbarkeits-und Ekstasekulte diese kulturelle Wurzel im Keltentum als gemeinsamen Faktor. Auch die Toskana von Lelands Maddalena stand unter keltischem Einfluss, bereits während der Etruskerzeit, vielleicht gab es dort auch Anhänger der Vilemiten und alte Fruchtbarkeitskulte. Wie gut die Integration paganistischer Kultinhalte ins Christentum gelingen kann, zeigt uns das ebenfalls keltische Irland.

 

Posted by on März 30th, 2016 Kommentare deaktiviert

Mandala im Februar: Merkaba

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Himmelstränen: Hoffnung und Versprechen
The Merkaba ©scrano 2015

Der sich Bezwingende
Löst sich vom Ding.
Der nicht mehr Ringende
Werde zum Ring!

Gustav Meyrink

Merkaba ist eigentlich der Thronwagen Gottes, aus der Vision des Prophetet Ezechiel. Diese Thronschau wurde eine der Strömungen in der jüdischen Mystik, eine Form des Seelenwegs war es diesen Zustand der Gotteserfahrung zu erreichen. Auch die Apokalyptiker des Johannesevangeliums greifen das Thema auf. Was allerdings New Age Pseudo-Gurus daraus machen, um neue profitable Weidegründe naiver Anhänger zu generieren,  ist eher wahnwitzig.

Im Zusammenhang mit den zugegebenermassen mathematisch netten Spielereien mit der sogenannten “Heiligen Geometrie” werden die absurdesten Behauptungen aufgestellt:

Eine Einweihungslehre aus dem Land der Pharaonen soll es gegeben haben:

  • Mer-Ka-Ba wird einfach dahingehend gedeutet: Ba und Ka sind im alten Ägypten Geist-Seele und Körper-Seele, und was ist dann bitte Mer? Die dritte Seele des Volks am Nil hiess doch Ach …?
  • Ooops … dann stellen wir doch schlicht die These auf, Mer wäre ein rotierendes Energiefeld, das den Köper umgibt, und das wohl so was wie den Seelen- oder Astralanteil des Menschen darstellt. Woher kommen solche Eingebungen? Echte Kabbalisten staunen! Das schlägt das Aiwass-Channeling von Aleister Crowley glatt um Längen. Und der war immerhin in Ägypten.
  • Dazu ein bisschen geometrische Zauberei: Mit einem tri- oder hexagonalen 2d-Gitternetz aus überlappenden Kreisen, der sogenannten Blume des Lebens, lassen sich, oh Wunder, alle Platonischen Körper darstellen.
  • Die Grundform hierfür ist der Metatron-Würfel, Hauptsache ein cooler Name***, aus 13 ausgewählten Schnittpunkten, der sogennnten Frucht des Lebens.
  • Man führt einfach eine Projektion des flachen Gebildes in die 3. Dimension durch. Das geht eigentlich immer, mit so einem Gitternetz, und als Krönung wird dann ein sogenannter Merkaba-Sterntetraeder präsentiert. Der gehört aber nicht zu den Platonischen Körpern, höchstens zu den archimedischen Ergänzungen. Und mit der jüdischen Merkaba hat er auch nichts zu tun. Das war der umtriebige Magus Eliphas Levi, der solcherlei Verbindungen zwischen vor allem jüdischer Mystik und und antikem Wissen herstellen wollte: z.B. Kabbala-> Tarot oder Kabbala -> Geometrie. Aber das Teil sieht einfach sooo gut aus.
  • Die Blume des Lebens selbst ist keinesfalls ein sakrales, eher ein gerne genutztes Dekormotiv. Dafür sprechen die Plätze, wo man dieses Muster gefunden hat. Im alten Ägypten ist es nur an einer Stelle überhaupt überliefert (Osireion von Abydos), und das nicht einmal an einem für theologische Assoziationen relevanten Ort. Schon von Margaret Murray wurden die meisten Zeichnungen als Graffitto eher neueren Datums angesehen. Sie sind in 4m Höhe angebracht – da der Tempel zur ptolemaischen Zeit (3. Jhd. v. Chr.) halb verschüttet war, lagen diese Positionen in jener Epoche in gut erreichbarer Höhe. Von einem globalen Schöpfungs-Symbol eher keine Spur, fast alle Abbildungen sind Bodenmosaike, Dekomuster an Wänden oder auf Vasen etc. Das Supergitter ist auch sehr leicht zu produzieren: Viele von uns haben beim Herumspielen mit einem Zirkel schon so etwas angefertigt. Und ein Alter von 18000 Jahren zu postulieren, oder dass die “Blume des Lebens” mit einem Laser durch den ganzen Steinblock hindurch eingebrannt worden wäre, ist doch eher aberwitzig. Davon abgesehen, dass, das mit einem Laser nicht geht. Vielleicht waren es die umtriebigen “Ancient aliens”, s.unten ?
  • Man kann es natürlich, wie ein Koordinatenpapier mit unterliegenden Symmetrien (4-zählig, sechs-zählig) etc. gut für Konstruktionsaufgaben nutzen. Da man im Altertum und auch im Mittelalter gerne mit Zirkel und Schnur gearbeitet hat, um geometrische Probleme zu lösen, ist die sogenannte “Blume des Lebens” natürlich auch gut dafür geeignet.

die-weltApropos Tarot: Die Karte “Die Welt” bedient sich auch bei der Thronwagen-Ikonographie. Es erscheinen die mythischen Tiere (Tierkreiszeichen***) als Symbol der vier Weltecken, der Apostel oder eben auch Engel aus Hesekiels Bericht, ebenso die menschliche Figur. Sie ist ein Hermaphrodit, was in der Alchemie als Zeichen der Vollendung der chymischen Hochzeit angesehen wurde.In der Kabbala wurde Adam Kadmon, der vollkommene Mensch auch als solch ein duales Wesen dargestellt.  Die Mandorla des Siegerkranzes mit ihren roten Bändern bedeutet ebenfalls eine Zuordnung zum Göttlichen. Diese Schnittfigur, auch Vescia Pisicis genannt, stellt eigentlich einen Mutterschoss dar, ähnlich den Baubo- oder Shela Na Gig Figuren.

Eso-Freunde, lasst die heilige Geometrie mal aus dem Spiel, da geht es nämlich um etwas ganz anderes, als Geschäftemacherei und Hirngespinste. Für ernsthaft Interessierte: Beschäftigt Euch lieber mit den interessanten Mustern, Symmetrien und harmonischen Gesetzen in der Natur: Pythagoras, Kepler, Newton und natürlich auch die Fraktalisten seit B. Mandelbrot haben durchaus was zu bieten. Aber auch Ficino, Spinoza, G.Bruno und Paracelsus schufen erstaunliche gedankliche Konzepte.

Und ja, ganz zum Schluss: Was Ezechiel (Hesekiel) wohl wirklich sah …? Darüber haben auch Ingenieure spekuliert, und einige sind zur Ansicht gekommen, es handele sich wohl um ein Raumfahrzeug. Interessante Idee, ein wenig archäologisches Out-of-the-Box Denken schadet nicht, wenn man nicht daraus gleich wieder eine neue “Ancient aliens” Sektiererei machen würde, wo ganz spannende Überlegungen mit absolutem Schwachmatentum munter verquirlt werden. Nicht die wenig wahrscheinlichen Aliens sind hier das Novum, sondern der Gedanke Technologie in antiken Zeiten als Möglichkeit anzusehen, und den Alten nicht immer so gar nichts zuzutrauen. Es stellt sich immer mehr heraus, dass es antike Hochtechnologie durchaus gegeben hat – nicht gerade Flugzeuge aber immerhin augeklügelte mechanische Konstruktionen, wie die Verwendung der Dampfkraft oder der Differentialrechnung aus der archimedischen Zeit, oder vielleicht sogar einfache Formen von Elektrizität.

Ok – holt Euch schon so ein Sterntetraeder und astralisiert Euch damit den A… äh … finstersten Teil Eures Wesens!

Licht und Liebe allenthalben!

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Jesus in der Mandorla – die christliche Version
von Ezechiels Gottes-Vision.
quelle:wiki (Codex Bruchsal)

  • ***Metatron – Stimme Gottes, der Engel neben dem Thron. Eine Parodie dieser Wesenheit gibt es im schwarzhumorigen Film Dogma und in der Buchtrilogie:”His Dark Materials” von Philip Pullman. In der Kabbalistik gibt es auch eine Auffassung, dass es sich um den aufgestiegenen Propheten Henoch handele.
  • ****Tierkreiszeichen Adler (Skorpion) – Johannes, Löwe – Markus, Stier – Lukas, Engel – Matthäus, es handelt sich um das sogenannte fixe Kreuz des Zodiak. Die hellsten Sterne dieser Konstellationen galten als Hüter der Weltecken im alten Babylon.
quelle: Dr. Olaf Hoffman

quelle: Dr. Olaf Hoffman, wikibooks
Lizenz:CC.BY-SA 3.0

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Kleiner Keplerstern aus echtem Quarz.

 

 

 

 

 

 

 

Beim Quarz-Sterntetraeder sieht man deutlich die Verwandschaft zum Kubus, in den er vollständig eingeschrieben werden kann.

Tesseract - auch ein cooles Teil …Was Eso-freaks wohl dazu einfällt?Quelle: wiki

Quelle: wiki

Tesseract oder Hypercube – auch ein cooles Teil … ! Was New Age Freaks wohl dazu Originelles einfällt? Immerhin ist es ein 4-Dimensionales Objekt – oder vielmehr dessen Projektion als 3D-Darstellung. Grundlage ist auch hier der Würfel.

 

Posted by on Februar 3rd, 2016 Kommentare deaktiviert

Zahlenmystik: Die Transzendenz der Neun

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9: Spirale zur anderen Welt?
Die Neun, Zahl des Göttlichen und Dämonischen zugleich.
Liebling der Magier – Objekt der Furcht bei den Pythagoräern.
©scrano 2014

Die Zahl Neun wurde bei den Alten mit besonderer Ehrfuhrcht betrachtet, nicht zuletzt deshalb, weil sie das Prinzip der Drei in erhöhter Form darstellt: Bereits die Summation 3+3+3 enthält drei  Summanden der heiligen Drei. Sie ist zudem die erste Quadratzahl einer ungeraden Zahl.

Nach einer Variante der antiken Elemente-Lehre war jedes der Grundprinzipien Erde-Wasser-Feuer-Luft aus je drei der anderen Elemente formbar. Allerdings waren diese Bestandteile nicht separierbar: Hört sich ein Bisschen wie Quarks an … lol! Es gab auch eine Auffassung, die dem chinesischen fünf-Elemente Zyklus ähnelt: Hier waren jedem der nur drei Elemente ein Paar der anderen beiden beigestellt, die einen regulativen Aspekt darstellten: Feuer wird z.B. von Wasser gehemmt und von Erde (Holz) genährt. Der Luftaspekt wurde in der sehr frühen Elementelehre meist ausser Acht gelasssen, so dass wieder eine heilige Dreiheit gebildet wurde: 3 Elemente, die wiederum ternär aufgebaut waren, in der Summation also wieder eine Neun bildend.  Deswegen in der Magie der Spruch: … bei der Macht von drei mal drei … um Dinge der materiellen Welt zu beieinflussen.  Gleichzeitig rief man die göttliche Drei des Jupiter in dreifacher Form an, wie beim grichischen Eid: Drei mal schwör ich’s, beim Zeus! Hier hilft in Wirklichkeit eine Neun, um sich des göttlichen Beistands zu versichern!

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Von der Acht zur Neun: Materie, von der höheren Warte betrachtet.

Bei den Pythagoräern war die Neun einerseits die Repräsentaion der Materie, wie schon erklärt, anderseits war sie eine machtvolle, ihnen etwas unheimliche Umschreibung des universellen Kreislaufs: Die Neun hat gegenüber allen Transformationen (Rechenoperationen) einen gewissen Grad von Invarianz. Schlicht geprochen, am Ende steht als Ergebnis wieder eine Neun da. Dieser  “in sich selbst zurückfallende” Effekt erinnert sehr an die andere “Unendlichkeitsnummer“, die Acht, mit ihrem einprägsamen Symbol, dem Ouroboros.  Dazu kommt noch der Umstand dass ein Umkreis von 360° in der Quersumme ebenfalls Neun ergibt: 3+6+0=9. Daher war die Neun wegen der Perfektion des Kreises und seinem Bezug zur Sonne (astrologisches Sonnen-Symbol!) dem Lichtgott Apollon heilig, er wurde daher auch von neun Musen begleitet. Es gab neun himmlische Sphären, aber auch neun Kreise der Unterwelt (nicht erst seit Dante’s Inferno). Denn die Neun war auch deshalb ambivant besetzt, da sie wie die plutonische Acht die Unausweichlichkeit der Veränderung und der Vergänglichkeit in sich trägt. So war sie auch ein Symbol des Hades und mit der Acht zusammen wurde sie von der Ananke, dem Schicksalzwang beherrscht.

CHATEAU_CATHARE Kopie

Chateau Puivert, klimaktischer Schauplatz von die “Neun Pforten”.
Original von „CHATEAU CATHARE“ von Bridom – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0

Neun Stufen zur göttlichen Weisheit oder Neun Pforten in die Unterwelt ?

Im Film “The Ninth Gate” von Roman Polanski ist ebenfalls die Ambivalenz der Neun thematisiert: Obwohl sie im 9. Haus des Horoskops Sinnhaftigkeit unfd Weisheit repräsentiert, hat sie auch einen tedie-liebendenuflischen Ruch. Der Teufel im Tarot, Gegenkarte zu den “Liebenden” versinnbildlicht den oberen Pol der Achse 3/9 des Zodiak, Zwillinge und Schütze. Die Kartenzahlen 6 und fünfzehn (QS=6), ergeben die umgekehrte Neun. Sechs und Neun standen in der antiken Zahlenlehre in einem direkten Zusammenhang, wobei beiden Zahlen teuflische und göttliche Symbolik zugleich zugeschrieben wurde.der-teufel Nach der Übernahme der indisch-arabischen Ziffern wurde das durch die Symbolik der gemeinsamen, lediglich gedrehten Spiralglyphe noch stärker empfunden.  Die Teufelskarte zeigt uns  die Schattenzüge des Jupiter. Die Ikonographie verbindet den Teufel auch mit dem Hierophant, Sinnbild der organisierten Form von Religion, für die Jupiter und das 9. Haus  ebenfalls stehen. Die Burg Puivert, eine Katharerfestung ist der Schauplatz des Showdowns im Film und schliesslich auch die echte 9. Pforte, durch die der Protagonist von Luzifer (Lichtträger) zum vollkommenen Wissen initiiert wird. Die Katharer, eine gnostisch-christliche Sekte hatten eine besondere Beziehung zum Dualismus Gott-Teufel. Für sie war er die Verkörperung des materiellen Asder-hierophantpekts im Kosmos. Ihren Körper verstanden sie als Gefängnis der Seele.  Die ursprünglichen von den Bogumilen (=Gott liebenden) abstammenden Katharer oder Albigenser wurden von der römischen Kirche als Teufelsanbeter denunziert und gnadenlos verfolgt. Neun Pforten ist ein Hinweis auf die neun Kreise der Hölle bei Dantes Inferno, die ihren Ursprung wiederum in den neun Höllentoren der sumerischen Unterwelt haben. Hier im Reich der Göttin Ereschkigal, der dunklen Schwester von Inanna, herrschen auch neun Totenrichter, die Annunaki – nein es sind keine “Ancient Aliens”! Als Gegenstück zur schaurigen Unterwelt gab es auch neun Sphären des Paradieses.

Die Neun ist, wie bereits erwähnt, die erste Quadratzahl einer ungeraden natürlichen Zahl, sozusagen ein Ausbund an männlicher Zeugungskraft … bei den Pythagoräern waren ungerade Zahlen männlich, gerade weiblich (Papa Freud hätte seine Freud’). Diese Auffassung stammt von der Darstellung der Zahlen mit Zählsteinchen, den Psephoi, auf einem Rechenbrett in sogenannter Polygonalform (Dreieck, Quadrat, Rechteck). Ungerade Zahlen ergeben nach dieser Methode das als perfekt betrachtete Quadrat, gerade Zahlen ein Rechteck. Da man männlich als höherwertig betrachtete, alte Chauvi-Griechen, wurde die Zeugungskraft in die ungeraden Zahlen projeziert. Daher wurde von den Kabbalisten auch das Ei der Schöpfung mit der Neun in Verbindung gebracht (na ja, was soll am machen, mit einem einsamen männlichen Schöpfergott).

Das erste und kleinste magische Quadrat beitzt neun Felder und hat die magische Summe 15, QS=6, eine umgekehrte Neun!

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Die Invarianz der Neun

Die Pythagoräer vermieden wegen ihrer Besorgnis daher alles in Verbindung mit der Neun beim Namen zu nennen. Die schlimmste Zahl war für sie die 81, da sie die Quadratzahl von Neun ist, und oh Schreck, auch noch die Quersumme 8+1, wieder die Neun ergibt.  Die Sechs galt als Symbol des Kosmos und der harmonischen Verbindung von Geist und Materie (Hexagramm der Alchemisten), der Kubus mit seinen sechs Flächen war ein Modell für das heilige Jerusalem. Die auf dem Kopf stehende Ziffer Neun wurde als Inversion dieses Prinzips und damit noch zusätzlich als latent dämonisch angesehen. Daher: Nicht 666 ist die Zahl des Tiers, sondern vieleicht 999? Ok … lassen wir die Gematrie lieber aussen vor, liebe Apokalyptiker.***

  • Beiden Zahlen liegt eine Spiralfigur zugrunde, die vom Rand ins Zentrum weist: Bei Sechs von Oben nach Unten, bei Neun gerade entgegengesetzt.
  • Hier führt die Neun die Wahrnehmung zur Göttlichkeit hin. Bewegt man sich aus dem Zentrum heraus ist die Symbolik gerade umgekehrt …

Eine weitere Kuriosität der Neun stellt folgende arithmetische Übung dar:

1 . 2 . 3 . 4 . 5 . 6 . 7 . 8 . 9 . 10
9 . 18 . 27 . 36 . 45 . 54 . 63 . 72 . 81 . 90

In der ersten Reihe stehen einfach die Zahlen von 1 bis 10. In der darunterliegenden Zeile sind die Ergebnisse nach Multiplikation mit der Neun dargestellt. Betrachtet man die Zahlenfolge genauer, fällt auf, dass die linke Hälfte die rechte spiegelt: 45->54, 36->63 … etc. Dazu kommt noch dass die erste Ziffer der Zahlenreihe aufwärts wieder 1, 2, 3 … 9 ergibt, die zweite Ziffer tut dies spiegelverkehrt und abwärts.

Die Zahl Neun hat noch weitere mathe-magische Kuriosa zu bieten, sie scheint selbst vollkommen unwandelbar zu sein. Für die Welt des Materiellen ist sie  entweder unsichtbar (Summen) oder sie führt alles, was mit ihr in Kontakt kommt, wieder auf sich selbst zurück (Produkt).

Eigener Exponent:

  • 9 = 387420489
  • Quersumme: 45
  • Basis 9 = 9

Summe:

  • Σ 9 = 45
  • Quersumme: 9

Fakultät:

  • 9! = 362880
  • Quersumme: 27
  • Basis 9 = 9

Magische Summe des 9×9-Quadrats:

  • M(9) = 369
  • Quersumme: 18
  • Basis 9 = 9

Im Freimaurertum wird die Neun als Potenzierung der heiligen Drei gesehen, daher wird auch dort die Neun und sie enthaltende Zahlen wie die 27 oder die 81 in der Ritualistik als Vielfaches der Drei behandelt und angesprochen. Doch die Macht von drei mal drei … und ganz ohne Hexerei !  Apropos Hexen: Natürlich wird so eine machtvoll zauberische Zahl auch hier fleissig verwendet, allerding wie bei der Bruderschaft und den alten Pythagoräern mit derselben heiligen Scheu. Da berufen wir uns doch lieber auf Zeus (Trinität mit Poseidon und Hades) oder die christliche Trinität (Vater-Sohn-Geist), als das Kind beim Namen zu nennen. Man weiss ja nicht …

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Von Zeus zum Hades: Die Ambivalenz der Neun …
Bilder: wikmedia, license  CC-BY-SA 3.0/4.0

Was die zahlenmagische Welt nördlich der Alpen anbelangt:

Allvater Odin oder südgermanisch „Wodan“ oder „Wotan“ in der nordischen Mythologie hängte sich selbst 9 Tage und Nächte an der Weltenesche Yggdrasil auf, um danach mit größerer Weisheit zu neuem Glanz zu gelangen. Zuvor verwundete er sich mit einem Speer. Klingt ein wenig nach dem Sonnentanz der Lakota von den Great Plains. (Richard Harris in dem Film “Der Mann, den sie Pferd nannten” demonstrierte diese Schmerz-Initiation auf drastische Weise.) Dieses Selbstopfer Odins am Weltenbaum wird aber auch als symbolischer Tod mitsamt einer Wiederauferstehung verstanden und deshalb auch mit christlicher Symbolik und christlicher Überlieferung in Verbindung gebracht: Ist mir zu schamanisch für solche Einflüsse. Odin war auch keine Erlöserfigur, dafür käme mehr der solare Heros Balder in Frage. Der eher saturnisch-merkurische (mit einem kräftigen Schuss Jupiter) Odin strebte nach höherem Wissen, ganz nach Art einer schamanischen Initiation. Sein Yantra – der Walknot besteht aus drei Dreiecken=9! Dieses Symbol findet sich auf Gräbern von im Kampf gefallenen Wikingern.

Apropos Yggdrasil: Das Wort ist ambivalent besetzt, einerseits der Weltenbaum, der wundersamerweise auch neun Welt-Ebenen trägt, andererseits Sleipnir, das ACHT-beinige Reittier Odins wird auch so bezeichnet. Dieses Wunderross ist wegen der Bein-Nummer ein typisches Schamanenpferd, wie es ebenfalls am Altai auftaucht. Auch die griechischen Centauren kann man in diesem Licht betrachten, ihre wilde “Pferde”-Hälfte war wohl ihr Reisevehikel, die Centauren waren ausserdem  für ihr grosses Heilwissen berühmt. Der bekannteste von ihnen, Chiron war ein Halbbruder von Jupiter, was wieder mit Odin und seinem Reittier Querverbindungen aufweist. Im Zusammenhang mit der Sinn- und Weisheitssuche, die hier mit der Mythologie des Neuner-Prinzips assoziert wird, steht in der Astrologie, wie bereits beschrieben, die Bedeutung des neunten Zeiches, dem Schützen mit seinem zugehörigen Haus.  Hier herrscht der der König der Drei (mal Drei), nämlich Jupiter/Zeus. Sein Haus beinhaltet Thematiken wie Philosophie, Religion, Ethik, aber auch  Expansions- und Bewegungsdrang, sowie die Sehnsucht nach Ferne und Exotik. Dargestellt wird das Zeichen wiederum als Zentaur.

Auch die Zahl Neun selbst ist global vertreten. Nicht nur in der alten Welt war diese Zahl heilig: In der Mythologie der Maya gab es eine 9-stufige Unterwelt:
Xibalbá  war die unterste Ebene eines dreigliedrigen Kosmos und ähnelt dem Fegefeuer, wobei die Seelen hier nicht passiv verharren müssen, sondern sich Prüfungen stellen um sich von negativen Anhaftungen ihres alten Lebens zu befreien. Die Maya und andere meso-und südamerikanische Kulturen haben einen stark schamanisch geprägten Hintergrund, daher spielt die Drei und eben auch die Neun in ihrer Kosmologie ine besondere Rolle.

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Horus ist der Schlüssel: Kabbalistischer Lebensbaum und ägyptischer Schöpfungsmythos.
Enneade: Referenzen für wikimedia commons Inhalte am Ende des Artikels.

Von der Enneade zur Zehn des Etz Chaim: Eine Enneade ist eine Anordnung von neun Personen in einer Art Stammbaum-Tafel. Diese genealogische Abbildung erzählt häufig auch eine Schöpfungsgeschichte. Die berühmteste solche Bildtafel ist die von Heliopolis, mit ihren Vorläufern, der Ogdoade (Achtheit), die an die primordialen Götter und Titanen der alten Griechen erinnern. Amun, der alte Schöpfergott von Karnak tritt in der Ogdoade mit seiner Gemahin Amunet als letztes der Paare des primordialen Stammbaums hervor. Er gilt als Vater des Re, der später mit dem Atum der Enneade zu Atum-Re verschmilzt. Die Enneade ist wohl der älteste Schöpfungmythos im alten Ägypten.  Auch hier erzeugt die Achtheit die Neunheit! Durch die Weiterführung der Enneade über die Osirislegende erhält man durch den Lichtgott Horus am Ende eine Zehnheit. Womit wir nun bei der Kabbala mit ihrem Lebnsbaum Etz Chaim angelangt sind. Dieser enthält 10 Stationen auf dem Weg zur Unio Mystica, der Vereinigung mit dem Göttlichen, wobei 22 Wege beschritten werden. Diese 10 Stufen nennt man Sephirot, singular Sephira, ZIFFER. In den hermetischen Lehren späterer Zeiten wird die Symbolik dieses Lebensbaumes dann mit den Grossen Arkana des Tarot in Zusammenhang gebracht.

In den kleinen Arkana spielt die Neun die Rolle eines Symbols der Fülle, aber auch des Übermasses, ganz im jupiterianischen Sinn.

  • 9 Stäbe: Viel Arbeit, Warnung, lieber etwas zurückzurudern
  • 9 Kelche: Hohe Zufriedenheit, Warnung vor zu viel Saturiertheit
  • 9 Schwerter: Grosse innere Spannung, Gedankenspirale, Warnung, vor übertriebenen Sorgen
  • 9 Münzen: Grosse materielle Sicherheit, Warnung vor Flucht in Äusserlichkeiten

der-eremitDie Karte IX, “Der Eremit” aus den grossen Arkana ist ein Bild für das Finden von wahren eigenen Werten und einer individuellen Berufung. Der Eremit ist ein Sinnbild für einen Pol der Achse: Jungfrau-Merkur|Fische-Jupiter (Neptun)*** und steht auch im Zusammenhang mit dem 9. Haus (Sinn-und Wahrheitssuche, im globalen Sinn). der-mondKarte XVIII (Quersumme 9) “Der Mond” warnt uns vor Selbstbetrug und Scheinheiligkeit, übertriebenen Erwartungen, dem Sumpf der Gefühle, gefolgt von Täuschung und Ent-täuschung. Diese Trumpfkarte ist der Gegenpol des Eremiten und steht thematisch sowohl mit dem 9. Haus des Schütze/Jupiter Prinzips als auch mit dem Neptun des 12.Hauses der Fische (Quersumme 3) in Beziehung.

***Jupiter herrscht in Haus neun und im Schützen, er ist auch der Co-Regent von Haus 12  und den Fischen. In den Fischen befindet sich Jupiter im Nachthaus, ist Yin-haft, und dem Wasserelement der Gefühle zugeordnet.

***666: Ambivalent, sowohl die »Zahl des Tiers«im Christentum, als auch die Zahl Hakathriels, des Engels der Hoheit. Gilt bei Fundamentalisten und Hollywoodautoren  als Zahl des Antichrist, vielleicht auch nur ein gematrischer Fehler: 618 wurde auch schon diskutiert.  Viele der frühen Kirchenlehrer waren nicht gerade die hellsten Lichter am Kronleuchter. Sie ist die nach Agrippa die solare Zahl, die Summe des Quadrats der Sonne (111), multipliziert mit der Seitenlänge 6. Eine Grundzahl der heiligen Geometrie. Genau wie bei 999 hat auch 666 die Quersumme NEUN!

Enneade: Bilderquellen aus wikimedia commons : Jeff Dahl, [GDFL] A worried citizen (Geb, Eigenes Werk) und A. Parrot (Nut, Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0/4.0], via Wikimedia Commons.

Posted by on Dezember 4th, 2015 Kommentare deaktiviert

Mundanastrologie: Saturn versus Jupiter, mit Vernunft gegen Luftschlösser

"Weird Scenes Inside The Gold Moie"Leider ist die Gier nach Gold oder Geld immer noch der grösste Motivator des Menschen.

“Weird Scenes Inside The Gold Mine”
Leider ist die Gier nach Gold oder Geld immer noch der grösste Motivator des Menschen.
Oft ist es auch nur Katzengold: Wie das fraktale Eisenpyrit auf dem Bild.
Pyrite bilden den Ausgangsstoff für VITRIOL.

  • Der Motor von Entdeckung und Fortschritt ist häufig Gier, bestenfalls Neugier, leider aber hauptsächlich Geldgier oder Machtgier.

Auch wenn 2015 ein sogenanntes “Jupiter -Jahr” gewesen sein soll***: Mehr saturnische Verantwortung und Pflichtgefühl, aber auch Beschränkung des schrankenlosen Wachstums-Wahns täte uns vielleicht besser, als das Megalomania Phänomen namens Jupiter: Der steht nämlich auch für Globalisierung, Imperialismus und ewiges positives Denken ohne Realitäts-Sinn. An Kreuzzügen aller Art mangelt es gerade auch nicht. Den ihm ebenfalls zugeschriebenen Weitblick und seinen Sinn für ethische Normen zeigt uns der Jupiter eher weniger, in letzter Zeit. Mit den negativen Seiten des religiösen Aspekts des Jupiterprinzips wurde den kolonisierten Völkern immer auch der Glaube der neuen Herren aufgezwungen. Bei den Römern war es umgekehrt, sie erweiterten ihr eigenes Pantheon gleich um die Gottheiten der eroberten Gebiete, nach dem Motto: Man will es ja mit niemanden verscherzen …! Diese Art Einverleibung ist auch echt jupiterianisch, sie wird bereits in der Mythologie des olympischen Herrschers beschrieben. Man denke an die Geschichte von der Kopfgeburt der Athene.

Leider erweist es sich als besonders fatal, wenn das jupiterianische Expansionsprinzip auf Gier trifft: Daher gehen Risiken und Nebenwirkungen des rein wirtschaftsorientierten Fortschritts auch einher mit imperialen Bestrebungen zulasten sogenannter exotischer Länder (eine Domäne des 9. Hauses und des Zeichens Schütze, wo Jupiter herrscht):

Antike:

Julius Cäsar und seine kaiserlichen Nachfolger nach dem Ende der römischen Republik:

  • “Collateralschaden”: Genozid an den Kelten des Festlandes, Auslöschung von deren kultureller Identität, Ausplünderung und Sklaverei. Ursprung der “Barbarenlüge”.

Mittelalter:

Carolus Magnus und seine Weltherrschaftsträume

  • Collateralschaden: Genozid an germanischen Stämmen, die weder eine Monarchie noch den christlichen Glauben annehmen wollten, Zwangsmissionierung- und Taufen, Zerstörung der indigenen Kultur.

Bei diesen Beispielen kam wenigstens ein reformiertes, einheitliches Rechtssystem als “Goodie” mit im Gepäck der Eroberer: Das römische Recht, bzw. die Halsgerichtsordnung von Karl dem Grossen. Ersteres war schon sehr fortschrittlich, letzteres versuchte nördlich der Alpen die Urteilsfindung nach Fakten statt Gottesurteil und Blutrache zu etablieren. Die Rechtspflege ist ebenfalls zum Jupiter-Prinzip zugehörig. Mit den niederen Ständen, der Landbevölkerung oder gar Sklaven gingen beide Gesetzeswerke nicht zimperlich um, oder ignorierten sie einfach. Schon in der antiken Welt war die olympische Religion mit ihrem Jupiterkult bei den Bauern eher als Sache der Oberschicht angesehen worden. Besonders bei den Römern verehrte man lieber Natur-Götter, wie Bona Dea, Laren und Manen. Der oberste im Pantheon war Saturn, der Gott der Ernte, der Feldarbeit und der Disziplin. In ihm und nicht in Zeus/Jupiter sah man den Herrscher des Goldenen Zeitalters.

Beginn der Neuzeit:

Columbus und seine Epigonen in der Neuen Welt:

  • “Collateralschaden” Genozid an autochtoner Bevölkerung in Nord- und Südamerika, Sklaverei, Umweltzerstörung, Zwangs-Christianisierung.

Abel Tasman und sein Nachfolger, das Britische Empire in Australien:

  • “Collateralschaden” Genozid an autochtoner Bevölkerung, Massenausterben, Zwangs-Christianisierung.

Moderne:

Globale Industrialisierung und Vormacht ebensolcher Konzerne, Wirtschaftssystem basiert auf unbegrenztem Wachstum (wie ein Krebs):

  • Collateralschaden: Klimaveränderung, Umweltzerstörung, Massenaussterben (wir sind hier nicht ALLEINE!).

Halbgare Entwicklungs”hilfe” ohne Aufklärung, Bildung und gesellschaftlichen Wandel in Drittländern, damit man die Bevölkerung dort knechten kann. Dazu noch die Segnungen der Waffenlobby an die dortigen korrupten Regime und zweifelhafte Missionstätigkeit:

  • Collateralschaden: Unsinniges Bevölkerungswachstum, dadurch soziales Elend, Landflucht, Massen-Migration – da erwischt uns dann der Bumerang – Hungerkatastrophen, Seuchen, Kriege, Hexenverfolgungen und anderer religiöser Extremismus.

All dieser Aufwand an Energie und Menschenleben für die egoistischen Ziele einiger Weniger hätte auch bei mehr Achtsamkeit und weniger Einfluss manipulativer Kräfte dem Guten dienen können.

Dem eigensüchtigen Streben der wenigen Profiteure folgt das Elend der Vielen auf dem Fuss. Und um es noch auf die Spitze zu treiben, besteht auch noch eine unselige Rückkopplung und gegenseitige Verstärkung der Schad-Effekte.

Brauchen wir weniger Fortschritt und Wachstum?

Sicher weniger Wachstum in materiellen Belangen. Fortschritt für humanitäre Ziele – da könnte man GLOBALISIEREN, und ein Mehr an Wissen, jederzeit! Aber auch hier gilt: Achtsamkeit, Achtsamkeit, Achtsamkeit, wem wir die Früchte vom Baum der Erkenntnis überlassen wollen.

Dabei ist es eigentlich simpel:

  1. Es gilt der Kant’sche Imperativ, nicht nur gegenüber Menschen, sondern in Verantwortung für alle Lebewesen.
  2.  Alles steht in einem Gleichgewicht, an dem man in anthropozentrischer Arroganz nicht einfach herumschrauben kann.

    RWS_Tarot_14_Temperance

    Temperantia – Mässigkeit, Karte 14

  3. Vor Allem, weil man manche Parameter des komplexen Systems “Erde” noch gar nicht richtig interpretieren kann.
  4.  Wegen Punkt 2 trifft es uns letztlich auch immer, wir können uns aus der Gleichung nicht einfach herausnehmen.
  5. Und endlich ein anderes Werte-System, bei dem Geld und Macht nicht mehr die Messlatte für Ansehen sind.
  6. Terraforming-Träume und Szenarios mit Kolonien auf anderen Planeten sind Dummfug! Wir haben nur den einen Planeten, auf dem wir leben können, daran ändert sich auch nichts.

Also, eine gute Prise Saturn täte schon wohl. Aber das wird vieleicht durch Pluto, der gerade den Steinbock (Saturn-Prinzip) passiert, geregelt. Der Unterwelts-Boss steht nämlich auch für die Weltwirtschaft: Da wird’s mit dem Wachstum und der Expansion langsam enger, das merken auch die dickfelligsten DAX-Anbeter. Die Zeit wo er den Schützen (Jupiterprinzip) durchlief  (1996-2009) und “Greed is Good” und Zocken ohne Gnade an der Tagesordnung waren sind wohl vorbei. Dazu kommt noch, dass Saturn im Dezember 2014 seine zweijährige Reise durch das Schütze-Zeichen angetreten hat. Dadurch wird der Effekt der Erdung und die nüchterne Betrachtung von Problemen zusätzlich gestärkt. Auch mehr Gerechtigkeit kann entstehen: Das Saturn-Prinzip der Verantwortung verhilft den positiven Aspekten des Jupiter, Recht, Ethik und Sinnhaftigkeit, zu tatsächlicher Geltung in der Welt.  Vieleicht klappt es dann bald auch wieder mit den drei Ständen: Durch Verstand und Anstand schaffen wir Wohlstand für viele.

Ein wenig mehr Mässigkeit , Vernunft und Fairness täte allen gut, wie es in der Tarot-Karte “Temperantia – Mässigkeit” vorexerziert wird. Diese Karte wurde in der Vergangenheit auch “Prudentia” genannt, Klugheit, eine der alten Kardinaltugenden. Ein Fuss an Land, einer im Wasser, steht eine geflügelte Gestalt in einer gefährlichen Grenzregion, dem Ufer. Rechts von ihr ist ein Sumpf mit Schwertlilien abgebildet. Der richtige Pfad führt über den gerechten Ausgleich: In beiden Gefässen soll der gleiche Füllstand erzielt werden. Im Hintergrund der “Goldene Mittelweg”, der zur Erleuchtung führt. Die geistige Kraft (Dreieck nach oben) führt zum höheren Selbst (Sonnenscheibe auf der Stirn des Engels). Also, herrscht Vernunft über dunklen Trieben, dann landet man nicht im Morast.  Temperantia steht wie “Die Ausgleichung – Gerechtigkeit”, Karte 8 mit den Sternzeichen Virgo und Libra in Zusammenhang. Wie bei den “Liebenden, Karte 6″, den Zwillingen zugeordnet und mit ebenfalls einer dualen Symbolik, geht es um eine Abwägung, eine Verstandesentscheidung, die Domäne des Merkur. Dieser herrscht in der pragmatischen, dienstbaren Jungfrau, aber auch im Kommunikationstalent “Zwillinge”, ebenfalls einem “Denkerzeichen”.  Die Lösung hier liegt also im Denken und der Zurücknahme eigensüchtigen Strebens zugunsten des Ausgleichs. Gespräch und Verhandlung, statt Konfrontation.  Alles zu seiner Zeit, jedes Ding an seinem Platz, ein rechter Platz für jedes Ding – und nichts im Übermass. So steht es auch am Apollonheiligtum in Delphi. Auch darauf weisst das Sonnensymbol des Engels hin, Apollon ist die archetypische Verkörperung einer solaren Göttergestalt. Für die resultierende Harmonie ist Venus Urania zuständig, die Herrscherin im Zeichen der Waage, Teilaspekt der Sternjungfrau, die auf der Karte “Gerechtigkeit” abgebildet ist: Asträa hält die Waage des Ausgleichs – Spiegelsymbol zu den zwei Wassergefässen der Mässigkeit.

Allerdings hat sie auch ein Schwert!

 

 ***Die beliebte Jahreszuordnung zu Planeten ist nach einem willkürlichen 7-Jahreszyklus bezogen auf den Hundertjährigen Wetterkalender des Zisterzienser-Abtes Knauer zustandegekommen. Sie ist NICHT astrologischer – eher abergläubischer Natur.
***Man kann es auch zynisch sehen, wenn man die Planetenjahre verwenden mag – seht mal was uns Jupiter 2015 geschenkt hat – eine Menschenlawine oder Völkerwanderung, wieder ganz im Sinne grenzenloser Übertreibung.
 

Posted by on August 26th, 2015 Kommentare deaktiviert

Galerie im Mai: “The High Priestess”

Ich möchte ein eigenes Tarot entwerfen, daher einige Vorstudien:

“II-Die Hohepriesterin”, Portait Studie: Referenz ist Gwendonline Christie at London Palladium, Nov 2014, CC license Wikimedia.

Die Seherein, Vorstudie zu "High Priestess",

Die Seherein, Vorstudie zu “High Priestess”, © SCRANO 2015

 

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Posted by on Mai 22nd, 2015 Kommentare deaktiviert