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Kunstkalender für 2018: Ab jetzt bestellbar!

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Katzenpfötchen, eine Zier- und Heilpflanze. ©beast666
Mich findest Du auch im Pflanzen-Kalender …

Unsere Foto- und Kunstkalender sind sehr schön geworden – neue Exemplare jetzt bestellbar:

Titelblatt Motiv: Brazen Spiral

Titelblatt-Motiv der reduzierten Fraktalkalender 20×20 cm: : Brazen Spiral

  • 30×30 cm Quadrat 29.95 €
  • 20×20 cm Quadrat 14.95 € 
  • DIN A4 quer 19.95 €
  • DIN A3 quer 29.95 €

Einfach mindestens 13 Motive*** auswählen, das Deckblatt extra benennen. Wer sich überraschen lassen möchte – wir stellen auch gerne einen Kalender für Euch zusammen.

Hochwertiger Photodruck, die Auflösung der Originalbilder beträgt >200 dpi, im Gegesatz zu 72 dpi in der Ansicht.

***Bei Hochformaten passen 2 Motive auf ein Kalenderblatt.

Alle Photos, Fraktalbilder und Digital Art: © abrasax, scrano & beast666.

Für unsere Kalender gibt es bei Quer- unmd Quadratformat ein zweizeiliges Standard-Kalendarium für 2018. Dies ermöglicht maximale Bildgrösse.

Sie besitzen 12 Monatsblätter, ein Deckblatt und ein Rückblatt. Die Bindung erfolgt mit Metall-Spirale incl. Aufhänge-Öse.

Der Hintergrund ist nicht weiss, sondern farblich und saisonal passend gestaltet, weiss ist auf Wunsch natürlich möglich. Alle Anfragen und Bestellungen per email an Ambrosia. Die Adresse findet Ihr hier.:

  • Christian und Claudia Reuter
  • Zu den Schafhofäckern 132
  • 73230 Kirchheim u. Teck
  • Selbstabholung möglich, Versandpauschale 3.90 €.
  • Bei Versand: Rückgabe der unbeschädigten Ware ist möglich bis 14 Tage nach Erhalt.
  • Bei Selbstabholung: Rücktritt von Kauf nur direkt nach Ansicht der Ware.

Unsere Kalender sind keine Massenware, um sie persönlicher zu gestalten,  können ohne Aufpreis kleine Begleittexte erstellt werden. Auf Wunsch botanische Kurzbeschreibung zu den Pflanzen inkl. Signatur oder andere Erläuterungen, auch Aphorismen oder Gedichte sind möglich.

Die Auflage ist auf eine Kleinserie <100 pro Motiv begrenzt. Einzelne Blätter gibt es auch als Poster bis ca. DIN A2, Versand oder Selbstabholung. Verpackung in einer Papprolle.

Posterpreise von ca 9 € – 29 €. zzgl. 5 € Versand. Exakte Preise und Grössen auf Anfrage.

Motiv-Galerien:

Motive aus unseren Kalendern:

Zierform der Pulsatilla©beast666 2016

Zierform der Pulsatilla
©beast666 2016

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Karma Chess ©scrano 2016

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Poseidon Tempel Schwetzingen ©scrano 2016

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Park Disziplin: Schwetzingen im März.

Mandalas und Flammenfraktale mit 3D-Effekt :

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Kaleidoskop-Fraktal mit 3D-Effekt.
Memory Effect ©scrano 2015.

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Moirai, ein Flammenfraktal. scrano 2015

Magische Kalender bieten wir auch an, die Kalendarien gestalten wir als Sonderanfertigung auf Anfrage, z.B. mit Mondstand oder paganen Feiertagen. Motive aus den Beiträgen zu den magischen Monaten, Jahresrad etc. frei wählbar. Einfach mal stöbern!

Posted by on Januar 23rd, 2017 Kommentare deaktiviert

Magisches Jahr 2017

Apprentice ©scrano 2016

Apprentice ©scrano 2016
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Mein kleiner Almanach beinhaltet für jeden Monat unterschiedliche Daten für Feste und Brauchtum, christlich, pagan oder historisch heidnisch. Ausserdem gibt es kleine Rituale, Gartentipps und Rezepte.

Posted by on Januar 11th, 2017 Kommentare deaktiviert

Mitten im kalten Winter: Yule – Rauhnacht – Sonnenkind

Funken des Yul_Feuers bringen das neue Licht ins Heim.

Funken des Yul_Feuers bringen das neue Licht ins Heim.
Yul Embers ©scrano 2014

When the Wheel begins to turn, let the Beltane fires burn.
When the Wheel has turned a Yule, light the Log and let Pan rule.

WINTER SONNWENDE – YULE

Im nordisch-germanischen Neuheidentum (z. B. Asatru) ist das altgermanische Julfest eines der drei Eck-Feste im Jahr und man versucht auf das Brauchtum zurückzugreifen, das man aus den Überlieferungen noch rekonstruieren kann:  z. B. Wilde Jagd oder Raunächte, um die Julzeit und das Mittwinterfest zu begehen. Als Datum kommt hierfür entweder direkt die astronomische Sonnwende am 21.12. oder der Tag des ersten Vollmonds danach in Frage, welcher Julmond heisst. Deneben gibt es noch das Haakon dem Guten zugeschriebene Datum am 25.12.  Daher ist das Julfest wohl nicht nur dem solares Kalender zuzuordnen. Unter Umständen ist die Zeit der Raunächte auch ein Versuch den Sonnen- und den Mondkalender zu synchronisieren, wie man es auch schon jungsteinzeitlichen Bauten wie Stonenhenge als ein möglicher Verwendungszweck zuschreibt. Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage. Wie in allen einfachen, „nicht-interkalierenden Lunisolarkalendern“ (also allen Mondkalendern ohne Schaltmonate, wie man sie in bäuerlichen Kulturen findet), werden die auf die 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage – beziehungsweise zwölf Nächte – als  Tage „außerhalb der Zeit“, eingeschoben. Von solchen Tagen wird in der zugehörigen Kosmologie angenommen, dass die Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt seien und daher die Grenzen zu anderen Welten durchlässig würden. In vielen Kulturen, die so ein Kalendersystem verwenden, verbindet sich diese Zeitspanne oftmals mit Tabus, Ritualen und Volksmythen. Es wird auch vermutet, dass die Bräuche um die „Winterauskehr“ am Ende des Faschings in diesem Zusammenhang stehen: Sie simulieren eine Interkalation bezüglich des Jahresbeginns mit dem Frühlings-Äquinoktium. Besonders deutlich findet sich das in den römischen Saturnalien und Lupercalien.

Gefeiert wird das Wiedererstarken der Sonne und das Längerwerden der Tage, da dieser Wechsel seit Menschengedenken überlebenswichtig ist, vor allem für die Saat und Ernte. Der Julmond, der auch Nytungl (Neuer Mond) oder Nykung (Neuer König) heißt, wird mit dem rituellen Jultrinken begrüßt. In der christlichen Weihnachtsliturgie war früher die sogenannte Johannisminne, ein rituelles Zutrinken, üblich, am 27. 12., dem Feiertag des Evangelisten Johannes.  Zu den verwandten Bräuchen kann man auch den Wassail rechnen, wie er in Schottland noch üblich ist, oder auch in Teilen Bayerns als Flursegen angewandt wird. Dort besprengt man die Flur bzw die Apfelwiesen mit Milch oder Most aus der vergangenen Ernte. Der Julmond im Januar kennzeichnet den Beginn des neuen Jahres. Man sieht die Rauhnächte zwischen Wintersonnenwende (Mütternacht) und Dreizehnttag (Perchtennacht) als eine zwölftägige Friedenszeit, in der die Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Stechpalme, Kiefer, Efeu, Wacholder geschmückt werden, denen man schützende und heilende Kräfte zuschreibt. Das Haus wird geräuchert mit den Worten „Glück ins Haus – Unglück hinaus,“ oder “Evil shall leave and not enter”, wie es im Original heisst.  Der „Julbock“, wird aufgestellt, sehr zur Freude der Kinder: Ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, wahrscheinlich ein Fruchtbarkeitssymbol. Dieser lässt sich vielleicht auf die Ziegenböcke des Gottes Thor zurückführen, die seinen Wagen ziehen. Er bringt auf seinem Rücken noch heute in Skandinavien die Geschenke. Gastfreundschaft soll schon früher ein wichtiges Element der Julzeit gewesen sein, so soll das Haus den Gästen offengestanden haben, die ein und aus gingen und reich bewirtet wurden. Zudem ist es ein Brauch, einen großen Holzklotz – den Julklotz – aus dem Wald zu holen, und ihn zwölf Tage und Nächte brennen zu lassen. Vergleichbar mit dem Volksbrauch, Feuerräder bzw. Osterräder von Bergen abzurollen, werden von Anhöhen brennende Sonnenräder, mit Stroh bespanntes Holz oder geflochten, herab gerollt. Als Kinder haben wir kleinere solche brennende Reifen mit Hilfe von Haselstöcken durch den Ort gerollt, im schwer katholischen Bayern! Überhaupt sind hier die Raunachtsbräuche noch sehr lebendig. Perchtenlauf, Räuchern und etliche Tabus in der Zeit zwischen der Zeit werden hier noch in breiter Vielfalt und grosser Selbstverständlichkeit praktiziert. Nicht erst als neuaufgelegte Touristen-Folklore oder als ärgerliches Rudiment aus der Nazi-Zeit. Die enorme Vielfalt des lokalen Brauchtums legt ausserdem die Annahme vorchristlicher Ursprünge nahe, leider ohne dass heute noch feststellbar wäre, wo die jeweiligen kulturellen Wurzeln tatsächlich liegen. bzw. wie weit sie zurückreichen. Germanische Bezüge vieler Raunachtsvorstellungen sind aber naheliegend, denn zu dieser Zeit soll sich nämlich in der germanischen Vorstellung auch Wodans alljährliche Wilde Jagd abgespielt haben, in der die Geister der Verstorbenen mit Odin/Woden/Wotan über das Land ziehen sollten:

Im Zentrum der  Zwölfnächte, nämlich zu Silvester, steht dann Woden’s “Wilde Jagd”. Zu dieser Zeit stehe die “überirdische Anderswelt” endgültig in Verbindung mit der Menschenwelt und die Seelen der Verstorbenen dürfen Kontakt aufnehmen. Dieser Glaube, dass zu sich zu dieser Zeit das Tor zum Geisterreich öffnet, zog Bräuche wie das Stehenlassen von Essen für die Geister (dumb supper) oder das Verbringen von Essen in die Megalithanlagen z.B. Bretagne, britische Inseln, mit sich. Auch für Odins Pferd Sleipnir stellte man Nahrung vor die Tür. Ebenfalls in den Rauhnächten spielt das Märchen um Frau Holle (Berchta, Perchta), die eine deutliche Verwandschaft zur germanischen Totengöttin Hel hat. Aber nicht nur in Regionen nördlich der Alpen wurden solcherlei Glaubensvorstellungen gepflegt: Auch die Römer kannten entsprechendes Brauchtum, ebenso verbreitet ist es in Griechenland oder Osteuropa, also in grossen Teilen des  indoeuropäischen Sprachraums. Erdhafte und unterweltliche Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd einherziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Ost-Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten. Die Bräuche zu den verschiedenen “Zwischenzeiten” des Jahres ähneln sich sehr: Es existieren Übereinstimmungen z.B. zwischen dem Rauhnachtsbrauchtum und dem von Samhain oder All Hallows Eve” und den graeco-römischen Feiern der Erntefeste, an denen auch “Mundus Cereris Patet“: Saturnalia, Lupercalia.

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Krampus, auch ein Weihnachtspercht,
der manchmal schon mit dem Nikolaus kommt.
Er ähnelt dem Habergoas. quelle:wikimedia

Diese Umsetzung solcher Vorstellungen spiegelt sich besonders in den Perchtenläufen des Alpenraums wider. Dort gibt es allerlei teuflisch erscheinende Gestalten, die Schiechperchten, zum Beispiel den Habergoas, eine Mischung aus Pferd und Ziegenbock, ersteres ein Symbol Wodens, der Bock ein Tier des Thor. Die sogenannten Holzperchten schlagen besonders die Mädchen mit Haselzweigen, wohl eine Variante des “Quickens“, ein Fruchtbarkeitsritual. Auch die Hasel gehört zu Thor, der als Fruchtbarkeitsgott der Feind des Winters war: Im hohen Norden beteten die Menschen zu ihm, dass er die grimmigen Eisriesen mit seinem Hammer möglichst bald zerschmettert.  Eine andere Form der Perchten, aber regional davon getrennt und eigenständig sind die schellenbehängten Schepperer oder Glöckler. Auch der Brauch, zu Silvester Lärm zu erzeugen (Silvesterfeuerwerk), sollte die Unholde fernhalten, im Alpenraum wird in allen Rauhnächten auch geböllert. Wobei nicht nur der Lärm, sondern auch der Schwefeldampf des Schiesspulvers die üblen Geister vertreiben soll.

Je nach Region unterscheidet sich die Anzahl der Rauhnächte zwischen drei und zwölf Nächten. Als die vier wichtigsten Rauhnächte werden bezeichnet:

  • 21./22. Dezember (Thomasnacht, die Wintersonnenwende) (längste Nacht des Jahres)
  • 24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht, Vigil von Weihnachten)
  • 31. Dezember/1. Januar (Silvester)
  • 5./6. Januar (Epiphanias, Erscheinung des Herrn)

In manchen Gebieten wird die Thomasnacht nicht hinzugezählt, obwohl hier der alte heidnische Bezug noch extrem deutlich ist:

“Der Thama mit’m Hamma”

Die Nacht vor Thomas (21. Dezember) ist eine der wichtigsten und eigenartigsten Losnächte. Er ist recht volkstümlich, der “Thama mit’m Hamma”. Er erinnert deutlich an den hammerschwingenden, wetterbeherrschenden Gott der Germanen Thor/Donar, der mit seinem Hammer Mjölnir an die Wolken schlug und damit den Donner erzeugte. Der blutige Thamerl, wie er bei uns genannt wurde, war besonders als Kinderschreck gefürchtet.

Auch die seltsame Luzier: Hl. Lucia, am 13. Dezember gefeiert, gehört eigentlich noch zu den Raunachtsgestalten. Der 13. Dezember war früher ein wichtiger Tag für die traditionellen Feierlichkeiten der Sonnenwende, denn bis 1752 fand die Wintersonnenwende (z.B. in Schweden) an diesem Tag statt. Die Sichel der St.Lucia, als Symbol ihres Märtyrertums,  wird nun zum Drohwerkzeug für unartige Kinder, wie der Thorshammer des “Thamerl”. Diese Sichel kann man auch als Symbol des Saturn, als Herrn der Zeit und Schnitter Tod interpretieren, oder als Mondsichel der “Grossen Göttin”. Zur Deutung als Saturnsymbol kommen noch Janus und Terminus dazu, die in der Römerwelt für die räumlichen und zeitlichen Grenzen zuständig waren. Beide Gottheiten standen mit Saturn in Verbindung. Besser kommt Lucia in Schweden weg, hier wird ihr Gedenktag als Lichterfest gefeiert, vor allem für die Töchter der Familien ein Spass: Die älteste Tochter weckt weiss bekleidet, mit einer Lichterkrone auf dem Kopf, morgens die Familie und serviert ihnen Frühstück bei Kerzenschein: Vor allem Safrangebäck, ein Symbol der Sonne. Diese süssen Kringel, auch als Lussekatter=Luciakatzen bezeichnet, können auch ein Hinweis auf aur nordische Göttin Freya sein, deren Himmelswagen ein Katzengespann zog. An diesem Tag wird das berühmte Lucia-Lied gesungen, das von der Wiederkehr des Lichtes handelt, auch ein Bezug zum alten Datum der Sonnwende.

Die Etymologie, also die sprachliche Wurzel,  des Wortes Rauhnacht ist umstritten. Eine Möglichkeit stellt das mittelhochdeutsche Wort rûchhaarig‘ dar,  das es in der Kürschnerei als Rauhware oder Rauchware für Pelzwaren heute noch gibt. Es würde sich dabei auf die mit Fell bekleidete Schmutz- oder Schiechperchten beziehen, die in diesen Nächten ihr Unwesen treiben, oder aber vielleicht auf Rituale rund um das Nutzvieh. Wie zum Beispiel das Räuchern der Ställe mit dem Johannisbuschen des Sommers. Das würde aber auch die andere Herleitung des Wortes liefern: Rauch-Nacht, vom Haus-und Hof -Räucher-Ritual abgeleitet, das von der Bäuerin ausgeführt wird. Die alternative Bezeichnung Glöckelnächte bezieht sich auf das „Glöckeln“, von Tür zu Tür gehen und anläuten, einen Einkehrbrauch, der auf der Sage beruht, dass entweder Thor oder Odin zu dieser Zeit die Gastfreundschaft der Menschen überprüfe, und je nach Ausübung oder Verweigerung belohne oder bestrafe. Wie auch Frau Holle im Märchen.

Die Rauhnächte als Quasi-Niemandszeit sind auch für das Befragen von Orakeln geeignet. Im Silvesterbrauchtum wird dieser Glaube – wenn gleich mehr aus Spass und Geselligkeit – in Form des Bleigießens (das Metall Saturns, des Herrn der Grenzen und der Zeit)  bis heute weiter gepflegt. Tiere im Stall sollen um Mitternacht mancher Rauhnächte die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen – wer die Tiere allerdings sprechen höre, sterbe unmittelbar danach. Ein bisschen blitzt da noch das sprechendes Odinspferd, der achtbeinige Sleipnir, oder Fallada aus dem Märchen “Die Gänsemagd” durch.  Mancherorts dürfen sich die Tiere bei einem Hausgeist über ihren Herrn beschweren: Hat er sie im letzten Jahr schlecht behandelt, wird er bestraft. Heinzelmännchen, Laren und Manen lassen grüssen!

Die vier wichtigen Rauhnächte galten mancherorts als derart gefährlich, dass sie mit Fasten und Gebet begangen wurden. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen (welche die wilden Reiter stehlen würden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benützen). Es durften keine Wäscheleinen gespannt werden, da sich in diesen die wilde Jagd verfangen könnte. In einer anderen Version ist dies besonders (jüngeren) Frauen verboten. Durch das Aufhängen von weißer (Unter-)Wäsche würde die wilde Jagd angelockt und dann über diese Frauen „herfallen“. Wohl eine Art Angst vor “Incubi” oder Besessenheit.  Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein. Beide galten als besonders anfällig für Hexerei, als Opfer und Täter. Darüber hinaus darf nicht Karten gespielt werden. In manchen Gegenden des Ostalpenraums wurden diese Vorschriften von Perchten überwacht.

Diese Tabus sind wohl der Dämonisierung des älteren Brauchtums durch die Christianisierung zuzuschreiben: Die Götter der alten Religion sind häufig die Teufel der neuen. Vor allem weil einige Yul- oder Raunachtsbräuche mit Fruchtbarkeit zu tun haben, oder auch mit Orakelbräuchen, die vielleicht mit dem Genuss von Pilzdrogen, wie der Amanita muscaria einhergingen: Das mochten die sittenstrengen Kirchenlehrer wohl gar nicht dulden.

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Wintersonnenwende – Mutternacht. Das Leben kehrt zurück.
Modranecht ©scrano 2015

Doch zurück zum Neuheidentum:

Auch in der teilweise auf keltischen Überlieferungen*** basierenden Wicca-Religion ist das Julfest eines der 8 Feste des Jahreskreises, an dem mit der Wintersonnenwende die Wiedergeburt des an Samhain gestorbenen gehörnten Gottes bzw. der Tod des Winter- oder Holly Kings (Winterhalbjahr) und dessen Ablösung durch den Oak King (Sommerhalbjahr) gefeiert wird. Holly (Ilex, Stechpalme) und Oak (Eichenlaub) stehen auf den britischen Inseln als Symbole für den Winter und Sommer. Das sieht man auch an den vielfältigen Darstellungen der sogenannten “Green Men”, welche die Vegetation oder Herne, den Geist des Waldes, einer Art Kreuzung aus Odin, Cernunnos und Jennerwein***, versinnbildlichen.

Die Nacht dieses Wechsels wird als in der Zeit gefrorener Moment begriffen: Die Welt hält einen Moment den Atem an. Im Kessel der “Grossen Mutter” wird das Licht neu geboren, aus dem “Dunklen Winterkönig” wird das Sonnenkind.  Dieses Symbol der zunehmenden Tageslänge ist das Versprechen auf einen neuen Sommer voller Licht und Wärme. Die Göttin beginnt einen neuen Zyklus im ewigen Kreislauf, wobei sie sich wieder zu ihrer “jungfräulichen” Form transformiert.  Auch hier spielt das Feuer, z.B. der Jul-Block (nicht Bock!) und das Räuchern im Ritual eine zentrale Rolle. Die traditionellen Weihnachtsfarben: Gold, Grün und Rot kommen ebenfalls zum Einsatz, sie repräsentieren Licht und Leben.

Zum Räuchern als Ausleitung des alten und Einleitung eines neuen Lebenskreislaufs werden Pflanzen mit Korrespondenzen zum Feuerelement oder der Sonne verwendet:

  • Zimt, Nelken, Weihrauch, Myrrhe aber auch Zedernholz und vor allem Lorbeer für den Gott in seiner Form als Sonnengott und Lichtgott Apollon oder Bel/Balder und Rosmarin für die Göttin in ihrer Repräsentation als Artemis/Brigid/Freya.
  • Der Lorbeer hat als heilige und heilende Pflanze eine lange Tradition: Schon die Orakelpriesterinnen in Delphi verwendeten ihn, wahrscheinlich schon in der Zeit der alten Erdgöttin Python, bevor Delphi zum Orakeltempel des Apollon wurde. Zu Heil- und Reinigungszwecken eingesetzt wurde Lorbeer  im Heiligtum des Asklepios und bei Ritualen zu Ehren der Göttin Ceres oder der keltischen Cerridwen. Der Rauch des Lorbeer hat eine erdhafte und eine sprirituelle Note.
  • Auch mit Salbei wurde und wird in der Zeit geräuchert, ein Brauch, der ebenfalls aus dem Mittelmeerraum stammt. Nicht verwechseln mit “Sage” dem Steppenbeifuss der amerikanischen Ureinwohner.

Viele der anderen genannten Düfte sind uns bereits aus dem allgemeinen Weihnachtsbrauchtum vertraut. Sie wirken stimmungsaufhellend und vertreiben die Schatten des Winterblues. Es ist die Zeit der Neuanfänge und um die guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Jetzt wird das Samenkorn für ein gutes neues Jahr gepflanzt. Wir können Bernstein oder Tigerauge als Glücksbringer verschenken, die sowohl die Sonne als auch den glücklichen Wechsel versinbildlichen.

In allen Traditionen, sei es nun historisch oder neuheidnisch, aber auch traditionell christlich wird in dieser Zeit gefeiert und die Hoffnung auf gute Zeiten ausgedrückt.

Häufig auch durch Geselligkeit bei gutem Essen:

  • Truthahn, Gans, reichhaltiges Gebäck wie Stollen und Früchtekuchen, Glühwein oder Punsch.
  • Und natürlich darf der sonnenhafte Met aus dem Honig des Sommers nicht fehlen, am Besten als Heissgetränk.

 

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***Die herrschende Vorstellung der kosmischen Eltern, einer Allmutter (der mondhaften Göttin) und eines solaren Jahresgottes (der Vegetation) ist relativ generisch. Viele Wicca haben ihr individuelles Götterpaar, wobei auf unterschiedliche Kulturen zurückgegriffen wird: Graeco-Romanische, Nordische, Keltische oder Slawische Traditionen, beispielsweise. Sogar eine christlich geprägte Variante mit Maria und Jesus als Mutter/Sohn Paar gibt es in den USA. Da Maria oft mit der Mondsichel abgebildet und Jesus als wiedererstehendes Licht gefeiert wird – für naturreligiöse Christen erscheint diese Tradition nicht abwegig.
  • “Alle Göttinnen und Götter sind eine Göttin und ein Gott”.
Somit handelt es sich beim Wicca um naturreligiös motivierten Pantheismus. Die Ritualistik hat allerdings deutliche Bezüge zum inselkeltischen Brauchtum, aber auch zum Freimaurertum und zu hermetischen Orden, wie “Golden Dawn”.
***Herne,the Hunter aus Shakespeares “Merry Wives of Windsor” hat wohl Wurzeln sowohl in einer historischen Figur, dem berüchtigten Wilderer Richard Horne, aber auch bei mythischen Gestalten wie Odin mit der Wilden Jagd. Er ähnelt damit Robin Hood, oder Figuren des Nibelungenliedes und der Artus-Sage. Odin als Waldgeist kennen wir im Märchen in der Gestalt des Rübezahl.
 

christmas_flower_by_kmygraphic-daroyvx Animation: ©kmygraphic

Posted by on Dezember 19th, 2016 2 Comments

Magie des Kreises

Im Magischen Kreis

Tanz im Magischen Kreis
Circle of Friends ©scrano 2014

Through the power of my wand
is the magic circle cast.
A place protected, a sacred room,
Safely within the Great Mothers’ womb,
from the profane world set apart.
With Air and Fire this Circle I start
With Water and Earth, my Circle is complete,
Where we come together
To will, to dare and keep silent after we meet.
 

In der Welt der Magie gilt häufig: Ohne Kreis kein Ritual. Aber nicht nur in der Welt des Okkulten oder Arkanen findet man ihn. Der Sinn eines magischen Kreises, ist es einen Schutzraum zu schaffen, aus dem Faktoren ferngehalten werden sollen, welche die Vorgänge innhalb des Zirkels stören würden. Weiterhin soll er das fokussieren, was in einem solchen Kreis gewirkt wird.

Der Kreis dient als Portal zum Reich des Spirituellen, als Schutz vor negativen Kräften und einfacher als psychologisches Werkzeug, um sich in den richtigen Seelenzustand zu versetzen. Daher empfiehlt sich auch vor ausgedehnten Meditationsübungen ein Ritual zum Schaffen eines  magischen Raums – man kann diesen durchaus als eine Art Blase oder Sphäre visualisieren. Schamanen errichten ebenfalls einen schützenden Kreis vor Heilzeremonien oder heiligen Ritualen. Das sogenannte indianische Medizinrad ist auch nur ein magischer Zirkel, wobei ich nicht sagen kann, wieviel daran noch authentisch ist, oder was von den New Age Gurus dazugedichtet wurde.

Ein wichtiger Teil der Kreis-Einberufung ist der Umgang mit dem Sonnenlauf: Deosil ist die Richtung für die Invokation. Etwas, dass auch Circumambulation genannt wird, und auch Freimaurern bekannt vorkommen dürfte. Löst man den Kreis am Ende wieder, so geht man widdershins, also entgegen dem Sonnenlauf.

Ein einfaches Kreis-Ritual, wie das Anrufen der vier Elemente und des Geistes genügt meistens. Hierbei fängt man mit dem Osten an, ruft das Element der Luft, geht zum Süden und den Feuer, wendet sich dann nach Westen zum Wasser und endet im Norden, bei der Erde. Letzteres dient auch zum Zentrieren. Zum Schluss wird das Element des Geistes angerufen. Wer es komplizierter braucht, kann beim “Lesser Banishing Ritual of the Pentagram” nachlesen.

Statt an die Elemente kann man sich auch an die vier Winde oder Himmelsrichtungen wenden, wie es heute noch bei den Nomaden der mongolischen Steppe Brauch ist. Auch das Anrufen von Erzengeln als Wächter des Kreises war besonders in der Renaissance-Magie üblich. Raphael im Osten, Michael im Süden, Gabriel im Westen, Uriel im Norden. Diese Vorstellung ist auch in die Bildwelt des Tarots eingeflossen, z.B. in den Karten “Die Liebenden” oder “Das Gericht”, die jeweils Raphael und Gabriel zeigen.

An sich genügt es bei der Circumambulation den Kreis zu visualisieren, ihn symbolisch mit der Hand oder einem Zeigeinstrument (Stab) zu zeichnen. Häufig kommen zum Markieren des Kreises trotzdem Materialien wie Salz (Reinheit, Schutz) oder einfach weisses Mehl zum Einsatz. Auch mit Kerzen, z.B. vier für die Elemente oder 13, wie die Zahl der Mondzyklen, entlang des Umfangs werden magische Räume geschaffen. Man kann auch ein Pentagramm auf den Boden zeichnen, dieses symbolisiert neben den Elementen zusätzlich den Menschen und das Leben allgemein (Geist+dingliche Welt). Auch die VeVe des Voodoo werden als Schutz- und Invokations-Sigillen verwendet, zusammen mit einem oder anstelle eines Kreises. Beim Aufheben eines magischen Kreises wird den herbeigerufenen Schutzmächten gedankt, man verabschiedet sie höflich und respektvoll.

Die beliebten Rundtänze im Volksbrauchtum von Völkern auf er ganzen Welt haben ebenfalls ein wenig vom magischen Kreis: Oft spiegeln sie den Sonnenlauf, oder Zyklen des Lebens wieder.

Der Kreis an sich ist schon ein solares Symbol, in Alchemie und Astrologie steht er für den Geist, den Wesenskern, das Zentrum. Die geschlossene Form des Kreises übt von jeher eine Faszination aus, sie vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit. Schon bei den beliebten Keramik-Kerzenleuchtern aus Mexico: “Circle of Friends” kann man das sehen. Besonders die Steinsetzungen aus der Megalith-Zeit sind oft in Kreisform angeordnet, bei Stonehenge haben wir quasi eine Art überdimensionalen “Circle of Friends” vor uns, vielleicht um den Schutz der Ahnen anzurufen? An den antiken Rundtanz erinnert die volkstümliche Bezeichnung “Giants Dance” für das neolithische Monument. Im Inneren der Anlage befinden sich weitere Steinkreise in konzentrischer Anordnung. Gemeinsam bildeten sie auch einen Kalender für Sonnen- und Mondfinsternisse. Im zentralen Bereich stehen die Preseli-Bluestones, die mit Heilritualen in Verbindung gebracht werden, da sie vom Ort einer uralten Heilquelle in den walisischen Bergen extra hergebracht wurden – unter beträchtlichen Mühen, eine unglaubliche Leistung.

Den Kreis kann man auch als  Abbild des ewigen Kreislaufs von Werden und Vergehen begreifen, und damit wie die Lemniskate, als ein Sinnbild für Unendlichkeit. Eine Lemniskate im 3-dimensionalen Raum ist ein verdrillter Kreis, ein sogenanntes Möbius-Band, dessen Enden man durchtrennt und um 180° gedreht wieder verbunden hat. Mit dieser mathe-magischen Figur hat sich vor allem der niederländische Graphiker M.C.Escher beschäftigt.

Und hier noch ein klassischer Hexen-Kreis, wie ihn sich Maler im 19. Jhd. vorgestellt haben:

Die Frau auf dem Bild scheint Medea zu sein, die kolchische Zauberpriesterin, oder auch Circe, sie ist wie die Landschaft ein mediterraner Typus, auch das Kleid trägt Abbildungen von attischen Vasen als Verzierung. Allerdings gehört zu ihrer magischen Ausrüstung eine Sichel, wie sie sonst nur Druiden besitzen. Die Raben, in der griechischen Mythologie mit der Unterwelt assoziert (Kronos, Pluto, Hekate), verharren vor der magischen “Spur”, sie können nicht in den Zauber-Kreis vordringen. Im Hintergrund sieht man eine Höhle, wie von den Sybillen bekannt, vielleicht ist sie auch ein Portal zum Hades …? Es könnte sich um Nekromantie  – Beschwörung der Schatten der Unterwelt (Gestalten in der Höhle) zum Zwecke der Zukunftsdeutung handeln. Die Wächterfigur am Höhleneingang wäre dann Hekate.

The Magic Circle, John William Waterhouse [Public domain], via Wikimedia Commons

The Magic Circle, John William Waterhouse
quelle:wiki

Salamander glühe,
Sylphe verschwinde,
Undine sich winde
Kobold (Gnom)  sich mühe !

Wer sie nicht kennte,
Die Elemente,

Ihre Kraft und Eigenschaft,
Wäre kein Meister
Über die Geister.

Eine eher humorvolle Element-Anrufung, aus Goethes Faust.

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Posted by on Dezember 18th, 2016 Kommentare deaktiviert

Sacred Pleasure: Fruchtbarkeit und Religion

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Fruchtbarkeit als ewiger Antrieb des Schöpfungskreislaufs.
Fertility rites ©scrano 2016 model:faestock

Wann begannen sich die Menschen überhaupt verstärkt für dieses Thema zu interessieren? Wahrscheinlich mit dem Beginn des Agrarzeitalters am Ende des Mesolithikums – wobei die Szenarien, in deren Zusammenhang dieser Begriff von  Sesshaften oder durch wandernde Hirtenvölkern gebraucht wurde, sich nach einiger Zeit auseinander entwickelten. Zu der Fruchtbarkeit der Natur stand die eigene Reproduktionsfähig nun auch vermehrt im Mittelpunkt der sich neu formierenden Gesellschaften, da das Überleben der Gruppe immer stärker von einer gewissen Kopfzahl abhing:

Bauern brauchen Feldarbeiter, und Schutztruppen um ihr Land oder den Zugang zum Wasser zu sichern, Hirten Verteidiger und Pfleger der Herden. Daneben musste noch Alltagsarbeit verrichtet werden. Ausfälle durch Kindersterblichkeit waren hoch, besonders am Anfang des Neolithikums, wegen der ungewohnten Ernährung, oder durch Zoonosen, durch enges Zusammenleben mit dem Nutzvieh. Selbst für die fischenden Küstenkulturen am Ende des Mesolithikums galten solche Überlebensbedingungen bereits. Mit der Entwicklung von Städten dynamisierte sich der von der neolithischen Revolution eingeleitete gesellschaftliche Strukturwandel dann nochmals verstärkt.

Wie immer in der menschlichen Geschichte bleiben Probleme bei der Existenzsicherung und im Zusammenleben nicht aus: Wo also Hilfe holen, wenn man sich in seiner Not an höhere Wesen wenden will? Welche neue Form von Magie oder Religion impliziert die neue Lebensweise?

Dass weibliche Tiere durch Geburt neues Leben hervorbringen war den Menschen bereits zur Jäger-und Sammler Zeit hinlänglich bekannt – auch ein Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus und den Mondphasen war wohl schon ein Bestandteil mancher Kulte. Eine mythische Herrin der Tiere kennen auch viele Schamanenkulturen auch heute noch – sie gibt Leben, wo vorher Tod war, aus den Knochen des erlegten Wildes regeneriert sie durch Neubeseelung die jagdbaren Bestände. Daher musste man den Tieren unter ihrem Schutz Respekt erweisen, damit ihre Seele unbeschadet blieb, die Knochen legte man im Wald unter besondere Bäume, oft die Form des Tieres nachahmend. Zeugnisse solcher Vorstellungen finden sich heute noch bei tungusischen Völkern oder der „Büffelfrau“ der Cheyenne. Man kann also wahrscheinlich von einer  weitverbreiteten weiblichen Schöpfer-Urgestalt ausgehen, die parthenogenetisch alles hervorbringt, was auf der Erde lebt. Ihr Symbol war wohl der Mond.

Wie ging es weiter? Jäger brauchen die mondhellen Nächte für ihre Beutezüge, Agrargesellschaften nutzen aber vor allem das Sonnen-Licht des Tages. Man merkte bald, dass es  zudem vielfältige zusätzliche begünstigende und schädliche Einflüsse gab, die Ernte oder Ertrag der Viehherde beeinflussten.

Ganz zu Anfang waren dies hauptsächlich Bodenbeschaffenheit der potentiellen Äcker und das Wetter, welches Temperatur und Wasserreserven bestimmte.

Wie man aus den Ursprüngen der Sesshaftigkeit weiss, z.B. Catal Hüyük in Anatolien, war das Urweibliche immer noch prägend für die Spiritualität.  Die Magna Mater hatte jedoch plötzlich auch solare  Symbole, neben der Mond-Kuh (Hörner) und der Doppelaxt, die für die Mondphasen und die Axis mundi stehen, trifft man jetzt auf Raubkatzen, besonders Löwinnen. Selbst die Urmütter in der Neuen Welt (z.B. Coatlicue) zeigen von Anfang an Raubtierkrallen oder Zähne. Das weitere Element, das jetzt ins Spiel kommt, ist die Schlange, auch dieses Symbol ist global. Sowohl Schlange als Axt (später dann Thorhammer, Donnerkeil) sind auch phallisch, letztere wird auch als magisches Requisit für das Wettermachen (Blitzaxt) angesehen, viele der Grossen Mütter tragen sie als Machtinsignie.

Also, zu Beginn des Neolithikums vor  ca  5000-8000 Jahren, je nach Klimazone, war im spirituellen Bereich noch alles im Kern mutterzentriert. Auch die universellen Meeresgottheiten der Fischerkulturen waren wohl weiblich, schon weil der Mond die Gezeiten regiert. Man kennt das immer noch bei den Inuit, mit ihrer Göttin Sedna. Alle diese Vorstellungen und Symbole begegnen uns bis in die Bronzezeit, besonders in Kleinasien und auf Kreta, aber auch bei den Kelten.  Diese Mutterfiguren sind häufig dreigestaltig, herrschen über Erde und Unterwelt, Tag- und Nachthimmel. Sie besitzen einen Jungfrau-Aspekt, der ihre Unabhängigkeit und Zeugungskraft betont – aus sich selbst heraus schaffend und sich zyklisch regenerierend. Sie sind auch kriegerisch und nicht immer angenehm. Einige Überbleibsel der chtonischen, destruktiven Natur finden wir in der indischen Kali, die trotz des furchteinflössenden Äusseren -blaue Haut, Krallen und herausgestreckte Zunge – als Verkörperung der Grossen Mutter und Beschützerin angesehen wird. Auch die zweite Variante der indischen Grossen Göttin, die der Rhea/Gaia/Kybele ähnliche Durga wird mit Löwinnen abgebildet. Lediglich die Dritte im hunduistischen Göttinnnendreigestirn, Parvati kommt ohne angstbesetzte Aspekte aus.

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Schlafende Dame aus Hal Safieni, Malta. Ein Form der chtonischen Urmustter.
Wie viele der steinzeitlichen Göttinnen hat sie recht üppige Formen.
quelle: PD via wiki

Exkurs: An dieser Stelle sollte man anmerken, dass wie im letzten Absatz angedeutet, diese weiblichen Universalgöttinnen durchaus zerstörerisch und gewalttätig sein konnten, sie waren auch regelrecht unberechenbar und leicht erzürnt – da sie auch für die gefährlichen Risiken und Nebenwirkungen der Natur standen. Und Gesellschaften, die eine matrizentrierte Religion ausübten waren genauso kriegerisch wie die späteren patriarchalen – die Zeiten waren hart, man musste sich verteidigen, oder vielleicht auch anderen Wasser- oder Landrechte streitig machen. Und dass Seehandelsvölker wie die Kreter nicht auch als Piraten unterwegs waren, wenn es nichts zu handeln gab … siehe Wikinger & Co. Ob in diesen Kulturen ein regelrechtes Matriarchat geherrscht hat – eher unwahrscheinlich, allerdings waren egalitäre Gemeinschaften durch eine solche Religion begünstigt. Ein Anzeichen dafür ist die Exogamie, der Mann heiratet in die Sippe der Frau ein, oder die Partnerwahl ist frei, mit Promiskuität beider Geschlechter vor der Ehe.

Aufzeichnungen über Kulthandlungen und religiöse Vorstellungen findet man vor der Erfindung der Schrift nur spärlich, in Felszeichnungen, Wandmalerei oder Skulpturen. Daher muss man vieles aus den Bildzeugnissen herauslesen – oft erschliesst sich der Sinn erst im Bezug zur Architektur, Landschaft oder besonderen Örtlichkeite der Funde. Die Interpretation ist immer auch ein wenig vom Zeitgeist gesteuert. So werden Kuhhörner als männlich (Stiersymbolik) gedeutet, oder als Mondsichel und Darstellung weiblicher Fortpflanzungsorgane. Auch wenn Marija Gimbutas heute angegriffen wird – Rinderschädel stammten oft von Kühen, deren Hörner noch nicht weggezüchtet waren – und die Analogie ist schon sehr deutlich. Auch das stark mütterliche Element der milchspendenden Tiere kommt als Einflussfaktor hinzu. Erst zur Zeit der sumerischen Stadtgründungen, z.B. in Uruk, werden dann wirkliche schriftliche Zeugnisse über religiöse Praktiken und Mythen überliefert. Männliche Symbolik wird tatsächlich stärker sichtbar erst mit dem Auftauchen von widderhörnigen Gottheiten und regelrechten Phallusdarstellungen, etwa bei Amun (Min), und geht einher mit der fortschreitenden Verstädterung sowie der Ausbildung von ausgedehnteren Reichen mit Armeen.

Um die sich vollziehende Wandlung zu verstehen,  ist als wichtigste Gottheit einer der ältesten Zivilisation im Zweistromland wohl zweifellos die sumerische Inanna heranzuziehen. Sie steht zwischen den alten eher matrizentrierten universellen Göttervorstellungen und einem sich bereits abzeichnenden komplexeren Pantheon, mit dann immer wichtiger werdenden männlichen Figuren. Inanna besitzt noch ein ganzes Arsenal von Attributen, die weiblich und männlich zugleich sind: Kuhhörner – Mond, Venus-Stern (8-zackig), Blitz-Axt (Labrys), solare Löwinnen, schliesslich Eulen und die Schlangen in ihrer Form als Nachtdämonin Lilitu.

Wie die Herrin der Tiere  in den alten schamanischen Kulturen ist sie ein Formwandler und Hermaphrodit  – letzteres auch eine Eigenschaft, die damals in Einheit mit dem Begriff „Jungfrau“ gesehen wurde: Zeugerin und Empfangende, sich stets erneuernde Gebärerin.  Ihr Sternbild, Virgo – damals hiess es schlicht  Ackerfurche:

  • „Ich bin die jungfräuliche Ackerfurche und der befruchtende Regen“, heisst es in den Gesängen der Inanna.
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Abb 1: Inanna als Herrin von Himmel und Erde.
Quelle: PD via wiki

Mit der Zeit wurde die Götterfamlie, wie bereits angedeutet,  immer komplexer, Aspekte der Urgöttin, z.B. solare wurden dann Brüdern oder Vätern übertragen. Auch die dunkle Seite der Natur, Tod und Unterwelt waren ursprünglich ebenfalls in der einen Göttin vereint – im sumerischen Mythos zeigt sich hier auch eine Abspaltung, in Form der Ereskigal – als Schwester von Inanna. Die Himmelswelt wird zunehmend dual – göttliche Paare treten auf, noch sind sie einigermassen gleichberechtigt.

Diese Einführung einer himmlischen „Soap Opera“ lag auch daran, dass man immer mehr Himmelsbeobachtung betrieb, um zu einer genaueren Kalendergrundlage zu kommen. Viele der Himmelsdramen wurden in Mythen umgesetzt, Bewegungen auffälliger Himmelskörper göttlichen Wesen zugeordnet:  z.B. der heliakische Aufgang der Spica, Hauptstern der Jungfrau, bei gleichzeitigem Untergang des Stier. Dieses Ereignis leitete an Euphrat und Tigris den Beginn der Aussaat ein. Daher gab es auch einen mythologischen Hintergrund: Inanna steigt zum Himmel auf und schickt den Stier, der eigentlich die Himmelsachse dreht,  auf die Erde. Ursprünglich war dieser als Strafe für den unbotmässigen Gilgamesch gedacht, der die Bestie jedoch zähmt und dem Menschen als Pflugstier nutzbar machte.

Wie auf dem Bild Abb. 1 zu sehen ist, herrscht Inanna allerdings noch über das Wetter, nicht nur über die Ackererde. Sie hält Blitzbündel in der Hand – ein untergeordneter Gott (Wassermann?)  giesst das Regen-Nass auf den Boden.

Hinter ihr fährt der Windgott Adad, ihr Bruder den Wolkenwagen.

Neben den astronomischen und kalendarischen Überlegungen der Ackerbauern ging mit der Verstädterung natürlich auch ein immer komplexeres Sozialgefüge mit immer stärkerer Aufgabenteilung und Weltzugewandtheit einher – der Fernhandel begann sich zu entwickeln, ein Rechtssystem wurde eingeführt, z.B. der Codex Hammurabi.  Für derlei neue Dynamiken wollte man auch entsprechende Zuständigkeiten in der Götterwelt angesiedelt sehen.

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Abb 2 Gilgamesch zähmt den Himmelsstier. Quelle: PD via wiki

Doch zurück zur Fruchtbarkeitsgöttin: Eines ihrer Hauptattribute war die Zuordnung Inannas zur Venus als achtzackigem Stern, wie in Abb 2. – wieso?  Nun, man erkannte, dass  der Morgen-bzw. Abend-“stern“ einen Hell-Dunkelzyklus aufweist, wie der bereits weiblich besetzte Mond. Die acht Strahlen deuten darauf hin, dass man im alten Sumer schon den Zyklus der unteren Konjunktionen der Venus kannte, die das berühmte Himmelspentagramm im Verlauf von acht Erdjahren aufspannen. Daraus ergeben sich für den Planeten Venus 13 Umläufe – der Mond wiederum kommt auf 13 Voll-Zyklen in einem Jahr, daher waren sowohl der naheliegende Mond als auch die Venus, welche auch beide zyklische Phasen durchlaufen, mit dem göttlich Weiblichen verbunden.

Diese astronomisch/astrologische Verquickung ist etwas, das alle späteren Fruchtbarkeitsgöttinnen, neben der uns heute paradox erscheinenden „Jungfräulichkeit“ eine lange Zeit gemeinsam haben werden.

Wie gestaltete sich nun, vom Zweistromland und den frühen indoeuropäischen Volksgruppen ausgehend,  die weitere Entwicklung der Fruchtbarkeitsgöttinen? Wenn man das Etana-Mythos liest, wird darin Inannas Stellung bereits stark in die göttliche Familie der Stadtkultur integriert – mit starken Nachteilen für die göttlich weibliche Unabhängigkeit.

Inanna beklagt sich bei ihrem Bruder, dem SONNEN-Gott, dass ein Adler und eine Schlange ihren heiligen Baum, den sie für das Holz ihres Thrones verwenden wollte, streitig machten.: Der vertreibt die Schlange und tötet den Adler – Inanna baut sich also ihren Thron – um welchen Preis?

Schlange und Adler sind urschamanische Symbole für männliches und weibliches Prinzip, die  im Weltenbaum ungetrennt leben und ihn beschützen.  Die Welt ist nicht genug, scheint Inanna zu sagen, indem sie ihn fällen lässt, um ihre Herrschaft nun durch äussere Zeichen zu legitimieren. Dies gelingt ihr jedoch nur mit Hilfe eines Mannes, ihrer Bruders. Auch der Versuch, einen Anspruch auf das Reich ihrer Schwester Ereskigal in der Unterwelt zu erheben scheitert, wieder muss ein Mann sie retten. Beides sind Pyrrhus-Siege, durch Verkennung der wahren Natur der Welt – Vorrausblick auf einen grundlegenden Paradigmenwechsel und  einer damit verbundenen Abwertung der weiblichen Rolle in der Schöpfung.

Beltane - jetzt beginnt der keltische Sommer, er dauert ein halbes Jahr. Beltane ©scrano 2016

Die heilige Hochzeit von Sonne und Mond an Beltane,
dem keltischen Fruchtbarkeitsfest schlechthin.
Beltane ©scrano 2015

Doch weiter mit der Fruchtbarkeit: Noch sind allerdings die Jungfrau-Göttinen von Sex und Überfluss angesehen. Hathor in Ägypten, deren solarer Furcht-Aspekt, die Löwin Sechmet zur wohltätigen Miezekatze Bastet mutiert,  die zypriotische Aphrodite, und die nicht mehr so wilde Inanna, nun als Ishtar in Babylon verehrt, die kretische „Grosse Göttin“, wahrscheinlich die am längsten existierende, echte universelle Magna Mater und Herrin der Tiere im europäischen Raum, aussser der syrischen Atargatis und der kleinasiatischen Kybele. Doch sind diese in hellenistischer Zeit schon mehr auf den mondenhaften Teil der Anima ausgerichtet, und passen daher immer noch ins Gesamtbild der Spätantike. Diese Art Mutterkult fand sogar noch Anhänger im alten Griechenland – z.B. in Ephesus, oder im multireligiösen Rom. Der wildere und kriegerische Anteil landete beim schwachen Abklatsch der einst mächtigen Herrin der Tiere: Jungfräulichen Jagdgöttinnen wie Artemis oder Diana, aber immerhin noch ebenfalls bei der Liebesgöttin Aphrodite. Diese hatte einen Fuss wohl immer noch im Zweistromland, und deutliche Wurzeln bei Inanna/Ishtar/Astarte, also einen Migrationshintergrund. Sie bescherte dem eher biederen und androzentrischen Pantheon der Griechen ein wenig Glamour und Unberechenbarkeit – ein bisschen Sex soll auch mit im Spiel gewesen sein … Und sie konnte sich durch ein Bad jederzeit zur Jungfrau zurückwandeln …

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Kybele, Magna Mater aus Kleinasien. Ihr Kult bestand noch im alten Rom.
Ihr zu Ehren gab es Stieropfer, ihre Priester waren Eunuchen.

Generell wird in der Antike dem Lustfaktor im Sexleben durchaus noch Platz jenseits der Verklemmtheit der späteren Patriarchen und einer Reduktion auf reine Reproduktion  eingeräumt – allerdings hauptsächlich im Orient: Lebhafte Beschreibungen der Orgien von Bubastis, zügelloser Hathor-Feste oder der Tempelprostitution in den Heiligtümern von Ishtar und selbst der Aphrodite auf Delos liefern dafür Beweise. Wenn auch es auch für die mythischen Geliebten der Fruchtbarkeitsgöttinnnen kaum ein “Happy End” gab: Orion starb durch den Skorpion seiner schmollenden Artemis, Adonis, Attis, Tammuz (Dumuzi) die Gefährten der Kybele, Atargatis oder Inanna nahmen auch kein gutes Ende. Die Angst vor der weiblichen Sexualität als Ausdruck der Macht über den natürlichen Lebenskreislauf war immer noch gross, so dass man sich deren reproduktiver Kraft ohne Risiken bemächtigen wollte.

Was die alten Fertilitäts-Idole ausser der ägyptischen Bastet im Laufe der zivilisatorischen Entwicklung zusehends auszeichnet, ist eine deutliche Unabhängigkeit von Mutterpflichten – jetzt werden Vollmondaspekt und Venuseigenschaften voneinander getrennt. d.h. Mutterschaft und Leidenschaft oder Eros driften auseinander.  Kinder und Ehe gehören nun zusammen, sie unterstehen Göttinnen, nunmehr blosse Gemahlinnen, deren eigene Zeugungskraft negiert wird. Zuerst passiert dies in den Hirtenvölkern, sie erlangen immer mehr die Kontrolle über die Fruchtbarkeit ihrer Herden, sie beginnen zu züchten, dadurch wird die eigene Vermehrung auch zusehends unter diesem Aspekt gesehen – die Rolle der Frau als passive Gebärerin und als Besitz des Mannes nimmt ihren Anfang. Für fruchtbare, grüne Weiden war den Hirten der regenspendende Himmel wichtiger als das Land, über das sie zogen. Die Hausmacht beim Wettermachen hatten aber inzwischen männliche Kriegs- und Sturmgötter übernommen: Als Ausdruck davon wird die Zeuger-Rolle des Mannes als Ebenbild des Regengottes daher überhöht. Sehr deutlich kommt die im Mythos von Zeus und Danae zum Ausdruck – ein goldener Regen, eine Gestalt des Zeus, schwängert diese. Auch Grossvater Uranos war schon ein ewig Zeugender, ebenfalls eine Verkörperung des Gewitterhimmels, der Winde und der Weite.

Durch allerlei Kunstkniffe wie Schenkel- und Kopfgeburten entsteht in den Zeus-Mythen eine unhängig von Frauen Leben schaffende männliche Gottheit. In den Zeiten davor wäre so etwas wohl als lächerlich angesehen worden. Nur Hera entzieht sich noch einmal dem Alleinherrschaftsanspruch ihres Gatten: Ares/Mars entsteht wohl als letzter Gott der Alten Welt parthenogenetisch aus einer Frau, als Reaktion auf die patriarchalische Usurpation des Zeus mit Athenes Kopfgeburt. Am Ende steht jedoch ein männlicher Götterboss als Wurzel des androzentrierten Monotheismus nicht nur bei den Hebräern.

Solcherlei Glaubensvorstellungen  enden schliesslich mit der abstrusen Überlegung, dass beim Zeugungsakt der Mann der Frau einen fertigen Homunkulus einpflanzt, sie ist also nur  noch ein Brutkasten. Auch die Erblinie und damit der Anspruch auf eigene Besitztümer, wird durch diesen Wandel rein männlich definiert. Kinder sind Besitz, Ehebruch, besonders mit Folgen, eine für die Frau tödlich endender Rechtsverstoss.

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Männliches Fruchtbarkeitssymbol, Phallus.
Freudian Slip? ©scrano 2013

Nördlich der Alpen bietet sich ein ähnliches Bild wie im alten Griechenland: Allerdings haben die Göttinnen Freyja oder Brigid einen unabhängigeren Status als ihre Entsprechungen  im hellenischen Pantheon. Wie Aphrodite/Venus beflügeln sie auch die Künste, befruchten also auch den Geist, doch lassen sie sich von ihrem kriegerischen oder Unterweltaspekt nicht so leicht lösen.

Die wilden Feste der Ägypter haben wir schon erwähnt – die Götterfamile am Nil stellt sich etwas quer: Der Himmel ist hier weiblich, die Göttin Nut überdeckt ihren Bruder-Gemahl Geb.

Auch der Herr über die Nilflut der etwas moppelige Hapi, dessen Sternbild der Regenbringer Wassermann ist – eine männliche Gottheit – mit hermaphroditischen Merkmalen. Die Feldfrucht repräsentiert Osiris in seiner Form als Apis-Stier.  Die Fruchtbarkeit der Menschen und Tiere hingegen hängt immer noch stark vom Allweiblichen ab: Hathor und Bastet sind hochgeschätzt und werden in sehr ausschweifenden Festen verehrt. Die männliche Potenz und Schaffenskraft des Schöpfergottes Amun wird von der Königlichen Gemahlin des Pharao  als Grosse Gottesgemahlin in einem staatstragenden Ritus quasi „hervorgelockt.“  Frauen haben in den Städten am Nil einen höheren Status und gelten nicht als Besitz, aussereheliche Kinder sind keine Schande, etwas was vielleicht mit der afrikanischen Herkunft zusammenhängt. Hier galt lange der Nepotismus im Erbrecht – die Abkömmlinge der ältesten Schwester  bekamen den Besitz übertragen. Erst mit der hellenistischen Überhöhung des Isis-Kults erhält die Mutterschaft ohne Leidenschaft mehr Stellenwert, ein griechisch patriarchalischer Einfluss. Der Sohn Horus erhält nun Erlöserzüge und wird zum Sinnbild der Seele, wie Kore/Persephone in den Mysterien von Eleusis, einem ursprünglich eher ekstatischen Fest zu Ehren der Urmutter Demeter.

Bastet mit Ank und Sistrum.quelle: wikimedia

The Cat and The Fiddle …
Bastet mit Ank und Sistrum.
quelle: wikimedia

Bastet mit lebensspendendem Ankh und uterusförmigem Sistrum – geziert von einem Hathor-Kopf. Quelle:By Gunkarta (Own work) [CC BY-SA 3.0  http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ein Blick hinter Schleier und Tempelvorhänge: Anlässlich der plastischen Schilderungen solcher „Verführungskünste“ in den alten Texten – wie waren die Riten gestaltet, mit deren Hilfe all die Gottheiten aufgefordert wurden ihre Pflicht zu tun …?

Ein Teil der Zeremonien fand natürlich um die heilige Hochzeit statt, dem „Hieros Gamos“, der Vereinigung des weiblichen mit dem männlichen Prinzip. Im Neolithikum war dies der Gemahl der Grossen Göttin, eine Art Jahreskönig, der dann am Ende seiner Amtszeit geopfert wurde – real oder symbolisch. Anklänge davon findet man in den irischen Sakralkönigen – bei der berühmten Einsetzung der irischen Hochkönige auf Tara wurde zuerst ein Kopulationsritual mit einer weissen Stute, der Verkörperung des Landes,  vollzogen, danach wurde das Ross stellvertretend geopfert, der in einem Kessel sitzende neue Herrscher wurde mit dem Blut des Tieres „getauft“.

Hieros Gamos als staatstragendes Ritual gab es wohl auch in Ägypten in einer Zeremonie des Pharaos mit seiner Gemahlin auf der Nilinsel Elefantine, um die Nilschwemme zu sichern.  In symbolischer Form wurde er beim schon erwähnten Ritual der „Gottesgemahlin des Amun“ vollzogen. Aus Sumer und Babylon sind solche Bräuche ebenfalls bekannt, die Göttinnen Ishtar und Inanna galten für den jeweiligen Stadtkönig als Verkörperung des Landes. Umgekehrt war eine Vereinigung einer  auserwählten Adeligen mit dem Stadtgott Marduk die einleitende Zeremonie zum Neujahrfest in Babylon und auch schon in den sumerischen Vorgänger-Städten.

Modern kennt man derlei Zeremonien aus dem hinduistischen Indien – Lingam und Heilige Yoni – stellvertetend für die Vereinigung von Parvati und Shiva werden zum Schöpferfest (Maha Shivatri) mit Milch übergossen, um die beiden Götter anzuspornen – ausserdem sind die Wände des Tempels, der Austragungstätte der „Heiligen Hochzeit“ ist,  voll von eindeutigen Darstellung erotischer Künste. Interessanterweise ist bei der eher partriarchalischen Gesellschaft Indiens trotz alledem die Milchkuh heilig – eine solche gilt als Ursprung des Kosmos – Mama ist eben überall.

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Kosmischer Sex-Akt: Shiva meets Parvati.
Lingam/Yoni, quelle wiki – gemeinfrei.

Gemäss der magischen Korrespondenzprinzipien, die solchen Handlungen unterliegen, praktizierten auch die einfachen Bürger Fruchtbarkeitsrituale – der Bauer mit der Bäuerin in der ersten Ackerfurche vor der Aussaat, nackte Frauen mit einem Besen als Steckenpferd, die so hoch sprangen wie sie sich die Getreidehalme wünschten, Schwangere, die über die Fluren liefen, nacktes Wälzen auf taufeuchten Wiesen. Natürlich gab es auch den jeweiligen Klimazonen entsprechende Symbolik aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Eier sind schon alte Träger von Fruchtbarkeitsvorstellungen, auch vermehrungsfreudige Tiere wie Hasen, oder solche, die ihre Sexualität deutlich zum Ausdruck bringen, wie die lautstarken Katzen lieferten passende Vorlagen.

Das Ei spielt in vielen, auch späteren Schöpfungsmythen ein zentrale Rolle – z.B. bei den Orphikern. Diese Genesis kennt noch eine jungfräuliche Urmutter, Eurynome, die sich aus dem Chaos als Wirbel manifestiert:

Um nicht allein zu bleiben erzeugt sie den Nordssturm, der sich in eine Schlange namens Ophion verwandelt. Sie vereinigen sich und erzeugen das kosmische Ei, von Ophion siebenfach (kosmische Zahl=Anzahl der  klassischen Planeten) umschlungen.  Es zerspringt – heraus tritt Phanes, aus dem alle Planeten und die Sonne entstehen.

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Es tanzt die Göttin im Wirbel des Chaos… Eurynome aus dem orphischen Schöpfungsmythos.
Visitor ©scrano 2016, model:ascent by frozenstocks

Eurynome und Ophion finden ihre Entsprechungen in den Vorstellungen der Gnostiker als Sophia und Demiurgus.

Die abstrakteren Formen des Geschlechtlichen, wie Phallus und Yoni (Freud hätte seine Freud) sind auch schon früh als sexuelle Symbolik belegt, z.B. in der Induskultur von Harappa. Der in unseren Breiten  aufgestellte Maibaum ist ebenfalls so ein Vereinigungssymbol: Baumschaft und Zweigkranz, dazu die meist zweifarbig rot und weissen Bänder, die für Menarche und Sperma stehen. Der Tanz, der diese verflicht, läuft interessanterweise für die Mädchen mit dem Mondlauf – widdershins, ganz dem weiblichen Element Tribut zollend. Die Burschen bewegen sich deosil, nach dem Sonnenlauf.

Eine simple Wasserweihe in der katholischen Kirche hat auch noch solche Wurzeln:  Dreimal taucht der Priester die geweihte Kerze in das Wasserbecken … honi soit qui mal y pense !

Der wirbelnde Schöpfungstanz der Eurynome oder der Reigen um den Maibaum, um „anzubandeln“ –  natürlich, Tänze, die darf man nicht vergessen:

Kein Fruchtbarkeitsritual ohne Musik oder Gesang und Tanz, letzterer war zuerst ein meist gesitteter Rundtanz, um sich dann in mehr und mehr ekstatische Zustände zu entwickeln. Diese Tänze ermöglichten es vor allem der Jugend sich näher zu kommen. Fruchtbarkeitsfeste waren auch ein Heiratsmarkt – nicht nur hierzulande anlässlich Beltane oder des Frühlingsthings, auch von Bubastis ist dies bekannt.

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Bastetfeierlichkeiten waren ausgelassen und boten vor allem den
Frauen grosszügige Freiheiten.

Ägyptische Familien schickten ihre „alten Jungfern“ zu den „Festen der lieblichen Trunkenheit“ um, wenn schon nicht mit einem Mann, dann doch mit einem Kind heimzukehren. Eine kinderlose Frau galt als krank, und für die Familie als schlechtes Vorzeichen. Die abgebildeten Frauen bieten wohl eine antike Variante des Bauchtanzes dar.

Auch die Wurzeln dieses als urorientalisch angesehenen Tanzes stammen aus Fruchtbarkeitsritualen, er ist wohl ein universeller Ausdruck der Schöpferkraft, denn Ähnliches ist auch von nördlich der Alpen aus der Bronzezeit aus bildlichen Darstellungen dokumentiert.

So ist ein gut erhaltenes Mädchengrab aus Dänemark bekannt, das wahrscheinlich die letzte Ruhestätte einer Fruchtbarkeits-Tänzerin darstellte. Sie starb zwar jung, aber eines natürlichen Todes und wurde mit reichen Beigaben beerdigt.

Bemerkenswert: Die goldene Sonnenscheibe mit einem phallus-förmigen Kegel, die als zentrales Schmuck-Element ihres Tanzkostüms, das einem Bauchtanz-Outfit nicht unähnlich war, fungierte. Abbildungen solcher Tänzerinnen zeigen eine akrobatische Darbietung, wobei die Sonnenstrahlen eingefangen und mit dem Kegel zurückreflektiert wurden:
Die lebensspendende Sonne wurde durch den Tanz rituell vom Himmel geholt („drawing down the sun“) und ihre Segnungen auf die Gemeinschaft übertragen. Besonders dem Rock aus Filzschnüren kam in dem Tanz wohl eine besondere Bedeutung zu. Interessanterweise gab es bei den Römern ebenfalls einen Frühlingssbrauch, der mit solchen Schnüren aus Tierhaut oder Wolle verbunden war: Die Lupercalia im Februar, einem Monat der nach diesen Fruchtbarkeits-Riemen benannt war, den sogenannten Februae.

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Bronzezetlicher Fruchtbarkeitstänzerin.

Bronzezeitliche Sonnenpriesterin aus dem dänischen Egdvet: Eigene Interpretation einer gemeinfreien Vorlage von wikimedia.

In Anbetracht der antiken Ansichten über ungesunde Kinderlosigkeit und heute noch existierenden Befürchtungen in Hinsicht auf mangelnde männliche Vitalität– was tun wenn es mal nicht so recht klappen will?

Heute gibt es die „blauen Wunder“, aber was war früher los, mit der Last bei der Lust?

Neben Opferung und Andacht in den jeweiligen Schreinen der zuständigen Gottheiten, bedienten sich unsere Altvorderen durchaus pragmatischer Mittelchen.

Aphrodisiaka und Baby-Booster waren auch damals heiss begehrt. Es fanden vielerlei Möglichkeiten, die Abhilfe schaffen sollten:

  • Pharmazie – Phytotherapie
  • Magisches Ritual (Psychologie)
  • Kombipackung

Das Zauber-Ritual bediente sich häufig der sympathetischen Magie, bei der bildliche Entsprechungen und Ersatzhandlungen eingesetzt wurden: Amulett, Talisman, magische Puppe sind nur ein paar Möglichkeiten. Mit Nadeln und Wachsbildern wurde auch im europäischen Raum gearbeitet, keine Erfindung der Vodun-Religion. Es wurden regelrechte magische Akupunkturen durchgeführt – als Bindezauber in Liebesdingen, aber auch als Heilmittel.

Eine komplexe medizinische Heilzeremonie wurde von Ärzten oder Heiler(innen) durchgeführt, bei der meistens Pflanzenmittel verordnet wurden, aber auch mit Psychologie wurde gearbeitet. Dem Hilfesuchenden wurden etwa Weihehandlungen auferlegt, z.B. Wallfahrten, die waren auch in der Antike, vor allem bei den Kelten sehr verbreitet. Am Ziel gab es oft eine „Wunderquelle“,  in deren Wasser man genesen konnte. Vor allem Frauen mit Kinderwunsch pilgerten zu solchen Orten.

Doch nun zu den Pflänzchen:

Stimmungsmacher waren und sind häufig Gewürzpflanzen. Hier ein paar Beispiele mit ihren astromedizinischen Zuordnugen:

Mondpflanzen wirken auf die weibliche Fruchtbarkeit durch Wirkung auf den Uterus und erleichtern den Geburtsvorgang. Sie sind milchfördernd, wassertreibend und eher anaphrodisisch.

Venuspflanzen regeln die Fruchtbarkeit von Mann und Frau über hormonelle und harmonisierende Wirkung. Da sie häufig wohlschmeckend oder duftend sind, regen sie sie Fähigkeit zu sinnlichem Genuss an. Sie wirken auf die Nierentätigkeit und den Kohlehydrathaushalt.

Marspflanzen steigern die Libido und haben oft eine kräftigende und durchblutungsfördernde Wirkung. Sie wirken immunstimulierend.

Sonnenpflanzen wirken tonisierend und wie Jupiterpflanzen stimmungsaufhellend. Sie wirken auf das Herz-Kreislaufsystem.

Jupiterpflanzen: lebertonisierende Gewächse, Genussdrogen (Wein)

Saturnpflanzen sind wie Mondpflanzen eher anaphrodisisch. Sie sind häufig giftig und wurden als Abortiva verwendet.

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Liebeszauber – oder männliche Wunschvorstellung?
Liebestränke waren zu allen Zeiten der Renner unter den Zaubermitteln.
Love Potion ©scrano 2015, gilrl by twins72 stocks magical brush: obsidiandawn

Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,
Bald Helenen in jedem Weibe.

Goethe, Faust:Der Tragödie erster Teil, in der Hexenküche.

ABC der kleinen Helferlein …

  • Basilikum (Jupiter, Merkur, Mond, Saturn)
  • Chili (Mars, Venus, Mond, Saturn)
  • Gingko (Mond,/Saturn Sonne/Uranus)
  • Ginseng (Sonne, Saturn/Uranus)
  • Ingwer (Mars, Venus, Sonne, Saturn/Uranus)
  • Kakao (Mars, Venus, Mond, Saturn)
  • Koriander (Venus, Mars, Merkur/Jupiter)
  • Mandel (Mond, Saturn, Venus, Pluto)
  • Muskatnuss (Jupiter/Neptun, Merkur (auch Macis))
  • Muskatellersalbei (Mond, Merkur, Neptun/Jupiter, Saturn)
  • Myrrhe (Mond, Saturn),
  • Oppoponax (Venus,Pluto)
  • Petersilie (Merkur, Jupiter, Mond, Saturn)
  • Safran (Venus/Pluto, Merkur/Jupiter), äusserlich ähnlich der sehr giftigen Herbstzeitlose (Venus/Pluto, Mond/Saturn) und ebenfalls -> Hekate geweiht)
  • Thymian (Merkur, Neptun/Jupiter)
  • Vanille (Merkur/Neptun, Venus/Mars) – ein pheromonähnlicher Lockstoff
  • Zimt (Sonne,/Uranus, Venus/Mars)
  • Kapuzinerkresse (Venus/Mars)
  • Wachholder (Mond/Saturn, Venus/Mars)
  • Hafer (Merkur/Jupiter)
  • Kalmus (Mond/Saturn)
  • Estragon (Mond/Saturn, Merkur/Jupiter)
  • Damiana (Venus/Mars, Jupiter/Merkur)
  • Hanf (Neptun/Jupiter – Merkur)

Aber manches heimisches “Unkraut” erfüllt den Dienst auch:

  • Brennessel (Venus/Mars(Pluto), belebende Wirkung
  • Schafgarbe (Panacea – dominant Venus/Mond zu Saturn/Mars) – Duft, Blattform

Oder Obst/Gemüse:

  • Erdbeeren (Venus/Mars, Merkur/Jupiter(Neptun)) – Duft, Farbe

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    ©kmygraphic

  • Granatäpfel (Venus/Pluto) – viele Samen, Form und Farbe
  • Holderbeeren und Blüten (Venus/Pluto, Mond/Saturn)
  • Kürbis(kerne), Venus/Pluto, Jupiter/Merkur, Form, Samen, Üppigkeit
  • Spargel (Mond, Saturn, Merkur, Jupiter) – hier machts wohl eher die Form …
  • Sellerie (Jupiter/Merkur, Mond/Saturn)

Tierische Lebensmittel:

  • Austern (Mond/Saturn) – Konsistenz und Aussehen, Meeresbewohner
  • Garnelen (Mond/Saturn) – Aussehen, Meeresbewohner
  • Oktopus (Mond/Saturn) – Aussehen, Meeresbewohner
  • Meeresfrüchte enthalten viel Eiweiss und Zn, das für die Fruchtbarkeit wichtig ist.

Pilze:

  • Trüffel (Neptun/Merkur, Venus/Pluto) – Lockstoffe

Düfte:

  • Patchouli (Venus/Pluto)
  • Rose (Venus/Mars)
  • Sandelholz (Venus/Mars)
  • Jasmin (Neptun/Merkur, Mond/Saturn)

Wirksame Aphrodisiaka zeichnet eine Dominanz des Mars/Venus Pols aus, wobei die beiden Prinzipien etwa gleich stark vertreten sind.

Zum Thema Tantra und generell ritualisiertem Sex für magische und religiöse Praktiken, ohne Bezug zu Fruchtbarkeit und Fortpflanzung gibt es noch einen weiteren Artikel.

 

Posted by on Dezember 8th, 2016 Kommentare deaktiviert

Samhain: Brauchtum und kleine Rituale

catmasskj

Der “Dunkle Mond”, Hekate, Lilith, “Dunkle Mutter” und mit Pluto verbunden:
Auch in den Jägern der Nacht, besonders Katzen und Eulen steckt dieser Archetyp.

Samhain Nights

When the moon on a cloud cast night
Shone above the tree tops’ height
You sang me of some distant past
That made my heart beat strong and fast

Now I know I’m home at last

You offered me an eagle’s wing
That to the sun I might soar and sing
And if I heard the owl’s cry
Into the forest I would fly
And in its darkness find you by.

So our love’s not a simple thing
Nor our truths unwavering

But like the moon’s pull on the tide
Our fingers touch, our hearts collide
I’ll be a moonsbreath from your side

I’ll be a moonsbreath from your side

Loreena McKennit auf YouTube

Der Tag des keltischen Fests Samhain, das bedeutet schlicht “Sommerende” wird nicht an Allerheiligen begangen, sondern ist der Zeitpunkt des Neumonds im Oktober oder des 11. Vollmonds des Jahres, im November. Der liturgische Kalender der Kelten richtete sich nach den Mondzyklen, im Unterschied zur christlichen Kalendertradition, die auf der Siebentagewoche mit der Betonung des Sonntags basiert. Beide beinhalteten auch noch die Höhepunkte des solaren Jahres und die Äquinoktion. Die willkürliche Festlegung mancher Feiertage, wie Halloween/Allerheiligen auf kalendarische Fixpunkte, vor allem solcher, die einen ursprünglich heidnischen Bezug hatten, wurde von der Kirche durchaus bewusst so gewählt. Dadurch konnte man diese Feste vereinnahmen, sie aber aus ihrem naturreligiösen oder paganen Zusammenhang lösen. Samhain galt als Zeit, in der die Ahnengeister und auch die Sidhe (Feen, Elfen) sich unter den Sterblichen gesellen konnten. Bei den Römern gab es auch Feste, an dem der Orkus offenstand: “Mundus Cereris patet”, eines davon am 8. November, wahrscheinlich der Ursprung des Allerheiligenfests, das eigentlich aus Italien stammt. Diese Zeit ist in unseren Breiten, bedingt durch den nahenden Winter, generell mit den Attributen Tod und Vergänglichkeit besetzt. Der römische Kalender beinhaltete drei solche Grenz-Tage, allesamt Erntefeste, wie der Name Ceres (Demeter) in der Bezeichnung ahnen lässt. Das ist durchaus analog der keltischen Abfolge Lughnasa, Mabon, Samhain und fand zu ähnlichen Zeitpunkten statt. Bei den in ihrer Frühzeit nicht sesshaften Kelten hatten die vier Mondfeste Imbolc, Beltane, Lughnasa und Samhain noch Vorrang noch vor den Sonnenfeiern des bäuerlichen Jahrezeitenkreislaufs. Obwohl man wohl schon im Neolithikum versuchte die beiden Kalendersysteme zu synchronisieren. Manche Archäologen vermuten in den megalithischen Steinsetzungen, wie zum Beispiel den Alignements von Carnac oder dem eindrucksvollen Steinkreis von Stonehenge Anlagen mit der Funktion einer astronomischen Uhr. In die Zeit der Erichtung der ältesten dieser Monumente um 5000 v. Chr. fällt in Mittel- und Nordeuropa auch die Umstellung auf eine Ackerbauerngesellschaft. Alle diese Steinsetzungen haben neben dem Bezug zu den  Sonnenwenden auch eine Ausrichtung auf Eklipsen, solare und lunare. In diesen Finsternissen war für das religiöse Empfinden  der neolithischen Völker die Beziehung der beiden götttlichen Himmelslichter als spektakuläres Himmelsdrama  erlebbar. Auch die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit ist in einem solchen Zusammenhang zu sehen.

Standing Stones Alignements von Menhiren bei Carnac.©beast666

Standing Stones: Alignements von Menhiren bei Carnac.
©beast666

Samhain ist Fest des letzen Viertelmonds oder der “mondlosen” Nacht. Jetzt beginnt die dunklen Hälfte  des Jahres. Die Verbindung des Festes zum Jahrezeiten-Zyklus ist sehr deutlich. Nach Ausreifung der Früchte, nach der Samenbildung, welken die oberirdischen Teile der Pflanzen und sterben ab. Einjährige Blumen vergehen gänzlich. Nur der neue Samen, der den nächsten Kreislauf in sich birgt, überdauert. Die Lebenskraft zieht sich bei zunehmender Kälte ins Innerste der Erdmutter zurück. Diese trägt nun auch nach dem Tod des solaren Prinzps des alten Jahres, bereits das neue Licht in sich, dass sie an Yul wieder in die Welt bringen wird. Wir müssen lernen, Vertrautes und Geliebtes wieder gehen zu lassen und den Tod als Teil des Naturzyklus zu begreifen. Auch dass es nichts dauerhaftes gibt, noch nicht einmal den Tod.


witch_hatIn der Nacht zum 01. November wird in den meisten Hexentraditionen das Übergangsritual zwischen den Welten gefeiert, zu dem Orakelbefragungen und Kontakte mit der Geisterwelt möglich sind. Andere naturreligiöse Gruppen feiern ihr Samhain in der 11. Schwarzmond- oder Vollmondnacht.

Samhain ist eines der acht Eckfeste, die bei den vorchristlichen, europäischen Völkern mit Feuerzeremonien in Verbindung standen:

sam-greeting Kopie

Ab Samhain begibt sich die Sonne in die Obhut von Gaia.
Sie bewahrt sie in ihrem unterirdischen Reich bis Yul.
Little Earth Mother ©scrano 2016

Gottheiten:

  • Gwyp ap Nudd – Herrscher von Anwyn, der Unterwelt/Anderswelt, Gemahl von Queen Mabd, entspricht Pluto
  • Cernunnos, der Herr der Tiere, der Hirschkönig
  • Ceridwen, Cailleach, die Alte mit dem Kessel der Regeneration
  • Dis Pater, Pluto, Hades
  • Hekate
  • Ereschkigal
  • Hel/Holle, der Todes-Aspekt von Freya/Frigg
  • Saturn, Baron Samdi, Papa Legba
  • Jahreskönig, Tammuz, Holly King
  • Orion, Herne
  • Morrigan in ihrer Dreigestalt: Macha, Nemain, Babdh

Symbole:

  • Kessel,
  • Feuer
  • Krähe, Fledermaus, Eule
  • schwarze Tiere
  • Spinnen, Schlangen
  • Kürbis(Rüben)-Laterne
  • Äpfel und Haselnüsse

Rituale:

Räuchern, am besten im Freien, manche der Samhain-Räucherungen stinken, ich sage nur Asa Foetida! Wermut entwickelt auch keinen Rosenduft. Wer kann, entzündet ein Samhain-Feuer, das geht auch im Kamin. In vorchristlicher Zeit man die Ahnen feierlich gebeten in den Kreis der Menschen um das Feuer zurückzukehren. Schwangere Frauen erhofften eine Reinkanation eines Familienmitglieds in ihrem ungeborenen Kind.

Ein wohlriechenderes Rezept:

  • 1 Teil Beifuss
  • 1 Teil Oppoponax oder Myrrhe
  • 1 Teil Minze
  • 1 Teil Salbei
  • 1 Teil Patchouli

Alles im Mörser zerkleinern, dann portionsweise auf Räucherkohle geben.

Gemeinsam essen:

Häufig gibt es Wurzelgemüse, Knollen aber auch vor allem in früherer Zeit auch Fleisch. Es ist der Brauch der  “letzten Ernte”, Tiere, die es nicht über den Winter schaffen würden, hat man jetzt geschlachtet und das Fleisch für die karge Jahreszeit haltbar gemacht. In diesem Zusammenhang steht auch die Martinsgans, das Tier ist zugleich ein Symbol der Grossen Mutter.

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Nein, nicht wegschauen, Vegetarier-und Veganersensibelchen: Das gehört auch zum Leben! Davon abgesehen, dass hier es sich nicht um eine obszöne Tötungsmaschinerie***, wie in unseren Schlachthöfen handelte. Die Tiere gehörten mit zur Familie, man musste sich schon sehr überwinden, und wusste genau, wem man das Überleben im Winter zu verdanken hatte. Heute hat man es leichter, auf Fleisch zu verzichten, damals hing das Leben davon ab, und die Menschen mussten in der Winterkälte schwer körperlich schuften. Mit Soja-Müsli wäre das wohl nicht allein zu bewerkstelligen gewesen. Das war keine Frage von Luxus-Lebensmitteln, sondern von Hunger. Auch für die Tiere, die bei zuwenig Futter im Winter ebenfalls elend zugrunde gehen konnten. Den Aufstieg und die rasante Gehirnenwicklung verdankt der Mensch auch dem Zugang zu tierischem Protein, schon die Grossaffen waren Jäger. Das früher geschmähte Mesolithikum brachte eine “Kulturexposion”, wie man durch neuere archeologische Funde weiss, auch gerade wegen der erstmals systematisch durchgeführten Küsten- und in Anfängen sogar Hochseefischerei. Viele der jetzt zum Vorschein kommenden, blühenden Ansiedlungen lagen an der Küste, oder z.B. im Bereich der Sände des jetzigen Wattenmeers (Doggerbank).

  • Aber heutzutage tut es auch Apfelstrudel, Gemüse-Eintopf mit Kohl, und Kürbis-Suppe mit selbstgebackenem Zwiebelbrot. Oder ein leckerer Kürbiskuchen, mit dessen Rezept man auch Halloween-Muffins backen kann. Wir haben ja Zentralheizung und sind im allgemeinen nur Bürostuhlwärmer.

Man kann auch gemeinsam Maronen am Kaminfeuer rösten, dafür gibt es Maronenröstkörbe mit langem Stiel aus Gusseisen in Kaminzubehör-Läden.

Als Getränk: Heisser Apfel-Cidre mit Gewürzen schmeckt nicht schlecht, ein bisschen für die Ahnen versprengen!

Einen Platz am Tisch zusätzlich decken, oder draussen, wenn der Gartentisch noch auf der Terasse steht, einen Teller mit Speisen anrichten und eine Kerze dazustellen.

  • Das sogenannte “dumb supper“, ein symbolisches Mahl für  verstorbene Familienmitglieder, vor allem des letzten Jahres, auch geliebte Haustiergefährten werden hier bedacht.
  • Ein Licht ins Fenster stellen, ein Brauch der in vielen Gegenden zu Allerheiligen ausgeübt wird, aber vorchristliche Wurzeln hat.

    ouiji

    Ouja Board by sevenoaksart.co.uk

Orakeln:

  • Gerne darf das angestaubte Ouja-Board zum Einsatz kommen. Glaubt bloss nicht den Unsinn über bööööse Flüche und Geister, es ist einfach eine art Do-it-yourself Seance mit nicht mehr Auswirkungen wie etwa Gläserrücken (davon stammt es vermutlich ab) oder Bleigiessen zu Sylvester.
  • Für viele ist Tarot der Klassiker unter den Orakeln. Ich verwende die Karten lieber zur Introspektion.

Entrümpeln und recyceln: Das Thema von Samhain ist auch ein skorpionisches, oder eins des 8.Hauses: Loslassen und Dinge in den natürlichen Kreislauf zurückführen.

Gärtnern: Jetzt ist die beste Zeit, den Komposter zu entleeren, und umzusetzen.

Trick or Treat: Last but not least, der jährliche Spass-Rummel für Kinder!

witch_by_kmygraphic-d9cyderDekoration: Allerlei Nachtgetier, die Halloweenkatze darf nicht fehlen, Fratzen, Masken, Hexenbesen und Hüte. Fratzen-Kürbisse und andere schaurige Laternen, besser als Kerzen, wenn Kinder mit von der Partie sind.

Wer weniger Fasching will:

  • Ich stelle 13 Maxi-Teelichte in Gläsern im Kreis auf, in die Mitte kommt ein grosser Kupferkessel mit Sand, in dem man auch räuchern kann.
  • Dekoriert wird mit Äpfeln, Nüssen und passenden Blumen (Ringelblumen z.B. gehören zum Pluto).
  • Dazu kommen schwarze, silberne und orange Kerzen auf einem Metall-Tablett.
  • Es ist schliesslich auch ein Fest der Stille, nach dem Geisterspektakel.
  • Bilder von verstorbenen Eltern, Grosseltern und Haustieren mit Blumen und Kerzen arrangieren

Man kann auch einen stillen Gang auf den Friedhof machen, oder in die Natur hinausgehen, wenn das Wetter nicht zu scheusslich ist. Bei Freimaurern gibt es den Brauch, verstorbenen Brüdern die symbolischen drei Rosen auf das Grab zu legen: Licht (weiss), Liebe(rot), Leben(rosa), oder Weisheit – Stärke – Schönheit.

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Loreena McKennitt, kanadische Folksängerin, Harfenvirtuosin und Komponistin:

Loreena McKennitts Lieder zeichnen sich durch mystisch beeinflusste Texte aus, gepaart mit der Musik von teilweise mittelalterlichen Instrumenten, wie irische Harfe, Drehleier und Dudelsack. Dominierend sind hierbei traditionelle irische bzw. keltische und orientalische Motive. Sie verarbeitet in ihrer Musik aber auch klassische Themen der britischen Literatur. So vertonte sie romantische Balladen wie “The Lady Of Shalott von Alfred Tennyson und “The Highwayman” von Alfred Noyes sowie mehrere Sonnette von William Shakespeare.

 

***Da ist die Art und Weise wie Löwenbabys als nicht rentabel genug einfach in Zoos eingeschläfert werden, damit angehende Veterinäre was zum Üben haben, schon eher pervers. Obwohl man weiss, das diese Raubkatzen extrem gefährdet sind!  So geschehen in Dänemark, und wer weiss noch wo sonst.

Referenzen “little earth mother”

Posted by on Oktober 24th, 2016 Kommentare deaktiviert

The veil is lifting: To the waters and the wild …

Nun wird der Schleier zur anderswelt gelüftet …

Nun wird der Schleier zur Anderswelt gelüftet …
The Door To Fairie, ©scrano 2015

Stolen Child

Come away, O human child!
To the waters and the wild
With a faery, hand in hand,
For the world’s more full of weeping
than you can understand.

William Butler Yeats
  • Meine Halloweenkarte ist eine Mischung aus Photomanipulation, Fraktalkunst und Digitaler Malerei.
  • Digital Art, a mix of Photomanipulation, Digital Painting and fractal elements.
  • Halloween-Gruss zum persönlichen Gebrauch, kein upload auf andere Seiten.
  • Greeting card for personal use, no redistribution on other sites. If I want to post art on pinterest, twitter, facebook etc. I do it myself. Also, it would be unfair to my stock contributors.
    Questions/Bei Fragen: ambrosia(at)athanor-und-alembik.de

Referenzen/Thanks

Song version of Yeats Poem by Loreena McKennitt.

It obviously inspired John Boorman to his movie:”The Emerald Forrest“, where the fairies or “little people” are the indigenous tribes of the Amazonian.

It is the season to delve into shifted realities again!

It is time to remember our ancestors, relatives, friends or pets we still love, but are no longer with us. Halloween, All souls Night or Samhain and festivals like “Dia de las Muertos” are her to comfort us and give us hope, that nothing is forever, even death.

So, spookiness during these days is not solely Hollywood gore and amusement park horror, “trick or treat “or whatever customs are practiced. It is to remind us of the necessity that things must end in order to be renewed.
The “Circle if Life”. No need to be scared – as long as you keep a clear conscience, nothing dire will befall you.

It has nothing to do with Satanism, as religious zealots try to convince unsuspecting souls, as they prey on them. Satan is their own concept of shoving problems and shadowy sides of human personality on something to blame – a scapegoat. That is why the chap has this ridiculous goat features. An insult to goats, which are nice and useful animals. May be, the are a bit smelly …
So keep your heart pure and be merry, put out candles for souls to guide them home and have supper with family and friends. Visit a cemetery and meditate over matters of life and death. Invite someone from your social circle, who has suffered a loss recently.
AND then go for “Trick and treat” with your kids or carry “Jack o’ Lanterns” through the night. Or light a fire, if this is allowed in your neighborhood – the flames give us warmth and light and are a symbol of eternal life, not hell. Hell in antiquity was a frozen place, sorrowful, cold and barren.

Keep your animals in, especially cats, and more so if they are black. Idiots of all kind could use them for something awful – not a ritual, mind you, but some kind of blasphemy or sadistic crap, that was shown in some equally idiotic Hollywood flic – labeld “occult” or “satanic”.
Believe me, there is NO Satan, only evil people. Danger to animals during Halloween doesn’t come from pseudo-occultists only:

Snakes, owls, bats and spiders – oh my! I quite like depicting spiders and bats in Halloween decorum. All these nightly, useful creatures are often vilified by people. Also owls and cats – even persecuted by life-hating church fathers. I’m still amazed how initially peaceful christian beliefs got warped to fit into power hungry despotism.  Black cats are not only endangered by wannabe satanists. It’s a sad inheritance of monotheism to kill living creatures because they have been or are sacred to other beliefs. A glance on its sources: Meanwhile it is well known, that Echnaton (Akenaton) was a brutal oppressor and instigated a bloody civil war in Egypt. He was far off being a peaceful Hippie Guru, inventing the concept of a “sole truth”, that only he got told from Aton (God). From this root sprouted Monotheism, which is always based on a “revelation“. Echnaton’s demon, a curse that lasts on Judaism, Islam as well.
An all-encompassing God can be only one, who includes everything, not cuts off bits and pieces that do not fit into cultural traditions. And all of these concepts have a Devil, because there is a catch: Who brought evil in the world, if there is only one, only “good” (from our perspective, anyway) deity. So … there goes monotheism, enter dualism (Zoroastrism), hypocrisy, scapegoating and Satan.

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animation: kmygraphic

Posted by on Oktober 22nd, 2016 Kommentare deaktiviert

Magischer September – Erntemond

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Mutter Gaia: Astraia mit dem heilenden Caducceus, Demeter bringt Fülle.
September ©scrano 2016

Am 22. oder 23. September findet die  herbstliche Tagundnachtgleiche statt: Die Sonne steht in der Äquatorebene der Erde und geht an diesem Tag genau im Osten auf und genau im Westen unter. An einem dieser zwei Tage beginnt, astronomisch gesehen, der Herbst. Der September ist der neunte Monat des Jahres im gregorianischen Kalender und hat 30 Tage.

Historische deutsche Namen für den September sind Scheiding, Herbstmond, Herbsting, Engelmonat und Holzmonat, weil jetzt Holz für den Winter gemacht und der Sommer verabschiedet wurde.

Im römischen Kalender war der September ursprünglich der siebte Monat (lat. septem = sieben). 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn jedoch um zwei Monate vorverlegt, so dass die Beziehung zwischen Namen und Monatszählung verloren ging. Dies wird manchmal bei der Übertragung früher verwendeter lateinischer Datumsangaben („9ber“ und „7ber“) übersehen.  Die alte Bezeichnung mit dem Frühlingspunkt im März als Jahresanfang spiegelt die Einteilung des Jahres nach dem Zodiak wieder – die Waage, Herbstpunkt oder Deszendent ist das siebte Zeichen im Tierkreis. Caligula benannte im Jahr 37 den September dann in Germanicus um. Diese vorgetäuschte Ehrung seines berühmten Feldherrn-Vaters war nur von kurzer Dauer, denn nach Caligulas Tod erhielt der September seinen alten Namen zurück.

Am 22. Sptember wechselt die Sonne von der Jungfrau in das siebte Zeichen des Zodiak, die Waage, die auch das siebte Haus regiert.  Nach der Emsigkeit und Detailfreude der Jungfrau kommt nun Perfektionsanspruch und eine Sehnsucht nach Balance und Harmonie dazu. Die Waage setzt sozusagen der Jungfrau ein rosa Rüschenhäubchen auf – oder das Sahnehäubchen auf den Zwetschgenkuchen des September. Waage mit ihrer Herrscherin Venus Urania regiert über Ästhetik, geregeltes Miteinander und  Unparteilichkeit, Jungfrau über Gesundheit, Ernährung, die Rituale des Alltags und Vernunftsentscheidungen.

Lostage im September

  • Wie der Basilius (2. Januar), so der September.
  • September warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr.
  • Am Septemberregen ist dem Bauer viel gelegen.
  • Donnert’s im September noch, wird der Schnee um Weihnacht hoch.
  • Im September die Birnen fest am Stiel, bringt der Winter Kälte viel.
  • Wenn im September viele Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen.
  • Viel Nebel im September über Tal und Höh’, bringt im Winter tiefen Schnee.
  • Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember.

1. September: St. Ägidius

  • Ist Ägidi ein heller Tag, ich dir schönen Herbst ansag.
  • Wer Korn schon um Ägidi sät, nächstes Jahr viel Frucht abmäht.

4. September: St. Rosalia

  • Zu Sankt Veit (15. Juni) geht’s auf die Weid, Sankt Rosal treibt’s Vieh ins Tal.
  • St. Rosalia ist die Schutzpatronin von Palermo und der Mafiosi

8. September: Mariä Geburt

  • Wird Mariä Geburt gesät, ist’s nicht zu früh und nicht zu spät.
  • Zu Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt. Bleiben sie noch da, ist der Winter nicht nah.
  • Ein fiktives Datum, das Bezug zur Mythologie der Sternenjungfrau Asträa aufweist.

11. September: St. Protus

  • Wenn’s an Protus nicht nässt, ein dürrer Herbst sich sehen lässt.
  • Gedenktag des Anschlags auf das WTC

12. September: Mariä Namen

  • An Mariä Namen, sagt der Sommer Amen.
  • Es ist möglich, dass der Name Maria=Marjam ursprünglich nicht hebräisch, sondern ägyptisch ist; dann könnte er bedeuten: „die von Gott (Jahwe) Geliebte, Bevorzugte“. Andere Deutungen (Herrin, Schöne, Stern des Meeres) sind noch unsicherer. Ein Dankfest im Sinne “Maria hat geholfen” – hier bei der Abwehr der Osmanen im 17. Jhd.

14. September: Kreuzerhöhungstag

  • Ist’s hell am Kreuzerhöhungstag, so folgt ein strenger Winter nach.
  • Die Mutter Konstantins, Helena, vielleicht eine britische Druidin namens Eilan, fand wundersamerweise das Kreuz von Golgatha samt INRI-Tafel – nach 300 Jahren! Naja wer’s glaubt- Hinrichtungsgeräte wurden nicht aufgehoben – von den Römern schon gar nicht. Für die christliche Urgemeinde (1. Jhd) war das Kreuz auch nicht wichtig – die Auferstehung war die spirituelle Essenz ihres Glaubens.

16. September: St. Cyrianus

  • An Sankt Cyprian zieht man oft schon Handschuh’ an.
  • Das war früher so, als wir noch Schulkinder waren – in der rauheren Oberpfalz wurden am Morgen für den Schulweg schon Handschuhe und Strumpfhosen getragen. Am Mittag wechselte man wieder in dei sommerlichen Kniestrümpfe. Beim Aufstehen konnte man den Reif auf dem Gras glitzern sehen.

21. September: St. Matthäus

  • Wenn Matthäus weint statt lacht, Essig aus dem Wein er macht.
  • Wenn Matthäus freundlich schaut, man auf gutes Wetter baut.
  • Jetzt ist Herbsttag- und Nachtgleiche, die Sonne wechselt in die Waage.
  • Für Naturreligiöse ist jetzt Mabon, das Fest der zweiten Ernte – das Frucht- und Weinfest.
  • Ab jetzt ist die Hochzeit der Apfel und Birnenernte – es wir gemostet.

26. September: St. Damian und St. Kosmas

  • Sankt Kosmas und Sankt Damian fängt das Laub zu färben an.
  • Heutzutage muss man schon bis zum Oktober warten -ausser bei Kischbäumen.

27. September: St. Hiltrud/Helmtrud

  • Wenn Hiltrud im Kalender steht, wird noch einmal das Gras gemäht.
  • Fallen die Eicheln vor Michael (29. September) ab, so steigt der Sommer früh in’s Grab.
  • Es gibt Eicheln, Buckeckern und Rosskastanien.

28. September: St. Wenzeslaus (Wenzel, Vaclav)

  • Kommt Wenzeslaus mit Regen an, werden wir Nüsse bis Weihnachten ha’n.

29. September: Die Erzengel Michael, Gabriel und Raphael

  • Der Michel zündt’s Licht an.
  • Sind Zugvögel an Michaeli noch hier, haben bis Weihnachten lind Wetter hier.
  • Um Michaelis in der Tat gedeiht die beste Wintersaat.
  • wo ist bei der Engelschar der gute Uriel geblieben – aus der katholischen Engellehre einfach schwups verschwunden?
  • Michael: Feuer – Süden, Raphael: Luft – Osten, Gabriel: Wasser – Westen, Uriel: Erde – Norden
  • Bei den Germanen: Odin’s Tag (=Michael), an Michaelskapellen lagen wohl alte Odinkultstätten. St. Michael ist auch im Keltenland häufig anzutreffen, wo er die Grenze zwischen Heiden- und Christentum bewacht: St. Michael’s Mount, Mont St.Michel, auf dem Glastonbury Tor steht ebenfalls eine Michaelskirche. Der Erzengel besetzt häufig der Platz einer solaren Gottheit, oder wenn eine Drachenlegende involviert ist, bezwingt er die alte Erdmutter.
  • Und last but not least … ab Michaeli wird gebraut.

30. September: St. Hieronymus

  • Von Michel und Hieronymus mach aufs Weihnachtswetter Schluss.
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Sonnenstrahl – gegen erste trübe Tage.
I love sunflowers! ©scrano 2016

Antike Feiertage
- religiöse, staatspolitische, meistens für Cäsar, Augustus & Co, habe ich weggelassen:

  • 21. September – Consualia, zu Ehren von Consus, einem genuin römischen Gott, Beschützer von Saatgetreide und Erntevorräten. Consus war ein Teilaspekt des römischen bäuerlichen  Hauptgotts Saturn (Jupiter aus dem griechischen Pantheon war der Obermotz für die Oberschicht). Beide stmmten u. Umständen noch von den Etruskern (Satre=Saturn).
  • 15-19. September – Beginn der Mysterien von Eleusis, zu Ehren von Demeter- Kore – Persephone, die hellenisierte Form der dreifachen “Magna Mater”. An dieses Datum verlegt George Washington die Grundsteinlegung für das Capitol.

Brauchtum

  • In München beginnt traditionsgemäß seit 1872 das Oktoberfest in der zweiten Hälfte des September, mit dem Auszug der Prunkwagen der Brauerein und dem Bieranstich durch den OB. Früher endete es mit einem Pferderennen in der ersten Oktoberwoche. Ein solches Rennen zu Ehren der Erntegöttin Ops, der Gemahlin von Saturn oder Consus gab es bereits im alten Rom. Im September findet die Hopfenernte statt, Ende des Monats und so richtig dann ab Oktober wird wieder offiziell gebraut. Historischer verfahrenstechnischer Hintergrund – bei untergärigen Bieren konnte nur bei entsprechend niedrigen Tagestemperaturen ein brauchbares Ergebnis erzielt werden. Die nach alten Rezepturen hergestellten Biere, die tagtäglich statt des oft schmutzigen Wassers getrunken wurden, waren im Sommer auch wegen des geringeren Alkoholgehaltes trotz Kellerlagerung schlecht haltbar. Deshalb war das letzte Bier, das im März gebraut wurde, hochprozentiger – Starkbier eben. Dessen in tiefen Kellern lagernde Restbestände wurden dann zum Auftakt der neuen Saison bei den Oktoberfesten ausgegschenkt.

  • In Amerika endet die offizielle Urlaubszeit mit dem Labour Day – passend zum Zeichen der fleissigen Jungfrau.

Magischer September – Korrespondenzen

  • Pflanzen: Ringelblumen, Astern, Dahlien (Venus, Pluto). Eisenhut (Merkur, Jupiter, Mars/Venus). Merkur in der Jungfrau prägt alle Getreide und den Hopfen. Minzen, Salbei, Disteln, auch die Artischocke. Venus prägt jetzt weniger die Blüten als die Früchte: Rose (Hagebutte), Apfelbaum, Weissdorn.
  • Baum: Walnuss, Ross- und Ess-Kastanie, Merkur, Jupiter, bei letzteren auch Mars/Venus – Nüsse und Maroni dienen dem Wintervorrat – in der Toskana wird jetzt aus Edelkastanien Pürree, Süsswaren und Mehl hergestellt. Die rotglänzenden Rosskastanien kann man gut zum Basteln verwenden. Rosengewächse (Venus/Mars) tragen jetzt Früchte: Rose, Apfel, Birne, Zwetschge etc.
  • Duft:  Lemongrass, Lavendel, Minze, Salvia, Heliotrop (Merkur), Rose, Vanille, Ylan-Ylang, Benzoe, Patchouli, Tonkabohne (Venus).
  • Gottheiten:  Hephaistos, Vesta, Ops, Demeter, Merkur, Thot, Venus, Isis, Freyja, Themis, Asträa
  • Zodiak: Jungfrau mit Merkur, Venus Urania (Waage)
  • Steine:  Peridot, grüner Turmalin (Jungfrau), Rosenquarz, rosa Turmalin, Blutstein (Waage)
  • Metall:  Quecksilber – Merkur, Kupfer – Venus
  • Kristalle:  Peridot, Olivin, Achat, Katzenauge, Jaspis (Merkur), Rosenquarz, Smaragd, Opal, Ametrin,
  • Farben: , ockergelb, lavendelblau (Jungfrau), rosa, hellgrün, (Waage)
  • Elementale:   Gnome (Erde), Sylphen (Luft)
  • Tiere:  Zikaden, Grillen, Spinnen – ihre Netze prägen den Altweibersommer Anfang September. Zugvögel (ebenfalls Merkur) scharen sich zu Schwärmen.
  • Mythologische Tiere: Sphinx, Einhorn (Jungfrau), Waagschalen (Waage)

 

Herbstfeuer - ein kleiner Dank.Mabon Altar Schmuckstrauss.

Herbstfeuer – ein kleiner Dank.
Mabon Altar Schmuckstrauss.
©beast666 2015

September-Rituale

Im September ist Mars gut durch schon ein mittleres Teleskop beobachtbar. Er steht dann zwar realtiv tief, aber das Seeing durch sommerliche Hitzeschliren ist schon kein so grosses Problem mehr. Der Sternhimmel wandelt sich zum Herbst – jetzt zieht der Skorpion herauf – Antares zeigt sich neben Mars.

  • Aus Eicheln und Kastanien Figuren basteln – macht besonders Kindern Spass!
  • Maronen rösten … es gibt sie schon zu kaufen – aus der Toskana oder einigen Gebieten in Baden. An Weihnachten sind oft schon recht vertrocknet. Auch eine Aktivität zu Mabon – am besten am offenen Feuer – Kamin oder Grill. Für diese Spezialität werden Maroniröstkorbe angeboten, aus Schmiedeisen mit genug langem Stiel. Wenn man sie frisch erntet, ist das Entfernen der sehr stacheligen Hülle ein kleines Abenteuer. Als wir in der Toskana in der Landvilla eines echten Don (italienischer Adel) unser Feriendomizil hatten, konnten wir von dessen eigenen Maronenbäumen ernten. Mit Hilfe eines MacGyver- und eines Leatherman Tools konnte das pieksige Hindernis schliesslich beseitigt werden. Das Maronenbraten in den “walk in fireplaces” des ehemaligen Gutshauses aus dem 16. Jhd ist dann natürlich noch mal ein ganz anderes Erlebnis! In einem Geschäft in Pienza haben wir auch unseren Röstkorb erstanden. Über unsere Toskanaferien (vier längere Geniesser-Reisen vollgepackt mit Kultur) mit Freund und fünf Katzen werde ich auch noch posten.
  • Aus kleinen Äpfeln, Hagebutten Dahlien, Rosen oder Zwergsonnenblumen Sträusse für den saisonalen Schrein binden. Trockene Gräser und Strohblumen, Sedumblüten, ein paar Efeublätter und Nüsse, Eicheln, Bucheckern sind auch hübsch zu arrangieren. Ein Metallteller mit Teelichten oder Kerzen in Braun, Ocker und Grün bringen noch heimeliges Licht an den früher einsetzenden Dämmerstunden.
  • Blütenstände von Hortensien, Katzenpfötchen, Hagebutten und Ebereschbeeren, Mohnkapseln liefern Basismaterial für Dekos.

Mabon – Frucht- und Weinfest - das zweite Erntefest des Jahres steht an.

Zur Zeit des Waage-Eintritts der Sonne herrscht wieder Tag-und Nachtgleiche – die Natur gewinnt einen Moment der Balance zwischen den Jahreszeiten. Jetzt ernten wir im Garten auf dem Feld oder im Leben, was wir im Frühling gepflanzt haben. Für das Gute, das wir erhalten sollten wir der Grossen Mutter danken, das nicht so Angenehme als Lektion begreifen, die uns nicht brechen, sondern ertüchtigen soll. Zeit einer ersten Jahresbilanz, ein wenig innezuhalten und über Ereignisse des Jahres nachzudenken. Eine Tag-und Nachtgleiche ist ein Wendepunkt, wie bei einer mathematischen Funktion ist er ein Moment des Stillstands, bevor die Bewegungsrichtung sich ändert. Die Wärme des Sommers weicht endgültig kälteren Tagen, der solare Heros muss in den Schoss der Mutter Erde zurückkehren. Sein Scheiden lässt die Menschen trauern, aber trägt auch einen Hoffnungsstrahl in sich – zur Wintersonnwende wird er neu erstehen.

Mabon ist ein Dankesfest, daher sollten wir uns freuen und auch an die Menschen denken und sie in unsere Feste einbeziehen, die uns auf dem Weg durch das Jahr begleitet haben und unsere Erfolge und Miserfolge teilen. Auch der tierische Gefährte verdient unseren Dank!

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Im Zeichen der Rose – Venus herrscht jetzt in der Waage.
Noch blühen letzte Rosen, oft besonders schön,
da die Sonne sie nicht mehr bleicht. Rosaria ©beast666 2015

Eine gute Gelegenheit Sabbatwein- und Kuchen zuzubereiten.

  • Es gibt jetzt Zwetschgen, Äpfel, Birnen für  Saft, Marmeladen, Kompott. Aus dem reichlich anfallenden Kernobst lassen sich Kuchen und Tartes bereiten, die sich auch gut zum Einfrieren eignen. Der Klassiker: Apfelstrudel.
  • Zwiebelblumen – Lilien, Tulpen etc. müssen jetzt in die Erde.
  • Ende September kann man die mehrjährigen Stauden teilen, Dahlien jetzt ausgraben.
  • Letzter Rasenschnitt und Gehölztrimmung
  • Empfindliche Kübelpflanzen schützen (Vliese auflegen) – bei längerem Kaltwetter einräumen
  • Freilandgemüse (Tomaten, Zucchini, Auberginen) wird abgeerntet – bis auf Kohl, Beeten, Rüben und Endivien
  • erste Kürbisse sind reif
  • Kaltkeinemde Blumen aussäen

 Sabbatwein

  • 1/2 l trockener Rotwein
  • 250 ml naturtrüber Apfelsaft
  • Mark einer Vanilleschote
  • 1/2 Stange Zimt
  • 100 ml Rosenwasser
  • 2 Kardamomschoten gequetscht
  • flüssiger Honig (Akazien, Kastanien oder Lindenblüten)

Am Tag vor dem Erntemond Rotwein mit Saft im Kessel erhitzen (darf nicht kochen!). Vanillemark, Kardamom und Zimt unterrühren.
Abkühlen, durch ein Kaffefilter in eine Weithalskaraffe giessen. Rosenwasser hinzugeben, mit Honig abschmecken.

Sabbatwein – Variante

  • 1l Rotwein
  • 1 TL getrocknete Hagebuttenschalen
  • 1 TL Apfelstückchen
  • 1 Gewürznelke
  • Mark von 2 Vanilleschoten
  • 2 EL Ahornsirup

Alle Zutaten in einem Topf verrühren und kurz aufkochen.
Mind. 15 min ziehen lassen, abfiltrieren, erkalten lassen.

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Gewürznelken: Erwärmende Zutat zum Sabbatwein. Signatur von Mars/Venus.

Moonlight Cookies

  • 250g Dinkelmehl 630
  • 125g feinblättrige Haferflocken (Schmelzflocken)
  • 1oog gemahlene Mandeln
  • 75ml Linden-Honig
  • 150g Butter
  • 1TL geriebene Zitronenschale
  • 2 EL Buttermilch
  • 1 Ei (m)
  • Safranbackpulver
  • je eine Prise Salz, Kardamon, Nelkenpulver, Koriander, Zimt.
  • Backbrett, Wellholz, grössere Auststechförmchen “Mondsichel”

Alle Zutaten werden miteinander zu einem fertigen Teig vermischt, gut geknetet und anschließend 1h in den Kühlschrank. Auswellen und Mondsicheln ausstechen.
Auf Blech mit Backpapier setzen und bei 160°C Heissluft 15-20 min hellgelb backen.

  • Sabbatwein und Cookies eignen sich gut für gemeinsame Feiern an den Eckfesten des Jahres – der Wein und die Kekse enthalten wärmende Gewürze, die den Sommer einfangen.

An Mabon kann man auch etwas davon an die Obstbäume im Garten sprengen – früher gossen Bäuerinnen Milch auf eine Ackerfurche des abgeernteten Feldes, eine Geste der Dankbarkeit- ein Ritual an Lammas oder Mabon. Kekse mit einer Kerze in ein Fenster gestellt ist eine freundliche Geste für die eigenen Vorfahren an Samhain.

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Herbstsonne – noch hat sie Glut – bald wird
sie sich in den Farben des Herbstlaubes verlieren.

 

September credits&refernces:

Month of Virgo, Demeter and Gaia
model: jl-modelstock, faestock
bg: eirian stock, koko stock

full credits: September

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Magischer August: Kornmond

August

Sonnenglanz und Pünktlichkeit, grosser Aufritt und Gesundheitselixir.
August ©scrano 2016, Alle credits beim Original,
model:  jlior staircase:Marcus Ranum.

Der August hat 31 Tage, hiess im römischen Kalender ursprünglich Sextilis und wurde im Jahre 8 v. Chr. nach dem römischen Kaiser Augustus benannt. Als Grund für die Wahl dieses Monats anstelle von Augustus’ Geburtsmonat September wurde angeführt, dass er im Sextilis erstmals Konsul geworden sei und drei Triumphe gefeiert habe. Ein anderer Grund könnte aber gewesen sein, dass der Sextilis direkt auf den nach Caesar benannten Juli folgte. Ausserdem war der neue Monat nach der Verlegung des Jahresbeginns vom März in den Januar nun Nummer Acht. Dies passte zu Augustus eigentlichem Vornamen Octavius (der Achte).

Am 22. August wechselt die Sonne vom Löwen in das sechste Zeichen des Zodiak, die Jungfrau, die auch das sechste Haus regiert. Diese Einteilung spiegelt noch die alte Zählung der Monate nach dem Frühlingspunkt im März.  Nach dem Sonnenglanz und Glamour des Löwen kehrt nun Mässigung und Vernunft ein. Spitzfindig könnte man meinen, nach dem Feiern kommt jetzt der Kater mit der Ernüchterung. Jungfrau herrscht über Vernunft, Gesundheit und den Lebensalltag, Löwe über “das innere Kind”, Lebensfreude, Kreativität, Selbstverwirklichung.

Da jetzt die Hauptmenge des Getreides geerntet wird, hiess der August nördlich der Alpen auch Kornmonat.

Antike Feiertage
- religiöse, staatspolitische, meistens für Cäsar & Co, habe ich weggelassen:

  • 12. August – Herkules – ein echt solarer Heros, seine 12 Arbeiten symbolisieren Zodiak und Lebensreise
  • 13. August – Tag der Diana – später als Marienfeiertag am 15.8.
  • 19. August – Vinalia Rustica zu Ehren von Venus
  • 23. August – Vulcanalia, zu Ehren von Vulcanus – er herrscht über die Jungfrau
  • 25. August – Fest der Ops, Erntesegen
  • 27. August – Volturnalia, zu Ehren von Volturnu

Augustwetter und Lostage:

  • Augustregen wirkt wie Gift, wenn er die reifenden Trauben trifft – bei zuviel platzen sie!
  • Je dicker die Regentropfen im August, je dicker wird auch der Most.
  • Der Tau tut dem August so not, wie jedermann das täglich Brot.
  • Nasser August macht teure Kost.
  • Ist’s in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß.
  • Bringt der August viel Gewitter, wird der Winter kalt und bitter.
  • Was der August nicht vermocht, kein September mehr kocht.
  • Im August ziehen die Gewitter heim.

Der August bringt häufig unstetes Wetter mit extremer Hitze und/oder Unwettern – beides gefürchtet bei den Bauern und Winzern. Allerdings ist jetzt Badespass angesagt: Freibäder und Urlaub am Wasser haben Hochkonjunktur.

1. August:

  • An Petri Kettenfeier von diesem Ort ziehen jetzt die Störche fort.

10. August:

  • Sankt Laurenz mit heißem Hauch, füllt dem Bauern Fass und Schlauch.
  • Ist’s von Petri (1. August) bis Lorenzi heiß, dann bleibt der Winter lange weiß.

13. August:

  • Wie das Wetter an Hippolyt, so es mehrere Tage geschieht.
  • Wie das Wetter zu Kassian, hält es viele Tage lang.

15. August:

  • Um Maria Himmelfahrt, das wisse, gibt es schon die ersten Nüsse.
  • Wer Rüben will recht gut und zart, sä’ sie an Mariä Himmelfahrt.
  • Mariä Himmelfahrt im Sonnenschein, bringt viel und guten Wein.
  • Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so es noch zwei Wochen bleiben mag.
  • Maria Himmelfahrt, ein alter Feiertag der Muttergöttin als Mondin – daher werden jetzt Heilkräuter gesammelt und geweiht

20. August:

  • Wie der Sankt Bernhard ist, man auch den September misst.

24. August:

  • Wie Bartholomäus sich hält, so ist der ganze Herbst bestellt.
  • Sind Lorenz (10. August) und Bartel schön, bleiben die Kräuter noch lange stehn.
  • Bartholomä voll Sonnenglut macht Wein und Reben stark und gut.

28. August:

  • Um Augustin ziehn die Gewitter hin.
  • Um die Zeit von Augustin gehn die warmen Tage hin.

30. August:

  • Bischof Felix zeigt an, was wir 40 Tag’ für Wetter han.

31. August:

  • Sankt Raimund treibt die Wetter (Gewitter) aus.
Blutpflaumen sind nicht nur eine optische Zierde - ihre Früchte sind essbar.

Blutpflaumen sind nicht nur eine optische Zierde – ihre Früchte sind essbar.
©beast666

Magischer August – Korrespondenzen

  • Pflanzen:  Dachwurz mit der Haupt-Signatur von Sonne/Uranus. Fingerhut (Venus/Pluto, Jupiter/Merkur), Lilien (Merkur/Jupiter, Venus/Mars). Sonnenblumen und gelbblühende Korbblütler (Sonne/Uranus), Ringelblumen, Sonnenhut. Pflanzen mit fetten Ölen oder Harz (Olive, Lorbeer, Weihrauchstrauch) – Sonne. Merkur in der Jungfrau prägt alle Getreide und den Hopfen. Minzen, Salbei, Disteln, auch die Artischocke.
  • Baum: Eberesche, Merkur, Jupiter – aus den Beeren lassen leckere Marmeladen herstellen. Holunder, auch hier reifen jetzt die Früchte.
  • Duft:  Olibanum (Weihrauch), Zedernholz, Lorbeer (Sonne), Lavendel, Minze, Salvia, Heliotrop.
  • Gottheiten: Helios, Lugh, Grannus, Hephaistos, Ops, Demeter, Diana, Merkur, Thot,
  • Zodiak:  Löwe mit Sonne, Jungfrau mit Merkur
  • Steine: Rubin, Diamant, Karneol (Löwe), Peridot, grüner Turmalin (Jungfrau)
  • Metall:  Gold – Sonne, Quecksilber – Merkur
  • Kristalle:  Feueropal, Goldfluss, Bernstein, Pyrit, Goldtopas (Sonne), Peridot, Olivin, Achat, Katzenauge, Jaspis (Merkur)
  • Farben:  golden, orangegelb (Löwe), ockergelb, lavendelblau (Jungfrau)
  • Elementale:  Salamander (Feuer), Gnome (Erde)
  • Tiere:  Gottesanbeterin und andere Heuschrecken/Grillen, Falke & Schlange (Tiere des Apollon). Die Schlange ist ein Symbol der chtonischen Urmutter und gehörte, nachdem Apollon das Heiligtum von Delphi, das der Erd-Python geweiht war, für sich eroberte, auch zu seinen heiligen Tieren. Schlangen zieren auch den Caducceus bzw. Äskulapstab. Daher gehören sie, wie der eigentlich solare Hahn auch zum Merkur.
  • Mythologische Tiere: Sphinx (Jungfrau), Löwe

August-Rituale – ausser Grillen!

  • Im August ist auch wieder Sternschnuppen-Zeit, die Perseiden schauen vorbei: Starke Sternschnuppenaktivität mit einem Maximum
  • Ende Juli/Anfang August – eigentlich durchquert die Erde einen Partikelschwarm auf ihrer Bahn um die Sonne. Gelegenheit zum Staunen und Feiern mit Familie und Freunden. Und natürlich zum Wünschen !!

Lammas, Breadmass oder Lughnasa – das erste Erntefest des Jahres steht an.

  • Nach irischer Überlieferung ist jetzt die Zeit, wo die Kraft der Sonne voll in das Getreide übergegangen ist – der Sonnengott stirbt einen symbolischen Tod, wenn die Ernte eingebracht wird. Im Verlauf der Jahreszyklus hat die solare Gottheit in ihrer Manifestation als Vegetation sich selbst aufgeopfert, um im kommenden Frühling wieder zu erstehen, damit wir Menschen und anderen Geschöpfe dieser Erde leben können. Diese Art Erlösergeschichte ist ein uraltes Menschheiterbe, das es so in vielen Religionen gibt, in direktem Bezug zur Landwirtschaft oder auch losgelöst und mehr transzendent. Auch die griechischen Mysterien von Eleusis und der Osiris-Mythos sind letztlich auf diesen Ursprung zurückzuführen.
  • Jetzt wird das kostbare Saatgetreide gewonnen und das erste Brot aus dem neuen Korn gebacken. Auch eine christliche Version der “Brotmesse” gibt es – Laibe werden auf den Altar gelegt und geweiht. Rituale, um wieder in den natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten zu kommen – weg vom seltsam zeitlosen Angebot der Supermärkte.
  • Für Mutter Erde kann man Corn Dollies aus Stroh flechten und das Heim damit schmücken – ein selbstgebackenes Brot – ohne Fertigmischung, versteht sich – bereichert den Frühstückstisch. Sonnenblumensträusse verabschieden die heisse Zeit des Sommers.
  • Augusträucherung:
    • Kamille, Johanniskraut, Lorbeer, Engelwurz, Fenchel, Weinraute, Orangenschale, Weihrauch, Heliotrop
  • Einen Kräuterbuschen binden – der Diana oder Maria weihen:
  • Für die Mondin nimmt man 13 Kräuter, oder 7 für die Sonne, bzw. die Planetensignaturen. Nach christlicher Überlieferung 7 oder 9 Pflanzen.  Je nach Region ist die Auswahl unterschiedlich – Königskerze gehört aber unbedingt dazu, Arnika, Angelica, Pfefferminze, Wermut, Beifuss, Liebstock, Johanniskraut , Schafgarbe – die Kräuter sollten gut zu trocknen sein. Dazu noch eine Kornähre und Hagebutten – egal ob Maria oder “Grosse Mutter”, diese Zutaten erinnern uns an die Gaben für die wir dankbar sein sollten. Den fertigen Buschen segnet oder weiht man und stellt oder hängt ihn in eine besondere Ecke des Heims.
  • In Bayern ist der 15.8. ein Feiertag – und bietet Gelegenheit zu einer Wallfahrt zu einer der vielen Marienheiligtümer. Da kann man seinen Kräuterbuschen gleich von der “Grossen Mutter und Himmelskönigin” segnen lassen. Eine meditative oder kontemplative Übung und spirituelle Rückverbindung mit der Natur bietet eine Fusswanderung zu einem Ort besonderer mystischer Ausstrahlung jedenfalls an diesem Datum. Viele Marienheiligtümer stehen ohnehin an alten Kultplätzen der “Grossen Göttin”.
  • Es gibt erste Zwetschgen, Ebereschenbeeren und Hagebutten – auch die Blutpflaume liefert essbare Früchte für Gelees, Marmeladen, Kompott. Frühe Apfelsorten, wie Klarapfel (Kornapfel) kann man auch schon zu Kuchen und Apfelmus verarbeiten. Brombeeren haben Hochsaison – wie wäre es mit Brombeerlikör?

Brombeerlikör:

  • 200g reife Brombeeren
  • 100g brauner Krümel-Kandis
  • 1 Stück Vanilleschote
  • 1 Weithalsflasche 1Liter
  • weisser Bacardi

Brombeeren waschen, sehr gut abtropfen. In die Flasche füllen, Kandis dazugeben und mit Rum auffüllen.

  • Mindestens 12 Wochen stehenlassen, über Kaffeefilter abziehen. In einer dekorativen Flasche in gerngesehenes Mitbringsel.
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Ebereschenfrüchte locken mit ihrer orange-roten Farbe.

Die heilige Eberesche ist der Baum des Monats, sie steht unter der Signatur von Mars/Venus und Jupiter/Merkur. Bei den Germanen war sie dem Thor (Mars) und dem Odin (Merkur/Jupiter) geweiht. Der Baum wächst eher hoch und schlank, aber in Blüte und Blattform ähnelt er erstaunlich dem Holunder. Wie dieser gilt auch die Eberesche als Zauberbaum und wird zu schutzmagischen Ritualen verwendet, besonders im angelsächsischen Raum – Rowan, wie die Eberesche auf englisch heisst, solle in keinem Garten fehlen.

Man kann neben den vielerlei Gelee- Chutney, Mamelade, Kompott-Rezepten auch einen teueren Edelbrand aus den roten Beeren gewinnen. NEIN, Vogelbeeren, oder Ebereschfrüchte sind nicht giftig - noch nicht einmal wie rohe Holunderbeeren. Sie enthalten allerdings eine magenreizende Substanz, die mit dem Zuckeraustauschstoff Sorbitol verwandt ist. Wie die Oxalsäure beim Rhabarber oder Spinat zerfällt diese aber beim Kochen. Es gibt sogar Kulturformen der Eberesche, bei denen der Reizstoff weggezüchtet wurde. Die Giftigkeit wurde von frühen christlichen Missionaren in die Welt gesetzt, welche die mit dem Baum verbundenen heidnischen Bräuche unterbinden wollten. Schlecht für die Bevölkerung, da Ebereschenbeeren sehr viel Vitamin C enthalten, und als Skorbutverhinderer während er langen Winter wichtig waren.

Eberesch-Konfitüre:

  • 200 g Hagebutten
  • 200 g Holunderbeeren
  • 600 g Ebereschfrüchte
  • 1 Vanilleschote
  • 1 kg Gelierzucker 1:1

Früchte waschen, abtropfen, in einem Topf geben. Aufkochen, mit Mixstab pürieren und durch eine flotte Lotte passieren – in einen grossen Topf. Gelierzucker und zerschnipselte Vanille-Schote zum Mus geben und aufkochen – 3 min. köcheln, dabei abschäumen. In twist-off Gläser füllen, auf den Kopf stellen.

  • Nach diesem Rezept lässt sich auch Holunder-Blutpflaumenmarmelade herstellen:
  • 500g Holunderbeeren und 500g Blutpflaumen (lassen sich leider schlecht entsteinen). Bei eher süssen Pfläumchen etwas Zitronensaft zugeben.
Eberesche mit Blüte und Fruchtstand. quelle:wiki.

Eberesche mit Blüte und Fruchtstand.
quelle:wiki.

Für Erdbeerliebhaber mit eigenem Beet: Jetzt Kindel für die Verjüngung gewinnen! Nach unserer Erfahrung entwickeln sich selbstgeschnittene Ableger besser als gekaufte Pflanzen, vor allem wenn man schon starke Mutterpflanzen hat. Die eigenen Jungpflänzchen sind nämlich schon an den Standort gewöhnt und wachsen viel besser. Manche Sorten fruchten jetzt noch einmal, wie unser Liebling die Aroma-Erdbeere “Korona”.Alle anderen müssen jetzt auch von den Ausläufern befreit werden, sonst tragen sie im nächsten Jahr nicht ordentlich. In dieser raumgreifeneden, rankenden Eigenart zeigt die Erbeere ihre Nebensignatur Merkur/Jupiter – ein Hinweis sind bereits die dreilappigen Blätter. Daher gilt die Erdbeere (Tee aus den Blättern) als Lebermittel. Als Rosengewächs untersteht sie hauptsächlich Venus/Mars.Manche Sorten, wie Korona fruchten bei guter Pflege und ausreichend Sonne Ende August/Anfang September ein zweites Mal.

 

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21.6. – 24.6: Sommersonnenwende und Johannistag

Sulis: Leuchtende Sonne zum Höhepunkt des Jahres.

Leuchtende Sonne zum Höhepunkt des Jahres.
Sulis ©scrano 2014

Sommersonnenwende – Alban Heruin (keltisch) – Johannis – Mittsommer

Am 21. Juni wird Sommersonnwende gefeiert. Die Kelten nannten es Alban Heruin, dieses keltische Wort (gesprochen: Alwan Eru-in) bedeutet übersetzt “Licht der Küste”, denn bei den Kelten ging es bei diesem Fest um den Kreislauf des Wassers, das um die Küsten herumfließt, die Abgrenzung zwischen Wasser und Erde. Bei den Germanen war es das Mittsommerfest. Die katholische Kirche machte daraus das Fest zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers.

Die Sonne als alles dominierender Himmelskörper wurde von den Menschen sehr wahrscheinlich sehr früh beobachtet, weswegen man in den Sonnenwenden die ältesten Feste der Menschheit vermutet. Die erste überlieferte menschliche Aufzeichnung überhaupt befaßt sich mit dem Sonnenzyklus. Es handelt sich um ein geschnitztes Stück Hirschgeweih aus Le Placard bei Charente (bekannter Landstrich mit paläolithischer Höhlenmalerei in Frankreich). Es ist ca. 20.000 Jahre alt und trägt Ritzmarkierungen, die mit dem Jahreszyklus der Sonne in Verbindung gebracht werden.

Europas bekannteste megalithische Stätte der Sommersonnenwende ist natürlich Stonehenge. Hier wurde die Wintersonnenwende zelebriert, wahrscheinlich mit einem Ahnenkult verbunden. Auch die Synchronisation von Mond-und Sonnenkalender kann man an dem berühmten Bauwerk ablesen. Heute feiern moderne Druiden dort ihr Sonnwendfest – die einzige Gruppe, die das darf!

Eine Sonnenwende oder Sonnwende (lateinisch solstitium, griechisch ἡλιοστάσιον hēliostásion “Stillstand der Sonne”) findet zweimal im Jahr statt. Zur Wintersonnenwende – auf der Nordhalbkugel der Erde am 21. oder 22. Dezember – erreicht die Sonne die geringste Mittagshöhe über dem Horizont, während der Sommersonnenwende am 20., 21. oder 22. Juni (an Orten nördlich des nördlichen Wendekreises) ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont. Auf der Südhalbkugel sind die Verhältnisse umgekehrt, während des dortigen Winters ist auf der Nordhalbkugel Sommer. Bei einer Sonnenwende erreicht die Sonne im Lauf eines Sonnenjahres den größten nördlichen oder südlichen Abstand vom Himmelsäquator. In diesem Augenblick kehrt die Sonne ihre durch die Schiefe der Ekliptik bewirkte Deklinationsbewegung um und nähert sich wieder dem Himmelsäquator. Diese maximale Deklination erreicht sie jedes Jahr zweimal: Einmal nördlich und einmal südlich des Himmelsäquators.  Je nach betrachteter Erdhalbkugel spricht man dabei jeweils von der Sommer- oder Wintersonnenwende. Die astronomische Sommersonnenwende findet in Mitteleuropa meist am 21. Juni statt, doch nach dem Julianischen Kalender war es der 24. Juni, also das Fest der Geburt des hl. Johannes. Nun wurde die altertümliche Tradition des Sonnwend-Feuers mit der kirchlichen Feier verknüpft  – so entstand dann der Brauch des “Johannisfeuers“

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Tageslängen auf der Erde am 21. Juni.

Das Feuer ist eine natürliche Lichtquelle neben Sonne, Mond und Sternen. Es steht auch in Verbindung mit Reinigungsvorgängen, einer Läuterung vom Unedlen.  Mit der Hitze des Feuers wurde beispielsweise das Silber von Verunreinigungen befreit: Schon bei den Alchemisten galt daher “Feuer” als Bildwort für eine Läuterung , auch eine geistliche. Das wurde vom Christentum übernommen:  z.B. im “Fegfeuer”. Auch das Autodafe, die Verbrennung von Ketzern und Hexen ist neben der abschreckenden Wirkung auch als Reinigung des Sünders und der Gemeinde vom Bösen zu sehen. Die Kirche drückte  nach einem zeitweiligen Verbot der alten naturreligiösender Sonnenwendfeier einen christlichen Stempel auf.  Ab dem 12./13. Jahrhundert wurde das Fest Johannes des Täufers auf die Sommersonnenwende gelegt und diese in das Johannisfest umbenannt.  Der mit der Sommersonnenwende verbundene heidnische Brauch des Sommerfeuers wurde zum Johannisfeuer.
Die Sommersonnwende ist eines der vier Sonnenfesten im achtspeichigen Jahresrad.  Ihr Gegenstück ist die Wintersonnwende. Daneben gibt es noch die Frühjahrstagundnachtgleiche und die Herbsttagundnachtgleiche. Die anderen vier sind Mondfeste: 3 Vollmond- und ein Neumondsfest (Samhain). Der Johannistag wird auch heute noch als ein Fest des Sommerhöhepunktes gefeiert. Die Johannisnacht am 24. Juni gilt als die kürzeste Nacht des Jahres, in der allerlei magische Dinge passieren können. Viele Märchen handeln auch von Naturwundern, vor allem im Zusammenhang mit Pflanzen, die in dieser Zeit auftreten: Zum Beispiel die Sage von den Beifusskohlen, oder der Farnblüte. Die Sonnwende galt als weitere Nahtstelle zwischen den Welten, in der sowohl die Götter als auch die Naturgeister den Menschen nahetreten konnten. Man konnte die Götter mittanzen sehen, verlor seinen alltäglichen Verstand und wurde “ver-rückt”.
Von solchen “Johanniswundern” sprachen auch noch die Bauern im Mittelalter. Daher hat die Kirche den ursprünglich heidnischen Überlieferungen bezüglich Fauna und Flora durch Umbenennungen von Pflanzen der Sonnwendsbräuche den Namen von  Johannes dem Täufer aufgeprägt

Wenn Johannis ist geboren,
gehen die langen Tage verloren.

Wenn die Johanniswürmer glänzen,
darfst du bereiten die Sensen.

Wenn kalt und nass Johannis war,
verdirbt er meist das ganze Jahr.

Der Johannistag als Lostag in der bäuerlichen Welt:

Johanni ist als Lostag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und Wetter von zentraler Bedeutung. Die Sommersonnenwende leitet meist mit dem Ende der Schafskälte die Erntesaison ein. Zeigerpflanzen und Tiere der Phänologie sind daher traditionell nach diesem Tag benannt:

  • Die Schwärme der Johanniskäfer (Glühwürmchen) entfalten ihre Leuchtkraft in der Zeit rund um die Johannisnacht besonders intensiv.
  • Zeigerpflanzen: Johannisbeeren werden reif, Johanniskraut beginnt zu blühen.
  • Wegen der vermehrten Produktion von Oxalsäure sollte man nach Johanni keinen Rhabarber mehr ernten.
  • Volkstümlich wird der Johannistag in Deutschland auch „Sommerweihnachten“ oder „Spargelsilvester“ genannt: Der Johannistag markiert auch das Ende der Spargelzeit. So haben die Pflanzen genügend Zeit, Kraft fürs nächste Jahr zu sammeln.
  • Der 24. Juni spielt bei den Freimaurern eine wichtige Rolle. Für sie endet und beginnt an diesem Tag der Lauf des Jahres

Für alle Kräutersammler ist die Johanniszeit der Höhepunkt im Heilpflanzenkalender. Die Sonnenenergie wirkt nun besonders deutlich in ihnen, und in ihren Inhaltsstoffen können wir etwas von Wärme und Licht der sonnendurchfluteten Sommerzeit in den kalten, dunklen Winter hinüberretten.  Zu den Pflanzen gehört an erster Stelle das  Johanniskraut, der eingefangene Sonnenschein, das vor allem antidepressiv wirkt und entzündungshemmend. Desweiteren Arnika, Christophskraut, Beifuß, Holunderblüten, Schafgarbe, Odermennig, Blutwurz, Ringelblume, Königskerze. Zum Volksbrauchtum dieses Festes gehören auch Kräuterkränze, mit denen Wegkreuze und Heiligenbilder geschmückt wurden. In meiner Heimat in Ostbayern wurden eigene Sonnwendbuschen aus verschiedenen Kräutern (sieben oder zwölf) hergestellt. Mädchen bekamen Blumenkränzchen aus Margeriten. Die Frauen haben für uns Kinder  “Holunderküchlein”  (die Blütendolde des Holunders in Bier-Pfannkuchenteig) ausgebacken. Deshalb heißt der Johannistag auch oft “Holdertag”. Der Holunder gilt auch als aphrodisierend:

Zu Johanni, da blüht der Holler, da wird die Liebe noch toller !

Dank- und Freudenfest

Bei den Kelten wurde die Sommersonnwende zwölf Tage lang gefeiert. Das erinnert an die Raunächte zu Weihnachten, der Wintersonnwende. Alban Heruin ist das keltische Eichenfest, das den Vorabend des längsten Tages markiert. Die Sommersonnenwende (kelt.: Heulsaf Yr Haf) markiert den höchsten Stand der Sonne im Jahreskreis und leitet so den Sommer ein. Auch die Eiche, als höchstes druidisches Symbol ist auf dem Gipfel ihrer Energie. Die zu Alban Heruin verehrten keltischen Götter sind Bel, der  Sonnengott, sowie Danu, die keltische Mutter des Landes, die Reichtum und Überfluß verkörpert. Die zu Beltane geknüpften “zarten Bande” werden nun in Hochzeiten “gefestigt”.

Auch bei den ehemals germanischen Völkern Mitteleuropas und Skandinaviens ist das Mittsommerfest heute noch ein Fest der Freude und des Dankes. Und auch das Mittsommerfeuer stellt ein Dankes- und Freudenfeuer dar. Wie beim keltischen Beltane oder zu Walpurgis findet man ein Brauchtum mit Tanzriten und Feuersprüngen. Es wurden Teiche und Brunnen geschmückt, zu Ehren der Götter des Wassers und der Weisheit. Die Germanen feierten zu Midsommer ebenfalls die Muttergottheiten, so auch Balders Mutter Frigg. Das Thing (Parlament) wurde einberufen  und es wurde Gericht gehalten.

An Alban Heruin, liegt bereits der Zeitpunkt im Jahreskreis, wo der Sonnengott des Frühlings, oder auch sein Stellvertreter, bei den Kelten z.B. der sogenannte “Eichenkönig”, einen rituellen blutigen Tod erleidet. Hier stirbt jedoch nicht die Sonne an sich, sondern der milde Schein der Frühlingssonne, wie etwa durch Baldur oder Belenos verkörpert, weicht der harschen Glut des Sommers, verkörpert durch Lugh oder Loki. Deren Zeit bringt dann den Erntesegen.
Das Opfer des Eichenkönigs vollzieht sich oft als (symbolische) Enthauptung. Auch der berüchtigte Kopfkult der Kelten geht auf eine solche Legende zurück: “Bran der Gesegnete“.
Im Orient gibt es im Zusammenhang mit dem Kult der “Magna Mater” ebenfalls solche Beispiele: Ichtys, Attis, Tamuzi oder Dumuzi, Nimrod, Enkidu. Dann gab es noch den babylonischen Kulturbringer namens “OANNES”. Klingt ja tatsächlich ähnlich wie “JOHANNES”.  Auch er war ein solares Wesen (eine Form des Sonnengottes Dagon), wie die Sonne tauchte er aus dem Ozean auf um am Abend dort wieder zu versinken. Oannes wird auch “Fischgott” genannt, er hatte ein Menschenhaupt auf einem Fischleib. Diese Parallele: Wasserelement und Sonne finden wir auch beim Täufer. Jesus, dessen Ankunft er predigte war ebenfalls sowohl “Geopferter Sohn” als auch solarer Heros, dessen Symbol wiederum der Fisch war; auch wurde er als Menschenfischer bezeichnet, seine Anhänger als Nasrani, kleine Fische. Und  Johannes der Täufer, wurde ja letztendlich ebenfalls enthauptet, wie seine vielen mythologischen Vorgänger. Salome, Tochter des Herodes verlangte nach einem überaus erotisch-ekstatischen Tanz (der sieben Schleier – eine solare Zahl!)  als Belohnung den Kopf des Johannes auf einem goldenen Tablett – beides Sonnensymbole.

Oannes - Weiser aus zwei Welten.

Oannes – Weiser aus zwei Welten.

Die Sonne als weibliche Göttin

Nach all dem männlichen Glanz und Gloria, auch bei den lichtkult-begeisterten Männerbünden:  Nicht immer war die Sonne männlich! Bei den nördlichen Völkern, Kelten, Germanen, Slawen  und interessanterweise den Japanern auf der anderen Seite des Globus ist sie eine Frau.  Sul(is), Sol (Sunna), Saule und Amaterasu.  In diesen kalten Weltgegenden, die Japaner stammen usrprünglich aus der Himalaya-Region, tritt die lebensspendende Wärme wohl als mütterlich assozierte Kraft in den Vordergrund.  Bei der heilspendenden Sulis aus dem englischen Bath ist auch, typisch keltisch, ein Kopfkult bekannt. Die goldene Sonnenscheibe als Himmelshaupt. Sul ist auch noch in “IRMINSUL” enthalten, der germanischen Weltensäule, einer Form des Lebensbaums. Die Sonne wurde als ein auf dieser Himmelsachse ruhendes Haupt gesehen.
Eine Sonnengöttin wurde verehrt vor allen in matriarchalen Kulturen, wo die Frau noch ihren Platz als geachtete Heilerin, Kriegerin, Seherin und Schamanin hatte. Gruppen von Frauen und Mädchen tanzten an diesem Fest auf den höchsten Bergen und hatten dort natürlich auch ihre Freudenfeuer. Wie der Beiname Hekatos für den griechischen Sonnen-und Lichtgott Apollon belegt, war auch Hekate ursprünglich nicht nur für die Nacht zuständig, ein paar Aspekte der allumspannenden Weltgöttin sind selbst hier noch zu finden.
Die ebenfalls zur indo-europäischen Ur-Familie zählenden Inder hatten zuerst eine weibliche Sonnengöttin namens SURYA, die später zum männlichen Sonnengott SURYA wurde, wie das oft der Fall war im Zuge der Patriarchalisierung.

Feuer und Wasser, Tag und Nacht: Johannisfeuer an der Grenze zwischen den Welten.

Feuer und Wasser, Tag und Nacht: Johannisfeuer an der Grenze zwischen den Welten.

Das Litha-Fest im Neuheidentum

Hier wird die Sommersonnwende in keltischer Tradition oft Eichenfest genannt, aber auch die Bezeichnung Blumenfest findet man. Der Name Litha geht auf die gleichnamige keltische Mondgöttin zurück, die für Überfluß und Fruchtbarkeit, Macht und Ordnung steht. An diesem längsten Tag im Jahr gibt es Licht und Leben im Überfluß. Zum einen ist es ein Feiertag der die volle Kraft des Lebens darstellt, auf der anderen Seite ist es auch der Zeitpunkt,  nach dem die Tageslänge wieder schwindet. Man feiert im Bewußtsein, daß alles im Leben seine Zeit hat, und Höhepunkte unweigerlich überschritten werden. Das Alte muss dem Neuen weichen. Man erfreut sich an der vollen Kraft des Lebens, aber gedenkt auch der Sterblichkeit seiner Existenz.

Natur:
Die Tage werden jetzt zwar wieder kürzer, aber der Hochsommer beginnt gerade erst, ebenso die Reife- und Erntezeit. Die Hitze der Hundstage (nach dem Sternbild “Grosser Hund”  mit seinem Hauptstern Sirius benannt) steht uns noch bevor,  Walnüsse wachsen unter dem nun dunkelgrünen Blätterdach, die Beeren der Eberesche beginnen sich röten. Die Kinder freuen sich über die Kirschenzeit, auch Himbeer- und Heidelbeersträucher tragen jetzt überreich, laden zur Ernte ein. Es ist Mittsommer, und noch einmal wallt die Lebenskraft jubilierend auf.

Jahreskreis
Zur Sommersonnenwende an Litha hat die Sonne mit dem längsten Tag und der kürzesten Nacht den Höhepunkt ihrer Bahn im Wendekreis des Krebses erreicht. Die Sonne ist als gehörnter Vegetationsgott auf dem Höhepunkt seiner Kraft. Aber er weiß auch, daß seine Kraft von nun an langsam schwinden wird. So lässt er all seine gespeicherte Lebensenergie in der Erde aufgehen, was den Erntezyklus für Mensch und Tier einläutet. Was an Strahlkraft schwindet, wird durch Wärme mehr als wettgemacht, was man merkt, wenn man im Juli oder August die nun dichten Blattdächer der Bäume auf der Suche nach Schatten aufsucht.  Die Erd-Mutter empfängt diese Kraft, die der Sonnengott ihr opfert, um damit die Frucht, die sie im Leibe trägt zu nähren: Die nächste Inkarnation ihres nun sterbenden Gemahls und mit ihm zusammen die Früchte des Bodens, Nahrung für Mensch und Tier.  Auch diese tragen in ihren Samen die nächste Generation der Pflanzenwelt. Die Göttin ist immer noch die fruchtbare, jetzt schwangere “Grosse Mutter”  in der Lebensfarbe Rot. Der solare Aspekt des Gottes wird mit der Bitte angerufen, besonders große Fruchtbarkeit über das Land zu bringen. Zum Ausgleich zur sommerlichen Hitzeglut wird innerhalb des Litha-Festes die Göttin in ihrem mondhaften Aspekt des Wassers angerufen. Ohne das ebenfalls lebensspendende Nass würde die Natur trotz der solaren Lebensenergie kein Wachstum hervorbringen. Die Erde bliebe unfruchtbar.

Volks-Brauchtum:
Vor allem in Bayern und im Alpenraum ist die Tradition des Sonnwendfeuers noch sehr lebendig. Das Feuer symbolisiert die Macht der Sonne. Man verbrennt alle schlechten Gedanken und Erfahrungen am Feuer und stärkt sich an ihm.  Die Mächte der Finsternis und des unweigerlich kommenden Winter sollen von den Flammen noch zurückgehalten werden. Die beissenden Rauchschwaden sollen sich nähernde Unholde verscheuchen. In Tirol und in der Steiermark legte man aus diesem Grund großen Wert auf eine kräftige Rauchentwicklung der Feuer, denn das “Sonnwendra(u)chen” sollte traditionsgemäß die Luft von bösen Gewalten reinigen und gutes Wetter für eine reiche Ernte erwirken.

Christliches Keltenkreuz : Jesus als solarer Heros.

Christliches Keltenkreuz : Jesus als solarer Heros.

Entsprechend glaubte man auch, daß die Felder, über welche die Rauchschwaden hinwegstrichen, besonders ertragreich ausfielen. Im Norden waren die Feuer dem Gott Balder geweiht. So kennt man in Schweden,  noch heute den Ausdruck “Baldur’s Balars” für “Scheiterhaufen” und glaubte, daß man mit Hilfe der Flammen die Macht der Trolle und anderer böser Geister, die ihr Unwesen in der Dunkelheit trieben, zunichte machen konnte.

Das Feuerspringen war und ist zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten, soll verjüngende Wirkung besitzen und Liebesverbindungen festigen – förmlich “zusammenschweissen” wollte sich das Paar, das wie Siegfried und Brunhild durch die Flammen sprang. Auch sakrale oder für Rituale verwendete Gegenstände, die man ansonsten ungern alltäglichen Feuern übergab, zum Beispiel Totenbretter oder Fronleichnamskränze, wirft man ins Sonnwendfeuer. Brennende Stohräder, die schon aus dem Raunachtstreiben und Festen zu Imbolc bekannt sind, werden Berghänge hinuntergerollt. Die Verwendung glühender oder brennender Scheiben als Sonnensymbol in verschiedenen ritualartigen Spielen zur Sommersonnenwende ist auch aus England bekannt. Das drehende vierspeichige Rad versinnbildlicht den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

In den keltischen Hochkreuzen wurde es auch ins Christentum übernommen.

Und last but not least: Die Sonne wechselt jetzt in das Zeichen Krebs. Hier herrscht allerdings die Mondin, so dass sich auch hier wieder Sonne und Mond, Feuer und Wasser vereinen. Hieraus lässt sich  eine magische Übung zur Sonnenwende ableiten: Mitten im Jahr das innere Zentrum wiederzufinden, Intergration und Harmonie zu erlangen. Ein Räucherrezept findet ihr hier.

 Johannisfeuer sei unverwehrt,
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
Und Jungen immer geboren.

Goethe
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Keltenkreuz als Fraktalbild
Formori ©scrano 2013

 

Posted by on Juni 22nd, 2016 Kommentare deaktiviert